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»r. 172.

Marburg, Sonntag, 25. Juli 1875.

X Mrgang.

MmMlht Jalung

Die Kriegsnachrichten aus Spanien sind augenblick- lich insofern verworren, als madrider Meldungen behaupten, Dorregaray sei verwundet auf franzgstfcheS Gebiet geflohen, während von Frankreich aus diese Angabe verneint wird. Doch scheint festzustehen, daß die flüchtige carlistische Cen­trumsarmee bei Pont de Var am 19. d. MtS. eine neue

rungstruppen mit der Einnahme deS Forts Collado de Alpuente, besten 300 Mann starke Besatzung sich auf Gnade und Ungnade ergab. Die Nordarmee setzt ihre Vorbereitungen zur Absperrung der carlistische» Hauptarmee in Navarra fort.

Am 4. October findet laut kaiserlicher Enlschließung vom 4. Juli die feierliche Eröffnung der neugegründeten Franz-Joseph Universität in Czernowitz statt. O e st e r r e i ch wird dadurch um eine Hochschule reicher, während die älteste derselben, Prag, durch eine Tactlostgkeit der Bureau- kratie in die Gefahr kam, zu Grunde gerichtet zu werden. In Folge höchst unliebsamer.Vorgänge hat Professor Henke eine Berufung nach Tübingen angenommen, dagegen bleibt Profeffor Hering in Folge eines Schreibens von Stremayr, worin er erklärt, daß man im Ministerium von jeder Gehässigkeit entfernt sei und seinen Abgang bedaure. Der Rector der Prager Universität, Professor Hafner, wurde wegen bi6 Universitälöconfllkts am 19. nach Wien bejchiedcn. Die Czechen sind natürlich eben so entzückt! wie die Römlinge über die Zerwürfniste. Beiden ist ohne­hin durch Erlaubniß zur Gründung einer katholischen Aka demie eine neue Concesston gemacht worden. Die brünner Arbeiteinstellung ist in ein auflösendcs Staoium eingetreten, obwohl noch nicht Alles ausgeglichen ist.

Eine wahre Geschichte.

In der Residenzstadt . . . versammelte sich jeden Mittag im Hotel M. eine ausgewählte Tischgesellschaft, bestehend aus den höchsten Beamten als Abonnenten. Ein alter General,Excellenz« . . . behauptete seit einer Reihe von Jahren den Vorsitz und verstand eS vortrefflich, als geist­reicher alter Junggeselle die Liebhabereien der übrigen Tischgesellschaft zu anziehenden, stets wechselnden Unter- haltungsstoffen zu verwerthen. Heute mußten die Beob achtungen des GeheimrathS ... in Beziehung auf seine Vogelhecke, morgen die Blattpflanzen deS MinisterialdirectorS . . ., ein anderes Mal das Pudelpaar deS Obersten . . . herhalten, um Lin«, oder Buffon, oder Brehm in dieser oder jener Darstellung zu ergänzen oder auch wohl zu widerlegen. Am häufigsten gelangte die Münzsammlung des Geh. Archivrathes . . . aus's Tapet, weil ihr geist­reicher und lebensfroher Besitzer keine Kosten und Mühen scheute, Neues zu erwerben und das Erworbene stets pünktlich mit in'S Hotel brachte, um dort seine Novitäten bewundern zu lassen. Eines Tages trat dieser unser Sammler, gegen die gewohnte Pünktlichkeit verspätet, erhitzt, aber vor Freude strahlend, in den Speisesaal.Excellenz« begrüßte ben Eintretenden zuerst mit den Worten, daß er wohl gute Zeichen mitbringe. Statt jeder Antwort warf der Archivrath eine prächtige große Goldmünze auf einen Teller und stellte denselben vorExcellenz« mit der Erklärung hin, daß er soeben den Handel über den Erwerb dieses seltenen Stückes, welche- als Erinnerungszeichen an die Krönung deS deutschen Kaiser- vor mehr als vier Jahr­hunderten geprägt worden sei, abgeschloffen habe, und daß

