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Vr. 160,

Marburg, Sonntag, 11. Juli 1875.

X. Jahrgang.

Olmhcsislhr Zcilling

Aus Griechenland wird berichtet, daß der König

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war. Ost stellt man verschiedene Arten von deutschen Lands leuten wie Leipziger und Berliner, Ungarn und Oester- reicher zusammen, um ihnen Kalauer abzunölhigen. So gibt ein Berliner einem aus Leipzig gekommenen Gaste das Rälhsel auf: „Das Erste läuft, das Zweite läuft und das Ganze läuft", Ei HärrjescS, das kann ja der tute Sächser nicht rathen. Der Berliner muß eS ihm sagen: „Katzbach". Gott Strawbach! ruft der Sächser, das is Sie ein sehr schöne» Rälhsel, aber sehr schwer; meines iS leichter. Sie werdens gleich rathen. " ' '

Eine Sendung Kalauer aus Berlin.

ES ist so arg geworden, daß man fast auf keiner Straße, in keiner Gesellschaft Berlins mehr der Kalauerei entgehen kann. Je höher der Blödsinn, desto beliebter. Ja man macht förmlich Jagd aus solche Spiele und Verdrehungen von Worten, die den aller übertriebensten Unsinn in sich schließen. Ganz neuerdings sind sogen, chemische Kalauer sehr beliebt. Einige Beispiele: Wie gewinnt am besten das seltene Metall Brom? Nun, man pflanzt Brombeeren, worauf sich die Beeren mit der Erde verbinden und Brom frei wird. Auf dieselbe Weise kann man sich ungemein leicht tausend Gulden verschaffen. Man pflanzt Tausend­güldenkraut, worauf sich da« Kraut mit der Erde verbindet und die tausend Gulden zum Wegnehmen frei werden. Will man überhaupt Silber haben, so tritt man unter Silberpappeln, gebietet Schweigen, worauf das Pappeln (Plappern, Schwatzen) aufhört und das Silber für unsere Taschen frei wird. Auch die neueste Methode, ohne Schieß

Zu den jetzt bevorstehenden Manöver» in Äraffnojet Sselo hat der Kaiser von Rußland fünf Offiziere der deutschen Armee eingeladen. Das Jahreseontingent der Rekruten, welche bei der bevorstehenden Einberufung dieses Jahr in den Dienst zu treten haben werden, wird von

der Opfer an Menschenleben, an 3000 Seelen, war über­trieben, weniger der Verlust an Hab und Gut, der auf 300 Millionen geschätzt wird. Die Südfranzosen find indeß höchst genügsam und fleißig, weil ihr Grundzug Sparsamkeit und häufig Geiz ist. Sehr egoistisch erwies sich der höhere CleruS, der wenig thut, ober desto eifriger das Unglück als Strafe für erschlaffte Kirchlichkeit auS- beutet. In der Nationalversammlung dauert der Zwei­kampf zwischen dm Anwälten der kleinen und der großen Bahngesellschaften fort.

Die militärische Lage in Spanien, deren Haupt- intereffe sich in letzter Zeit auf den südöstlichen Kriegs­schauplatz concentrirte, hat plötzlich ein andere« Gesicht gewonnen. Noch vor wenigen Tagen schienen daselbst große Kämpfe zwischen den beiden Armeen des Gentrum« bevorzustehen; jetzt aber hat der größte Theil der dortigen carlistischen Armee da« Weite gesucht und gefunden, sinte­mal Dorregaray statt im südlichen schon im nördlichen Aragonien steht. In der inneren Politik herrscht Stille. Man redet freilich für und wieder die Einberufung der Cortes; doch ist noch nicht einmal die heikle Frage erle­digt, nach welchem Verfahren die Wahlen vorgenommen werben sollen. Der Berfaffungsansschuß hat viele Sitzungen gehaltm, aber hinter verschloffenen Thüren; eine feiner Hauptschwierigkeitm bleibt die Lösung der religiösen Frage, welche den spanischen Politikern noch viel zu schaffen machen wird.

