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Jliatßurg, Sonnabend, 7. August 1875.

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Der katholische Adel in Deutschland.

ES ist sehr häufig bemerkt worden, daß der Wider­stand des katholischen Volkes vorzugsweise durch den Ade genährt wird, und daß derselbe bei allen ultramontanen Demonstrationen die Leitung übernimmt. Sonst pflegt in der Regel der Adel das größte Gewicht, darauf zu legen, daß er die treueste Stütze des Thrones und des Staates ist, und daß er seinen Einfluß vorzugsweise dazu benutzt, den Gehorsam gegen die Gesetze in den ihm nahe stehen­den Kreisen zu verbreiten. Auch war es früher zu den Zeiten des allen deutschen Reiches Tradition bei dem Adel, den Kaiser zu ehren uud ihn als Herrn und Schützer an­zusehen. Gegenwärtig ist, wenigstens bei dem katholischen Adel in Deutschland, von der Beobachtung solcher Grund­sätze sehr wenig die Rede. Nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil hat sich dem neuen Deutschen Reiche angeschlosscn; das Gros des katholischen Adels verhält sich nicht nur in passivem Widerstande, sondern in offener Feindschaft gegen den Staat und das deutfche Kaiserreich. In ostensibler Weise stellt sich derselbe an die Spitze aller katholischen Demonstrationen, sorgt für feierlichen Empfang der vom Staat mit Strafe belegten Bischöfe, betheiligt sich an allen Processionen und sendet Deputationen an den Papst, um dort seine ultramontanen Sympathien zu bezeugen.

Die Ursache dieser Erscheinung ist nicht etwa in einem besonders stark entwickelten religiösen Gefühl zu suchen, sondern in sehr erkennbaren materiellen Vortheilen. Es ist nachgewiesen worden, daß die Beneficien der katholischen Kirche in ganz besonderem Maße dem katholischen Adel zu Gute kommen.

In den letzten drei Jahrhunderten sind fast neun Zehntel der deutschen Bischofssitze von Mitgliedern des deutschen Adels bekleidet worden. Ebenso verhält cs sich mit den gut besoldeten Pfründen der Domcapitulare und mit den Prioraten der Klöster. Nicht blos ist auf diese Weise ein großer Theil des Adels sehr vortheilhast versorgt worden, viele adelige Familien verdanken ihren Rcichthum und ihre Bedeutung ausschließlich ihrer Verbindung mit der Kirche, die Füllung ihrer leeren Truhen aus den ge­füllten Schatzkammern ihrer bischöflichen Vettern. Die Aufrechterhaltung des Ansehens und der Macht ist daher bei vielen adeligen katholischen Familien Tradition gewor­den, so daß ste die Kirche höher stellen als Kaiser und Reich, als Vaterland und Staat.

DieGermania" hat wiederholt Klagen darüber er­hoben, daß der katholische Adel so wenig in den Reihen

Anzeigen nimmt entqegen: die Expedition d.,Matte«, sowie die Annoneen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnoalidendank, 31. Rete- meyer inBerlin; Carl Schüß- 1 ~ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

D»S Erdbeben in Cnenta.

DieWcs.-Ztg." entnimmt hierüber einem Privatbriefe Folgende«: Schon am Pfingstsonntage, den 16. Mai Nachmittags 5^2 Uhr, wurde die ganze Stadt durch einen ziemlis, heftigen Erdstoß in Allarm versetzt, durch welchen viele Häuser in Cucuta, z. B. der Laden des deutschen Konsuls R., das Haus von Jldefonso Urguindo und die deutsche Apotheke bedeutende Riffe bekamen; am Montag Morgen um 61/2 Uhr wiederholte sich daS Erdbeben in cben(o starkem Maße wie Tags zuvor, und diese zwei Erdstöße wurden in einer Entfernung von ungefähr 30 deutschen Meilen zu gleicher Zeit verspürt. Doch an der» glcichru Erdbeben, die vor acht Jahren schon einmal statt»

Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß bereits in der eisten Hälfte des Septembers der BundeSrath seine Si­tzungen wieder beginnen, und in denselben eine um so regere Thätigkcit entwickeln wird, als eS sich in denselben vor allem nm die Vorlagen für den Reichstag handeln muß, und dieser letztere nur einen Monat nach dem Bun­desrath wieder znsammentreten wird. Obschon nun aber im Reichskanzleramt bereits Vorarbeiten für die Sitzungen des Bundesraths begonnen, so ist cs doch voreilig wie hie und da geschehen, diesen Vorarbeiten schon einen bestimmten Umfang und Inhalt zuzusprechen, namentlich entbehrt alles was in dieser Beziehung über das Reichsbudget gesagt ist, jeder Begründung; gewiß ist es freilich, daß Steuerpcojekle, Militärbudget, und andere Theilc des Gesammlbudgets sehr lebhaft alle Bundesregierungen beschäftigt.

In unserer gestrigen Berliner ** -Correspondenz wurde bereit« schon darauf hingewiesen, daß eine Veränderung im Personal der deutschen Bvschaftcr nicht bevorstehe, der Staats Anz." schreibt nun auch noch:Verschiedene hiesige und auswär ige Blätter beschäftigen sich mit Kombinationen über angeblich bevorstehende Wechsel in der Besetzung ein- zclmr deutscher Botfchafterposteu im Auslände. Dies« sämmtlichen Nachrichten beruhen auf Erfindung und ent­behren jeder thatsächlichen Unterlage."

Die Wiener Presse brachte am Freitag voriger Woche einen Brief von der schlesischen Grenze, in welchem u. A. behauptet wurde, daß der Wiener Nuntius Jacobini unter Mitwirkung des deutschen Boschafters in Wien, General v. Schweinitz, eine Versöhnung der preußischen Bischöfe mit der preußischen Regierung betreibe. Wie diePost" zu versichern in der Lage ist, erweist sich diese Nachricht als völlig unbegründet.

Schweigen im Cabinet, bis der König, zu Herrn von Malpr« gewendet, mit rauher, befehlender Stimme sprach: Seit wann hat Herr v. Malpc« vcrgeffen, den Befehlen seines Königs zu gehorchen? Habe ich Ihnen nicht vor vierundzwanzig Stunden befohlen, augenblicklich Paris und Versailles zu verlaffen und nie wieder am Hofe zu erschei neu! . . . Melden Sie sich beim dienstthuenden Capitain der Garde als Arrestant und übergeben Sie ihm Ihren Degen I"

Sirel" riefen bei diesem harten Spruche wie aus einem Munde die Marquise und Malpr«! ....Kein Wort!" herrschte der König.Gehen Sie, Herr von Malpr«!"

Der Edelmann verbeugte sich, ergeben in sein Schicksal. Schon war er im Begriff, das Cabinet zu verlaffen, als sich die Marquise erhob und mit fester, gebietender Stimme zu Herrn v. Malpr« sagte:Bleiben Sie, Herr v. Mal­pr«! Sie sind in meinem Cabinet und nur ich kann Sic sich daraus entfernen heißen!"

Der König biß sich in die Lippen und rief funkelnden Blicks:Bei Gott! Marquise, Sie führen eine muthige Sprache I"

Eine Sprache", fiel die Marquise unerschrocken ein, wie ste zwar nicht die feilen Höflinge und Schmeichlers jonbern nur die führen, die da wollen, daß man König Ludwig XIV. nicht nur den Großen, sondern auch den Gerechten nenne und deshalb, Sire, wird Herr v. Malpr« bleiben und Sie werden seine Verlheidigung hören."

