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Marburg, Donnerstag, 8. Juli 1875.

x. Jahrgang.

Deutsches Reich.

dm Zustand der Missionen bei uns einzuleiten. ES wäre wohl an der Zeit, auf diese Apostel ein wachsames Auge zu haben. Canonicus Dr. Sünzer ist, wie dieSchles. Volksz." berichtet, vom Domkapitel jum Magister fabricae der Domkirche zu BreSlau gewählt worden.

Die an der Pariser Börse verbreitet gewesenen Gerüchte von Schwierigkeiten mit der deutschen RcichSregierung welche die Abberufung deS diesseitigen Botschafters Marqui v. Gontaut-Biron verlangt haben sollten, entbehren der Agence HavaS" zufolge, der Begründung. Eine Madrider Depesche dementirt daS Gerücht, daß Spanien die Intervention der europäischen Mächte gegen die Car­listen nachgesucht habe.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von ® L- Daube & Co. in Frankfurt a. M. -JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz.

v ler in Hannover; C. Schlotte

in Bremen.

Die Parteigruppen der Linken der französischen National Versammlung sind jetzt entschloflen, die Aufhebung deS die Vornahme partieller Wahlen verbietenden Gesetzes zu be­antragen, falls sie die Feststellung des Zeitpunktes der Auflösung der National-Versammlung nicht durchsetzen können.

Tagesbericht.

Die Ausprägung der Einmark- und Zwanzigpfenntg- Stücke, sowie der Nickel- und Kupfermünzen wird in den Reichsmünzstätten sehr lebhaft betrieben. Der Vorrath der Fünfmarkstücke ist erheblich, so daß deren Prägung gegenwärtig weniger lebhaft ist, wogegen man die der Kronen verstärkt, um die Goldwährung anzubahnen. Was die Zweimarkstücke betrifft, so ist deren Ausprägung ganz ausgegeben, da diese durchaus gegen den Willen der Re­gierung in das Gesetz begriffen worden, während demselben Gesetze nach die Bestimmungen über die Ausprägung der anderen Münzarten dem Reichskanzler überlassen blieben. Obschon nun das Zweimarkstück den ehemaligen Reichs, gülden (Convrntionsmünze) ersetzt hätte, so wäre er doch nicht haltbar gewesen, da sein Werth dem des österreichi­schen GuldenS nicht entspricht. Man mußte auch von dem Gedanken Dreimarkstücke zu prägen, abgehen, da sie gleichen Werth mit den Thalern gehabt hätten, die man eben ver­schwinden laffen wollte.

Einer soeben veröffentlichten amtlichen Statistik des preußischen Schulwesens zufolge verhält sich die Zahl der Schüler von Elementarschulen zu der von höheren Lehr- anstalten wie 94 : 6. DaS Boiksschulwesen in den Stäi-ten stellte sich amtlichen Erhebungen zufolge am 1. September 1874 folgendermaßen: Vorhanden waren 15,125 Lehrer und 2065 Lehrerinnen, welche sich auf die einzelnen Pro­vinzen wie folgt vertheilen: Preußen 1281, Brandenburg 2774, Pommern 1116, Posen 887, Schlesien 1798, Sachsen 1993, Schleswig-Holstein 603, Hannover 1083, Westfalen 689, Hessen Nassau 999, Rhcinprovinz 1855, Sigmaringen 47, zusammen 15,125 städtische Lehrer. Bon diesen Lehrern hatten sechs ein jährliches Baareinkommen von noch nicht 100 Thlr.; ferner existirtcn acht Stellen mit 100125 Thlr. Gehalt, 59 Stellen mit 125150 Thlr., 197 mit 150180 Thlr , 350 mit 180200 Thlr., 575 mit 200225 Thlr., 898 mit 225250 Thlr.,

2078 mit 250300 Thlr., 2329 mit 300350 Thlr.,

2057 mit 350400 Thlr., 1784 mit 400 -450 Thlr.,

1515 mit 450500 Thlr., 1012 mit 500550 Thlr.,

683 mit 550600 Thlr., 460 mit 600650 Thlr, 269 mit 650700 Thlr., 273 mit 700750 Thlr., 172 mit 750800 Thlr., 101 mit 800850 Thlr., 48 mit 850900 Thlr., 91 mit 900950 Thlr., 34 mit 950 bis 1000 Thlr. und endlich 85 Stellen mit über 1000 Thlr. Gehalt.