Da« englische Parlament arbeitet fleißig weiter, um von der noch rückständigen Arbeitslast einen möglichst gro­be" Theil zu erledigen. Die Weigerung de« König« von Birma, den Engländern auf Verlangen den Durchzug ihrer Truppen durch sein Land zu gestatten, kann, wenn sie nicht noch zurückgenommen wird, füglich zu keinem anderen Ende führen.

Die belgischen Kammern haben mit der Senat«- sitznng am 3. Juli die Session von 1874 bi« 1875 ge­schlossen.

Der König von Schweden ist am 6. Juli auf der Fregatte „BanadiS", begleitet von der Fregatte „St. Olaf" und dem Kanonenboot „Blenda", nach Rußland abgereist und begibt sich zunächst nach Riga.

Gesagt, gethan. Die zwölf Studenten effen ihre zwölf Heringe und zerbrechen sich vergebens die Köpfe, wo der Wirth den zwölften hergenommen haben könne. Keiner

und das Zweite läuft auch, aber das Dritte läuft Sie nicht, hören Se. „Was is das?" Der pfiffige Berliner kanns nun gleichwohl nicht rathen. „Na, da« iS aber kinderleicht", ruft der Leipziger. „Das sind nämlich meine drei Kinder: die beeben ersten können loofen, das Dritte aber kann noch «ich loofen."

Ein österreichischer Landedelmann besucht einen unga­rischen, welcher ihm als merkwürdiges Wunder der Natur eine Henne zeigt, die Enten ausgebrütet hat. „Ja", sagt der Oesterreicher, „daS ist halt a großes Wunder der Natur, aber bei mir zu Hause hab i halt dach a größeres. Do is a Frau, die iS a Hebamme und die hat a Sohn, der iS a Knpferschmied." Vielleicht war« derselbe Oesterreicher, welcher in einer räthselaufgebenden Gesellschaft trotz seines Sträubens so lange gequält ward, bis er auch eine« »um Besten gab.

„3 nun, meine Herren, ich schickte zum nächsten Kauf- mann und ließ eben noch einen holen." Sehr einfach, aber schwieriger war da« Rälhsel des Oestreicher«. Er machte vorher in der Gesellschaft au«, daß Jeder, bet’« nicht rathe, ihm ein Viergroschenstück zahlen muffe. Zugestanden. Nun fragte er: „Da sind fünf Kinder, von denen jede« einen Apfel haben soll; ich aber habe nur vier. Wie fange ich« an, daß von den vier Aepfeln jede« der fünf Kinder einen ganzen bekommt? Einer nach dem andern machte ein dumme« Gesicht, weiß e« nicht und legt fein Biergroschenstück hin. Endlich bleibt nur der Oestreicher übrig. Alle blickten mit bet höchsten Spannung aus ihn unb harren bet Lösung. Da greift er in die Westentasche, legt sein Viergroschenstück zu den übrigen: „I weiß e« halt auch nicht" und streicht bann baö Geld ein. Doch die- sind schon keine Berliner Kalauer mehr, aber folgende gehören noch dazu.

AIS Paul Majunke und Paul Lindau gleichzeitig im Gesängniß am Plötzensee saßen, hieß eS in einem Witz- blatte: „ES ist etwas Paul im Staate Plötzensee." Unter der Uebetschrist: „MilitftrischeS" stand neulich die Frage: „Wozu hat der Soldat den Kops?" mit der

„Es fangt mit der Buchstab a an unb ist a Theil des -menschlichen Körper«." Wa« ist daa«? Lange« Hin- unb Herrschen hilft nichts, er muß e« endlich sagen. „Na, daa« sind halt a paar Stifel."

Zwölf Studenten, die den Abend vorher übermäßig gekneipt hat en, kommen in ein kleinstädtisches Gasthaus und verlangen jeder einen Hering. Der Wirth hat aber nur noch elf unb bebauen, baß er dem einen keinen Hering

P,Utifchc Wochrn-Uebrrsicht.

