LlZhrgaug.
ZNarKurg, Dienstag, 27. Juli 1875.
Ar. 173.
Anzeigen nimmt entgegen: *ic Expedition d. Blatte«, sowie die Ännoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Franksurt a. M-; Haasenstcin & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, CSln ic; Rudolf Masse in Berlin, Franksurt a. Bk. ic.
(!'ibcrl|cffifd)c Jalung.
Anzeigen nimmt entgegen: die ©xptbition d- Blatte«, sowie btc Ännoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buch druckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. <exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf«, berechnet.
£ür die Monate August und September 3 bitten wir Beftelluage« auf die Bberhessische Zeitung und des
Zllustlirten Sormtagsölattes
bei den Postanstalten baldigst machen zu wollen.
egg- Im Feuilleton kommen in diesen beiden Monaten einige sehr spannende Erzählungen zum Abdruck. — Auch wird ein ausführlicher Original- Bericht über die Enthüllungsfeier des Hermannsdenkmals im Teutoburger Wald mitgetheilt werden.
Die Exped. d. Oberh. Ztg.
LageSbertcht.
ES ist wohl mit einiger Sicherheit anzunehmen, daß Meter den deutschen Bischöfen eine Vereinbarung und Verständigung über die Nolhwendigkeit statlgesunden, sich vorläufig dem Gesetze über die Verwaltung des katholischen «irchenvermögens zu unterwerfen. So hat jetzt auch das bischöfliche Generalvicariak von Hildesheim der Obeipiäsi deuten seine Unterwetfungs-Erk.äiung in Beziehung aus dieses Gesetz zugeben lasten. Ein gewisses Aufsehen und selbst Erstaunen hat eS aber erregt, daß es gerade Dr Förster, der Fürstbischof von Breslau gewesen, der zuerst seine rückhaltlose Unlerwersungö- und GehorsamSeikläruug bezüglich des genannten Gesetzes gegeben, nachdem et in der ganzen kirchenpolitischen Frage einer der beseftigsten und beharrlichsten Opponenten gewesen. Dr. Förster schein, übrigen« gewissermaßen seine frühere zu schroffe Oppo- fltton überhaupt mildern zu wollen, wie die« Die bereits erfolgte Ernennung des WethbifchofS beweist; und die Ernennung de« Kanonikus ist, gleich auch vom Papste genehmigt worden, was auf ein gewisses „Einlenken" im Ganzen und baldige demgemäße Erklärungen anderer Bischöfe rechnen läßt.
Die „Nordd. Allgemeine Zeitung" bespricht die Er klärung deö Fürstbischofs Dr. Förster, dem Gesetze über die Vermögensverwaltung folgsam sein zu wollen und con statirt, daß der EpiScopat dadurch seinen bisherigen Stand punkt, wonach kirchenpolitische Angelegenheiten nur auf dem Wege deS UebereinkommenS zwischen Staat und Kirche zu regeln seien, aufgehoben habe. Vermuthlich habe die Curie den Bischöfen die Entscheidung sreigegeben, unter der Zu ficherung, daß ihre Entschließung nicht als Ungehorsam
sollte gedeutet werden. Man könne dieS als eine Wendung im kirchenpolitischen Kample bezeichnen. Der EpiScopat dürfte in Rom aufs Eifrigste auf die Erweiterung der Freiheit seiner Entschließungen bringen.
Die Entlastung der Reserve» bei den an den bevorstehenden Herbstübungen Theil nehmenden Truppentheilen, wird am ersten ober zweiten Tage nach Beendigung derselben, und nach dem Wiedereintreffen in den Garnisonen stattfinden. Der 18. September scheint als Entlassungs iag für die Reserven der übrigen Truppen bestimmt, doch wäre es möglich, daß im „dienstlichen Interesse" das Generalkommando Abweichungen von diesen Bestimmungen zuließe. Der 18. September ist übrigens, wie es heißt, auch als EntlastungStermtn für die Reserven der Fuß Artillerie angenommen, doch stehen der General Inspektion der Artillerie sonstige Maßnahmen in dieser Beziehung zu.
