Sir. L87.
Marburg, Donnerstag, 12. August 1875.
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CObrrlidlifdir Jrilung
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mit Recht sein. Aber, paß nur auf, Pater, er ist nicht
kommen nach halte Spanien früher unter der Bezeichnung „Santa Cruzata" alle Jahr eine Rente von 100,000 FrS. nach Rem gezahlt, seit geraumer Zeit aber diese Geldsendung wegen zu großer finanzieller Beschränktheit nicht mehr ausführen können, die sich daher unter der Regierung dl-r Königin Isabella ziemlich ausgehäust hat. Gegenwärtig läßt König Alfons nicht nur die letzte Jahresrente, sondern olle aufgesummten Rückstände auszahlen und soll dagea'en von der päpstlichen Erkenntlichkeit für so große Geldopfer das Versprechen erhalten haben, zu Gunsten Alfons XII. bei den widerspenstigen Bischöfen zu wirken; dies mag ganz wahr sein, möchte aber wohl wmig Erfolg haben, da mit Ausnahme des Papstes der ganze Vatikan car- listisch ist.
„Ach wer so klettern uno laufen könnteI* dachte Alex der als Mentor der jüngeren Schwestern, im Gefühl seiner verantwortliche« Stellung, diesen nachhumpelte, welche es nicht länger litt in den abgezirkelren Räumen de- Garten«. In lustigen Sprüngen, selber wie muntere Vögel, eilten sie nach der Wiese jenseits, wo duftende Heu- schober gethürmt standen, spielten Versteck und jagten sich m-t Hellem Gelächter, herum, daß die erhitzten G sichte
Zwei Familien.
Erzählung von Ernst Streben.
(Fortsetzung.)
Lage-bericht
' Die Vorarbeiten zum R ichSetat nehmen bereits die Thätigkeit des Reichskanzleramt's bedeutend in Anspruch. ES scheint, als wenn daS Marinebudget nur geringe Veränderungen erfahren solle, dagegen soll, wie man hört, der Militäretat bedeutende Mehrfordcrungen erheische«, über deren Höhe jedoch alles bisher Angegebene auf reinen Conjecturen beruht (man hat sogar schon die Summe von 30,000,000 M. genannt), da die Verhängungen zwischen dem Reichskanzleramt und dem Kriegsmiitiflcr über diesen Gegenstand noch kcin-swcgS beendet sind. Eine Mchr- forderüng, welcher Summe mag vorläufig unbestimmt bleiben, ist aber jedenfalls nöthig, da dir Einführung der neuen Geschütze und sonstige Verbesserungen nicht kostenlos bewerkstelligt werden kann.
Verschiedene Blätter sprechm von einem Gesetzentwürfe btt in der nächsten Session des Landtages zur Vorlage kommen sollte und die Gründung neuer Ansiedelungen zum Gegenstände hätte, um dadurch die zur Auswanderung geneigten Arbeiter an den heimathlichrn Boden zu fesieln und sie diesem zu erhalten. Dies mag wohl nur ein an> derer Ausdruck eine andere Form für den Plan einer von allen Fachmännern, allen Staatsökonomen gewünschten und herbeigerufenen Parccllirnng der Domainalgrundstücke sein, die, wo sie bis jetzt in Einzelfällen unternommen worden, so glückliche Erfolge gehabt, daß man sich von einer Ge- sammtmaßregel nach dieser Richtung hin nicht nur versprechen dürfte, den ländlichen Arbeiter immer fester an den heimischen Boden zu schließen, sondern auch den in manchen Gegenden fast verschwundenen selbstständigen Bauernstand wieder ins Leben zu rufen.
Man erinnert sich, daß vor einiger Zeit die Ausweisung der ausländischen Lehrer und Schüler aus der land chirthfchaftlichen Lehranstalt in Zabikowo bei Posen a»ge- ordnct, dann aber vor einigen Woche« sistirt worden war. Sie ist nün gegenwärtig vom Minister der landwirlhfchast- lichen Angelegenheiten bestätigt worden; nur zwei Lehrern der Anstalt, österreichische Staatsunterthanen, ist der fernere Aufenthalt an derselben gestattet worden.
