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Marburg, Sonnabend, 10. Juli 1875.
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tonnte sich ebenfalls nicht enthalten, einen kurzen Blick durch das klare Fensterchen hinein zu werfen. Aber war das nicht seltsam, daß Alles wie auSgestorben erschien? Auch die Magd nicht zugegen — wo war denn nur der alte Mann? Er hatte sich in der letzten eiligen Zeit nicht blicken lassen, und sie wollte ihm von ihrer Mutter die Einladung bestellen, die Festtage in Gemeinschaft mit ihnen hinzubringen. — Sie mußte sich entschließen, die Treppe hinaufzusteigen, um sich bei dem kinderlosen Ehepaare, das
erkundigen. Zu ihrem steigenden Befremden vernahm sie, daß der Hausbesitzer seit drei oder vier Tagen verreist sei; man wisie nicht, wohin? und er habe auch keinerlei Weisung hinterlassen. Sonderbar in der That; er hatte mitunter kuriose Einfälle! Sie schüttelte den Kopf und schickte sich an, in der rasch zunehmenden Dämmerung des Wintertages den Weg nach der Stadt wieder einzu- schlagen.
stellten Gesäße von blankem Metall, die meist nur zum 'Staate, selten zum Gebrauch dienen, im herrlichsten Glanz Erscheinen. Auch der alte Boß, ganz im Sinne seiner derstorbenen Frau ließ eS sich ein schönes Stück Geld kosten, um alle diese verschiedenen Gerätschaften von ost sittsamer Form, in so spiegelndem Putz zu erhalten, wie diese es geliebt hatte. Ehrtstkane, indem sie vorbei ging,
Die internationale Eonfereuz.
lieber diesen wichtigen Gegenstand geht uns aus vorzüglich unterrichteter Quelle folgender Artikel zu:
Petersburg, 5. Juli. Wenn man im Aitölande glaubt, und fast scheint eS so, wenigstens weist ein schüchu terner Entrefilet in den Zeitungen von Zeit zu Zeit da rauf hin, daß Rußland sich von den Schwierigkeiten, oder eigentlich wohl nur Widerwilligkeiten, welche dem Plan einer Fortsetzung der Brüsseler Conserenzen bereitet und entgegengestellt werden, zurückschrecken, und seinen eben so wohlgemeinten, als wohlüberlegten Plan, die Schrecken des Kriege« so weit als möglich zu vermindern, aufgeben würde, so dürfte sich dies, fei es als ein irrtümlicher Glaube, sei es als Furcht oder Hoffnung, je nachdem, ausweisen. Ob eS gelingen wird, die edlen Absichten des Kaisers Alexander so vollständig zu erreichen, als es gewiß aus dem Standpunkt wahrer Humanität zu wünschen wäre, oder ob es schon in diesem Jahre, oder zu welcher Zeil zu einem Abschluß, zu einer Basis kommt, auf welcher weiter gebaut werden kann, ist freilich eine andere Frage, hat aber nicht das mindeste mit der Sache selbst zu thun, daß nämlich unsere Regierung zuverlässig das einmal An- gefangene nicht aufgeben wird, bis irgend ein Resultat gewonnen worden ist. Oder die Politik Rnßlands und die Thäligkeü seiner Diplomaten, Mit nur einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat, wird sich wenigsten« der Wahrnehmung nicht verschließen können, daß Rußland nie etwas auf- gicbt, was eS einmal als eine Notwendigkeit anerkannt, und offen als eine solche proklamier hat, und das wird auch mit den Brüsseler Conferenzen so geschehen. Vor dem Beginn der vorjährigen Brüsseler Conferenzen wurde oft genug behauptet, sie würden überhaupt nicht zu Stande kommen, eS fei kein Modus für daS Präsidium, für dos Gewicht der Voten u. f. w. zu finden, und doch sind sie zu Stande gekommen, doch sind die Verhandlungen vorhanden, doch find viele Punkte festgestellt, und ihre Durchführung alS möglich anerkannt worden, und mehr wollte ja auch der russische Vorschlag gar nicht ; nirgends war