Und der Regen, er regnet jeglichen Tag«, konnte England in der vergangenen Woche seufzend citiren; denn der Himmel hat de« Guten zu viel herabgeschickt auf das meerumfloffene Albion, wie auch auf manche Länder de- Continent«. Große Ueberschwemmungen setzen niedrig gelegene Gründe der südlichen, östlichen und mitt­leren Grafschaften der Insel auf viele Meilen weit unter Wasser und haben den bisher sehr günstigen ErnteauSsichten bedeutenden Eintrag gethan. Abgesehen von den Hausster« ber Getreidebörse zog nur daS Parlament insoweit einen Vortheil aus dieser Witterung, als es in seiner fleißigen Arbeit nicht durch die sonst meist so drückende Zulihitze belästigt wurde, und doch ist es recht unzufrieden, daß der Premierminister ihm noch nicht da« Zeichen der baldigen Entlassung gegeben hat, nämlich die Ankündigung de« bethlehernitischen KindermordS«, der alljährlich vor Schluß der Session an einer Reihe von unschuldigen Gesetzvorlagen vollzogen wird. So dürfte e« sich noch auf drei weitere Wochen gefaßt machen. In den neuen Arbeitergesetzen ist ein tüchtiger Schritt zur Erledigung hin geschehen.

Der König von Schweden, der am 6. d. Stockholm verlassen hatte, ist au« Rußland dort am 19. d. wieder eingetroffen. In Riga, wo er am 7. d. eingetroffen war, hat er das Haus der Schwarzhäupler, einer alten Patricier- Corporation, und die Domkirche besucht und sodann die Reise über Dünaburg, WitebSk und Smolensk direkt nach Moskau fortgesetzt. Nachdem er sich dort mehrere Tage aufgehalten, ist er am 14. d. nach Petersburg gekommen und vom Kaiser Alexander und der kaiserlichen Familie aus« freundschaftlichste empfangen worden. Am 16. hat er da« diplomatische Corps empfangen und den Botschaftern der Großmächte seine Gegenbesuche gemacht. Am 17. fand 'hm zu Ehren eine große Flottenschau bet Kronstadt statt und von dort trat er denn auch am Tage darauf noch die Heimreise an.

Die seit dem 1. Juni in Petersburg zum inter­nationalen Telegraphencongreß versammelt gewesenen Be­vollmächtigten aller Länder der Erde haben sich zu dem Entwürfe einer Convention geeinigt, deren endgültiger Ab­fluß auf diplomatischem Wege erfolgen wird. Am 18 d ist der Congreß geschlossen worden.

Der Aufstand in der türkischen Herzegowina ist noch keineswegs erstickt. Die Unterhandlungen der von der Pforte ermächtigten Commiffare haben nicht verfangen, d,e Sleucrverweigerung dauert fort. Der Gouverneur von Bosnien hat Truppen nach Mostar geschickt, welche gegen Nevesinje, den eigentlichen Herd der Empörung vor­rucken sollen. Die öfterr. Regierung hat ihre Grenzen voir Gaba bis Trebinje militärisch besetzt.

er sich nun glücklich schätze, von den 7 nachweisbar noch existirenden Stücken dieser Präge ein Exemplar zu besitzen. Das prächtige Goldstück machte wiederholt die Tafelrunde und bildete diesmal den ausschließlichen Gegenstand der Unterhaltung. Zu den sichtlichsten und größten Bewun­derern gehörte der einzige fremde Gast, welcher unten an der Tafel Platz genommen hatte und sich nicht satt sehen konnte oder doch sehen zu können schien. Unterdeffen war bereits der Nachtisch erledigt, die Schalen mit Kaffee ruckten vor, als der Archivrath sich nach seiner Goldmünze umsah. Die Münze war aber verschwunden. Auf die laute, an sämmtliche Anwesende gerichtete Nachfrage wollte Niemand die Münze zuletzt beseflen haben. Der steiS wachsenden Verlegenheit deS Archivraths, der von seiner ersten Äufaffung, daß das Verschwinden der Münze einem Scherze beizumessen sei, zurückgekommen war, entsprach die immer dringendere Nachsoischung nach dem Verbleib der Münze.

