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S'r. ISO.

Jliaröurg, Freitag, 23. Juli 1875.

x. Jahrgang.

Anzeigm nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Burcaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln 2c; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die E^edittoit d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.- Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt o. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Wetttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerer) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. !exl. Bestellgebühr). — JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeue 10 Bfa

Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Die Münzreform.

Da» alte Sprichwort: „Wer am Wege baut, hat viele Meister" hat sich selten in dem Maße bewahrheitet, wie bei der Durchführung der Münzresorm. Dieselbe ist ein „Bauen am Wege" nicht allein in dem Sinne, daß Jeder, der de» Wege» zieht, dem Werke zuschauen und ein Urtheil über dasielbe fällen kann, sondern auch in dem Sinne, daß der Weg selbst ein Objekt der Bauthätigkeit wird und die Gangbarkeit desselben vorübergehend sehr erschwer' wird. Wenn eine Straße umgepflastert, eine Chaussee renovirt wird, so entsteht dadurch eine Zeit lang eine be­deutende Belästigung de» Verkehrs; wer aber möchte wün­schen, daß man, um solchen vorübergehenden Belästigungen zu entgehen, auf alle Wegebauten verzichtet? Unsere gegen­wärtigen Münzzustände find unbequem, das ist nicht zu leugnen; allein diese Unbequemlichkeiten lagen in der Be­rechnung und mußten schlechterdings in den Kauf genommen werden, wenn man nicht in Deutschland in der ganzen Zerrisienheit und Mangelhaftigkeit seiner alten Münz zustände belassen wollte. Der Regierung kann nach unserem Dafürhalten kein Vorwurf, jedenfalls kein erheblicher ge macht werden.

Von den verschiedensten Seiten wird jetzt die Gold­währung bekämpft. Wir können nicht das ganze Für und Wider darüber wiederholen, das zu einer Bibliothek ange- wachscn ist. Wir beschränken uns, einen einzigen Grund anzuführen, der für die Goldwährung, wie wir glauben, entscheidend ist. Wir mußten zur Goldwährung übergehen, weil unser Verkehr so bedeutende Verhältnisse angenommen hat, daß wir außer Stand gesetzt sind, die erforderlichen Umsätze mit Silber zu bestreiten. Wir mußten zur reinen Goldwährung und nicht zur Doppelwährung übergehen, weil die gesetzliche Doppelwährung gleichbedeutend gewesen wäre mit der thatsächlichcn Silberwährung und uns daher nicht in den Stand gesetzt hätte, das Uebermaß der Papier- emisston zu vermeiden, welches der unzertrennliche Begleiter der Silberwährung ist. Wir mußten jetzt zur Goldwährung übergehen, weil uns die französische Kriegskontribution in den Stand gesetzt hat, das reine Wasser — das Gold — anzuschaffen, bevor wir das unreine Wasser — das Silber — auSgegoffen hatten. Zu jeder anderen Zeit würde die Beschaffung eines doppelten Bestandes an Edelmetall un­überwindliche Schwierigkeiten bereitet haben.

Man hat die Regierung verantwortlich machen wollen

für den Abfluß von Gold In das Ausland. Dieser Abfluß ist aber nicht die Folge irgend eines Fehler», den die Regierung begangen hatte, sondern die Folge des Umstan­des, daß wir Schulden an das Ausland halten, zu deren Deckung uns keine anderen Mittel zu Gebote standen. E» gibt keine Münzordnung, durch welche die Staatsregierung ihre Angehörigen von der Nothwendigkeit befreien kann, ihre Schulden zu bezahlen. Der Goldabfluß muß sein Ende in dem Augenblicke nehmen, wo die Schulden bezahlt sind und dieser Augenblick scheint jetzt gekommen zu sein.