Die zum Geschäftsbetrieb innerhalb deS preußischen Staates zugelastenen auswärtigen Auswanderungsunter nehmer, sind jetzt höheren Ortes darauf aufmerksam gemacht worden, daß sie zufolge deS Gesetzes vom 7. Mai 1853 diesen Geschäftsbetrieb nur durch ihre concefftonirten preußischen Agenten ausüben dürfen, eS ihnen also, wie durch wiederholte gerichtliche Erkenntnisse festgesetzt worben, nicht gestattet ist, Beförderungsverträge mit Auswanderern, unter Umgehung ihrer Agenten, im Wege der Correspondenz ober auf andere Weise in Preußen abzuschließen ober zu vermitteln. Jedem Ziiwiberhandeln ist nicht nur bie Ein Leitung beS Strafverfahrens, sondern nach Befinden der Umstände auch der Widerruf der Concession angedroht.
Eine Privatdepesche der „Vossilchen Zeig." aus Landeck in Schlesien meldet bie dort stattgehabte Verhaltung des Grafen Tz.mbeck und feiner Mutter wegen Attentatspläne. Dzembeck sei nach Graz abgesührt worden.
In Rußland hat die Regierung eine sehr anerkennens werthe und in manchen Ländern wohl nachahmungswerthe Maßregel getroffen. Die russischen Geschworenen, oft ganz unbemittelt, müssen, zumal bei der häufig sehr bedeutenden Entfernung ihre« Wohnsitzes vvn dem Orte ihrer Session Der Erfüllung ihres Berufs die größten Opfer bringen. ES ist, befonkerö im Innern des Reiches, oft vorgekommen, daß sie im wahren Sinne deS Wortes des täglichen Lebensunterhaltes, der Nahrung, entbehrt haben. So hat vor Kurzem in Odessa der Vorsitzende das Gericht bitten muffen, den Geschworenen, meist Bauern aus weit entlegenen Dörfern, „Existenzmittel" zu bewilligen. Diese pflichtergebenen Männer hielten ihre Sitzungen regelmäßig ab, hatten aber bereits seit zwei Tagen gehungert. Diesen Uebelftänben Igegenüber hat nun die Regierung verordnet, daß in allen ! Schwurgerichtsstädten unentgeltliche Absteigequartiere für
die Geschworenen eingerichtet werden sollen, denen sehr billige, und im Noihsalle auch ganz freie Verpflegung bel- gegeben ist. Die Kosten werden von Land« und Stadtgemeinden getragen.
Die Nachrichten vom Aufstande in der Herzegowina lauten sehr bedenklich; jedenfalls schreitet die Pforte zur Entwickelung größerer militärischer Kräfte den Insurgenten gegenüber, und zur Zusammenziehung eine« Truppencorps, nahe der österreichischen Grenze, und steht sie bie von ihr ergriffenen Maßregeln für bedeutend genug an, um sich für verpflichtet gehalten zu haben, die anderen Mächte zu benachrichtigen, was sie dazu bewogen, und in welcher Weise sie dieses ausführt. In dem in Konstantinopel gehaltenen Ministerrath schlug der KriegSminister vor, die Herzegowina, Bosnien, Bulgarien und Albanien in Belagerungszustand zu erklären, doch trat dem der Großvezier entgegen, indem er zur Mäßigung rieth. Zu sürchten wäre namentlich, daß die Pforte, im Falle ste des Aufstandes Meister würde, diese Mäßigung nicht bewahrte, und so eine noch größere Gährung hervorriefe.
Deutsche, Reich.