Die Einen erhoben sich von ihren Sitzen, Andere machten den vergeblichen Versuch, die etwa unversehens in die Rockärmel entschlüpfte Münze herauszuschürteln. Alles vergebens. Von Augenblick zu Augenblick wuchs die Peinlichkeit der Lage, indem die Verlegenheit der Einzelnen sich hinter Zuflüsterungen von Einem zum An deren zu verstecken schien. Immer mehr und mehr fielen eie Blicke auf einen Fremden unten am Tische. Ihm fclbft konnte der auf ihn gelenkte Verdacht nicht entgehen. Seine sichtliche Verlegenheit steigerte die Symptome des Argwohns, bisExcellenz" laut das Wort nahm und also die Anwesenden anredete:Meine Herren, der Spaß hat ein Endel Einer von un« besitzt die Münze. Wir

Politische Wachen-Ueberficht.

DaS politische Hauptereigniß der Woche bildeten für Deutschland die nunmehr vollzogenen baierischcn Ur wählen. Noch bis an den Vorabend der Wahl rechnete die dem gegenwärtigen Ministerium Pfretzschner feindselige baierische Partei«, die Ultramontanen und Patricularisten, für sich eine Mehrheit von mindestens sechs «Stimmer heraus, wobei namentlich auch Würzburg und zum Theil auch München von der Partei in Anspruch genommen wurden. Die erzbischöflichen und bischöflichen Hirtenbriefe für München, Würzburg, die Rheinpfalz hatten nach Krätten ihre geistliche Autorität für die Partei ins Feld geführt. Unter diesen Umständen ist eS ganz natürlich, daß das wirkliche Gcsammtergebniß, nach welchem nun von beiden Theilen für die nächste baierische Abgeordneten­kammer das Verhältniß von 77 nationalen und regierungs freundlichen Liberalen gegen 79 oppositionelle Particularisten und Ultramontane erwartet wird, von den Liberalen mit Jubel begrüßt wurde. Auch in Heffen sind die neuen Abgeordnetenwahlen nunmehr vollendet und haben der Re­gierung, trotz aller Agitation des Bischof« von Mainz wegen der neuen Kirchengesetzte, die alte Majorität ziemlich ungeschwächt zurückgegeben. Nur in Rheinhessen haben die Ultramontanen zwei Sitze gewonnen, so daß sie in der nächsten Kammer über 5 gegen 45 Stimmen verfügen werden. In Preußen soll der Fürstbischof Förster von BreSlau der Regierung die in dem Gesetze wegen der Vermögensverwaltung in den katholischen Kirchengemeinden geforderte Erklärung, die Vorschriften deS Gesetzes befolgen zu wollen, bereits eingesandt haben. Am Sonnabend ist nach einmonailicher Dauer die erste Session des Landes ausschusses für Elsaß-Lothringen geschlossen worden und der Oberpräsident von Möller gab derselben das Zeugniß, daß die Delegirten Unbefangenheit und Sachkunde mit männlichem Freinmthe bewährt haben.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

All- unterwerfen uns der Untersuchung. Ein HundSf. wer von dieser Untersuchung den Saal verläßt.« Der Fremde erblaßte. Im Begriffe, sich zu erheben, sank et »te ermattet auf seinen Stuhl zurück. Kein Zweifel et war der Dieb. Da trat der Saalkellner ein, auf einem Teller die Münze überreichend. Der brave Spüljunge hatte sie auf einem Teller gefunden und die Münze dem Koch gebracht, der Koch überantwortete sie einem Dienet de« Hanfes, der Diener dem Kellner. Da« verlegene Drängen wegen Wiedererlangung der Münze im Saale halte einem stummen Erstaunen und einer gewiffen Be­schämung auf Seiten Aller, die ungerechten Verdacht ge­hegt hatten, Platz gemacht. Der Abschied von einander sollte die Erlöiung bringen. Da erhob sich der Fremde und richtete an die stumm lauschenden Anwesenden fol­gende Worte:Meine Herren! Ihr Verdacht ist mir keineswegs entgangen. Sie standen im Begriff eine außergewöhnliche Maßregel zu ergreifen. Ich war al» das hauptsächlichste Ziel derselben ausersehen. Sie wähn ten in mir einen Dieb zu entlarven, der mit unerhörter Frechheit sich in Ihre Gesellschaft zum Betriebe seine« saubern Handwerks eingeschlichen hat. WaS würden Sie gesagt und gethan haben, wenn der Küchenjunge ein Schurke, der Koch, HauSd.ener und Kellner Schufte ge­wesen wären und die gesundene Münze unterschlagen hatten, und wenn Sie durch Ihre beabsichtigte körperliche Untersuchung in einer Tasche ein Exemplar der gesuchten Münzpräge gefunden hätten, wa« ich Ihnen hiermit vor- lege. Imi selben Augenblicke warf der Fremde vor den