Freitag, den 20. d. MtS., wird im 8. hannoverschen , Wahlkeise die engere Wahl zwischen den Herren Oldekop (national'-liberal) und Bruel (Particnlarist) stattfinden. I Bekanntlich hatte keiner von beiden bisher die absolute Majorität. Die Socialdcmokraten, sicher natürlich, ihren Seindidntrn nicht durckbringen zu können, wollen daher ihre Stimmen auf.Herrn Oldekop übertragen.
Wenn in Spanien die Finanznoth auch oft sehr groß ift, wenn auch Civilbeamic oft nicht ihr Gehalte bekommen und ' gar viele staatliche Verpflichtungen überhaupt nicht I gehalten werden können, so findet sich dort am Ende immer j «doch Geld für den Vatikan. Irgend einem veralteten Ab- ,
Hauses ihnen zugesellten. Die beiden Frauen, nachdem der erwähnte prächtige Säugling feinen Zoll gebührender Bewunderung eingeerntrt und vor allen. Kindern in der Welt kräftig und wohlgestaltet befunden worden, nähme« mit ihrer Handarbeit den Sitz in der kühlen, großen JaS- mi-llande ein, während der Alte mit tiefsinniger Mieue: dem Schwiegersöhne bei einigen leichteren Beschäftigiingm im Garten zusah und sich zuletzt kerzengerade vor einen Birnbaum hinpflanzte, welchen er, die Hände in den Taschen, so ernsthaft und nachdenklich anschaute,. als hätte «r sein Lebenlang noch keinen ähnlichen Baum gesehen. Die fröhlichen Stimmen der Kinder schallten herüber von her Hecke, wo sie eine spärliche Nachlese von Stachel- und Johannisbeeren hielten. Sie ließen sich die. vom Laub verhüllt.'« Vogelnester von fern zeigen, freuten sich üher die emsigen Buchfinken und die drolligen, kleine.Meisens die so behend durch die Hecke schlüpften und, auf.oep Baumstämmen hin und wieder liefen. Dann verfolgten, sie die blitzgcschwinden Wasserjungfern, welche vom «ahM Graben herangkflogen kamen und in dem Strahle b« schon tief hinaüg-sunkeneu Sonne spielten und schimmerten Es war eine rechte Luft, und der flink. Gottlob Wendel- war in einen Birnbaum geklettert und hatte die Aeste au schüttelt, um einige früher gereifte Früchte hinab»«, werfen.
könnte es der Magdalene nicht übel nehmen,' wenn sie sich .von ihm abwmdtte. Sie hat ihn immer gern gebabi, das ist wabr^ aber am Ende ist er doch nicht der Rechte für sie." — ’ •
In dem alten Mann arbeitete Und gährte eS. Er schritt gewaltig auS und schob und rückte den Hut auf dem Kopfe, als ,könne crcS vor Hitze nicht aushalten. „Und chaö komnit alles von .der leidigen Erbschaft!" stieß or endlich hetvor. „Ich will'S beschwören, daß der Wein- lich. M den Kopf voller Raupen hat und das Mädchen doizn! Keinen Augenblick Ruhe hat er, setzt sich kaum nieder, schwatzt verdrehtes Zeug, — wie er seine Kapitalien unter- 'bringen M, — ha, rein zum Todtlachen l — hat nie seine Gedanken zusammen beim Solo oder Sechsundsechzig. Auf Seel'- Und Seligkeit, Hao' mich schon lange über ihn ge. ärepwtl Und mein Ferdinand, der sollte nickt der Rechte sei«? Ha, so ein Prachtjunge, nach dem j des Mädchen die Fingez lecken kann I Und mit den Zerstreuungen, lauter dummes Zeug! — Was begeht so ein junger Mann nicht für Thorheiten und Streiche, wenn ihm der Kopf warm ist find er sich den Gram aus dem Sinn schlagen will! — Rein, nein, die Weinlichs fragen nicht mehr nach uns, es sind lauter Flausen mit ihnen." — „Du thust ihnen wirklich Unrecht, Vater! Kennst doch den Alten seit ewigen Zeiten und seine Manieren, wie er sich an stellt. Und die Magdalene, darauf laste ich nichts kommen. Die kenne ich durch und durch — ein Herz wie Gold, so rein und fo treu! — Doch sieh, steht da nicht Katharine in der Thür und lacht uns an? Und die Kinder sind schon
