tr. 166.
Marburg, Sonntag, 18. Jnli 1875.
x. Jahrgang.
aufgepflanzt haben
von Ihrem Töchterchen daraus Borgelesenen erblicken zu
aus Borgeleienen erbi.cken zu 6cim E.nlreten m dasselbe einen Ausbruch ihres Ünmutbs °demLuaeE^' a^^ die ftber?ie Wn*1k Politik Preußens
müssen. Das Bild ist mir
Erscheint täglich außer den
Brünner Arbeitern ausgeglichen.
Das Berner abend (10. Juli)
Mama, cs ist schmachvoll, wie Preußen sich an Deutschland verschuldet Hal! Dieser Ausruf eines Mädchens, das grade auf der Grenze des Kindes und des Backfisches stand, frappirte mich; er verwirrte mich im ersten Augenblicke so, daß ich fast die respektvolle Begrüßung vergaß, aber eS fuhr mir auch nut einem Schlage der Entschluß durch die Seele; was an und in dir ist, das letzest du von Stund an ein zur Sühne dieser jedem Preußen obliegenden Schuld der Väter. Ich erkundigte mich —*
„Ei, schön guten Abend, Herr Lieutenant!" begrüßte die leichten Schrittes unbemerkt herangerretene Tochter der Frau Geheimen Commerzirnräthin den langjährigen Freund des Hauses.
gegenwärtig geblieben. In dem Äugenblire, als ich die Thür öffnete, rief Fräulein Frida mit strahlendem Auge:
„Nach Berlin?" fragte das Mädchen erschreckt, und durch den Ton ihrer weichen Stimme ztlterte es wie ein leiser heimlicher Seufzer.
in Deutschland hören konnte. Ich erkundigte mich nach dem Anlaß desselben und erfuhr, daß die Lectüre der Schlosser schon Weltgeschichte Sie in solche ritterliche deutsch- Erregung gebracht hatte."
Politische Wschrn-Urberficht.
Unser Kaiser hat am Mittwoch von Schloß Mainau, wo er einige Tage bei seiner Tochter und den Enkelkindern verweilt hatte, die Fahrt zur gewohnten Nachkur in Gastein angeireten. Vor acht Tagen hatte er die Freude, zu Karlsruhe den Erbprinzen von Baden, seinen ältesten Enkel, als Lieutenant in die deutsche Armee aufnehmen und am folgenden Tage den 19. Geburtstag desselben und die
Das Glück begünstigt wieder einmal die Waffen der spanischen Regierung. Während am 6. Juli daö bisherige Hauptquartier der Carlisten im Süden, die Stadt Cantavicja, mit 2000 Gefangenen in den Besitz des Generals Jovellar fiel, war die von dort entflohene earlistische Centrumsarme- 7000 Mann, unter Dorregaray und Ga- mundi, von den Brigaden Golfin und Delatre und ter Division Weiler im nördlichen Aragonien immer höher ins Gebirge gedrängt wvroen, ein kleiner Thcil mußte schon auf französisches Gebiet übertreten und wurde entwaffnet; : Dorregaray selbst int in der Provinz Huesca zwischen den Flüssen Einca und Gallego, deren Uebergänge und damit die Wege nach Calalonien wie nach Navarra ihm gesperrt sind, und seine Lage ist jetzt durch den Anmarsch des Generalcapitäns Martinez Campos, der feine Truppen aus der Provinz Castellon nach Barcelona zurück verschifft und Bonn schleunigst nach Aragonien aufgebrochen ist, noch mcyr gefährdet worden. Auch rückt, nachdem die Land-
.Ich erinnerte" — fuhr von Roßdahl fort, zu der Tochter des Hauses gewandt — „an ein Begegnen in ch-em Bibliothekzimmcr; cs war im Mai 1866, als ich
Pfarrer der katholischen Gemeinde in Bern, Herrn Perulaz, adberufen.