Man macht der Regierung einen Vorwurf daraus, daß die Münzreform nicht schnell genug vorschreitet. Ja, zur Durchführung einer so großartigen Münzreform gehört vielerlei. _ @6 gehört dazu, daß ein bis anderthalb Milli arden Münzstücke geprägt werden — bis zur Stunde sind etwa dreiviertel Milliarden Stück geprägt —; e» gehört dazu, daß über hundert Millionen Papierzeichen neu ge­druckt werden; daß viele Gentner Münzen in den Schmelz tiegel wandern — wo ist denn etwas versäumt worden? Alle unsere Münzstätten arbeiten mit Abspannung der höchsten Kraft.

Ein Umstand, der die Durchführung der Münzreform sehr erschwerte, war die Schwierigkeit, die kleinen Bank noten frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Die Silber­währung konnte die kleinen Banknoten nicht entbehren, die Goldwährung kann sie nicht ertragen. Wir waren in die Nothwendigkeit gesetzt, die geprägten Goldmünzen in dem Keller zu verwahren, bis durch die Zurückziehung der kleinen Banknoten ihnen Raum in dem Verkehr geschafft war. Mit den kleinen Banknoten wurden die Goldmünzen ange- kausl, die aus Speculation in das Ausland versendet wurden, und sobald dieselben beicitigt sind, hat Niemand mehr die Mittel, zu solchen Zwecken Gold anzukaufen. Seltsamer Weise sind es eben dieselben Stimmen, die noch vor 6 Monaten den kleinen Banknoten das Wort geredet haben, welche jetzt der Regierung einen Vorwurf daraus machen, daß sie das Gold nicht in den Ver­kehr läßt.

Man macht der Regierung einen Vorwurf daraus, daß der Preis des Silbers fällt. Aber der Preis des Silbers würde unter allen Umständen gefallen fein und es ist bester, daß ein Edelmetall, dessen Preis fällt, für uns ein bloßer Handelsartikel, als daß eS die Grundlage unseres Münz

systems sei. Gegenwärtig verlieren wir nur an dem Silber, welche» in Gestalt alter Münzen bei uns herumläust. Hätten wir die Silberwährung noch, so müßten wir fort­dauernd neues Silber zu Prägungszwecken ankausen, mit der bestimmten Aussicht, daran Geld zu verlieren. Gegen­wärtig gewinnen wir am Golde, während wir am Silber verlieren; hätten wir die Goldwährung nicht, so würde dieser Gewinn un» entgehen.

ES liegt zu den Angriffen, welche gegen die Minister Delbrück und Camphausen gerichtet werden, nicht der ge­ringste Grund vor. Das schwierige Werk, welche» zu voll­enden war, konnte in keine zuverlässigere und geschicktere Hände gelegt werden.

Tage-bericht.

Die „Prov. - Corresp." enthält einen längeren Artikel über die bayerischen Landtagswahlen, worin sie schließlich schreibt: Das darf man schon jetzt als gewiß annehmen, !daß die parlamentarischen Verhättniffe in Bayern auch j nach diesen Wahlen die dortige Regierung nicht hindern können, die Wege einer ,reichstreuen, im wahrsten Sinne patriotischen Politik weiter zu verfolgen, einer Politik, wie sie König Ludwig im vollsten Bewußtsein der Pflichten gegen fein Land, zugleich aber in ächt deutschem Sinne unbeirrt innegehalten hat, einer Politik, welche..dem baye­rischen Throne und Staate eine hervorragende und geach­tete Stellung inmitten de» großen, starken deutschen Ge­meinwesens gesichert hat.

Der Minister des Innern hat eine Verfügung erlassen, in welcher es dem Berliner Unionclub gestattet wird, eine Pferdeschau, verbunden mit einer Lotterie, zu veranstalten. Die Vorbereitungen zu dieser Pferdefchau erfordern längere Zeit, so wird diese erst im Mai des nächsten Jahres stattstnden können, und soll sie nach den Principien Lon­dons und Paris auf Aussehen, Leistung und Zuchtwerth Rücksicht nehmen. Dies Unternehmen kann nur von gün­stigstem Erfolg für die Landespferdezucht fein, deßhalb muß bei einer Organistrung von allen Seiten guter Wille und Geschick genug angeroenbet werden, um es zu so dauerndem Gelingen zu bringen, wie eben in England und Frankreich. Alle Vorarbeiten sind übrigens schon im Gange.