DiePosener Ztg." meldet: Bom Erzbischof in Prag sind bekanntlich 16 Cleriker aus dem Theologenseminar in Gnesen zu Priestern geweiht worden. Dieselben leben ganz ungestört in unserer Provinz, überwachen und terrorisiren die Geistlichen, welche im Gerüche stehen, mit den Ver ,

hübsche, flachshaarige Röse, den glimmenden Fidibus, wel­chen sie dienstfertig dargercicht hatte, noch zwischen den Fingern, hatte nur ein schelmisches, allerliebst neugieriges Gesichtchen aufgesetzt, ohne daß den halbgeöffneten frischen Lippen ein Laut entschlüpfte: während Christiane, aufrecht stehend und aümälig immer bläffec und bläffer werdend, mit starren Zügen und lautschlagendem Herzen all ihr Empfinden in den angstvoll fragenden Blick zusammen, drängte, den sie auf den zukünftigen Schwiegervater heftete; einen Blick, den dieser zu fühlen schien, trotzdem er sie nicht ansah, denn er rückte wie in quälender Unruhe auf seinem Seffel hin und her und wandte da« Gesicht nach der andern Seite.Nun, wie ist's denn, Kapitän," brach end.ich die tönende, fast unmerklich bewegte Stimme der Schifferfrau den Bann, der aus allen lastete,ist sichere Nachricht eingetroffen?" ' w

Sichere Nachricht? O ja!" Der Ton klang ange­strengt und rauher noch als sonst, und über die alten wetterharten Züge lief es sonderbar hin. Er räusperte sich einige Male mit Geräusch und ließ dann den unsicheren Btick mit einem mühseligen Versuch, freundlich anzuschauen von dem Einen zum Andern schweifen. '

® sitzt wohl warm hier in Mutters Koje, Ihr Krabben? Und Du, schmucke Rösel, sich' mir nichsso grell und glau in die Augen; krieg' am Ende sonst Lust, Dir die glatten Backen wieder einmal feuerroih zu scheuern mit meinem Stachclbarl." Seine Stimme schnappte plötz­lich ab, ehe das Wort ganz ausgesprochen war.

Oho, das verkitt' ich mir ganz und gar!" Die kleinfchnippische Dirne schnellte wie ein Blitz zurück und der Alte verfiel nach diesem Aufflackern einer sie tbar un­natürlichen Laune wieder in ein hartnäckiges Stillschweigen. Die scharf ringegrabenen Runzeln auf der Stirn eng zu

Fürstbischof Förster den zu ernennenden Wcihbischof der Regierung vorher angezeigt, als vollkommen gleichgültig hinzustellen und behaupten, eine solche Anzeige sei in diesem Falle von jeher Brauch gewesen. Dies gilt indessen nur von der Zeit der Verkündigung der Verfassung. Damals allerdings sind die Weihbischöfe stets erst der Regierung präsentirt, ehe sie vom Pabste ernannt worden. Zn beiden Fällen aber, als es sich nach Erneuerung der Verfassung um die Znstallirung eines Weihbischofs handelte, ist keine Anzeige erfolgt. Den Schritt des Fürstbischofs daher als vollkommen gleichgültig zu bezeichnen, geht nicht an. Graf Eulenburg hat dem Kaiser in Ems noch einmal einen ausführlichen Vortrag über die Reformgesetze gehalten und sind dieselben alSdann vom Kaiser unterzeichnet worden Auf ausdrücklichen Befehl datirt die Promulgation der Gesetze vom 29. Juni ds. Js., dem 60. Geburtstage deS Ministers des Innern. Mit Zustimmung des Kaisers hat die Kronprinzessin das Pcotcclorat über das allgemeine Pensionsinstirut für deutsche Lehrerinnen und Erzieherinnen angenommen. Der Entwurf von AuSführungsbestim- mungen zu dem Fischereigesetze vom 30. Mai 1871 sind Seitens des landwirthsch. Ministers dem deutschen Fifcherei- vereine zur Begutachtung überreicht.

