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Ar. 1'5.

Marburg, Donnerstag, 29. Juli 1875.

x. Mrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. »tatter, sowie die Annoncen-Bureanx von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. Bl. rc.

QMfrlrfifdif Irilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die «iqrrdttto» d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von © L. Daube&. Co. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A Rete, mryer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JlluftrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutfchen Reiches 2 Mark 50 Psg. (eil. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annabme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

/ür die Monate August und September 5 bitten wir Bestellungen auf die Bberhkssische Zeitung und des

Wustrirten Sonntagsblattes

bei den Postanstalten baldigst machen zu wollen.

UW- Im Feuilleton kommen in diesen beiden Monaten einige sehr spannende Erzählungen zum Abdruck. Auch wird ein ausführlicher Original- Bericht über die Enthüllungsfeier des Hermanns­denkmals im Teutoburger Wald mitgetheilt werden.

Die Exped. d. Oberh. Ztg.

TageSvertcht

Dem ReichS-Civilchegej.tz zufolge haben die im AuS- lande fungireuden deutschen ConsiUn und diplomatischen Agenten die Befugnisse, welche den Standesbeamten gesetz lich zustehen. Bis fitzt wurden von diesen Agenten die Urkunden der im Auslände verstorbenen Personen in Ab schrijt dem Auswärtigen Amte nach Berlin eingesandt. Bezüglich hieraus ist jetzt vom Reichskanzler eine Verfügung erlassen, wonach die Stcrbeurkunve in Abschrift bei den Standesbeamten desjenigen OrlS im Znlande aufzubewah­ren ist, in welchem der Verstorbene zuletzt feinen Wohnsitz gehabt hat, oder falls derselbe nicht zu ermitteln fein sollte in dem Geburtsorte des Verftorb.Nen Der Magistrat von Berlin hat eine Instruction erlassen, baß diese Ur­kunden nicht bei den Standesbeamten, sondern im Central­bureau des Magistrats nieberzulegen sind.

ES ist, u an kann nicht einmal bezeichnen von wo, eine sehr seltsame Nachnul ausgetauch« und verbreiiet worben, nämlich die von der Möglichkeit einer Verlegung der Ber liner Universiiäl nach Charlottenburg. Tie Absurdidäi einer solchen Mitlheitung tritt von selbst heraus Denn vor Allem lautet die SlislungSurkunde auf Berlin, dann wäre dazu die Zustimmung beider Häuser der Landes- Vertretung erforderlich und bann sind bereits mehrere zur Universität gehörige Bauten in Angriff genommen oder wenigstens die Pläne dazu gefertigt, und das bereits vor Haubene UniversitätSgebäude soll selbst einem inneren Um­bau unterwoifen werben, während in Charlottenburg alle Institute, Kliniken, Laboratorien und Anatomiegebäude neu herzustellen wären. Nach dieser seltsamen Nachricht wäre das königliche Schloß in Charlottenburg zum Universitäts gebäudc bestimmt, und wie annehmen, daß die Krone diesen historisch gewordenen Palast aufgeben werde? Der Um­stand, daß Friedrich Wilhelm III. das Palais des Prinz.» Heinrich (Bruder Friedrich deS Großen) der Universiiät geschenkt, ist hier ohne Analogie, well Prinz H-inrich schon 1802 ohne Hinterlaffung leiblicher Erben gestorben, und das Grundstück leer und unbenutzt gestanden.

Auch die Angelegenheit des tünfiigen ReichStagsgebäudeS wird in der nächsten ReichStagSfession zur Sprache kommen,

und hoffentlich erledigt werden, um so mehr, da man viel­leicht auf den ursprünglichen Plan zurückkommen wird, dem jetzt in Folge des Ablebens des Grasen RaczynSki weniger Schwierigkeiten entgegenstehen als früher. Der Reichstag wird übrigens an alle seine Arbeiten große Eile zu setzen haben, da er Ende October und der Landtag am 16. Januar k. I. zusammentreten wird.

