Mr. 162.
Marburg, Mittwoch, 14. Juli 1875.
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Spitze des Mastbaumes hangend, angeklammert mit der letzten Kraft, den angstvollen Ruf durch Sturmgehrul und kochendem Wogengischt hinausgesendet nach Hülfe. Wie auch dieser Nolhschrei den gänzlich Erschöpften endlich versagt war, wie erst der Eine und dann der Andere steif und wehrlos hinweggespielt worden von der hochgehenden Brandung, ehe es den waghalsigen Rettern gelungen, sich bis zu ihnen hin zu arbeiten, ehe die haltenden Seile sich um die verklamten, zu Eis erstorbenen Körper der letzten Zwei gelegt, ste von kräftigen, liebreichen Händen geborgen, gerettet waren. — Oft versagte dem Alten die Stimme bei
--- Berlin, 12. Juli. In einigen Blättern wird die Mrttheilung verbreitet, daß das Reichskanzleramt in letzter Zeit sich mit der Frage des Reichsparlamentsgebäudes beschäftigt habe. Diese Nachricht entbehrt, wie wir aus zuverläßigster Quelle erfahren haben, jeder Begründung. Die Initiative zu dieser Frage wird man ohne Zweifel dem Reichstag selbst überlasten. Es ist allerdings wahr daß der Kaiser für die Baustelle jenen Raum vorziehen wurde, wo jetzt das Kroll'sche Etablistement steht und daß derselbe einer weiteren Beschränkung des Thiergartens abgeneigt ist, aber von einer Verbauung und Verkleinerung >es Königsplatzes kann um so weniger die Rede sein, weil bereits die in Aussicht genommene Verzierung desselben durch Anlagen die Allerhöchste Genehmigung gefunden hat. Die Frage, wohin das Parlamentsgebäude kommen soll, vird demnach der nächsten ReichStagssttzung Vorbehalten bleiben. — Nun seit Kurzem ist von der Möglichkett einer Reise des Kaisers nach Italien gesprochen worden und chon finden sich hie und da Mittheilungen über den Tag >er Abreise und die Dauer deS Aufenthaltes. Etwas Be- iimmtes ist über die ganze Reise noch nicht festgesetzt, die überhaupt davon bedingt sein wird, wie das Befinden des Kaisers nach den Herbstmanövern ist. Jedenfalls müßten mit dem König von Italien Ort und Zeit der Zusammenkunft in Abrede genommen werden; und wenn die Reise überhaupt stattfindet, so wird sie keinesfalls über Mailand »inauSgehen und der Aufenthalt nicht 3—4 Tage über chreiten. — Einige Blätter haben irrthümlich gemeldet daß der Entwurf zum allgemeinen Unterrichtsgesetz baldigst veröffentlicht werden solle. Der Entwurf des Abschnittes
Die geheime Diöcesanverwaltung in Posen scheint sich, polnischen Blättern zufolge, an die päpstliche Kurie mit
betreffend das höhere Schulwesen und den Unterricht für Mädchen erfolgen. Dann erst kommt man im Staats- minlsterium und den anderen Rcfforts zur Berathung des ganzen Entwurfs, und dann wird dieser der Allerhöchsten Genehmigung unterzogen werden. Vorläufig also ist eine Veröffentlichung des Gesetzentwurfs noch durchaus unmöglich. — Die erfolgte Kündigung des Handelsvertrages zwischen dem Zollverein und Italien hat zu dem Zwecke stattgcfun- den, Italien günstigere Positionen zu gewähren; doch werden Verhandlungen über diesen Gegenstand erst beginnen, wenn die italienische Regierung bei ihren Kammern zur Erhöhung der EingangSzölle gelangt ist, jedenfalls aber mußte Deutschland ein Aequivalent für diese Begünstigungen geboten werden. Die italienische Regierung hofft, durch den neuen Vertrag eine Vermehrung ihrer Einkünfte zu
dem Bericht, und er fuhr sich mit der verkehrten, rauhcu Hand über die Augm. — Und dann weiter: als er nun
römische Kurie „tolerirt" offenbar, weil ste selbst dem polnischen Volke nicht höhere Opfer aufzuerlegen wagt.
