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Mr. 182.

Marburg, Freitag, 6. August 1875.

x Mrgflog.

» Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, CSln k; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte», sowie die AnnonttN-Bureaux von G 8. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. 9)t.; Jnvalidendank, A Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schütz- ~ (er in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Tagesbericht

Alle Bundesregierungen, welche ciu selbstständiges Con- tingent haben, senden Mitglieder zu den in wenigen Tagen zu eröffnenden Berathungen über die Einführung in die RekrutirungSordnung des Militärgesetzes eines neuen oder wenigstens den Umständen und den übrigen Bestimmungen deS Gesetzes angepaßten AuShebungSvrrfahrenS. Bayern ebenfalls wird sich an diesen Berathungen bethciligen, in Rücksicht darauf, daß sein Anschluß an die gefaßten Be­schlüsse voraussichtlich ist. Die Berathungen werden unter Vorsitz des Generals v. Voigts-Retz im Kriegsministerium abgehalten werden und einige Tage dauern. Die Hauptsache ist zuvörderst dabei durch den Austausch der verschiedenen Ideen zur Regulirung der Stellung der einzelnen Staaten der ganzen Frage gegenüber zu kommen.

Dem Wunsch der italienischen Regierung entsprechend, hat ihr gegenüber die Reichsregierung das Verbot der Pferdeausfuhr aufgehoben; zum Ankauf von Cavallcrie- pferden für die italienische Regierung ist der Flügeladjutant des Königs Victor Emanuel und Oberst Marchese Carlo di BagnoSci in Berlin eingetroffen, übrigens von allen Seiten, selbst von den höchstgestellten Persönlichkeiten, mit besonderem Wohlwollen empfangen worden.

Slavischcr,Seils speicht man von einem Umsichgreifen deS Aufstandes in der Herzegowina und von bedenklichen Anzeichen in Rumänien und Serbien, während türkischer SeitS das Ganze als unbedeutend und bald zu unterdrücken (es ist aber noch nicht unterdrückt) dargestellt wird. Jeden fall« sind alle Nachrichten sehr wiedersprechend

Ueber die bisher eingelaufencn Nachrichten über das Resultat der griechischen Deputirtenwahlen schreibt man Folgende» aus Athen: In Athen sind der Cultusminister Arhallji und Phitan, beide der republikanischen Partei an­gehörend, gewählt tvorden; in Missolounghi der Minister­präsident Tricoupis und der ehemalige Ministerpräsident DeligeorgiS; in Syra vier Candidaten der constituttonellen Partei; in Hydra drei derselben Partei, unter denen der ehemalige Ministerpräsident BulgariS. Ebenso wurden in Corfu drei Anhänger der constituttonellen Partei gewählt, darunter der Kriegsminister Geunatas.

Deutsche» Reich.

»* Berlin, 4. August. Die heutige „Prov.-Corr." giebt in einem kurzen Auszüge auö den Gesetzen über di- innere Reform die Grundzüge dir neuen provinziellen Selbstverwaltung. Sie schließt mit der Bezugnahme auf da« Unheil eines hervorragenden Abgeordneten: „So wird