Einer der wichtigsten Gegenstände des Augenblicks, der alle Welt beschäftigt, namentlich wegen seiner möglichen Folgen, ist der Aufstand in der Herzegowina. Den Für- sie» von Montenegro und Serbien wird eS fast unmöglich, ihre Neutralität zu bewahren, indem sie eS nicht verhindern können, daß Freiwillige aus ihren Ländern sich den Aus­rührern anschließen. So fand kürzlich in Zavala (Mon­tenegro) eine von mehreren tausend Personen besuchte Volksversammlung statt, in welcher der Beschluß nefaßl worden, am Kampfe gegen die Tücken Theil zu nehmen; Zavala gehött nun aber dem Stamme der Piperi an, von dem schon jetzt Freiwillige zu den Aufständischen der Her zegowina halten, und dem gar noch die in Podgoricza Ermordeten zuqehören, was natürlich die Rachegevanken noch mehr verschärft. Die Bevölkerung Serbien« ist ganz und gar zu Gunsten der Herzegowina. In Serbien wie in Montenegro regiert allerdings faktisch das Volk, bei Fürst ist gezwungen, bem Volksgeiste zu weichen. Die Hauptstabt Mostar ist bereits von allen Seiten bebrvht, und die aus Rumelien anrückenden türkischen Truppen werden sich sehr beeilen muffen, denn <s wäre nicht un­möglich, daß die Insurgenten die bei den türkischen Befehls Habern und Bewohnern herrschende Kopflosigkeit benutzten, um den Versuch zu machen, sich des einzigen durch seine Lage wicklich festen Platzes der Herzegowina zu bemächti gen. Daher fangen bie von dvtther kommenden Nachiichlen fast an, Krirgsbulletins zu gleichen; ein Telegramm aus Ragusa sagt heute:Die Insurgenten sind am 23. d. von den Türken bei Neresinjie angegriffen worden. Kampf sehr hartnäckig. Beiderseits zahlreiche Tobte unb Verwunbeie. Am 24. machten bie Truppen einen Ausfall aus Siolutz und griffen bie Jnsurgernen bei Dalra an. Vier türkische Compagnien aus Bilechia sollten ben Insurgenten in den Rücken fallen; letztere vereitelten jedoch den Plan. Der Kampf bauerte ben ganzen Tag. Der AuSgang ist noch unbekannt. Goritza ist von ben Truppen angezündet; auch bei Gabala hat ein Zusammenst. ß statlgefunben."

Deutsche« Reich.

** Berlin, 27. Juli. Der Vicepräsident deS Staats- Ministeriums, Herr Camphausen, wirb voraussichtlich Mitte näcksten Monats von seiner Reise zurückkehren; Graf Eulenburg wirb Ende dieser Woche zurückerwartet; Dr. Falk beabsichtigt, am 10. August in das Seebad Maria Lyst in Dänemark zu gehen. Der Gesandte von Schläger ist gestern von dem Staalssckreiär von Bülow empfangen und dürste sich nun alsbald nach Washington auf seinen Posten begeben. Zunächst wird derselbe sich noch einige Tage in Lübeck aufhalten, um sich alsdann von Hamburg aus einzusaiffen. Die in ber Presse seit einiger Zeit stark ventilirten Steuerprojecte finden in competenien

Kreisen keinen Glauben und es wird thunlich fein, hinzu­zufügen, daß zur Zeit überhaupt Steuerfragen gar nicht ventilirt worden sind. Ebenso erfunden ist da« Gerücht von der Verlegung der Universität nach Charlottenburg. Bor zwei Jahren tauchte in ganz unbestimmter Form die Ansicht einiger Profefforen auf, die Universität nach Char- loltenburg zu dislociren und dieses Projekt fand aber da­mals in allen betheiligten Kreisen keinen Anklang. Seit jener Zeit hat Niemand mehr an jene Joee gedacht. Die zweite Serie derKreuzzeitungs'-Artikel, Aera-Bleich- röder, Delbrück u. s. w., welche Lasker, Bamberger und Oppenheim heißt, zeichnet sich noch mehr als die ersten Artikel durch inhaltslose Sprache aus. Der Umstand aber, daß namentlich Lasker in diesen Artikeln sehr schlecht weg- kornrnt, läßt in hohem Grade die Autorschaft merken. DieGermania" erklärt heute und wie eS sch.int mit Autorisation daß die Bischöfe nicht beabsichtigen, eine Collectiv - Erklärung in Bezug auf das Kirchengemeinden- Bermögensgejetz zu erlassen. Bezeichnend ist aber der Inhalt eines Artikels de» ultramontanen Blattes, welcher die Punkte festjetzt, welche nicht vermögen, dem Staate den Gehorsam in Betreff der Kirchengesetze zu leisten. E« ist auffallend, daß dieGermania" und dieSchlesische Volks Zeitung" in ihren Anschauungen nie recht cor- respondiren.