damals erklärt worden, daß russischer Sei» von Brüssel bereits ein Vorschlag, ein Vertrag, eine Angegangene Ver Kindlichkeit erwartet werde, im Gegentheil betonten alle Einladungen und Präsidialworte nur den Versuch, die vorläufige Anerkennung der Nützlichkeit, ja des nurWün schensaerthen der Sache. Allerdings handelt eS sich diesmal schon um mehr. DaS Gespräch soll That, die Theorie Praxis, die Idee eine Realität, und zwar eine recht schwierig zu handhabende und verantwortliche werden. Auch in diesem Jahre geht der Widerstand vorzugsweise von England aus, denn waS sich sonst zögernd und unentschlossen zeigte, fällt den Einsendungen der Dreikaiser-Reiche gegenüber nicht inS Gewicht; England aber, das durch eine
Flotte überall angreifen und verwüsten kann, ist allerdings ein so wichtige« Glied, in bet hoffentlich sich einst schließenden Kette, daß man diese abermalige abwehrende Haltung hier schmerzlich fühlt; noch schmerzlicher die Argumente, welche die englische Presse beibringt, und den Ton, den sie gegen Rußland anschlägt. Auf die Länge hilft doch auch das Bewußtsein, diesen Ton und diese Gegnerschaft nicht zu verdienen, nicht über daS immer bitter werdende Gefühl des Verkanntwerdens hinweg, und immer hin und wieder klingt aus unseren russischen Zeitungen bereits der selbe Ton hervor, der in der englischen herrscht. Namentlich spricht sich die Petersburger „Deutsche Zeitung" diesem Ton und dieser Argumentation gegenüber, sehr unverhohlen und entschieden auS, und gewinnt sich dadurch Sympathieen wie nie. Vor diesen Thatsachen verschwindet die ganz vereinzelte Redaktionsrolle deö Goloö, der eine Allianz mit England predigen wollte, und es ist schwer begreiflich, daß man in Westeuropa so viel Notiz davon genommen hat. Bei jeder Allianz tritt doch zunächst die Frage in den Vordergrund gegen Wen? oder gegen WaS? sonst Hut sie ja überhaupt keinen Sinn. , Dafür fehlt aber bei der jetzigen Lage bet Dinge in Europa in der That jede Antwort, man müßte flch denn künstlich eine solche tont binnen wollen. Auf dem Felde, auf welchem eine Allianz möglich und nützlich wäre, dem einer reglementirten Kriegs führung, will England keine Verbindung mit Rußland, und wird, wenn die Fortsetzung der Brüsseler Conferenzen hier in Petersburg zu Stande kommt, Mittel genug finden, auf ihre Wirksamkeit einen lähmenden Einfluß zu üben. Dies ist eine unerfreuliche Thalsache, die indessen an dem Entschlüsse und an der Beharrlichkeit nichts ändern, mit denen Rußland nun einmal in diese Sache eingetreten ist. Man kann freilich nur wünschen, daß die russische Presse nicht noch weiter in dem Tone, in der gegenseitigen Abrechnung, in den geschichtlichen Verhaltungen gegen England geht, wie jetzt schon einzelne Symptome sich zeigen; dies würde nur schädlich wirken; wozu dieses gegenseitige Plänkeln und Necken, dieses Affichiren nationaler Antipa thien. Kein englischer Leader, kein M. Editer, oder Own- Correspondent, wird uns das sehr lebhafte, erregte Selbstgefühl rauben, daß Rußland und die russische Nation sich auf, dem besten Wege befindet, selbstgegebene Aufgaben zu erfüllen. Auch in der vom Kaiser Alexander angeregten Frage derCobificirung derkriegS- und völkerrechtlicher Grundsätze wird schließlich Rußland einen Erfolg zu regijhiren haben; ja eS wird eine Zeit kommen, wo man mit Erstaunen auf den Widerstand zurückblicken wird, den dieser Wunsch unseres Kaisers durch England gefunden; wir aber können dem Unheil der Zukunft ruhig entgegensehen.
Rach dem Stur».
Novelle von E. Streben- (FoNsetzung.)