Madame!" rief der König überrascht von der unge­wohnten Kühnheit dieser Sprache, die ihm dennoch schmei­chelte. Tie Marquise aber, mit scharfem Blick den Eindruck, den ihre Worte auf den eitlen König gemacht, erkennend, sprach, den Augenblick benutzend, zu dem Edelmann:Spre­chen Sie, Herr von Malprs!" Der König, überrascht von den Worten der Marquise, ließ «S geschehen und nun über

Aus Aachen schreibt man heute, daß nun auch der Erzbischof von Köln daS Regierungsprästdium benachrich­tigt hat, daß er in Gemäßheit der Vorschrift des Gesetzes vom 20. Juni über die Vermögensverwaltung in den katholischen Kirchengemeinden die nöthigen Vorarbeiten be- hufS Ernennung der Wahlvorstänve angeordnet hat, und demnächst dem Regierungspräsidenten die Mitglieder und die Vorsitzenden der Wahlvorstände für die Pfarr- und Succursalgemeiuden nach Artikel 14 der Wahlordnung bennencn wird.

§ett von Rodowitz wird im September f auf feinen Posten als deutscher Gesandter nach Athen zurückkehren: Ulrich Köhler, früher GesandtschaftSseeretär in Athen, wird feine Stelle als Professor an der Universität Straßburg verlassen, um nach Athen als Direktor des archäologischen Rerchöinstituts zu gehen; und Dr. Hirschseld, der an der Spitze der von der Regierung auszuführcnden Ausgra- zcugte ihn Herr von Malpr« in kurzer feuriger Rede von der Grundlosigkeit der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen Der König betrachtete bald ihn, bald die Marquise, die in diesem Augenblick der Aufregung ihm reizender denn je erschien. Ais Herr v. Malpr« geendet, sprach er:Wohlan Herr v. Malpi«, Ihre Verbannung ist aufgehoben! Doch werden Sie, nachdem Sie morgen sich mir bei dem Lever vorgestellt es war ein Gefühl der Eifersucht, da« ihn der etwas von dem früheren Verhältniß der Marquise mit Friedrich erfahren hatte, so sprechen ließ 3 Tage darauf Versailles verlassen, verabschieden Sie sich jetzt bei der Marquise."

Mit einer tiefen Verbeugung, stumm und ohne ein Wort zu erwidern, gehorchte Herr von Malpr«, und die Marquise crwidelte ebenso seinen Gruß. Eine Thränc, die in ihrem Auge schimmerte, sah der König nicht, Mal Prä sah sie. Al« er die Treppe hinabstieg, entstieg ein tiefer Seufzer seiner Brust. Die arme Frau eines buckeligen Schriftstellers und die Beherrscherin Frankreichs! Armes Weib! seufzte er noch einmal.

(Schluß folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die 3tnnoncen Bureanx von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Tb- Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Cöln tc ; Rudolf Messe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Armes Weib.

Historische Novelette von Karl Wartenburg.

(Fortsetzung.)

Man wird sich erinnern, daß die Frau v. Montespan aus der Gunst Ludwigs XIV. durch Frau v. Maintmon vermittels des Fräuleins v. Fontagnes wieder verdrängt wurde, wodurch die MontcSpan die erbitterte Feindin der Maintenon wurde.

Was mich am meisten kränkt", fuhr Malpr« fort, ist nicht die Verbannung vom Hofe, denn Sie wissen, Franziska, ich war nie ein Höfling, sondern meine befleckte Ehre, der Makel au dem Namen cneS Mannes, deffen ganzes Leben nie durch eine schimpfliche Handlung entehrt worden ist, die Schande, die dem Wappenschild der Malpros angethan wird deshalb Franziska, habe ich Sie um diese Unterredung gebeten; nicht, daß Sie mir Gnade durch Ihr Fürwort bei dem König, sondern nur das Recht der Vcr theidigung verschaffen!"

Sic haben mein Wort, Friedrich!" unterbrach ihn die Marquise mit lebhafter Stimme, die Wangen von Auf­regung gcröthet.

Doch plötzlich erbleichte sie. Sie richtete ihre Blicke nach der Thür deS CabinetS. Friedrich, deffen Augen denen der Marquise folgten, Hörle auf dem Vorsaal Tritte und eine kurze befehlende Stimme. Noch ehe er zu einem Ent­schluß kommen konnte, wurde die Thür des Cabinets heftig aufgcriffen und herein trat mit vor Zorn geröthctem Antlitz und blitzenden Augen der König.

