Mr. 181.
Marburg, Donnerstag, 5. August 1875.
X Mrgaag.
Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenftein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
OberhcWc Jrilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G 8- Daube L Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnoalidendank, A. Rete- meyer,n Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Tagesbericht.
Von Steuern fängt man an, sich mit der Frage wegen „Resiortirung der preußischen Domänen" zu beschäftigen. Daß dieselben dem landwirthschaftlichen Ministerium zuge- theilt werden und dem Finanzministerium entzogen, ist schon seit lange der Wunsch aller Landwirthe. Es wurde selbst gesagt, daß vor ungefähr einem Jahre der Ches der Do mänenverwaltung nur in das Amt eingetreten fei unter Bedingung eines derartigen Arrangements. ES ist freilich wahr, daß die fiSealischen Interessen dabei vom Finanz. Ministerium allein in bester Weise wahrgenommen werden können, doch scheint eS geboten, die landwirthschaftlichen Interessen in dieser Frage vor allem zu berücksichtigen; in diesem Sinne ist sie auch wieder in Anregung gekommen und sollen die hierüber angeknüpsten Unterhandlungen den Landwirthen ein günstiges Resultat versprechen.
Ans Liegnitz schreibt man: Das Fest, welches die städtischen Behörden zu Ehrm der Anwesenheit deS Kaisers demselben zu geben gedenken, verspricht sehr glänzend zu werden. Der Kaiser wird seinen Weg nach dem Schieß Hause durch die Stadt Über die Baumgartstraße, den FriedrichSplatz, dessen Denkmal glänzend illuminirt sein wird, durch die JohanniSstraße nach der KönigSallee nehmen, die in ihrer ganzen Ausdehnung mit bunten Ballons uno Lampions erleuchtet sein wird. Auf dem Rückwege nach dem Schloß wird der Kaiser wiederum die Königsallee be rühren und zwar bei dem SiegeSdenkmal aus der Marien« wiese, das ebenfalls glänzend durch Gasflammen erleuchtet fein wird, vorüberfahren. Während der Anwesenheit des Kaisers concertiren abwechselnd zwei MusikcorpS. Dem Kaiser wird wahrscheinlich auch bei dieser Gelegenheit eine Serenade von särnrntlichen Liegnitzer Gesangvereinen gebracht werden. Der große Zapfenstreich, der an diesem Abend auf dem Haag staltfinvet, wird von 800 Tambours und Haulboisten auSgesührt. Für den Kaiser und fein Gefolge soll dazu auf dem Haag eine Tribüne errichtet werden Die Illuminationen an diesem Abend versprechen namentlich sehr reich und glänzend zu werden.
Die von der Kommission für die Philadelphia - Ausstellung gewährte Nachfrist für Meldungen ist vielfach be< nutzt worden. Große Eifenindustrien Rheinlands und Westfalen« sind hinzugetreten, sowie bedeutende Firmen Berlins für ConsectionS-Artikel. Die Regierung jedoch widmet eine ganz besondere Aufmerksamkeit der Kunstausstellung; nur solche Gegenstände sollen zugelassen werden, die von einer Jury von neun Mitgliedern, aus den Kunstgenossenschaften gewählt, gebilligt und zur Ausstellung be stimmt werden. Diese Jury soll sich in Bremen versammeln. Vom 15. Dezember er. bis zum 1. Februar 1876 ist die zur Verschiffung festgesetzte Zeit, so daß alle Gegen
stände, die zur Ausstellung bestimmt sind, am 1. April in Philadelphia angelangt sein können.