---- Berlin, 24 Juli. Alle diejenigen, die mit unparteiischem aber aufmerksamem Auge die politischen Bewegungen, sowie das Verhalten der Volksvertretungs-Versammlungen der verschiedenen Länder verfolgen, werden jetzt nicht umhin können, einen Vergleich darüber anzustellen, was in Frankreich vorgeht und was bei dem Schluffe des preußischen Landtag« vorgegangen, und zu bemerken, wie unendlich unsere Deputirtcn den französischen nicht nut an gesundem praktischem Sinn, sondern auch an wahrem Patriotismus überlegen gewesen. Gewiß gibt e« auch in Preußen außer den verschiedenen Ansichten über die Noth- roenbigteit bet innern unb äußern Politik über kirchliche sowie über anbere administrative Fragen, au« welchen Parteien und Fraktionen der Kammer hervorgehen, Kasten- vorurtheile und Privatintereffen; mit welcher hochanzuer- kennenden Selbstverleugnung ist man bei der Provinzial- ordnung zum Beispiel zu Werk gegangen, hat man au« den verschiedensten Gruppen beider Häuser des preußischen Landtag« dahin gestrebt, vor dem nothwendig gewordenen Schluffe der Session das dem Lande als nützlich Erkannte zu vollenden. Der Kompromiß und die ganze Haltung beider Häuser in der letzten Zeit, wenigsten« ihrer großen Majorität, wird diesen zur steten Ehre gereichen. — Was geschieht in Frankreich dagegen? Die Constitution und die republikanische Regierungsform sind volirt, die Auslösung und die Neuwahlen sind dort unbedingt nothwendig geworden, sowohl für den Bestand des Soliden, als füe
Wie wm in Amerika Ehen schließt.
Der spekulative Geist der Amerikaner, die nun ihre Straßen mit Gußeisen zu pflastern und au« den Federn aller Vögel Kleiderstoffe zu bereiten beginnen, ist ja bekannt unb möge zur Illustration der auf allen Gebiet.» blühenden SpeculationSrichtung eine recht Pikante Geschichte dienen, welche demnächst vor einem Richtercollegium ihren Abschluß finden soll und in weitesten «reisen mit größter Spannung verfolgt wird.
Mr. William Sinall, ein junger Mann von etwa 24 Jahren, hatte sich mit dem Handel bunter Seideutücher so viel verdient, um sich seinem längst gehegten Wunsche ge- «äß 2 Jahre zurückzuziehen und sich dem Rechtsstudium ergeben zu können. Er hatte seine Studien — welche be kanntermaßen an keine Zett gebunden sind unb nicht auf einer Universität absolvirt werden müffen, — beendet unb meldete sich zur Advokatenprüfung.
Bei oem Präsidenten der Prüfungskommission lernte Sinall ein hübsches Mädchen, Miß Mary High, kennen, da« sich ebenfalls zur Prüfung meldete. Beide legten ihre Censurcn mit gutem Erfolge ab unb auf den Vorschlag der kleinen Mary errichteten sie sich gemeinschaftlich eine Kanzlei.
Aber weder der schlaue Witz Williams, noch Die schönen blauen Augen Mary'S — Qebe Marie hat wohl blaue Augen?) — zogen Klienten heran.
„So kommen wir zu nichts", — sagte eine« Tage« Mr. Sinall zu Miß H»gh - »wir müssen heirathen, lieber Collega."
„Da« würde wenig Helsen", erwiederte Mary, „über- die« gefällst du mir nicht."
„Du hast mich schlecht verstanden. Wir werden uns ja nicht gegenseitig heirathen. Du mußt dir einen Mann suchen und ich schaue mich nach einer Frau um."
»Ich finde keinen Man», wie ich ihn will, lieber Wil Ham, weil ich kein Geld hab«."
„Richtig Maiy. Also höre meinen Plan. Wir behalten die Kanzlei weiter in Gemeinschaft und machen einen Vertrag. Mit etwas Humbug schaffe ich mir leicht ein Mädchen mit 20,000 Dollar«, wenn du konsequent meinen reichen Compagnon fpielst. Von meiner erheiratheten Mitgift gebe ich dir Die Hälfte, also 10,000 Dollars unb mit diesem Gelde kannst du sehr leicht eine brillante Partie mache», den» da bin ich der reiche Compagnon. Hast du aber einmal geheirathet, wirst Du wohl geschickt genug sein, die dir als Mitgift vorgestreckte Summe mit Den gebühren Den Interesse» in die Kanzlei fließen zu lassen und mich bezahlt zu machen."