. In Rom hat der Papst einen feierlichen Trauer- gotteSdienst für den verstorbenen Kaiser Ferdinand in Et. Peter abhaltcn lassen und eine gleiche Feierlichkeit ward in der Kapelle deö deutschen Friedhofs gehalten, wo-
„Ganz rtchttg, ich weiß eS noch genau, welche Stelle in diesem herrlichen Buche eS war, die mein Nationalaefübl so lebhaft erregte und — * y
Frida stockte, als wenn die weitere Aeußeruna sie com. promittiren könnte. 1
.Nun — und — bitte, es ist mir wichtig, den ganzen Satz zu hören, gnädiges Fräulein", sagte von Roßdahl lebhaft. p
„Unb", fuhr das Mädchen mit dem Muthe der Aufrichtigkeit fort, „ich empfand bei Ihrem Hinzutreten den
„Frida, nicht mehr Herr Lieutenant, der Herr Rittmeister will gegrüßt sein."
Ein leichter Schimmer flog über das feine Gesicht des anmuthigen Mädchens, und unter dem Schatten der dunklen Wimpern glänzte das Auge wie in höherer Verehruna des schönen Gastes. .
...Da wiederhol,: ich meinen Gruß dem Herrn Rittmeister und gratulire ihm herzlichst."
Von Roßdahl verbeugte sich freundlich und dankte halb verlegen, halb stolz.
„Doch bitte, erzählen Sie weiter, Herr vvtz Roßdahl. Sie erzählten uns soeben, Fridchcn, daß die Schlvsier'jche Weltgeschjchie in unserer Bibliothek die Ursache ist, warum Sie befördert und — was die Hauptsache ist — in oen Großen Generalstab nach Berlin versetzt sind," sagte die Mutter zu der sich neben ihr, niederlassenden Tochter mit zweiselsvoücm Lächeln.
Obergericht hat am vorigen Sonu- auf Regierungsantrag den renitenten
Schlosser als Ehrprorarator.
(Fortsetzung.)
Die Gcheimräthin schellte und beauftragte den rasch herbeieilenden Diener, den Abendlisch int Garten zu servilen; der Oberst machte sein a!tcS Privilegium, die Bowle anzusetzen, geltend und entfernte sich, so hurtig es gehen wollte, dem glücklichen Roßdahl herzlich die Hand drücken.
„Aber trotz alledem verstch' ich noch nicht, wie Sie wegen des in unserer Bibliothek befindlichen Schloffer'schen Werkes sich mir zu Dank verpflichtet fühlen können," äußerte die gütige und kluge Wirlhin, „das müssen Sic mir doch noch näher erklären, lieber Herr von Roßdahl!
„Die Erklärung wird mir, denke ich, nicht schwer fallen, erwiderte von Roßdahl. „Tags nach jenem gemittet» schwülen, lehrreichen Abend beim Obersten — cs war ein herrlicher, durch das nächtliche Gewitter abgekühltcr, sonnenklarer Morgen — kam ich zu Ihnen, gnädige Frau; Ihr Diener wies mich in den Büchersaal, wo ich Sie finden würde und auch wirklich fand. Zu ihrer Veite saß Fräulein Frida, vor ihr lag ein Buch ausgeschlagen, und glaubte ich in ihren Mienen das größte Jntereffe an dem
i Neid, den ein Mädchen hegen muß, wenn es die Zeit großer ^Thaten, gewaltiger Kämpfe gibt." “ ö
. , "D'e Bowle ist fertig und ich denke, sie wird mir so viel Ehre machet-!, wie ich trotz Podagra und aller Mühen mit und ohne Bedrenrenseeten ihr anzuthun gedenke. Denn heute ist ein Festtag, hoher Ehrentag meines lieben jungen Freundes Ehrich von Roßdahl." Und wieder drückte Lieblings" ^dld)< unb ta^crf Hand seines
b« das Cardinalscollegmm und der päpstliche Hof zugegen waren Der König von Italien hat das Sicherheitsgesetz unterzeichnet und zugleich das Gesetz, nach welchem eine Commission die inneren Verhältnisse und die Verwaltung SicilienS untersuchen soll.