.* Berlin, 6. Juli. Der Kultusminister Dr. Falk ist heute von seiner Reise zurückgekehrt. Das neueste Journal des Debats enthält einen Artikel von Lemoine welcher eine bedeutende Herabstimmung der jüngst gehegten sanguinischen Hoffnungen in Betreff der Stellung Frank­reichs zu den Großmächten erkennen läßt. Das Journal warnt vor allen Jllusstonen in Bezug auf England, von welchem cs ein Eintreten für Frankreich nicht erwartet. Das Journal giebt daher seinen Landsleuten den Rath' ich nur auf sich zu stellen und auf seine Arbeit, seine Be­sonnenheit, sein Schweigen und seine Geduld. Erst wenn es sich innerlich gestärkt habe, werde eS wieder auf Allian­zen rechnen können, die Allianzen richten sich »ach der ei­genen Stärke. Bei aller Resignation des Artikels, blicken ooch auch hier dte unvermeidlichen Zukunfts- und Revanche- Gedanken hervor. - Nach oer Provinztalordnung soll der Verwaltung der zur Zeit bestehenden besonderen kommunal- tandtschen Verbände soweit sie die Für,orge für Landarme, Geisteskranke, Taubstumme und Blinde betrifft, spätestens bis 1. Januar 1878 mit allen Rechten und Pflichten auf vre Provinzialverbände übertragen werden. Wenn diese Regelung in der erwähnten Frist nicht durch Ueberein- kommen zwischen den Vertretungen der jetzigen und neu j u bildenden Verbände unter Genehmigung des Ministers des Innern zu Stande kommt, soll sie oeßhalb durch Kgl Verordtiung erfolgen. Die Einleitungen zu dieser Regelung

sammengezogen, die Augen zugekniffen^daßH^r verschwanden unter den buschigen Braunen, dampfte er mit einem wahren Ingrimm darauf los.

Einen tiefen Blick voll mütterlichen Erbarmens warf die Wittfrau auf ihre älteste Tochter, die. unbewußt und krampfhaft die Lehne eines Stuhles umklammert hielt. ^Christiane, Kind, Du mußt tragen, was unser Herrgott Dir auserlegt l Kapitän, nur her mit der Botschaft; ich hali S damit: gleich die richtige Flagge aufgehißt. Gerade

o« ber Sprache: ist dieMarie Charlotte" geblieben?"

Ms diese feierliche, fast beschwörende Ansprache erfolgte von Seiten des Allen ein stummes Ni.'en und nach einer barnlederschmetternden Pause ein hohles, gewaltsam h-rvor- gepretztesJa". Er warf den Pfeifenstummel auf den Tisch, schlug stco beide gebräunte Fäuste vor das Gesicht und em ttefeS Stöhnen entrang sich einige Augenblicke lang seiner arbeitenden Brust. Dann ließ « langsam bie Hande wieder sinken und starrte eine Weile mit leerem verglastem Blick vor sich hinaus, während um ihn herum' verworrene Töne, Laute des Jammers und der Klage er- schollen. D

, »2>a, ja," dröhnte seine tiefe Stimme endlich in abge­brochenen Redesatzen dazwischen, hab'S lang' gedacht, daß es so kommen würd'. Hart ist's - es war mein bester £unE letzter - na, 's einerlei! Christiane, Dirne, schau nicht so verzweifelt drein hol's der Teufel SeemaunslooS, nichts weiter I 'S ist 'ne Lcich' augetrie- b"' kommen, nah bei Amsterdam - SchiffsWen, lose» da lestetbVl" @PUßCl Wn ber »aRatlc Charlotte"

(Fortsetzung folgt) -.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. vlatleS, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kostet und Hannover; Th. Diettich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln ic; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. re.

Rach dm Slum.

Novelle von 6- Streben.

(Fortsetzung.)