Die französische Nationalversammlung hat dem Staats rath die Vollmachtsprüfung der Geueralräthe zugewiesen, in dem Sinne, daß jeder Einwand gegen eine Wahl statt in letzter Instanz von dem Generalrath selbst beurlheilt zu werden, es in Zukunft von dem SlaatSrath sein wird. Daraus folgt nun, daß wenn das Wahlresultat an dem Tage der Wahl felbst bekannt gemacht wird, ohne von einem Wähler, einem Generalrath oder dem Präsecten angegriffen zu fein, diese Wahl mit vollem Rechte als gültig angesehen werden muß; der Generalrath hat in diesem Falle weiter nichts zu lhun, als zu bezeugen, daß keine Reclamationen stattgefunden und den Neugewählten an- und aufzunehmen. Im entgegengesetzten Falle soll die Sache an den Staatsrath gehen und dieser sein Urtheil nach drei Monaten vollkommen kostenfrei abgeben. Es wäre sicherlich bei weitem vorzuziehen gewesen, den Staats rath nur mit der Entscheidung über Die Rechtsfragen und nicht mit der über thatsächliche Fragen zu betrauen; unter anderen bedeutenden Uebelständen der neuen Bestimmungen, so wie sie die Kammer votirt hat, mag uur der bezeichnet werben, daß dem Staatsrath auf diese Weise eine neue, wahrscheinlich sehr große Arbeitslast auserlegt wird und eine kostspielige Personalvergrößerung nothwendig werden kann. Die Erfahrung wird übrigen« das Unstatthafte des angenommenen Princips genügend zeigen und e« ist zu hoffen, baß die künftige Nationalversammlung alle dem ein Ende machen wird.
Im Allgemeinen lauten alle Nachrichten vom spanischen Kriegsschauplätze ziemlich günstig für die Regierungstruppen; von verschiedenen Seiten kommt das Belagerungs und Verpflegungsmaterial nach Puycerda zum General Martinez- Campos; der General Elchevaria hält das ganze Ebroihal zwischen Ladora und Miranda besetzt; VillegaS bringt eben» falls weiter vorwärts; der General Cordova hat Viana, das die Carlisten feit 2 Jahren besetzt hatten, mit Sturm erobert; Golfin hat ebenfalls einige Vortheile über die Carliften davongetragen; fo ist eS denn sehr erklärlich, daß unter den Carliften vielfach die Entrnuthigung um sich greift und die Unterwcrfungsanerbietuiigen immer häufiger werden.
Deutsche» Reich.
— Berlin, 3. August. Die von der Herzegowina kommenden Nachrichten waren bis jetzt, wenn auch nicht eben widersprechend, doch wenigstens so unklar, daß es nicht leicht war, sich von den militärischen Operationen der Türken einen einigermaßen richtigen Begriff zu machen, jetzt fängt man an, insoweit man sich auf die österreichischen Blätter verlassen kann, etwas klarer
darin zu sehen. Von drei Punkten aus versuchen die Türken gegen das Centrum vorzudringen. Wenn sie auch bis jetzt noch wenig Erfolg gehabt, und verhältnißmäßig viel Leute verloren haben, so möchten sie am Ende doch dahin kommen, den Aufstand zu unterdrücken, wenn dieser keine Unterstützung von außen her findet, was aber kaum anzunehmen ist, denn wenn auS verschiedenen Gründen die Regierungen der anderen Donauländer sich auch zurückhaltend beweisen, so ist die Sympathie ihrer unruhigen Untertanen doch zu groß für die Herzegowiner als daß nicht irgend eine Explosion zu fürchten sei. — Der Besuch den der Feldmarschall Manteuffel dem Fürsten Bismarck in Varzin abgestattet, giebt der „D. Z." zu folgender Bemerkung Anlaß: „FeldmarsLall Manteuffel ist in vergangener Woche zwei Tage in Varzin beim Fürsten Bismarck gewesen, ein Beweis, daß das Jntriquenstück „Manteuffel contra Bismarck," auf welche« viele politische Gegner des Reichskanzlers große Hoffnungen gebaut hatten, längst zu Ende gespielt ist. Der vielgewandte General fand wohl nach den politischen Erfolgen des Jahres 1870, daß die ihm früher vindicirte Aufgabe jetzt unerreichbar geworden war, und er schloß seinen Frieden. Al« Be- sehlshaber der Oecupationslruppen hat er der Politik be« Kanzlers nicht unerhebliche Dienste geleistet, ja die Verhandlungen ■ des Prozesses Arnim haben bewiesen, daß, wenigstens so weit Schriftstücke an die Oeffentlichkeit gelangt sind, Manteuffel e« zuerst war, der auf die von der Politik des Fürsten BlSmarck abweichenden Haltung be« Grafen Arnim hinwies Seit seiner Rückkehr au« Frankreich steht der Feldmarschall mit dem Reichskanzler in freundschaftlichem Verkehr und wurde auch während de« letzten WinterS von demselben mehrmals zur Tafel gebeten. Man wird uns al« wohl in Zukunft nicht mehr graulich machen mit dem vielgenannten Manne, von dem die Generäle sagen, daß et ein ganz ausgezeichneter Diplomat sei, und daß ihn die Diplomaten einen vorzüglichen Feld Herrn nennen.