Der Fürstbischof Dr. Förster hat die in dem Gesetze über die Verwaltung des Verwögen» der römisch katholischen Kirchengemeinden vorgeschriebene Erklärung, dem Gesetze

Der ReiS.

Der Reis gehört, wenn auch für uns nicht gerade zu den wichtigsten Nahrungsmitteln, doch immerhin zu den­jenigen Suppeningredienzien, welche allgemein gebräuchlich genug sind, als daß eine Hausfrau, welche ihn doch durch­schnittlich mindestens einmal in der Woche auf den Tisch bringt, ja ihn sogar mitunter in Gestalt einer mehr oder minder gern gesehenen HülfStruppe des eigentlichen Mahles ausmarschiren läßt, nicht gern etwas über seine Kultur erführe.

Die Heimath deS Reisgrases ist vermuihlich Hinter­indien und war sein Korn in Indien, China und ver- muthlich auch in Japan schon 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung im allgemeinen Gebrauche. Seine Pflege ver­breitete sich dann zunächst nach Persien und Arabien und die Araber trugen sie weiter nach Aegypten, Sicilien und Spanien. Ziemlich ausgedehnt tritt der Reisbau im 16. Jahrhundert bereits in der Lombardei auf. Besonders be­deutsam wurde seine Ueberführung nach Amerika (Ende des 17. Jahrhundert»)/ wo sich sein Anbau namentlich in den marschigen Niederungen von Südcarolina mit so raschen Schritten entwickelte, daß schon bald beträchtliche Aus­fuhren möglich wurden. Recht eigentlich in der heißen Zone gedeihend, hat er sich auch außerhalb derselben als kulturfähig gezeigt und baut man ihn in Europa, sowohl in Spanien und Portugal, wie in Italien und es ist be sonders Oberitalien — bis in die Nähe Tirols kommt er vor — wo er in den wasserreichen Niederungen des Po seine wesentlichsten Lebensbedingungen findet.

Denn der Reis ist ein Sumpfgras. Zu seinem Anbau gehört vor allem Wasser. Deshalb ist aber fein Anbau ebenso mühevoll wie ungesund und die Reisfelder sind die Brutstätten der schlimmsten Fieber. In Italien setzt man den Boden, nachdem man ihn im Wtnter einigemale ge­pflügt hat, vor der Einsaat mehrere Tage unter Wasser, bringt darauf dm Samen in das feuchte Erdreich, wässert wieder und wechselt bi» zur Samenreife noch mehrere male mit Ueberschwemmung und Trockenlegung ab. Je wehr sich nun überall, wo Reis gebaut wird, eine genügende Bewässerung als nothwendig zum Gedeihen herauSzestcllt, »m so mehr muß es Wunder nehmen, daß gleichwohl auch

eine Reiöart ohne viel Wasser fort zu kommen gelernt hat und zwar der sogenannte BergreiS, der von den Berg­bewohnern Indiens angebaut wird und ein kleineres Korn, kürzere Halme und eine kürzere Vegetationszeit hat, als der gewöhnliche, da er in vier Monaten reift, während der andere zur vollständigen Entwickelung sechs Monate bedarf.

Bei der Ernte werden die Körner tragenden Rispen abgeschnitten und die Frucht durch Dreschen, Walzen oder Austreten,. was meist durch Thiere geschieht, abgesondert. Man erhält so den rohen oder ungeschälten Reis, der ebenso wie das Gersten- oder Weizenkorn mit einer fest- anliegenden Schale umgeben ist, welche vor der Verwendung der Körper entfernt werden muß. Dies geschieht nun mei­stens auf Stampfmühlen.

