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Sr. 161.

Marburg, Dienstag, 13. Znli 1875.

x. I«hrgiq.

Obtrheßslhe Jritimg

l sonstiger derar iger, hier bedeutender Arbeiten, ist ein tüch. tiger Ingenieur gewonnen. Mit den Ausgrabungen soll 1 auf der örtlichen Seite des ZeuStempelö in einer Entfer­nung von etwa 30 bis 40 Meter auf einem Felde vor- " gegangen werden, welches jetzt noch mit Gerste bestellt ist.

Von dem Tempel aus nach dem Alpheioö wird behufs Ableitung des sich ansammelnden Wassers ein Graben mit einem doppelten Schienenstrange geführt werden, auf wel­chem die Erde bequem auf einem an dem Ufer deS Flusses aufzuwerfendcn Damme gefördert werden kann. Die Vor­studien zu den Arbeiten sind mit großer Sorgfalt gemacht und es ist alles gethan, um der deutschen Expedition einen glücklicheren Erfolg zu sichern, als die französische gehabt, welche vor längerer Zeit Ausgrabungen in Olympia er­folglos begonnen, und unvollendet gelassen hat. Die amerikanische Regierung hat die Aufmerksamkeit der deut­schen Reichsregierung auf den fortwährend, namentlich über Hamburg und Bremen, getriebenen förmlichen Handel mit Kindern, meist nach Deutschland verschlagenen, oder auch direkt aus der Heimathbezogenen" Savoyarden gelenkt. Diesem skandalösen Handel, der namentlich in den letzten Monaten eine großartige Ausdehnung erlangt hat, wird hoffentlich jetzt ein Ende gemacht werden.

Pofe», 10. Juli. WieKuryer" zuverlässig be. stätigt, ist den katholischen Gemeinde - Mitgliedern Seitens der geistlichen Oberen gestattet worden, die Mitglieder der neuen Kirchen-Vorstände und Kirchenräthe zu wählen.

HUdeSheim, 9. Juli. DerN. H. Ztg." wird von hier geschrieben: Der Bischof von Hildesheim hat sich von den ihm untergebenen Geistlichen einen Revers aus« stellen lassen, daß sie in Bezug auf die Maigesetze und Maßnahmen des Staates treu zu ihm halten und seinen Weisungen Folge leisten wollen, und dieses Manöver ist dann von den gedachten Geistlichen wieder ihren Gemeinde­mitgliedern gegenüber in Anwendung gebracht.

SBtintat, 8. Juli. Für die feierliche Begehung des 3. September d. I., bc& Geburtstages Karl August's, an welchem er nach eingetretener Mündigkeit vor 100 Jahren cme Regierung antrat, sind, wie dieTh. C." meldet, um- sasiende Vorkehrungen bereits eingeleitet. Die Nachricht daß der deutsche Kaiser dem Feste als Gast des Groß' Herzogs beiwohnen wird, ist auf das Freudigste begrüßt vorden. Die Auswanderungsverhältnisse im Groß- -erzogthum Sachsen haben sich während des verflossenen Jahres insoweit sehr günstig gestaltet, als nicht nur die Auswanderung, die in den letzten Jahren bereits gesunken war, abgenommen hat, sondern die Einwanderung die Auswanderung sowohl in Bezug auf Höhe der Kopfzahl als des Kapitalvermögens weit übersteigt. Von 1862 bis 1864 sind jährlich im Durchschnitt über 1000 Personen ausgewandert. In den folgenden Jahren sank die Durch-

einein gemäßigten Schutzzoll zurückkehren. Auf jeden Fall aber werden wir nnS hüten, noch ferner die Deklamationen und leeren Phrasen einer gewissen Sorte von Vereins- rednern für baare Münze und Wahrheit zu nehmen.

n »Was Mathias ? Wer sprach?" Was für Ge. stallen flirrten, huschten ihr vor den Augen herum, was brauste wie Wassersturz ihr vor den Ohren, wessen war die Stimme die wie aus weiter Ferne ihren Namen rief, "essen der Arm, der sich um ihren Nacken legte? War es der Tod, der nach ihrem Herzen griff? O, wie süß das Sterben. p

»Herr Jesus meint Kapitän Voß, plagt Euch der Teufel, daß Ihr mir das Kind so erschreckt! Chri. ftiane, Tochter! Sie kann den blaffen Tod davon 9?b.e"- - Steuermann, seid Jhr'S wirklich oder ist'S Euer Geist? Mädchen, komm zu Dir, er ist'S, gewiß und wahr­haftig!"