Bromsv, 3. August. Die Generalversammlung de- Vereins dcuifcher Eisenbahn - Verwaltungen hat das neue Vereinskarten Reglement einstimmig angenommen und die Einführung des metrischen Gewichts bei den Wagen beschlossen. Morgen findet der Schluß der Versammlung statt.
Karlsruhe, 3. August. Das internationale Comite für die Gefängnißreform wird morgen in Bruchsal den Ort des nächsten GefängnißcongreffeS bestimmen.
München, 3. August. Die gestrige Mittheilung der ultramontanen Blätter, daß das Ministerium ermächtigt worden sei, im BundeSraihe eine Ausdehnung des Jesuiten. Gesetzes auf die Orden der Franziskaner, Kapuziner und Carrneliter zuzustimmen, wird von gutunterrichteter Seite als durchaus unbegründet bezeichnet.
sterbe und fremde Gestalten um mein Lager stehen werden wird der Gedanke, daß es in Frankreich wenigstens ein Herz giebt, das meiner liebend gedenkt, mein letzter Trost fein 1 . . . Leben Sie wohl, Franziska I" schloß er, fühlend, da ihn feine Schwäche zu übermannen drohte Er zog mit sanfter Gewalt die junge Frau an sich .
Sie widerstrebte nicht und einen Augenblick berührten sich ihre Lippen in einem innigen Kusse, dann aber wand sie sich aus seinen Armen und indem sie weinend auf das Sopha sank und ihr Gesicht mit den Händen bedeckte, murmelte sie: „Leben Sie wohl, Friedrich, mein einziger Freund und Trost i" 8U
Friedrich von Malprö wollte Etwas erroiebern, das schmerzliche Zucken seines Munde« ließ ihn aber kein Wort über die Lippen bringen. Noch einen Händedruck, einen Blics voll Liebe und Schmerz, den er auf sie warf bann stürzte er mit den Worten: „Lebe wohl, Franziska' lebe wohll" zur Thür. Al« et unten au« bet HauSthüre trat und noch einen letzte Blick hinaus nach dem kleinen Dachstübchen warf, sah er au« dessen Fenster Franziska noch einmal mit dem Tuche winken. Er flüsterte, eine Thräne im Auge zerdrückend: „Lebe wohl, arme« Weib 1"
2. Da« Cabinet im Schloß zn Versailles.
In einem der prächtigen Gemächer de« königlichen Schloffes zu Versailles saß an einem Julitage be« Jahre» 1679 an einem bet hohen Fenster, durch welche man hinunter in ben grünen duftigen Park blicken konnte, eine Dame, die, wenn auch in Wirklichkeit etwas älter, für eine Frau von vielleicht 36—38 Jahren gelten konnte, unb wenn auch somit übet die Jugendblüthe hinaus, war sie doch noch immer eine sehr anziehende Erscheinung. Die feine, weiße Bläffe ihres intereffanten Gesichtes, dir edel- geformte Stirn, die großen glänzenden Augen, welche eine
«Starren ?