Unser Kaiser hat am vorigen Sonnabenb seine bie«- jährige Badesaison in EmS vollendet und wird sich nun — nach kurzen Besuchen in Koblenz, Karlsruhe unb auf bet Insel Mainau — über München unb Salzburg nach Gastein begeben. DaS Befinden St. Majestät ist gegen­wärtig so gekräftigt, baß bie Zusammenkunft mit bem Könige Victor Emanuel in Italien, auf welche im Früh jahre noch nach Rath bet Acrzte verzichtet werben mußte, nunmehr für ben nächsten Oktober von Neuem in Aus­sicht genommen worben ist. Unterbeffen hat sich bet von der Flottenrevue bei Swinemünbe eben zurückgekehrte deutsche Kronprinz in Vertretung beS Kaisers zum Leichen- begängniß beS Kaisers Ferbinand nach Wien ‘begeben und ist von da, nach einem kleinen Eisenbahnunfall bei Linz nach Karlsruhe zurückgekehrt. Der zwei Wochen hindurch ununterbrochen fortgesetzte Triumphzug des Ministers Falk, wie ein ähnlicher sonst wohl nur gekrönten Häuptern oder rettenden siegreichen Feldherren zu Theil geworden, hat am Montag in Duisburg, inmitten der rheinischen Wählerschaft, welche Herrn Falk schon früher durch das ihm übertragene Mandat zum Abgeordnetenhaufe ihr Vertrauen kundgegeben hatte, einen würdigen Abschluß gesunden. In Baiern naht der Tag der Urwahlen, für den Landtag (15. Jult) heran, bevor der Zwiespalt im ultramontanen Lager geheilt ist.

Der Tod des Kaisers Ferdinand ist das Ereigniß Oesterreichs. Der Verstorbene hinterließ einen Schatz der Dankbarkeit unb Herzlichkeit für bie vielen Almosen, bie er ausgetheilt, unb nebenbei ein Vermögen von wenig­sten» 150 Millionen Gulben. Die Leiche bes am Tage Peter unb Paul verstorbenen „pensionirten" Kaisers, wie er sich zu nennen pflegte, wurde aus der Burg am Hrad- schin in Prag nach Wien übergeführt, wo am 6. das feierliche Leichenbegängniß stattfand. In der Politik herrscht tiefe Ruhe, und die Rückblicke auf die vormärzliche Zeit der vierziger Jahr find daher alö politischer Nährstoffe sehr geschätzt.

Am Sonnabend (3. Juli) haben sich die beiden Räthe der schweizerischen Bundesversammlung bis zum Sep­

tember d. I. vertagt.

Der Papst hielt am 5. ein Consistorium, worin er mehrere Bischöfe für Spanien, zwei für Oesterreich und ben Pfarrer Schreiber zum Bischof von Bamberg ernannte.

Am 5. Juli ist bet Präsident der französischen Republik von seiner Rundreise durch die überschwemmten Departements wieder in Versailles eingetroffen; die Frau Marschallin schickt sich jetzt an, zur Vertheilung der Geld- _ . , „ _______ ,..... ......., ___

spenden an Ort und Stelle zu gehen. Die Aufnahme des der „Mosk. Ztg." auf 180,0000 Mann angegeben. Marschalls war durchweg eine kühle, mißtrauische und hat ________ ....... vu m äwh|

die Rolle, die Napoleon IIL einst bei ähnlicher Gelegen- nicht im Entferntesten "an'eim Äbreffe^ke^baß^i^aüs" heit spielte, lebhaft in Erinnerung gebracht. Die Schätzung ländisches Geschwader in den griechischen Gewässern kreuze

Anzeigen nimmt entgegen: die thchedttion d. Blatte«, sowie die Amwncen-Bureaur von G L- Daube &, 6o. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidenbank, A. Rete« ▲ weher in Berlin; Earl Schüß- v ler m Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition b. Blatte«, sowie die Amwncen-Bureaux von Th. Dietrich &. Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenftein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

unb daß in der inneren Verwaltung Alles in normaler Weise verlaufe.

Ein Rescript des Sultans gestattet die Annexion des Hafens Zeyla im Meerbusen von Aden an Aegypten, wogegen der Khedive seinen Tribut an die Pforte um 15,000 L. erhöht. Das vom Sultan sanctionirle Budget weist an Einnahmen 21,711,764 Pfund, an «»«gaben 26,299,178 Pfd. nach und beträgt das Defieit demnach 4,587,414 Pfd.