Und an dem hochschlagenden Herzen des Geliebtm kehrte ihr das Bewußtsein wieder. Die entfärbten Lippen Merten, die Lider znctten; langsam, scheu hob sich die Wimper, ein staunender, zagender, in Jubel aufflammen- ber Blick aus großem, starrendem Auge wurzelte fest in dem seinen; sie richtete sich, von ihm gehalten, in die Höhe.

Unb im klebrigen laß Du den Vater im Himmel nur sorgen; wer weiß, ob er Dir nicht noch ein großes Glück aufspart."

Das Mädchen schüttelte wchmüthig daS Haupt; sie vermochte nicht zu antworten, aber sie eilte, das schmerz­lich verzogene Gesicht und ihre stürzenden Thränen an der Mutter treuem Busen zu bergen. Draußem auf dem Flur vernahm man das Gekicher und Flüstern der wartenden Kinder, die von Ungeduld getrieben, es nicht länger bei der Nachbarin hatten auShalten können, als die Stuben- thür geräuschvoll aufgeriffen wurde und Sabine hastig hereinstürzie.

Die wirlhschaftliche Frage.

Mehr wie je drängt sich die wirlhschaftliche Frage in den Vordergrund der DiScussion. Es ist nicht etwa daran die stille Zeit Schuld, wie behauptet worden ist, sondern es ist wirklich der Ernst der Lage, in welcher sich die deutsche Industrie befindet. Dabei zeigt sich aber wieder der Hauptfehler unseres Volkes, daß nämlich dasselbe mehr wie irgend ein anderes den Abstractionen und Docirinen sich zuneigt, und ihnen ein noch willigeres Ohr schenkt, wenn sie noch dazu mit hochtönenden Phrasen aufgestutzl sind. Auf dem Gebiete der Politik ist das allerdings gegenwärtig anders geworden, seit den Jahren 1866 und 1870 ist ein wesentlicher Umschwung cingetreten. Die kosmopolitischen Phrasen allgemeiner Welt- und Völker­beglückung haben ihren Klang für das deutsche Ohr ver­loren, die Doctrin ist um ihre Geltung gekommen, die Praxis hat dagegen an Bedeutung gewonnen, obschon wir bei unserer Gesetzgebung noch oft genug von dem Doktri­narismus zu leiden haben.

Auf dem volkswirthschaftlichen Gebiete ist dies noch immer der Fall, wo unendlich viel Oberflächlichkeit und RaisoniSmnS herrscht. Leute, die niemals dem Handel oder der Industrie angehört ober ihr näher gestanden haben, und deren Studien sich nur auf die Leclurc einiger volkswirthschaftlichen Compendien beschränken, drängen sich vermöge ihrer Svade an die Spitze der volkswirthschaft- lichen Vereine und haben längere Zeit einen förmlichen Terrorismus auf diesem Gebiete geübt.