denn mit dem 1. Januar 1876 ein System der Selbst­verwaltung ins Leben treten, welches nach dem Ausspruche eines hervorragenden Abgeordneten „in Bezug auf die communale Selbstständigkeit so weit geht, daß die Ansprüche gar nicht höher gespannt werden können," — „daß rS kein Land der Welt giebt, welches, soweit Gesetze die« vermögen, gleich viele Bürgschaften für die Herrschaft des Gesetzes und für die Wirksamkeit der Selbstverwaltung ge­währt, als die in Rede stehenden Gesetze. Was das Volk zu thun hat, ist: zu diesen Gesetzen die Charactere herbei­zuschaffen." Bekanntlich hat Lasker diese Worte gesprochen. Wenn die „Prov.-Corr." dieser Auffassung sich anschließt, so kann man wohl annehmen, daß die Regierung die Aus dehnung der Verwaltungsreformen auf die ganze Monarchie unmittelbar im Auge hat. — Die „Germania" geht gegen die „Germania" vor, indem sie das Lügenhafte der Argumentationen der ultramontanen Blätter nachweist. — Graf Eulenburg ist heute früh aus Hamburg noch Berlin zurückgekehrt. Herr v. Keudell ist nach seiner gestern in Berlin stattgehabten Ankunft sofort nach Varzin gereist, woselbst er circa 8 Tage verweilen dürfte. — Die „Voss. Ztg." sucht neuerdings die Offiziösen dasür verantwortlich zu machen, daß man damit umgehe, neue Steuern aufzu­bringen und eine Erhöhung des Miluäretatö zu beantragen. Es ist von allen Stellen, welche mit der Regierung in Beziehung stehen, nichts dergleichen gesagt, vielmehr von jenen Seiten sofort dem Gerüchte entgegengetteten worden. — Eine schlesische Regierung hat am Ende vorigen Monats eine Bekanntmachung erlassen, in welcher sie den katholi­schen Beichtunterricht zum Gegenstände ihrer AuSlaflungen macht. Es unterliegt dieser Unterricht nicht der gesetzlich geordneten staatlichen Schulaufsicht. — Das Berliner Schaufenster des Panoptikums in der Paffage bietet jetzt eine vortrefflich ausgeführte Wachsfigur Ludwigs XVII. bei dem Schuster Simon. Dieses Stück zeichnet sich durch Vortrcffltchkeit der Ausführung besonders aus. — Ueber die Zeit, wann der Kronprinz sein- Inspektionsreisen antreten wird, kann Folgendes genau angegeben werden: Ende August geht der Prinz zunächst nach Köln, alödann nach der Insel Mainau, im September nach Württemberg und Baiern, von dort zu den Manövern in Schlesien. Zu diesen begiebt sich auch die Kronprinzessin, um ihrem hohen Schwiegervater ihr Husaren-Regiment vorzuführen. — Von einer Veränderung im Botschafterposten in London weiß man in diplomatischen Kreisen nichts, Graf Münster verbleibt der Vertreter Deutschlands. — Die Thatsache, daß Geh. Leg.-Rath Bucher nunmehr auch seinen Urlaub angetreten, schließt dahin, daß Fürst Bismarck in Varzin

jede amtliche Thätigkeit eingestellt hat. Die Stille in der Politik hat beim auch seit einiger Zeit fast jeden Verkehr zwischen Varzin und dem Auswärtigen Amt einstellen lasten. — Die Mittheilung, daß nach der Mitte dieses Monats erfolgenden Rückkehr de« Finanzministers die Budget- arbeiten anfangen, entbehrt der Richtigkeit. Die einzelnen Minister haben ihre Forderungen noch nicht angemeldet. Nachdem dies geschehen, beginnen erst die Vorarbeiten durch schriftliches Votiren und commissarische Berathungen inner­halb der ReffortS. Die eigentlichen Staatsministerialbe' rathungen werden voraussichtlich vor Monat November nicht stattfinden, da der Etat erst am 15. Januar fertig gestellt sein darf. — Geh. Rcg.-Rath PersiuS ist von Norderney zurückgekehrt, Landrath von Messenbach in Po sen ist zum Ober-Regierungsrath bei der Posener Regierung ernannt. — In Bezug auf das Collektenivesen, besonders auf das Collectiren geistlicher Genossenschaften, sind in neuerer Z-it die Bestimmungen verschärft worden. Die Provinzialbehörden sollen namentlich die Erhebung deS P-terSpfennigS scharf conlrolliren. — Um in Bezug auf die Gleichmäßigkeit derVertheilung der höheren Unterstützung an di- Veteranen von 1806—15 überall einen Ausgleich hcrbeizuführen, namentlich alle diese Veteranen auf Maximal- Unterstützung zu s-tzcn, sind die Provinziaibehörden ange­wiesen, zu berichten, ob und welcher Zuschuß zu dem jetzigen Etat erforderlich ist.