Die vor einiger Zeit gegründete „Deutsch-abeflynische Compagnie" will bereits Anfang September die erste aus etwa 20 Mitgliedern bestehende Expedition, unter persön- ftcher Leitung _beS Vorstandes Herrn Waldemar Reugs nach Chiva, der südlichsten Provinz Abesiyniens senden. De österreichische Lloyd hat der Gesellschaft die Vergünstigung gewährt, daß deren Dampfer auf der Linie von Triest nach Bombay den der Hauptstadt Ankobar nächstgelegcnen Hafenort monatlich einmal anlaufen sollen, um die Po der Compagnie regelmäßig zu befördern.
Aus Athen meldet man, das der dortige Polizcipräfekt 'N Folge von Meinungsverschiedenheit mit dem CultuS- minister seine Entlastung eingereicht hat.
Rach 6cm Sturm.
Novelle von E- Streben- (Schluß).
„Ja, wie war'S denn eigentlich damit?" — Richtig: er hätte so vor drei Tagen, oder waren's schon vier seitdem — na, gleichviel! — Da hätte er in seiner einsamen Stube gesesten und sich allerlei durch den Kopf gehen lasten, just nichts Lustiges; da wär' ein Brief angekommen, aus Bremen und von fremder Hand. Darin hätt' nun die ganze Geschichte von der Havarie haarklein gestanden, und daß an der holländischen Küste brave Fischers- leut’ — Gott der Herr schütte seinen reichsten Segen auf fit herab — die Erstarrten, dem sichern Tode schon Geweihten, die Mannschaft von der „Marie Charlotte" gesehen hätten. Wie die armen Schiffbrüchigen, an der
Tagesbericht.
Die Berathungen über die Criminalprozeßordnung in der Justizcommission des Reichstages werden bis zum ersten September vertagt werden. Die Mitglieder der RedactionScommisston, die Abgg. Dr. Schwarze, Dr. Bähr und Becker, werden sofort nach dem Schluß der Plenarsitzung der Commission zusammentreten, um mit den beiden RegierungScommisstonen gemeinschaftlich die Beschlüsse der Commission redaktionell sestzusteUen. Da die Redaktions- Commission in letzter Zeit jeden Abend Sitzung gehalten, so sind ihre Arbeiten weit genug vorgerückt, daß die sämmtlichen Beschlüsse der Commission den Berathungen zufolge jetzt festgcstellt find, und auch die BerathungS- und Redactionscommijsion ihre Ferien antreten kann.
Wenn die Veranlagung zur Staats - Einkommensteuer einen Maßstab für die Wohlhabenheit gibt, so hat Berlins Wohlstand nach der Vost. Ztg. seil 1871 abgenommen, denn während sich von 1871 an sowohl die Personenzahl als das Steuersoll bei der vorerwähnten Steuer in ziemlich rascher Zunahme befand, ist mit der Einschätzung für 1875 zum ersten Male ein Stillstand bemerklich geworden. Die Gesammtsteuer Berlins stieg nämlich zu 1872 um 159,316 Thaler, zu 1873 um 352,104, zu 1874 um 312,642, dagegen zu 1875 nur um 8040 Thaler. Die nach dem Aufschwünge eingetretene Reaktion hat jedoch sichtlich mehr die vermögenden Personen und Arbeitgeber als die arbeitenden Klassen berührt, da die Einlage in die städtische Sparkaste Berlins während des vorigen Jahres um 833,000 Thlr. gewachsen ist. Dagegen bringt die Berliner Bierbrauerei, obschon auch ste unter hohen Getreidepreisen litt, den siebenten Theil der gesammten preußischen Brausteuer auf.
(Schluß.)
