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Marburg, Sonntag, 4. .Juli 1875.
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Schiffers Tochter wie ich, und bedeuten will: wenn die wilde
Dorregaray, der mit 12,000 Mann bei Cantavirja steht. Sind die Zahlenangaben richtig, so sollte man erwartens daß es den beiden Generalen Jovellar und Martinez gelingen müßte, mit vereinten Kräften den Feind zu erdrücken.
Neben den mit großem Eifer betriebenen Arbeiten der Gesetzgebung ist daö Jntereffe Englands durch die drohende Kriegsgefahr mit Birma oder am Ende gar auch mit China in Anspruch genommen worden Der König von Birma hat indeffen alle englischen Forderungen bewilligt; ob die chinesische Regierung die zu verlangende Genugthuung wegen de« UeberfallS der englischen Expedition mit gleicher Bereitwilligkeit geben wird, muß abgewartet werden.
Die Pforte, überrascht durch den ungünstigen Eindruck, den ihre Haltung in der Frage der rumelischen Bahnen auf die Kabinette von Wien und Berlin machte, hat an ihre Vertreter im AuSlande eine Circulardepesche gerichtet worin sie jede« Verschulden von sich abzuwälzen sucht und die Abreise des Baron Hirsch als eine bedauerliche lieber, e'lung bezeichnet. Die Nachricht, daß die Regierung eine Reduction der Staatsschuld beabsichtige, wird ebenfalls amtlich als entschieden unrichtig bezeichnet.
Die Bureaux des rumänischen Senats und der Deputirtenkammer überreichten dem Fürsten die Adreffen der beiden Häuser in Beantwortung der Thronrede.
Das Gerücht, di« egyptische Regierung beabsichtige eine neue Anleihe von 10 Mllionen für öffentliche Arbeiten zu machen, wird offiziell dementirt. Am 28. Juni fand in Alexandrien die feierliche Eröffnung des inter- nationalen Gerichtshofs durch den Khedive statt.
Der Kaiser von Rußland hat am Sonnabend seine gewohnte Sommerfrische an der Bergstraße für dieses Jahr verlassen und ist am Dienstag wieder in seinen Staaten eingetroffen, nachdem am Montage auf der Durchreise durch Böhmen die in Aussicht gestellte Begegnung mit dem Jtav ser Franz Joseph Statt gesunden hatte. Die unerschütterte Festigkeit deö Drei Kaiser Bundes voiN September 1872 bildet von Neuem das Thema der halbamtlichen Preffe der betheiligten Länder. Mehr aber als diese Festigkeit, welche in den letzten Wochen keinen neuen Zweifeln unterzogen worden, wenigstens nicht in Deutschland, er regte Deutschland« Theilnahme und Aufmerksamkeit jener seit mehr als acht Tagm ununterbrochene und noch fortdauernde Triumphzug, zu welchem die Inspektionsreise des CultuSministerS Falk durch die Rheinprovinz sich gestaltet hat. Die ebensowohl herzliche, wie allerdings auch bewußter und beabsichtigter Maßen demonstrative Feier des bei den lutherisch-orthodoxen sowohl wie bei den ultramontanen Gegnern der heutigen Regierung Preußens vielgehaßten ManneS — mit Fackelzügen, Gartenfesten, Banketten in Bonn, Köln, Düffeldorf — hat die Stimmung deS Gefeierten unverkennbar erquickt und gehoben; aber auch in räumlich entfernten Kreisen, freundlichen und feindlichen, wird sie den Erfolg nicht verfehlen, falsche Auf faffungen zu berichtigen, falsche Hoffnungen eben so sehr wie falsche Befürchtungen zu zerstreuen! In Baiern beginnt die Wahlbewegung in höheren Wogen zu gehen; im ultramontanen Lager aber wird der Streit zwischen den Gemäßigteren, welche der ReichSversaffung eine kühle Treue zusagen, und den ReichSfeindlich-Revolutionären nur noch schwer niedergehalten. In Württemberg hat der Landtag am Sonnabend das Budget für 1875/76 zu Stande gebracht, zum ersten Male rechtzeitig seit seinem Bestehen. Auch über das Einsührungsgesetz zum Reichspersonenstands- Gesetze ist, bis auf nur wenige Punkte, die Uebereinstim- mung zwischen den beiden Kammern erreicht. Der Landesausschuß von Elsaß Lothringen arbeitet fleißig in seinen Commissionen und hat über seine bisherigen zwei Plenarsitzungen eingehende Protokolle veröffentlicht.
Die tiefe Sommerruhe der habsburgischen Monarchie wurde angenehm unterbrochen durch die Zusammenkunft der Kaiser Alexander und Franz Joseph, die am 28. Juni, Morgens 9 Uhr auf der Dux-Bodenbacher Bahn erfolgte. Die halboffizielle Montagsrevue begrüßt dieses freudige Ereigniß als die Erneuerung und Bekräftigung der so warmen freundschaftlichen Beziehungen beider Sou- veraine und in weiterer Linie als die Erneuerung und Bekräftigung der Ideen des Drei-Kaiser-BündniffeS; Auf der Rückfahrt machte Franz Joseph der Kaiserin Anna in der Prager Hofburg einen Besuch; am folgenden Nach-
Tagesbericht.
Aus Berlin geht un« die Meldung zu: Der LegationS- rath Dr. Aegidi hat einen dreimonatlichen Urlaub angetreten und ist bereits nach Süddeutschland abgereist.