Die Mtramontanen haben in Der französischen Nationalversammlung am 12 Juli einen glänzenden Sieg errungen. DaS Universitätszesetz wurde, sowie sie eS sich zurecht gemacht, mit 316 gegen 266 Stimmen angenommen. Die gesammte Rechte, das rechte Centrum, die Bonaparti- stcn unter Rouhcr's Vortritt, eine Anzahl von Wallonisten, Laboulaye nebst Intimen, endlich die Minister Buffet, Wallon, Moutaignac und Meaux stimmten für dasselbe; Dccazes war, weil auf Urlaub, nicht zugegen, Cissey und Caillaux fehlten; 115 Mitglieder enthielten sich der Abstimmung und beförderten indirect die Sache der Ultra- montanen, darunter die Minister Say und Dufaure, zehn Wallonisten und etwa 50 Mitglieder der Linken. Hätten diese und die Wallonisten den Muth ihrer Ueberzeugung gehabt, so würde das Gesetz gefallen sein. Die Bonapar tisten halten ihre Hülfe gegen die Abstimmung der Rechten zu ihren Guysten in der Niövreangelegcnheit versprochen; über da es sich, hier um bonapartistische Umtriebe und nicht um die Sache des Clerus handelte, so ihaten Vic Memmen ihre Schuldigkeit und die Wahl Bourgoings wurde am 13. Juli mit 330 gegen 310 Stimmen für ungültig erklärt.
Feier seines GrvßjährigkeitSantrttts, zu welchem auch der Kronprinz von Wien herbeigeeilt war, durch seine Gegcn- wart zu verschönern. Der Ktonprinz des Deutschen Reichs war eben den Gefahren eines stattgehabten Eisenbahn- Zusammenstoßes auf Station Haag unweit St. Valentin in Oesterreich glücklich unverletzt entgangen, und nicht blvS in Karlsruhe und auf vielen Bahnhöfen bei Der Rückreise von dort nach Potsdam gab sich in Folge dessen beim Anblicke des Geretteten das Gefühl der Freude in enthu- stajtischen Begrüßungsausrufen kunv, auch in besonderen Glückwunschtelegrammen sand dasselbe Ausdruck.
In Oesterreich Hal der am Sonnabend unter des Kaisers Vorsitz abgehaltene Minifterraih zur Ausgleichung der Differenzen zwischen den beiden Reichshälften über das Budget für 1876 geführt, das den Delegationen vorgelegt werben soll. "Die Verhandlungen über die Handelsfragen stocken, doch werden die ungarischen Miisister zu weiteren Vorverhandlungen in 14 Tagen wieder nach Wien kommen. Der Kriegsminister macht 2t Millionen Mehransprüche, chavon 8 Millionen für neue Kanonen; iudeß werden die
Tagesbericht.
Die Annahme, daß der König von Bayern mit dem Äatjer tn München zufammentreffen werde, hat sich nicht b^al*d1 und eö kann nicht fehlen, baß der Artikel der „Rordd. Allgcm. Ztg" viele mißliebigen Erörterungen
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie die Annoncen-Bureoux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Eöln re; Rudolf Moste . in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
„Herr von Roßdahl hat uu6 noch immer nicht den Zusammenhang zwischen der Schloffer'schen Weltgeschichte und seiner Berufung m den Großen Generalstab erklärt lieber Oberst!" — sagte oie Frau Gcheimräthin; — „eher ■ gibt s fern Glas aus der Bowle, bis diese Erklärung voll- endet ist. Mir ist sie noch sehr dunkel und dennoch sehr interessant." w
. Ei, Ich .dächte, Ihre unvergleichliche Klugheit, gnädige Frau, hatte Sie schon längst auf die Entdeckung jenes Zusammenhanges bringen müssen. Mich frappirte, mich beschämte, mich begetsterte Der Patriotismus Ihrer Frärilesit Tochter. Denn das ist die wahre Vaterlandsliebe, die mit dem Schmerze um die Sünden des durch seine Schuld unglücklichen, machtlosen Vaterlandes anhebt. Wie aber mich dieser Schmerz bei jenen edlen Worten eines larten Mädchens mit der ganzen Schneide und Bitterkeit erfaßte
"'Lammte 'n mir auch in demselben Augenblicke^ das S-Md. ich in ta, äug,nto» S„g “
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»Bravo, bravo, mein tapferer Freund!" rief der auf ben Sohn seines besten Freundes stolze Oberst. Das kluge, wohlwollende Auge der Geheimräthin ruhte fest auf >em edlen wtffce ihres jugendlichen Freundes, dessen Besitz te der Freundschaft deö Obersten verdankte. Frida aber
Än°^e bet 6cnt*fclit, welche in ihrer schönen bfr to4?Ieifr ter dunklen Wimpern legte über Die leicht erregte Flulh ihres reinen Herzens. B
(Fortsetzung folgt.)