Aber nicht immer fließt das Leben jener Hirten so ruhig vorüber, daß sie in stiller Betrachtung auf dem Bauche liegend dem Treiben ihrer Heerde zuschauen können. Oft genug werden ste von plötzlichem Unwetter überfallen Ge- wlttersturme durchtoben diese Hochthäler mit ganz anderer «n r a brer ®bene' H°gu und USmftstch Mrenb' b°6 T« oft am Nachmittage schon tief im Schnee h-rumwaten muffen, während am Morgen «och d.e Sonne warm aus Blumen und Kräuter herab schirm a?**tWekibea*e-6 1 9®nufl Don Bären und Wölfen heim- 8e Uro'J> e Elntheil von der Heerde holen. 9
Noch vor Kurzem hatte Meister Petz auch jener Sa- lasche einen Besuch gemacht und eine Kuh, die sich in den nahegelegenen Föhrenwald verloren hatte, als gute Beute erhascht. Viel vermögen die Hirten gegen diese Raubtbiere mcht, denn ihre Waffe besteht in der Regel nur in dem angstteligen Beil, der Valaöca, die sie sreilich wie die Indianer ihren Tomahak zu gebrauchen verstehen und mit
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatter, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leipzig, Cöln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Göttingen, 10. Juli. Die erste ordentliche Sitzung der Generalversammlung eröffnet Herr Reichstagsabgeordneter Duncker gegen 9'/s Uhr. Erster Gegenstand der Tagesordnung: Bericht des EentralauSschusteS und des Schatzmeisters über das abgelaufene Geschäftsjahr. Berichterstatter: der Vorsitzende. Die Gesellschaft umfaßt wie wir dem Bericht entnehmen, gegenwärtig 17 Zweig' verbände, 18 Provinzialverbände, die Mitgliederzahl beträgt 1874—75 4299, was gegen das Vorjahr eine Steigerung von 37 Proccnl ergibt. Auf allen Gebieten wurden die erfreulichsten Resultate erzielt; so wurden 1874—75 über 600 Vorträge gehalten, 40 neue Bibliotheken, 144 neue Vereine ins Leben gerufen, wobei in letzterer Beziehung namentlich der Wanderlehrer Herr Julius Keller sich (spe- ciell für Schlesien) ganz hervorragende Verdienste erwarb. Nach Erledigung der allgemeinen Angelegenheiten der Gesellschaft nimmt Herr Dr. Brandes (Göttingen) das Wort zu feinem Referat über den dritten Gegenstand der Tagesordnung: die Bedmtung der Bildungsvereine in stttlicher und wlrthschaftlicher Beziehung. Die Aufgabe der Volks- blldungSvereine, führte der Redner nach einigen einleitenden Bemerkungen aus, könne und dürfe schließlich keine andere ein, als die sittliche Bewahrung und Durchbildung ihrer Mitgl eder und so mittelbar deS deutschen Volkes Um dieses Ziel zu erreichen, sei zunächst - nach der negativen PÄA“ ~ icbe Station zu augenblicklichen politischen, ocialistischen und confessionell kirchlichen Zwecken fern zu halten; nach der positiven aber — das intellectuelle Leben durch Vermittlung wirklicher Kenntniffe und wahrer Er- kenntniß bei den Mitgliedern zu fördern und zwar auf allen Gebieten, zu Denen ein Mensch überhaupt ein sittliches Verhältniß habe: dem Reiche der Natur, dem der Men- chen und dem Reiche Gottes, d. h. lediglich des religiösen Lebens Herr Profeffor Bona Meyer empfiehlt darauf folgende Resolution zur Annahme: „Die Versammlung ist
«v k » n E°$ bem Eintritt des Professor Bonitz in •ß,e das CultuSministerium wird die Feststellung des Entwurfs
Anzeigen nimmt entgegen: die Escheditton d. Blatte», sowie d,e Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß- v ler in Hannover; C. Schlotte
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ju ihm hin zu reisen, und — „na Gottlob, so'n tüchtiger Seemann kann schon einen Puff vcttragen" — in Bremen sei er seinem lieben Jungen geradewegs in's Fahrwasser gelaufen, und nun, nun wären ste hier. — O, die Eisen bahn, so wenig er sie sonst auch leiden könne, war doch lm Grunde eine schmucke Einrichtung — sie hatte ihn so schnell hin und zurückgebracht. — Nein, keinen Vor- wnrs, daß er so abgereist sei, ohne etwas zu sagen! Konnte er s denn der Christiane offenbaren? Es ging nicht an! Wie, wenn er den Mathias doch nicht mehr am Leben getroffen hätte, getödtct von der Mühsal, sollte ste etwa dann den Schmerz deS Verlustes zweimal empfinden? Und kurz und gut: nun hatte sie ihn ja wieder, zwar arm und bloß, ein Schiffbrüchiger mit verbundener Hand, ^er sonst gesund am Herzen, wohlauf, gerettet aus dem Rachen des Todes, Gott sei gelobt und gepriesen!