Früher kam der Reis größtenth.ilS schon geschält nach Europa. Da aber die uuenthülllen Körner sich beim Trans- Porte besser halten und außerdem durch eine sorgfältige Ausführung deS EntschälungprozesseS die Ouälitäl der Waare erhöht werden kann, so wird der meiste Reis jetzt im rohen Zustande herangebracht und erst in den Hafen­städten auf Maschinen enthülst und geglättet.

Während er vor einigen 20 Jahren noch zu den Luxus- Mitteln gehörte, ist seine Ausbreitung mit Hülfe des Hanvels ununterbrochen gewachsen und man kann wohl sagen, daß heute bereits weit mehr als die Hälfte der Menschheit zu den Reisessern zählt.

An sich betrachtet ist der ReiS ein leicht verdauliches aber auch leicht gehaltigcs Nahrungsmittel mit viel weniger eigentlichem Nahrungsstoff als die übrigen (Setreibearten, da er nur 33/s Procent stickstoffhaltige Bestandtheile auf 85 Procent Stärkenmehl enthält, also in seiner Zu­sammensetzung näher den Kartoffeln al» einer unserer Kornfrüchte steht.

Die Handelssorten deS Reises werden nach den Erzen gllngSarten benannt.

Obenan steht der Qualität nach, der Carolina'S. Er hat ein langes, eckiges, mattweißes oder durchscheinende» Korn von reinem Geschmack. Der Savannahreis (von dem Grenzfluß zwischen Südcarolina und Georgia) ist eine geringere Sorte, kleinkörnig, etwa» röthlich. — Bon

de» ostmdischen Sorten steht der bengalische Rei» oben an. Er ist grob, aber grobkörnig, röthlich und schwer zu enthülsen. Patnarei», die andere Hauptsone Ostindien», 'st in Europa mehr geschätzt als die erstere. Sie ist kleinkörnig, das Korn langgestreckt und von vorzüglicher Weise. Rangunreis ist gute Mittelsorte. Der Arracan» reis (aus der gleichnamigen hinterindisch-englische» Provinz) tst zwar noch nicht lange ausgetaucht und hat sich doch seiner Wohlfeilheit wegen rasch populär gemacht. Aber seine Produktion ist bereits wieder sehr in Abnahme begriffen. Der von den Holländern impotirte Zavarei» ist meist von guter Qualität, theils weiß, theils gelblich. Die beste Sorte ist der in Holland enthülste und gesichtete sogenannte Tafelreis. Uebrigend haben sich biefe» Namen» in neuerer Zeit auch anbere Sorten bemächtigt unb muß man beshalb bei bet Wahl mit Vorsicht verfahren. Der Javareis steht in bet Preisscala sogleich hinter der Caro- linawaare unb ist im Korn etwas kleiner unb weißer al» der amerikanische. Es reihen sich daran: Patna, bester italienischer, Rangun, Bengalischer, geringer Java, Arracan (prima), Siam, geringerer Arracan.

Italienischer Reis bildet, wenigstens für da» südliche Deutschland, einen Hauptartikel. Seine Körner sind dick und rundlich, in guter Sorte weiß unb von reinem Ge­schmack. Der Werth ber verschiedenen Sorten erzieht sich so: Obenan steht ber Reis von Ostiglia, bann ber von Verona, e» folgt der mailändische unb piemontesische Letzterer ist etwas gelblich unb hat öfter einen Bei­geschmack. Der Reis aus der Romagne ist unrein und geringwerthig.

Es erübrigt schließlich anzuführen, daß der Reis da» Material ist, ans welchem in Ostindien der Arrac ae» bräunt und gebraut wird, unb baß bie Englänber außer- bem besonders noch mit Reisstärke ein bedeutendes Geschäft machen. '

Anfangs war dieselbe so theuer, ist aber jetzt schon «» • Wohlfeil und doch ausgiebiger al» die Weizenstärke. Reismehl ist schließlich ein Artikel, der ebenfalls be­sonders in England zu Nahrungszwecken stark ver­braucht wird, bei uns aber noch wenig Eingang hat finden