i schäft südlich vom Ebro von größeren Carlistenbanden vollständig gesäubert worden, nun noch der General Jovellar : nach Norden vor. In der nördlichen Ecke Cataloniens । Hal der Carliften - General SavallS eine Niederlage durch den General Arrando erlitten, welcher der Grcnzfestung La Junquera Entsatz gebracht Hal. Von großer Bedeutung ist ferner ein Sieg Der Regierungstruppen im Baökenlande. Bei Nanclares schlug der Oberbefehlshaber der Nordarmee, General Quesada, unter Mitwirkung der Corps von Loma und Tello, die von Mendiri und Perula befehligten Carlisten, bei denen sich auch Don Carlos befand, nach heißem Kampfe in die Flucht und erzwang sich durch diesen Er- folg mdjt nur bin nnch bem Icings blofivt gcü?cjcneii B'toria, sondern machte auch über dieses hinaus der lange ausschließlich von den Carlisten besetzt gehaltenen Stadt Salvatierra mit seinen Truppen einen Besuch. Behauptet er die gewonnenen Stellungen, so kann es ihm gelingen, die Carlisten in BiScaya von ihrer Hauptarmee in Ra-- varra abzuschneiden, was für diese beide ein erheblicher Nachthcil wäre.
Außer den schwebenden Fragen der innern Gesetzgebung, bte sich zum großen Theile wenigstens ihrer Erledigung je mehr und mehr, und zwar mit so erfreulicher Geschwin- digkeit nähern, daß der Gedanke austaucht, das Parlamentschon vor der üblichen Zeit, nämlich schon am 31. Juli zu schließen, wendet sich in England die Aufmerksamkeit stark den asiatischen Dingen zu. Die Rußland gegenüber einzunehmende Haltung wird lebhaft, aber mit großer Zuversicht in die britische Macht erörtert; näher aber als die Zukunftsfrage liegt eine Verwickelung mit Birma oder vielmehr mit dem offenbar hinter diesem Reiche stehenden China.
Der König von Schweden ist am 7. Juli in Riga angekommen und Tages darauf nach Moskau abgereift wo er am 9. Juli anlangte und auf's Beste empfanden wurde. °
3n ber türkischen Herzegowina ist ein Aufstand der serbischen. Christen gegen die Türken ausgebrochen worüber jedoch genauere Nachrichten noch nicht vorliegen!
Feststellungen erst in neuen Ministerevliferenzen erfolgen. Den Ausständen in der Herzegowina, dem „Hinterlande von Dalmatien", welchen vorzugsweise Steuerrenitenzen zu GruNde liegen, wird von den österreichischen Grenzbehörden keinerlei Vorschub ober Nachsicht gewährt, wie behauptet wurde, weil die Aufständischen die österreichische Fahne sollten. — Der Streit zwischen den und Fabrikanten ist immer noch nicht
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie btc Annoncen-Durcanx von K. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche ’ Buchhandlung in Framsnrt a.
M., Jnvalibendank, A. Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schütz-
~ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.