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Juli. Die Instruction de« CultuSmini- sterS zur Ausführung des KlostergefetzeS enthält folgende bemerkenSwerthe Stelle, welche von der Staatsaufsicht über die fortbestehenden Orden und Kongregationen handelt: „Selbstverständlich wird eö sich hierbei nicht blo« um Einsichtnahme der Statuten, um stete Kenntniß der in den Niederlassungen aufgenommenen Personen und zeitweise Jnspectionen der SocalitSten, sondern vorzugsweise um Ueberwachnng der gejammten, von der Genossenschaft in Erziehung, Unterricht und Krankenpflege entwickelten Thätig- keit handeln, damit Ausschreitungen jeder Art verhindert, und für die Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften Sicherheit gewonnen wird. Die Aufsicht wird dagegen selbstredend jeden Eingriff in das Ordensleben als solches zu vermeiden haben." — Der hiesige italienische Gesandte hat im Auftrage seiner Regierung die Kündigung des Handelsvertrages zwischen dem Zollverein und Italien vom 31. Dez. 1866 und ber für ganz Deutschland gültigen SchifffahrtSconven- tion zwischen dem Norddeutschen Bund und Italien vom 14. October 1867 erklärt. — Das k. Konsistorium mm Pommern hat dem Pastor Quisttop von Ducherow „wegen wiederholter grober Vergehungen gegen die Kirchenordnun- gen und die darin vorgeschriebenen geistlichen Amtspflichten" dazu verurtheilt, „sich die Versetzung in ein anderes Pfarramt, wenngleich mit geringerem Einkommen, gefallen zu lassen (sogenannte Strafversetzung) und dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens zur Last zu legen." — Der Oberprästdent von Hessen-Nassau, Frhr. v. Bodelfchwiugh, hat feinen Abschied nachgesucht und man bezeichnet als Nachfolger für ihn den Präsidenten von Ernsthausen im Elsaß ober ben Regierungs - Präsidenten von Ende in Düsseldorf. — Der deutsche Kronprinz ist auf bet Fahrt von Wien nach Karlsruhe einer großen Gefahr glücklich entgangen, doch wohlbehalten mit einer Stunde Verspätung in München eingetroffen. Der Grund dieser Verspätung war ein Zusammenstoß mit einem Güterzuge bei der Station Hack unweit St. Valentin.
Leipzig, 5. Juli. Das „L. Tagebl." erfährt, daß Herr Polizeidirector Dr. Rüder sich an die allgemeine deutsche Kreditanstalt gewendet hat, um einen Vorschuß von 100,000 Francs auf die Sammlung für die lieber; schwemmten in Frankreich, welche er in Gemeinschaft mit dem hiesigen Konsulate der französischen Republik veranstaltet, zu erlangen.
«ari-ruhe, 7. Juli. Kaiser Wilhelm ist heute Nachmittag, kurz nach »/« auf 2 Uhr mit Extrazug hier angekommen. Auf Station Weinheim hatte ihn im Namen des Großherzogs der Staatsminister Dr. Jolly bewill- kommet und hieher geleitet, und auf allen Stationen, die einem Amtssitze nahe sind, fand festliche Begrüßung Sr. der die Thürme der Stadt, das Wasser, die Bäume und Büsche ungewiß durchschimmern liefe. Bewegte sich nicht Alles um sie her, das ganze Weltall, das Leben, das Geschick deS Menschen tzi unauflösbaren Räthsiln für den irdischen Geist? — Wer ach, konnte sie lösen?
Schon sank die Dämmerung deS folgenden Tages, die Vorläuferin der geheiligten, der geweihten Nacht hernieder, deren freundliche Schatten für so viel tausend und aber- tausend junge Herzen voll Hoffnung und Ungeduld viel zu langsam herranrückten. In den Häusern, den einzelnen Familien war die Festesfreude meist vorbereitet, das AuS- spenden der Gaben sollte demnächst seinen Anfang nehmen.