Lage-bericht

Wir lesen an einer hervorragenden Stelle deS „Reichs­und Staats anzeigerS": „Da die Kisstnger Kur, welche der Reichskanzler in Varziu gebraucht, angreifend wirkt und die Aerzte ihm eine völlige Enthaltung von Geschäften ihm zur Pflicht gemacht haben, so müffen diejenigen Per­sonen, welche ungeachtet der Beurlaubung de- Fürsten fort« fahren, sich an denselben zu wenden, darauf gefaßt sein, keine Antwort zu erhalten."

Die Untersuchung, welche der BnndeSrath über die Verhältnisse der Arbeitgeber zu den Arbeitnehmern ange­ordnet hat, geht in Preußen um so lebhafter vorwärts, als der Handelsminister dabei höchst kräftig eingreift, so daß man hofft, schon im nächsten Monat das freilich sehr schwierige Zusammenstellen und Klarmachen deS System« beginnen zu können.

I" der nächsten ReichStagSsesston werden verschiedene wichtige Fragen, welche sich auf die Grundsätze de« eigen!« Men Budgetrechts beziehen, zur Sprache kommen, für den Fall, baß bie« nicht bei ber Berathung bes Gesetz, entwurf« über Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben be« Reichs unb über ben Reichsrechnungshof geschehen sollte; diese beiben Gesetzentwürfe werben {ebenfalls im nächsten Reichstage zur Vorlage kommen, da sie von un­bedingter Nothwendigkeit sind; einige Monita der Reichs­tages sind dabei in Berücksichtigung genommen worden. Die Ausgabe deS ersteren dieser beiden Gesetze ist nicht nur, in die Finanzverwaltung vollständige Ordnung und Fertigkeit einzuführen, sondern auch in stetem Gebrauch in erhalten. 0

Das Sperrgesetz muß für die Ultramontanen von sehr unangenehmer Wirkung sein, nach der Thätigkeit wenigsten« zu urteilen, die sie entwickeln, um e« zu bekämpfen. So fangen ste jetzt an, nach der Predigt wieder die Opfergänge vorzunehmen, in welchem alle Anwesenden in der Kirche eine Gabe auf dem Altar niederzulegen pflegen. Da fie dies nicht für eine „unbefugte Collection" zu Gunsten derjenige» Geistlichen, die durch das Sperrgesetz betroffen worben, ansehen, so benken fie auf biefem indirekten und krummen Wege diesen zu Hülfe zu kommen; doch scheint bis jetzt der Erfolg dieser Maßregel, ober vielmehr Spe« geben könne. Aber alle fühlen sich katzenjämmerlich und verlangen ungestüm ohne Gnade jeder einen Hering. Der fo geängstigte Wirth ruft endlich aus: „Sein Sie nur gut, mir fällt etwas ein, ich habe zwar nur elf Heringe, aber Sie sollen alle,Zwölf richtig jeder einen ganzen haben." ’

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrirteö LvnntagSdlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2li Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (eil. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf«. Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 vf«. berechnet.

gewehr Löwen zu erlegen und zu fangen, ist sehr praktisch. Man siebt nämlich den Sand der Sahara just durch ein Sieb, so daß der Sand durchfällt und die Löwen zurück­bleiben. Ebenso gibt es nach Art des bloßen L, welches Lvhnkutfch r bedeutet (Lohne Kutscher) eine Menge sehr kurz geschriebener Kalauer. Als neuesten hörte ich „ube". Wa« ist „ube" für ein böser Mensch? Ein jotlojer Jube. Alt unb beshalb gar nicht schlecht sinb bie beiben Leute, welche zum Frühstück Waffer tranken. Gefragt, warum sie nicht lieber Wein tränken, antworteten sie: „Ja wenn wir Waffer hätten, würden wir Wein trinken; da wir aber lein Waffer haben, müssen wir Waffer trinken."

Was mußten die« für Leute fein, um so scheinbar un­sinnig, boch ganz richtig zu uttheilen. Man wird eS, wie gewöhnlich, nicht leicht rathen. Also eS waren Waffer- tnüller, beten Bach ihnen nach langer Dürre auSgetrodnet ’