Stumm wie im Traume, schwindelnd vor Glückseligkeit schmiegte sich baS Mädchen an die wiedergewonnene, die theure Brust des Verlobten, des Neugeschenkten.
Und als die fremden Anwesenden sich glückwünschend nach und nach entfernten, jeder nach feiner Behausung und eine köstliche Stille eintrat, die Mutter, der verspäteten Bescheerung gedenkend, die Lichter an dem Christbaum an- , rundete und sich ein Halbkreis um ihn herum bildete; wie das jüngste Glied der Familie vortrat, um angestrahlt von *e.ineiLfuntelnben Glanze, auf ihr Geheiß das altehrwür- d,ge Weihnachtslied zu sprechen: „Lobt Gott, ihr Christen aUzugletch, da war eS, als ob ein Engel selber vom Himmel herab geflogen käme unter den kindlich frommen Worte,n und mit leisem Flügelschlag weile bei bem Glück lichen, ehe er sich wieder in die Heimath zurückschwang. . »\ab "st nicht richtig prophezeit, daß unser treu- Herrgott Dir noch ein großes Glück aufsparte? unterbrau
das Schreiben bis zu Ende gelesen und daß fein Mathias einer der Geretteten sei — zwar hatt verletzt und mit gequetschtem Arme von einem Balken, daß er nicht hätte schreibe» können, sondern, daß er auf'S Neue darnieder
schwer krank von der ausgestandenen Noth — ba. Vv>.Ov.. cin groBee ynua ouripatte "< t
Kbe er, sein Vater, sich nicht lange besonnen, schleunigst die Mutter das geweihete, andachtsvolle Schweig.
K Schaue, ich hab's Dir auch immer gesagt, daß der Mathias wieder kommen würde," jauchzte der kleine Bruder ?>"st'Nkm Hellen Sümmchen, und sprang unter dem auS- zm^^^Zubel der Schwester auf den geschmückten Baum zu. „Juchhe, fröhliche Weihnachten!"
''3°' fröhliche Weihnachten," wiederholte der alte Schiffer in seinem tiefen, feierlichen Tone, „allen braven Seefahrern zumeist und allen Christenmenschen. Möchte stets eine barmherzige Hand sich 'ausstrecken, das köstliche I Strandgut, em warmes Menschenleben, zu bergen möchte das Werk helfender Bruderliebe, das RettungLsen zu ff»- m'lhgebeni-e Herzen und Hände allerorts finden! _ Fröhliche, gesegnete Weihnacht j"
der Frage gewandt zu haben, ob es den Gemeinden gestattet werden soll, sich entsprechend dem Gesetz vom 20. Juni 1875 an der kirchlichen Vermögensverwaltung zu betheiligen. Der „Kmyer Pognanski" äußert sich darüber in folgender Weise: „In Sachen der Vermögenöverwal- tung warten die ehrlichen Geistlichen Alles ruhig ab, denn sie wissen sehr gut, daß Diejenigen, welche zu wachen die Pflicht haben, wachen; daß Jeder zur Zeit benachrichtigt werden wird, waS der apostolische Stuhl, von welchem einzig und allein die Entscheidung abhängt, wünscht, wie in diesem Falle zu verfahren ist." Dieses Organ der geheimen Diöcesanverwaltung theilt noch die „wichtige" Nach' richt mit, daß die erwartete Antwort eingetroffen ist." über' dasVolksschulwesen allein "st'biS iefet D°n Katholiken also wird es erlaubt sein, oder vielmehr, und dem Gutachien der $roüiniiaL^5rbe^untemo en ma»borf e« lokrtretb baß sie Mitglieder zu ben neuen worben. Nur nach dem Eintritt des knMfnr Kirchenräthen und Gemeindevertretungen wählen."