ii Sie hatten bald die Stadt pasfirt, denn ihre Wohnllng lüg in einer der, von dem eleganteren Mittelpunkvemseniten Straße», und befanden sich aut den grün umrandeten Wegen -und in der reineren Luft der Vorstadt, aks-der alte Höpfner den Gedanken, welche ihn seit einer halben Stunde beschäftigt'hatten, mit den Worten Raum gabf: „Ustd hälft bu es denn wirklich für möglich, Line, daß Magdalena Wisern Ferdinand verschmähen könnte? Sie 'siNd..beide, so ztl sagen, zusammen groß geworden, habechimML mit einander zu schaffen gehabt, sich gezankt mid ÄWi vertragen, alle« wie es sich gehört, und wenn das ni'chi' ln der Ord-' nung ist, so weiß ich nicht! ErkuNdigtffie''sich nicht oft genug nach ihm? Und er — ist ihb scho^ffinmer nachgelaufen. Bei Gustchens Taufe, wo fie ' beide Pochen waren, da konnte man's ja mit Händen'griffen, uffe'S mit ihnen stand .Es wäre doch schlecht von t-tot Mädchen und von den Alten I" — „Vater", sagte' FrMe Biese nach einigem Besinnen, „tu wirfst mir oft vovj daß ich Ferdinand tadle. Weiß Gott, er ist der Jüngste von «t6 Kindern und immer der Liebling gewesen. Zch sage das nicht, - um dir oder der seligen Mutter was vorzuhalten, nein; e» kam so natürlich. Er hatte einen Hellen Kopf, war fleißig, aufgeweckt, geschickt, Jedermann mochte ihn leiden. Wir waren stolz auf ihn und konnten das auch
Deutsches Reich.
*.* derlirr, 10. August. Die englischen sowohl als auch die französischen Zeitungen schenken der Rede, welche der britische Premierminister Disraeli bei dem Bankett deS Lordmayors gehalten hat, große Aufmerksamkeit. In erster Lmie sprachen diese Blätter die allgemeine Befriedigung aus, daß der leitende britische Staatsmann die Situation Europas friedlich bezeichnete. Nicht allein herrsche Frieden, sondern dieser werde auch nach D-SraeliS Ansicht fortdauernd herrschen. Wenn eine solche Kundgebung aber im Allgemeinen nur beifällig ausgenommen werden kann, so ist es wohl befremdlich, daß einzelne französische Blätter die Äußerung deS britischen Ministers mit Bemerkungen und Glossen versehen, dir keineswegs geeignet sind, dir friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu Heftigen. Ganz wner> fteulich aber ist es, wenn sich die chauvinistischen ÄlLtter Frankreichs in dem Verlangen vereinigen, daß die englische Politik aus ihrer Zu'ückhaltnng hermrötrete und ein größeres Gewrcht in die Wagschasc,. werfe, wenn jrS sich um die Geschicke Europas handle." Das Journal deS De- bats schließt seine deösallsigcn Betrachtungen mit dem Sc- merfen, daß England, welches schon einmal den Frieden aufrecht erhalten hat, die Pflicht zu erfaßen habe, 25o~ gänge, welche eine neue Störung und neue Conflikie her- b-iführen können, zu verhütm. In -dieser Wendung dcy, jungen republikanischen Organs liegt jedenfalls eine Wiederholung der abgethanen Fabel, als ob England Anaß gehabt habe, eine angeblich von deutscher Seite h.-rbei- geführte Gefährdung des Friedens zu Hinterbreiten. ES wird daher nicht überflüssig sein/ auf-"Neue zu betonen, daß eine solche Friedensstörung durchaus nicht zu besorgen wmt und daß daher die englische Regierung keine Beran- laMvg hatte, irgend welche Intervention eintreten lassen i u.könuen. Die Angelegenheit. der rumänischen Handelskonventionen bildet einen weiteren politischen Gegenstand
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie die Aimoneen Büreaux yon Th. Dietrich L Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln re; Rudolf Moffe in Berlin, Franlfurt a. M. re.