aber Malprö hatte schaftlicher Gebetde
„Der mich wenigstens vom bittersten Mangel rettete," unterbrach die junge Frau mit verweisendem Blick Herrn v. Malprö, „unb ben ich deshalb", setzte sie leise hinzu, „wenn auch nicht lieben, doch ihm meine Pflichten erfüllen «erde; denn ohne ihn wäre ich im Elend umgekommen . . . . Sie wissen, Friedrich, daß meine Tante mich ganz mittellos in die Welt stieß, und wenn Paul feine Schwächen unb seine Fehlet hat, so hat er auch seine Tugenden unb vor allen ein gute« Herz, da« Niemand unglücklich sehen kann
„Sind Sie eine Heilige, Franziska", sprach der junge Mann, „der Himmel wird e« Ihnen noch wohl ergehen taffen; so viel Ergebenheit muß schon hier auf Erden belohnt werden."
„Ich erfülle nur meine Pflicht", sagte die junge Frau, indem sie ben Blick zur Erde -senkte.
„Wie ein Märtyrer sie erfüllt, der mit einem Lächeln auf dea Lippen stirbt l"
rief^mit ängstlichem Blick unb Ton bie junge Frau.
„Auch fort auS Frankreich", antwortete Friedrich von Malprö; „der Cardinal schickt mich wieder nach Indien, wo unsere Streitigkeiten mit den Generalstaaten unb ben
Die junge Frau antwortete nicht barouf. Es entstand ein kurzes Stillschweigen. Endlich begann Malprö das Gespräch wieder, indem er mit bewegter Stimme zu bet Freundin sprach: „Wissen Sie auch, wa« mich heute zu Ihnen geführt hat, Franziska?"
Die junge Frau blickte ihn verwundert über bie Frage an.
„Ich kam, um Abschied zu nehmen", sprach Friedrich bewegt und zögernd.
„Abschied? Unb warum? Gehen Sie fort von Paris?"
bet mit ben dortigen Verhältnissen vertraut ist, dringend nöthig machen; und da ich durch meinen früheren Aufenthalt in jenem Lande mit ben dortigen Angelegenheiten genau bekannt bin, fo hat man mich zu dieser Sendung erwählt. Ich werde vielleicht lange, lange dort bleiben; vielleicht", setzte er mit traurigem Tone hinzu, „vielleicht kehre ich nie wieder zurück I"
„Nach Indien?" murmelte erschrocken die Hände faltend die junge Frau und eine Thräne schimmerte in ihren schönen Augen; „nach Indien, unter jenen glühenden Himmel, unter diese versengende Sonne und so weit von Frankreich und von all-n Denen, bie Sie hier lieben!"
Armes Weib.
Hrstorische Novelette von Karl Wartenburg.
(Fortsetzung.)
„Nie in Erfüllung gehen sollten!" wiederholte Friedrich v. Malprö mit trauriger Stimme. „Und warum, warum Franziska, gingen diese Träume nie in Erfüllung? Warum glaubten Sie jenem böswilligen, falschen Gerücht, das während meiner Abwesenheit in Indien, wohin mich die Angelegenheiten des König« geführt, meine Verwandten von meinem Tode verbreiteten? Ahnten Sie nicht die Arglist
Das letzte Wott war mehr hingehaucht als gesprochen, : e« doch verstanden unb mit leiden
antwortete er: „Haden Sie Dank, Franziska, für die« Wort, . . . e« wirb mein Trost im Sturme des Meeres unb unter der sengenden Sonne Indiens sein unb wenn ich weit, weit von Frankreichs Erde
jener Menschen, Franziska, die meiner Verbindung mit Ihnen abgeneigt waren, weil Sie keine Güter und keine vornehme Familie hatten?... Warum verbanden sie Ihr junges, blühendes Leben mit dem traurigen Geschick diese« Engländern die Anwesenheit eines königl. «Specialgesandten,