Detmold, 1. August. Fürst Leopold ist aus Bad Ragaz, woselbst er seit vier Wochen weilte, nach seinem Sommerschlößchen Schieber zurückgekehrt und wird in diesen Tagen wieder seinen Aufeinhalt hier in Detmold nehmen. Hier ist seine Gegenwart auch um deswillen nöthig, weil geschäftige Hände in den Schlössern Alles zum Empfange der auswärtigen Gäste in Bereitschaft setzen, und er noch das Eine ober Anbere anordnen muß. Die Gemächer find bereits für jeden Einzelnen derselben bestimmt und dabei, wie -S heißt, persönliche Wünsche möglichst berücksichtigt worden. Unter der Zahl der angemeldeten Fürsten befindet ich auch der Herzog Ernst von Coburg-Gotha und die Herzöge von Meiningen und Altenburg. Der Fürst von Schaumburg Lippe ist wegen körperlichen Leidens verhindert, dem Feste beizuwohnen. Die Diners und Soupers wer­den in dem Resiveiizschloffe und zwar in dem „KöuigSsaal" tatlfinden.

Stnttgart, 4. August. Auf dem gestrige» Festbanket bracht- Baumann aus St. Gallen solgendeu Toast aus: „Wir Schweizer sind gekommen nicht der Schützbnbecher und Ehrengaben wegen, sondern zu beweisen, weich hohen Werth wir in diesem Augenblicke, wo auch wir in unserem

Arme» Weib.

Historische Novelette von Karl Wartenburg.

(Fortsetzung.)

»Ihr erste« Wort, Friedrich, nach fünfundzwanzig-- jähriger Trennung war ein Vorwurf", sagte sie mit zit­ternder Stimme und sich am Lehnsessel festhaltend: giebt e« für Sie keine Franziska mehr? Haben Sie sich in Ihrem Herzen keine Erinnerung bewahrt, die" — sie senkte bei diese» Worten erröthend das Auge —, „die jur die Jugendfreundin um Verzeihung bittet?"

Herr von Malpis erhob den Blick und ließ ihn mit schmerzlichem Ausdruck auf der Dame ruhen.

„Franziska," sprach er mit trauriger, ernster Miene, „Franziska, zwanzig Jahre unter der glühenden Sonne Indiens konnten zwar mein Antlitz verdorren lasten, aber mein Herz blieb immer jung und frisch wie zu jener Zeit! Verzeihen Sie, Franziska, diesem stürmischen, unruhigen Herzen da« kalte Wort — eS soll sein erster und sein letzter Vorwurf fein! Von diesem Augenblick an soll es für mich keine Marquise von Aubignv geben. Sind Sie damit zusrieeen, Franziska?"

„Ich danke Ihnen, Friedrich — Sie sind ein edler, seltener Mensch I" flüsterte die Marquise und überließ ihm die Hand, die er an feine Lippen führte, um einen Kuß darauf zu drücken.

„Es hat sich viel geändert in diesen zwanzig Jahren, in denen wir uns nicht sahen, Friedrich I" begann die Marquise, Malprs durch eine Handbewegung einladend, sich zu setzen und ihn betrachtend, wie um einen Vergleich zwischen sonst und jetzt zu ziehen.

Malprs errieth ihre Gedanken. „Sie suchen die Züge de« jungen Friedrich, den Sie einst in den Tagen seiner Jugend kannten, Franziska, aber Sie suchen vergebens! Indien« sengende Sonne und diese Narben, die ich mir im Dienste deS Königs in den Kämpfen gegen die wilden Bergvölker von Afghanistan und die Soldaten Hollands

gewonnen, haben jene Züge verwischt — und unverändert ist nur mein Herz!"

„Noch immer Schwärmer!" sprach die Marquise mit wehmülhigem Lächeln, die Hand des Jugendfreundes drückend . . . Dann fuhr sie mit lebhafter Stimme fort: „Aber um zu dem, war« Sie so sehr berührt! Sie schrei­ben mir in dem Briese, in welchem Sie mich um eine Unterredung bitten, man hätte sie beim König in Betreff Ihrer Verwaltung in Indien verleumdet. Sie sollen den Dienst des Königs vernachlässigt und — ich würde mich scheuen das Wort auszusprechen, wenn Sie mir eö nicht selbst geschrieben — sich bedeutender Unterschleife schuldig gemacht haben, weßhalb der König Sie, ohne Ihre Ver- theidigung zu hören, auf immer von Paris und dem Hof verbannt hätte. Wer kann Sie so verleumdet haben? Hegen Sie keine Vcrmuthung darüber, Friedrich?"