Die Schlagworte und die allgemeinen Phrasen haben dermaßen das volkswirthschaftliche Gebiet Überwuchert, daß darüber die Paxis oft genug zu kurz gekommen ist. Die deutsche Neigung, fremden Nationen nachzuahmen, hat auch hier wieder die Betrachtung zurückgeb rängt, was für Deutschland und unsere nationalen Verhältnisse bas noth- wendige fei. Man hat die Lehren der englischen Manchester­partei auf unseren Boden übertragen wollen, ohne doch zu bedenken, daß die Engländer nur in ihrem eigenen nativ nalen Interesse arbeiten unb daß alle ihre Systeme poli­tischen und volkswirthfchafttichen Inhalts das englische Volksleben als Grundlage voraussetzen. So verhält es sich noch ganz besonders mit der schönen Theorie der Freihandelspartei; auch diese ist für England durchaus paffend, ja die einzig natürliche, aber Deutschland muß dabei recht schlecht fahren, wie es ja der Erfolg bereits gezeigt Hal. Ebenso wie wir das Trugbild des Welt- bürgerthumS aufgegeben haben, ebenso müssen wir ben Jrrlhurn einer Weltwirihschast aufgeben, und auf bie i Grenzen und Grundbedingungen unserer nationalen Wirth- i schast zurückkommen. Zeigt eS sich, daß wir bet dem Frei- s handel nicht bestehen können und wichtige Faktoren unserer VolkSwlrthschast dabei zu Grunde gehen, so müffen wir zu i

Nach dem Sturm.

Novelle von E- Streben.

(Fortsetzung.)

ES halte den Tag über an Geschäften und allerlei Störungen nicht gefehlt, auch nicht an willkommenem Be- such. unb Sabine hatte sich, wie häufig nach dem Trauer­falle, für einige Stunden mit traulichem Geschwätz unb anstelliger Hülse eingefunden. Es war doch ein liebes, herzige« Geschöpf, bas Mädchen! Wie sie so warm und tröstlich dreinschauen konnte, und während noch die klaren Thränen deS Mitgefühls über die rosigen Wangen rannen, schon ein herzerfrischender Strahl jugendlichen Lebens- mutheS aus den blauen Augen hervorbrach und der hübsche Mund mit ben blanken Perlzähnen ein so freundlich be­gütigendes Lächeln aufwieS!

Mit .dem zufriedenen Blick der Liebe überschauten Beide jetzt das vollendete Werk, und das betrübte Mädchen halte unter dem Einfluß deS anrnulhigen Wirkens ihr Herdes Weh für kurze Zeit vergessen Aber es überkam sie heiß und schneidig, als fie mit plötzlichem Schreck Deffen gedachte, der, wie fie einst gehofft, diesen Abend an ihrer Seite stehen und in seiner Nähe seliges Glück für fie bringen würde. O, und jetzt ruhte die theure Gestalt auf tiefem Meeresgründe, ober schaukelte, irgendwo angetrieben, an ferner Küste auf brandender Flut, und baS dunkle Haar, das liebe Antlitz ward von grünlichem, muschelbe- sLetem Seetang umflochten I Sie schauderte heftig zusammen, als die Hand der Mutter, liebevoll bie ihrige drückend, sie an sich zog.

Sei getrost, Kind," klang ihre ermuthigenbe Stimme, bist meine brave Tochter unb ich, Deine Mutter, segne Dich. Denke daran, daß unser Herrgott auch Dir heut ben reichsten Trost schenkt für alles Erdenleid: Jesum Christum, unfern Erlöser, unb mit ihm das ewige Heil.

Deutsche« «eich.