Malpr« fuhr bei dieser unerwarteten Erscheinung vom Sessel empor und verneigte sich vor Ludwig XIV., während Fran v. Maintenon mit kurzem, fliegendem Athem sitzen blieb und sich in tödtlicher Verlegenheit mit einem Fächer die glühenden Wangen deckte.

Einen Augenblick herrschte ein peinliches, drückendes

scheu Volkes zu säen. In Wahrheit hat bisher der ka-1 tholische Adel es vorgezogen, die Kirche für sich sorgen zu I lassen, und hat bei derselben jedenfalls das bessere Loos gezogen, denn die Bischofsstcllen und die Priorate sind besser botirt als die Ministerstellen und die Posten der Oberpräsidenten. Dabei werden von jedem hochgebornen Geistlichen nicht einmal Prüfungen und besondere Kennt- niffe, auch keine aufreibenden und anstrengenden Arbeiten verlangt, sondern der adelige Name allein bürgt schon für eine glänzende Versorgung in der katholischen Kirche.

Es ist nothwendig, diese Verhältnisse gehörig auszu- klären, um die recht materiellen Gründe zu erkennen, welche den katholischen Adel zu dem Vorkämpfer des Ultramon- tanismus machen. Andererseits aber sollte auch für den Staat ein ganz besonderer Antrieb darin liegen, der offen ausgesprochenen Feindschaft des katholischen Adels mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu begegnen. Aus seiner vaterlandsfeindlichen Richtung, ans feinen sogenannten großdeutschen Sympathien, d. h. aus dem Wunsche der Herrschaft der Dynastie Habsburg in Deutschland hat er nie einen Hehl gemacht, und noch in jüngster Zeit ist wieder aus den Kreisen des deutschen Adels der Versuch hervorgegangen, die großdcutsche Idee aufzunchmen. Da die Verbindung des katholischen Adels mit der Kirche vor zugsweise auf materiellen Gründen beruht, so wird es am leichtesten fein, diese Beziehungen dadurch zu lockern, daß der Staat die zuweilen übermäßig hohen Einkünfte der katholischen Prälaten auf ein solches Niveau herabsetzt, daß ste mit dem der entsprechenden Staatsbeamten glcich- stcht, und die Attraktion auf den katholischen Adel dadurch wesentlich gemindert wird, andererseits aber müßte der übermäßige Einfluß der Geistlichen auf das Volk durch eine vollständige Befreiung der Schule von der Kirche be­seitigt werden. So lange dieser Einfluß noch besteht, wird cs nicht gelingen, das Volk von dem Bann zu befreien, in dem es sich noch befindet. Der offenen, unversönlichen Feindschaft, die von dem katholischen Adel gegen das Deutsche Reich und das Kaiserthum genährt wird, kann nur durch unbedingte Rücksichtslosigkeit abgeholfen werden. Bei der jetzigen Lage der Dinge ist der Staat vollkommen in seinem Rechte, wenn er den katholischen Adel mit großem Mißtrauen beobachtet und alle Mittel, die ihm irgend zu Gebote sichen, anwendet, um einestheilü seinen Einfluß zu brechen, anderseits seine Verbindung mit der Kirche zu lockern. Die Hohenzollern haben daS große Verdienst, zuerst mit dem mittclaltrigcu Staat und mit ihm das Zunkerthum gebrochen zu haben, womit denn der Gehorsam

Erscheint täglich außer den Werktagen natb Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirtcs SonutaaSblatt" durch die Ervedition Buchdrnckerei) bezogen 2} Mark durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf», lcxl. ®eft7ngebül,r). -SioZiirMfe gelSene S 10 «f« Für ui der Expedition zu ertbcilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet.

der höheren Beamten und deS Heeres zu finden ist. Diese ......,___g _______ vs,tyvi|UUl

Klage wird natürlich von dem ultramontanen Blatt dazu | gegen die Gesetze hergestellt ist, sie werden auch mit dem benutzt, um die preußische Staatsregierung zu verdächtigen widerstrebenden katholischen Adel und allen seinen Gelüsten uud Mißtrauen gegen dieselbe in bett Reihen bcS katholi I fertig werden.