„Allerdings hege ich die!" antwortete Malprs; „es ist ein Nebenbuhler, der mich aus meiner Stellung in In­dien vergebens zu verdrängen suchte, einer jener Menschen, die, wenn sie als Gouverneure oder königliche Commissare in die Colonien gesendet werden., diese auf alle mögliche Weise ausbeuten und plündern, gerade so wie eS einst die römischen Prokonsuln und Prätoren ihaten. Mein Ver- läurnder ist ein Verwandter der Marquise von Mon- lespan."

Ein Ausruf der Ueberraschung au« dem Munde der Dame unterbrach ihn. Cr blickte sie fragend an und sagte: „Was haben Sie, Franziska? Was ist Ihnen?"

„Nichts, nichts!" erwiderte sie rasch; „fahren Sie fort in Ihrer Erzählung, Friedrich!" Für sich aber fetzte si- hinzu: „Seltsam! Seine Feinde sind auch di- meinigen!"

tFottsehung folgt.)

Jean Baptist v. Schweitzer, der ehemalige Führer der Socialdemokratie und später so fruchtbare Bühnenschriststeller, ist am 28. v. M. im Hotel Gi-Sbach am Brienzer See gestorben. Schweitzer hat ein

sehr bewegtes Leben geführt. Der Sproß eines in früherer Seit angesehenen Patriziergeschiechtes zu Frankfurt a. M., widmete er sich der Jurisprudenz, bi« er nach dem Tode Ferdinand Lassalle's mit dem Präsidium des Allgemetnen Deutsche» Arbeitervereins betraut wurde. 1$r verlegte dessen Vorort nach Berlin und trug mit dieser Maßregel nicht wenig bei, der sozialistische» Agitation jene Ausdehnung zu geben, wie sie heute noch besteht. Schweitzer wußte mit geschickter Ausbeutung lokaler Mißstände — Strcke der Cigarrenarbei ter und Bäcker, Erhöhung der Miethssteuer — in kurzer Zeit um die sozialistische Fahne eine beträcht­liche Anzahl von Anhängern zu sammeln. Die rastlose Agitation fand ihre» Lohn: 1867 ward Schweitzer in Elberfeld-Barmen in den norddeuischeu Reichstag gewählt. Bei der Wahl für den deutschen Reichstag 1871 blieb Schweitzer in der Minorität und nun trat die Wendung in feinem Leben ein. War es Mißmuih über die Nieder­lage ober Verbrießlichkeit über gewisse Mißhelligkeiten, welche innerhalb ber Partei sein Behagen störten, er legte das Präsidium deS Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins nieder. Mittlerweile waren die ersten Stücke aus seiner Feder über di- Bretter gegangen und hatten gefallen. Sein Trauerspiel „Canossa", das gerade in den Beginn deS kircheupolitische» Streites fiel, war reich an zündenden Schlagworten, die lauten Beifall fanden und dem sonst recht grob gearbeiten Stücke schnell den Weg über die deutschen Bühnen ebneten. Viel bester angelegt waren schon „die drei Staatsverbrecher", ein Lustspiel, dem e« an Humor und drastischer Wirksamkeit nicht gebricht, und nun folgte^ in bunter Folge eine ganze Reihe von Stücken, heute ein L-chauspiel, morgen eine Poste, übermorgen ein Lust- spi", »Bei Leuthen", „Epidemisch", „Theodolinde" und wie sie alle heißen. Nicht jede dieser dramatischen Leistun­gen gefiel, ober die große Mehrzahl fand beifällige Auf­nahme und machte die Runde über ganz Deulfchland, so daß eS nicht übertrieben war, wenn man behauptete Schweitzer gehöre zu den beliebtesten der neueren Bühnen-