Berlin, 10. Juli. Der Staatsanzeiger veröffentlicht das vom 4. Juli batirte und vom Kaiser bereits vor feiner Abreise nach EmS vollzogene Gesetz, betreffend die Rechte der altkalholischen Kirchengemeinschaften an dem kirchlichen Vermögen der katholischen Gemeinden. Der König, als oberster Bischof, Hal die im Herbst vorigen Jahres von der außerordentlichen Landessynode der Provinz Hannover derathene kirchengesetzliche Ordnung über die kirchliche Trauung, nicht genehmigt. Ein anderes von der Lanbes- synode berathencS Kirchengesetz, betreffend bie Aufhebung der Gebühren für kirchliche Aufgebote und Trauungen da­gegen hat am 16. Juni die Sanktion deS Königs erhalten, und ist seitdem publicirt worden. Gleichzeitig mit der Unterzeichnung dieses letzteren Kirchengesetzes hat der König einen Erlaß wegen der verweigerten Bestätigung des ersten Gesetzes unterzeichnet, der zur Kenntniß der Gemeinden und Geistlichen gebracht werden soll, und die Begründung dieser Verweigerung enthält. Die dem Reichskanzleramte einzureichenden Vorschläge zur Abänderung deS Strafge­setzbuches, sind in einer der letzten Sitzungen des Staats- Ministeriums beralhen worden und bereits sestgestelll. Sie sind seitdem in der Zusammenstellung, wie sie der Justiz- Minister in Gesetzesform redigirl hat, dem Reichskanzler- Amte üderm acht worden. Diese wichtige Angelegenheit wird dem Bundesrath bald nach seiner Wiedervereinigung, und demnächst den Reichstag voraussichtlich in seiner nächsten Session beschäftigen. Die Befürchtungen, daß das neue griechische Cabinel auch den von der nunmehr aufgelösten Deputirtenkammer genehmigten Vertrag betreffs der Ausgrabungen in Olympia für ungesetzlich erklären werde, haben sich als grundlos erwiesen. Der Vertrag, welcher das von Trikupis beanstandete Budget nicht direkt berührt, ist bereits vor längerer Zeit ratifieirt und hat internationale Rechtskraft erlangt. Die Ausgrabungen werden unmittelbar nach dem Ende der heißen Jahreszeit, Ende August ober Anfang September, beginnen, und sind b'e Vorbereitungen dazu schon sehr vorgeschritten. DaS Wohnhaus, welches für die Mitglieder der Expedition auf einem von der Reichsregierung erworbenen Grundstücke in dem Dorfe Druwa, oberhalb deS AlpheisthaleS errichtet worben, ist vollendet und bereits übergeben. Im Bau be- riffen, ist auch eine Brücke über den Nebenarm des Al- Pheios, sowie ein Holzschuppen, welcher zur Niederlage deS , gewonnenen Materials bestimmt ist. Für die AuSarbci- tungen unb Ausführung der Erddurchstechungen und i

®aS Mädchen athmete hörbar und beschleunigt; nur mit knapper Nolh vermochte sic ein Wort der Begrüßung hervorzustoßen, indem fie mit erhitztem glührothem Gesicht auf die Freundin zueilte, ganz verstört, wie außer sich. Verwundert über ihr abermaliges, so bald wiederholtes Kommen, richtete sich diese aus dem Arm ihrer Mutter empor.Ist Dir etwas wiederfahren Sabine? Doch kein Unglück großer Gott! *

Unglück sagst Du?" O, Heiland, es ist ich mußte her zu Euch ach, ich kann nicht mehr!" Sie warf sich erschöpft auf einen Stuhl:Christiane, Mäd­chen freue Dich! Wenn Du wüßtest"

Der Ton brach fast krampfhaft, hell und scharf au6 ihrer Brust hervor; fie wandte baS nasse, leuchtende Auge berJugendgespielin zu, deren beide Hände fie in die ihrigen

In diesem Augenblicke ward die Thür nochmals auf­geriffen, und ber äußere Raum zeigte sich von männlichen Gestalten verbnnkelt. Einer trat rasch herzu; aus ber winterlichen Vermummung tauchte das braune Gesicht des alten Schiffers Voß hervor:Da, da bring' ich ihn Dir, den Mathias! Mädchen, Christine, er lebt, er ist da!"

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Cöln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die d. Blatte»,

sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ~ (er in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

gflr in der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. V °

Um die Beiden hemm schaatten sich jauchzend, fragend, wirr durch einander rufend und sprechend die Uebrigen be hereindrängenden Kinder, die theilnehmenden Nachbarn Es schwirrte und wogte in der engen Stube wie in einem Bienenkörbe von Stimmen und Geräusch, bas unverstanden aber rote zu einem frohlockenden Akkord zusammenklana' Immer ro.eber unb wieder mußte ber alte Voß erzählen' rote Alles gekommen war, unb verstand er es auch sonst nach Seemannsweise, seinen gehörigenFaden zu spinnen" diesmal riß ihm dieser immer unter bett Händen ent- j»et, und wenn er anknüpfte, war'S vielleicht am ver­kehrten Ende.

(Schluß folgt.)