Mary lachte über bie Spekulation ihres Herrn Collegen laut auf und schlug ein. Der Vertrag war bald geschlossen unb 2 Monate später heirathele William Sinall die Tochter eines Ciganensabrikantc«, mit i elcher er 20,000 Dollars erhielt, 4 Monate später ober würbe Mary High einem Krinolinfabrikanten angetraut, bem sie 10,000 Dollars mitbra&te.
Nicht ganz 2 Jahre brauchte Mary dazu, um ihre Mitgift zurückzubezaheen unb als, dies geschehen war, erzählten bie Collegen die luftige Geschichte ihren Ehehälften. Diese fanben aber bie Sache nicht sehr luftig.
Die Tochter bes @igarreiifabdfanten war entsetzt bar.- über, daß sie William eigentlich nur zur grau nahm, um Mary zu einem Mann zu verhelfen, unb der Krinolin- fabritant sah ein, baß ihm seine Frau eigentlich die Mitgift nut borgte. Beide haben die ScheibungSklage einge- reicht, welche nun demnächst in New Hort ver hanc eit werben soll; — doch nach der Auffassung vvn Mary unb William. die sich selbst vertheidigen werden, wirb die Anklage keine» Erfolg haben.
William Sinall hat ja seine Frau nicht geschädigt, denn bk weggeborgte Häl te ihrer Mitgist wurde zurück bezahlt; Mary hat aber ihren Mann auch nicht geschädigt,
beim er hat mit ihren erborgten 10,000 Dollar« in seinem Geschäfte ebenso viel verdient.
Möge» die Scheidungsprozesse wie immer enden, — die Genesis derselben bietet immerhin einen interessanten Beitrag zur Geschichte der Eheschließungen in Amerika.
Heute ist übrigens William vermögend und Mary hat außer ihren blauen Augen jetzt auch einige tausend Dollar«. Die Gefahr ist also für Beide heute nicht mehr groß.
EiuizrS über die «merikauische Presse.
(AuS New Jork.) Bei dem Vertrieb der hiesigen Zeitungen ist befoi.Der« ins Auge zu fassen, daß im Publikum ein ganz bedeutend größeres und allgemeinere« Interesse vorherrscht, bie Zeitungen zu lesen, als dies in Deutschland ja sogar in England bet Fall ist. In ben großen Städten jft eS Sitte, daß die Anhänger der einen Parteirichtung nicht allein da« Blatt täglich lesen, welche« ihrer politischen Meinung huldigt, sondern auch die Ansichten der Gegenpartei möglichst oft lesen und hören Weiter enthalten bie großen amerikanischen Blätter so viel nichtpolitischen Stoff, nam ntlich Adhanblungen über wissenschaftliche, landwirth- schaftliche unb soziale Verhältnisse, baß bei einer großen Anzahl von Lesern die politische Färbung eine« Blatte« fall zur Nebensache wirb, wenn baffelbe nur alle übrigen, mit bem LanoeSwohl zusammenhängenden Verhältnisse berührt unb möglichst erschöpfend behandelt. — So entstaub hier ein Zweig ber TageSpresse, bet in Deutschlanb erst in ben Anfängen bekannt ist: die halbwöchentliche oder wöchentliche Ausgabe der TageSblätter, wie solche alle großen hiesigen Zeitungen, auch die deutschen, veranstalten. Tiefe halbwöcheiitlichen und u öd)entließen Ausgaben haben aber hauptsächlich auf bem Lande, nicht in ben Städten, ! wo sie erscheinen, unb im Auslande ihre Abnehmer, unb dadurch wird der Leserkreis dieser WochenauSgaben ein von