Mein'» ebenso, Kap'tän, und seid schön willkommen!" Die Wittfrau streckte ihm mit dieser schallenden Erwie­derung die Hand entgegen, und eS gab erst ein tüchtiges und nachhaltiges Schütteln, ehe sich der alte Voß, denn der «ar es, mit einiger Umständlichkeit auf den herbei­geschobenen Stuhl niederließ, da seine unteren Gliedmaßen infolge früherer Strapatzen stark von Reißen heimgesucht waren. Eine noch immer tüchtige Gestalt trotz dieses letzteren UebelstandeS, kurz und untersetzt, von der richtigen Art, dem Sturm und Unwetter kräftig sich entgegen zu stemmen. Das Gesicht wie ein Winterapfel, runzlich, dick von Schale, von derbem, dunkel gesprengeltem Roth auf den Backen, mit buschigen weißen Braunen, die auf der knochigen Unterlage vorsprangen, und unter ihnen zwei noch lebhaft dreinblickende blaue Augen; am Kinn und der unteren Parthie ein grauliches Stoppelfeld abgesichelter Barthaare; so war es beschaffen, und eS war ein altes ehrliches Gesicht, wenn auch vielleicht manche wunderliche Schrulle dahinter lauerte; ein Gesicht dem man trauen konnte.

Es verstrich eine lange Pause erwartungsvollen Schwei­gens, wie er so dasaß, und die Augen der ganzen Familie folgten mit so zu sagen ungeduldiger Gier allen Be­wegungen des Alten, der mit ungewöhnlicher Langsamkeit eine kurze Pfeife aus bet Tasche seines weiten, rauhhaa- ngen Rockes hervorzog, sie mit großer Vorsicht stopfte und, nachdem er den Tabak in Brand gesetzt, eit langen, paffenden Zügen daran sog. Die jüngeren Kinder, von der strengen Mutter in respektvoller Sitte gegen da« Alter erzogen, hielten mit Mühe ihre Fragen zurück, und die

Gesetze des Staates auf Die modernen Apostel gehen in Theilnahme von Neuem die Intimität der drei kaiserlichen Civilkleidern, sind von der Tonsur dispensirt, lassen sich und der königlich italienischen Familie bekundet. Die auch den Bart wachsen und scheinen beauftragt zu sein, ultramontanen Blätter bemühen sich, oie Thatsache dak den Rufianb ber bet uns pininlpitp« rc« u__... ______ \

__gür m der Expedition zu ertheilende Austuust und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. U * ° W V'8'

** Berlin, 5. Juli. Die Schmähartikel der Kreuz zeitung gegen die Finanzpolitik der Regierung scheinen den guten Erfolg zu haben, daß die ganze anständige Presse sich zusammengethan hat, um die angegriffenen Minister ist Schutz zu nehmen. Daß die Ultramomanen mit vielem Behagen die Ausführungen der Kreuzzeitung in ihren Blättern citiren, versteht sich von selbst. Eine rühmliche Ausnahme macht die schlesische Volkszeitung, die außerdem erklärt, sie könne ber Kreuzzeiinng nicht auf den konfessio­nellen Boden folgen, da ihr dies zu intolerant sei ge­wiß eine arge Beschämung für das angebliche Blatt des wahren Protestantismus! Was den Verfasser des berufenen Artikels anbelangt, so scheint es sich zu bestätigen, baß derselbe ein vielfach genannter verkannter Politiker aus Hinterpommern ist. Sein Fiesco dürfte diesmal um so größer fein, als nicht aus thatsächiichen Mittheilungen, sondern auch aus den Erwägungen kompetenter Organe hervorgeht, daß die vermeintlich unüberwindlichen Schwierig­keiten der Goldwährung so gut wie überwunden sind und bald dah-r gerade das beseitigt sein wird, was man am meisten der Finanzpolitik zum Vorwurf gemacht hat. Der Umstand, daß sich beim Begräbniß Kaiser« Ferdi­nand 1 von Oesterreich die drei Kronpr.nzen von Deutsch­land, Rußland und Italien treffen, hat gewissen Blättern Veranlaffung gegeben, daraus politische« Kapital zu schla- _ m . L. gen und das Zusammentreffen al« eine politische Demon

waltern de« erzbischöflichen Vermögens zu corre pondiren, ftration hinzuslellen. Es versteht sich von selbst daß hievon und hetzm da« Volk sowohl wider st- als auch wider die keine Rede sein kann, wenn a!ch die zur Schaugttragme