! für Besprechungen in der Presse. Von Seiten der Pforte ist der rumänischen Regierung daS Recht bestritten worden, Handelsconventionen abschließen gu können. Von Seiten der britischen Regierung wurde dieser Auffassung in Constantinopel bcigcpflichtet. Die europäische Diplomatie neigt sich aber überwiegend der Ansicht hin, daß das Oberhoheitsrecht der Pforte in keiner Weise durch Vereinbarung von HandelSconventionen beeinträchtigt werde, welche nur zwischen den Regierungen abgeschloffen würdest, oh-c daß die Unterschrift der Regenten hiuzulritt. Nachdem nun das Uebcreinkommen zwischen Oesterreich und Rumänien zur Thalfache geworden ist, dürfte, wie man anzunehmen berechtigt ist, ein Protest von diplomatischer Seite nicht zu erwarten fein. — Bekanntlich haben Venezuela und Columbia im Monat Ma! d. I. große Verwüstimgeu erlitten, auch der große Reichthum deS schönen Colurnbia- thales ist vernichtet. Der Verlust wird auf 15 Millionen Pasos (gl. 1 Dollar) geschätzt. Bon dort lebenden Deutschen ist die Nachricht eingegangen, daß auch sie ihr ganze« Hab nnd Gut verloren haben. — Die „Germania" setzt ihre zwecklose Polemik gegen diejenigen Organe fort, welche in dem neuesten Verhalten deS preußischen EpiseopatS in Sachen des kirchlichen Vermögens eine bedeutungsvolle Wendung zu constetlren Veranlaffung genommen haben. Das ult, «montane Blatt dreh: sich im Kreise von Argumenten herum, welche für jeden unbefangenen Kritiker keine Beweiskraft haben und fordert die „Germania" zn einem Zweikampf auf. Die.„Prov.-Corr." hat in ihrer letzten Nummer bereits dieser Auslassung der „Germania" ein entschiedenes Wort entgegengesetzt. Man kann wohl nicht erwarten, daß die „Prov.. Cvrresp." sich auf die von der „Germania" gewünschte DiSputanon einlafsen wird, da das halbamtliche Organ ernstere Aufgaben zu erfüllen hat, auch jedenfalls mit einem solchen Wortgefecht die „Germ." nicht belehren würde. Es gehört zu den üblen Gewohnheiten der ultramontauen Presse, daß sie jede« Ling zu drehen weiß in einer Weise, di- Alles in das Gegentheil wendet von dem, was eigentlich wahr un» richtig ist.
Do»», 7. August. Am schwarzen Brett unserer Universität ist Nachstehendes angcheftet.' „Die evangelisch- heolo,gische Fakultät dec Rheinischen Friedrich - Wilhelms- Universität bar, in gerechter Würdigung der relative» Vor- üge einer ihr eingeLelchttn Preisarbeit, am 3. August dem Serfafler derselben. Sie Ehre der öffentlichen Nennung sejnr- Namens z-igepauden. Als Autor derselben verkündete die elerliche Promulgation deS Namens den jetzt exmatrikulrrten Studenten der katholischen Theologie und Konvictoristen Hettn Arnold Steffens aus Niederzier. Je weniger mro’ Ne evangelisch-theologische Fakultät cS den Studirenden bet' katholischen Theologie verwehren will und kann, in ehrU- chem Kampfe mit ihren Angehörigen um die Palme.4«
Anzeigen nimmt entgegen: di« Expedition d. Matte-, sowie bie Amwncen-Bureaux von G. 8- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: ISger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete» ▲ meyer in Berlin; Carl Schütz»
v ler m Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „AlluktrirteS S°nutaa«blatt" durch die Srvedi.inn Buchdruckere.) bezogen 35, Mark durch b,e Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf«. (ert.gehaltene ZeUe lO Pfu * __________________ tn der Exvedit'on zu errherlmde Auskunft und Annobme von Adresien werden 25 Pfg. berechnet^ ö
o»«hr, wie er früher war, nicht wie er fein sollte. Diel voraus. Komm nur geschwind nnd sei nicht verdrießlich vitleN Zeistreuunaen und vornehm-, n Bekanntschaften habens mehr. Es wird sich schon alles wieder zurechtziehcn " Ihn verdorben. Er will eS ihnen gsiich thün, will über! Sie traten in die niedrige Wohnung deS Gärtners seinen Stand hinaus, will glänzen und schämt st h- seiner ein, wo sie herzlich bewillkommt wurden. Balo zerstreute vtutai ^etawur nerum bau bu etbihten ® fl*t, f[U^ien d"haltmffe. Ich sage nichts w-iwr, über ich'sich die Zugmd in den Garten, wo sich die Kinder de-ihochroth erglühte., von der Anstrengung mw der Lachfttst