Matuz. 26. Juli. Die Veranstalter der Jubiläums- leierlichk.ilen können mit dem seitherigen Verlauf sehr zufrieden sein. Schon in der Frühe des gestrigen Tage- herrschte in den Straßen ein rege« Leben, besonders in ver Umgebung des Domes und des bischöflichen PalasteS. In vielen Siraßen waren die Häuser mit Kränzen und Flaggen geschmückt. Kurz nach 9 Uhr wurde der Jubilar in feierlichem Zuge, in welchem sich nebst anderen Wür- bentiägern der Kirche auch die Bischöfe von Freiburg, Eichstädt und Speier befanden, über den Gnttenbergplatz uaw dem Tome geleitet, dessen Thürme ebenfalls reich durch Fahnen und Wimpel geziert sind. Die Menge, die sich in dem Dome eingefunden hatte, zählte nach Tausenden unb fortwährend schob und drängte man sich nach allen Eingängen, so daß zuletzt sämmtliche Räume de« Tempels überfüllt waren. Nach dem Hochamle empfing der Jubilar die verschiedenen Begrüßungsbeputationen in seinem PalaiS, worauf das Fefteffen imFrankfurter Hof" begann; auch zu diesem war der Zudrang ein so gewaltiger, daß viele Gesuche wegen abioluten Mangels an Platz mußten ab­gewiesen werden. DeS Abends hatte sich schon frühzeitig der Saal desFrankfurter Hofes" gefüllt und bald nach 8 Uhr erschien der Jubilar in Gesellschaft der Bischöfe von Speyer, Eichstädt, Freiburg, sowie deS am Nachmittag angekommenen Bischofs Raeß von Straßburg und anderer Würdenträger der Kirche une nahm unter den lebhaftesten Zurufen den 'hm bestimmten Ehrenplatz ein. Pfarrer Berger aus Boppard, eine originelle Erscheinung mit lang herabwallendem Haare, las ein von ihm verfaßte« Gedicht. Unterdessen ist auch Windthorft von M'ppen eingetreten und Herr Domcapitular Moufanggetraut sich, die schon hochgradige Stimmung noch um, einige Grade zu erhöhen"; er habe, um die« zu erreichen, nur einfach der Gesellschaft

Feflgruß

t«r Feier des sünfsig-jöhrigen Bestehens

des Corps Teutonia in Marburg

am 29., 30. u. 31. Juli 1875.

von einem alten Teutonen.

ünfji- Jubelklänge tönen. Was bedeutet diese Zahl, Die zur hehren Festesfreude stimmt die Herzen allzumal?

Sind es Jahre des Triumphes der Corpsburschen Herrlichkeit, Angethan mit all dem Zauber längst enischwund'ner gold'ner Zeit,

Die wie Geister froher Jugend, tauchen auf aus heitec'm Grunde?

War's nicht hier auch war's nicht drüben? tönt's aus der Genoffen Munde Ein Erinnern, warm und innig, rauschet durch der Zeiten Bahn

Und wie Sonnenlicht bckebmd, schaut das heut'ge Fest unS an.

Sieh! bort ordnen sich die Schaaren, Schwerter Hinten, Fahnen wehen, Eine stolze zarte Jungfrau hochbegeistert sie umstehen, Blau und mild ihr Auge strahlet, hell glänzt ihrer Locken Gold, Nkoth ihr schöner Mund erglühet, lieblich neigt sie sich und hold.

Fünfzig Sieg- und Jubelklänge, schmettert, tönet durch die Welt Auf des Liedes Adlerschwingen, von der Lahn bis zu dem Belt!

Jahre sind's, oft schwer erkämpfet, und darum deS Kranzes wetth, Den Teutonia ihren Streitern in dem heut'gen Fest verehrt.

Lebe, wachse, blüh' Teutonia! habm wir doch einst gestanden Unterm Zauber Deiner Farben, den uns ewig geistverwandten!

Und wir steh'n zum Corps heut' wieder, das mit blank gezog'nm Schwertm, Mit Standartm stolz und jubelnd grüßet seine Heimgekehrtm!

Heb' denn an, mein Lied, und töne auf Teutonia'« Wohlergeh'n, Mög' das blau-roth-gold'ue Banner weithin durch Decennim weh'n! Auch den edlen BuudeSstifteru bringen wir ein freudig Hoch!

Gilt doch:Einer steht für Alle" uns als Wahlspruch immer noch!

Marburg. Karl Fulda.