Die drei jüngsten Kinder der Wittwe Völkert waren zu der Nachbarin geschickt worden, unterdessen in der Stube, in dem Winkel am Fenster, wo es am wenigsten hinderte, zur Bescheerung aufgebaut wurde; da man es meistens liebt, diese wenigstens in ihren der schmausenden Eßlust nicht unterworfenen Theilen, bis zu Neujahr stehen zu lassen. Schon deS Morgens hatte die Schwester bei ihrer Kammer den Christbaum aufgeputzt, dafe er am Abend, mit seinen Lichtersternchen zwischen den dunklen Nadeln prangend, Weihnachtsfreude in die Herzen strahlte. Nicht mit übersüßem Marzipan, noch mit zerbrechlichem Schaum« tonfett waren feine Zweige behängt; sondern er wieS da« gediegene Naschwerk von Rosinen und Mandeln in trefflichen Schnüren aufgereiht, und dazwischen, an langen gäben schaukelnd, roihbäckige Aepfel und braune und weiße Zuckernüsse. Es war ein stattliche« Bäumchen, und die Höhe der Stube erlaubte ausnahmsweise, seine Lichter hernach bl« zur Spitze anzuzünden. Jetzt hatte e« seinen Platz iu der Mitte eingenommen, auf dem künstlich auf Stuhllehnen erbauten und zur besseren Stütze auf einem Tritte ruhenden Kistendeckel, der als Tisch diente, und mit lang herabwallendem, blendentweißem Linnen bedeckt »ar,
Langsam und im trüben Sinnen den Kopf gesenkt, den Blick zu Boden geheftet, verfolgte sie den bekannten Pfad an den Nachbarhäusern entlang, die, meist von wohlhabenden Schifferfamilien bewohnt, freundlich zwischen Gärten gelagert, sich wie jenes, dcks sie eben verlassen, mehr ober minder durch Schmuck und äußere Nettigkeit auszeichneten. Eine unendliche Leere, ein Gefühl trostloser Bitterkeit nagte an ihrem Herzen. Wo war die fünfte Wärme, die stille Seligkeit der gebenden und empfangenden Liebe, die ihre Pulse sonst so leicht, so freudig beflügelt hatten, in dieser Zeit der Erwartung, iu der schönen, gesegneten Zeit ber Geburt unseres Heilanbes? — Erloschen bie Gluth, gestorben bie Hoffnung, untergegangen in den Wellen! Der farblose Himmel über ihr schien mit brückender Schwere über ber Erbe zu hangen; ba war kein Sonnenschein, kein 1 freundlich grüßendes Sternlein, nur grauer, trüber Nebel,
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Statte«, sowie die Amwncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Aastet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Jtamtftttt a. M , Berlin, Leipzig, Cöln k ; Rudats Moste in Berlin, Frautsurr a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die «hchedition d. Blatte«, sowie die Annoucen-Bureaux von @ L. Daube & Co. in Frankfurt a. M. -Jüger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A Stete« ▲ rneyer in Berlin; Carl Schütz» |V ■ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer bett Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS TotttttagSdlatt" durch die Expedition (St o ch'sche Bnchdxuckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postkimler des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (eil. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Sir hielt vor dem mit Heller Oelfarbe gestrichenen, im besten Stande erhaltenen Häuschen an, wo sie zu ihrer Verwunderung die lebhaft grünen Fensterladen schon geschlossen fand, öffnete die HauSthür und schritt über den mit buntfarbigen Ziegelsteinen künstlich ausgelegten Flur, dessen tadellose Sauberkeit auf alles klebrige schlichen ließ._ Und wirklich gewährte auch ein Blick in die Inneren Räume i seit geraumen Jahren dort die Wohnung inne hatte, zu dem dafür empfänglichen Auge ein wahres Vergnügen durch die musterhafte Ordnung und Nettigkeit, womit alle diese verschiedenen, zum Theil seltenen und in schönen Farben prangenden Gegenstände, die der alte Schiffer von seinen vielen und westen Fahrten mitgebracht, ringS umher ausgestellt waren Md durch eine gewisse geschmackvolle Symmetrie ein wohlgefälliges Ganze bilbeten. Die größte Stube zur Rechten, sowie ein Zimmerchen an ber anderen Seite zeigten sich indeß verschlossen, als bie Hand des Mädchen« den Drücker berührte, und sie wandte sich nach brr Hinteren Parste des Erdgeschosse«, der auf den Hof hniauSging, wo sich ein kleines Gemach, das die Aufwartefrau bi6 Allen bewohnte, und gegenüber Küche und Speifekamchcr befanden; erstere besonder« der Stolz und das Hciligthum einer ächten Schiffsftau, bie mit ber Pein Wen Sorgfalt barauf hält, daß die dort an ben Wän> tien und in den Schränken zierlich geordneten und aufge