erstaunten Zuhörern ein zweites Exemplar der Münze auf den Tisch. 0 1

DieSchweiz verlor durch den Tod ihren verehrten greisen Helden General Dufour, denWashington der Schweiz". Derselbe starb am 13. Juli zu Genf im Alter von 88 Jahren'

Das italienische Ministerium hat die drei Mit­glieder der sicilianischen UntersuchungScommisston gewählt, deren Wahl der Regierung zustand, und somit ist die Commission vollständig und kann ihre Arbeit beginnen.

Frankreich erlebte wieder einige stürmische Tage, ohne daß die Spannung in den Gemüthern gehoben ober die Entscheidung des Kampfes zwischen der Majorität vom 25. Februar und der Regierung nebst der Rechten, welche die Verfassung zum tobten Buchstaben machen will, geför­dert wurde. Am 15. Juli kam eS bei der Fortsetzung der Verhandlungen über daS bonapartistischeComite zur Be­rufung ans Volk" szn einem jener unverhofften parlamen­tarischen Gewitter, die dann mehrere Tage als Landregen in der Preffe nachwirken. Buffet vertheidigte zuerst ganz correct, wenn auch zu sehr im Tone der Entschuldigung, den PolizeiprSfecten gegen den Vorwurf, als verfolge er die Bonapartisten; dann aber nahm er plötzlich die bei «hm stehend gewordene Wendung, die Hauptgefahr drohe dem Lande von der rabicakn Partei. Dufaure suchte die- sen Ausfall daburch abzuschwächen, daß er zu Gunsten Renault'« erklärte, er würde nicht im Ministerium bleiben, wenn die Regierung nicht den Partei-Umtrieben gegenüber die gehörige Wachsamkeit entfalte. Hierauf griff Gambetta in die Verhandlung ein, indem er das Cabinet als ein blos geduldetes hinstellte. Buffet benutzte diese Gelegenheit, um die von Baragnon gestellte Tagesordnung:Die Nationalversammlung geht im Vertrauen auf die Erklärung cer Regierung zur Tagesordnung über« zu verlangen, die denn auch richtig mit 483 gegen 3 Stimmen durchging, nachdem die einfache Tagesordnung mit 424 gegen 272 Stimmen verworfen worden. Büffels Sieg hat aber nicht da« Sabinei befestigt, sondern nur die Linke noch mehr erbittert; Gambetta aber mußte erfahren, daß er mit seiner bisherigen gezwungenen Mäßigung so wenig wie mit einer gelegentlichen Zornentfaltung den Verlauf der Abstimmungen zu beherrschen in der Lage ist. Thiers hält sich in letzter Zeit nicht ohne Ostentation von den Sitzungen der Na- , tionalversammlung zurück.

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Niederlage erlitten hat. Obwohl sie catalonischen Boden betreten, ist ihre Lage vor den aus verschiedenen Richtungen sie bedrängenden Corps der Verfolger doch eine sehr be­denkliche; Uebertritte nach Frankreich und Desertion haben ihr schon erhebliche Einbußen zugesügt. Einen Erfolg, der insofern wichtig ist, als er den Fall des letzten carlistischen Bollwerks südlich vom Ebro bedeutet, erzielten die Regie

Anzeigen nimmt entgegen: Me Echebitio« I. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Eo. in Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Earl Schüß- v ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.