Der Minister de« Innern hat in Beziehung auf die Veranlagungsweise eines industriellen Etabliffements zur Gemeinde-Einkommensteuer entschieden, daß der Gewinn, den ein Vorbesitzer des Etablissements in den letzten drei Jahren gemacht haben könnte, die dem Steuerjahr vorher- gegangen, nicht in Betracht kommen dürfe, obgleich § 30 de« Gesetzes vom l.Mai 1851 bestimmt, daß bei Gewerbetreibenden der Gewinn nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre berechnet werden soll. Dem Minister nach setzt aber eine solche Berechnung voraus, daß das Geschäft des Steuerpflichtigen drei Jahre besteht; denn die Person deS Handel- oder Gewerbetreibenden selbst ist der Hauptfactor jeden Geschäft« und zur Steuer wird nicht ein Geschäft«, betrieb als solcher, sondern nur eine bestimmte Person herangezogen. Jeder anderen Auffaffung nach müßte ein
von Dir. Bist eines solltest wiffen, was das Bö die See aufrührt
„Nun, nun, Schaue*), hab's ja so schlimm nicht gemeint*, begütigte die Getadelte mit aufrichtigem Tone, der
*) Abkürzung für Christiane.
Rach dem Stan».*)
Novelle von E. Streben.
„War das nicht ein Wetter über Nacht, Sabine! Hab' schier bis zum Morgm kein Ange zuthun können vor all dem Gebraus und Lärmen; denn da oben in der Dach- kam mer, wo ich schlafe, hört sichs just noch einmal so grauslich an, wie anderswo. Schienen sich dir alten Sparren und Bretter nur so zu biegen. Das ganze baufällige Wrack von Gebäu zitterte und bebte, als wollte es jeden Augenblick einbrechen und zusammenstürzen, wie 'n Kartmhaus. Hu, solcher Sturm ist doch was Entsetz- setzlicheS!"
Die hübsche Sprecherin schüttelte sich und ließ einen bangen Blick über den Horizont schweifen, an welchem dunkle Wolkenschichten eilig einherziehend, das mattgesärbte Blau deS DecembermorgenS größtemheils verschlangen. Noch immer hatte sich der Sturm, der seit einigen Tagen wüthete, nicht ganz gelegt; zuweilen einlullend, schien er sich mitunter seines alten Grimmes wieder zu erinnern. Dann fuhr er prasselnd durch die entblätterten Bäume, wirbelte das am Wege aufgehäufte Laub empor und begleitete seine hastige, jähzornige Thätigkeit mit einem scharfen, zischenden Pfeifen in der obern Lust.
Die beiden Mädchen von der, am äußersten Ende der Westervorstadt gelegenen Birkenmühle zur Stadt zurückkehrend, hatten soeben einen mehr geschützten Platz erreicht und hielten gleichzeitig, wie verabredet, an der Seitenwand eine« Hauses still, hochauf Athem schöpfend; ordneten, das Gesicht der Stadt zugckehrt, ein Weniges an ihren Gewändern und rückten sich die etwas verschobene Kopfbe decknng wieder zurecht. Ein paar bildsaubere Kinder, jede in ihrer Art. Während die jüngere, welche mü dem Vor-
*) Nachdruck verboten.
von Grund' au», daß sie rast und tobt wie ein hölli sches Ungeheuer, und die hungrige Welle gierig schnappt nach all den warmen geben, die nur die kahle Planke von ihr trennt Hast nicht gehört von all dem Unglück und Jammer, der anderSwo passirt ist, wie leider Gottes immer um diese Zeit? Und dieser letzte heillose Sturm — ach, Holland im Himmel, ich mag es nicht auSdenken, wie viel brave Jungen wohl wieder den Tod geschluckt haben in der bittern Salzfluth! Und wenn nun daS Liebste was man hat, der Mathias, die beiden Brüder — ach, es schnürt mit immer das Herz zusammen bei solchem Unwetter! Freilich, Du hast gut keck thun und Deiner Zunge den Lauf lassen: Dein Vater ist dieser Tage gesund und frisch heimgekehrt und der Thomas binnen Hafen beim Löschen, da bist Du nun ausgelassen und übermüthig; Du denkst nur an das Heute und nicht, daß eS auch einmal anders kommen kann. Nein, Du begreifst nicht die Angst, die mich verzehrt, die mir keine ruhige Stunde läßt."
mitiage, am 29. Juni starb daselbst der Kaiser Ferdinadn im Alter von 86 Jahren.
Der Conflikt zwischen dem schweizer BundeSrathe Und der Regierung von Bern ist nunmehr durch den vorgestern vom Nationalrathe gefaßten Beschluß, welcher die bundesrätbliche Gesetzesauslegung im Wesentlichen anerkennt, aber für Bern die Zurücknahme des AusweisungSbeschluffeS bis zum 15. November d. I. verlängert, wohl als glücklich gelöst zu betrachten.
; Der italienische Senat hat daS Gesetz über die Maßregeln zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit mit 66 gegen 29 Stimmen angenommen. Die Unruhen, welche man in Sicilien befürchtete, haben nicht Statt gefunden. Die Demonstrationen, welche in Palermo gegen das Sicherheitsgesetz gemacht worden, haben sich nicht wiederholt, jedoch hat die Regierung der Besatzung letzterer Stadt eine ansehnliche Verstärkung von Neapel und Rom aus zugesandt.
Der 22. Jun! war ein Tag schweren Unglücks für denjenigen Thei l von F r a n k r e i ch , der im Bereiche der Pyrenäengewäffer liegt. Die National Versammlung nahm die Sache Anfangs sehr harmlos auf und bewilligte nur 100,000 FrS., am 28. jedoch fügte sie auf Depcyres Antrag noch 2 Millionen hinzu. Mac Mahon und Buffet eilten am 25. nach Toulouse und besuchten von dort aus die gefährdetsten Orte; Buffet traf am Mittwoch wieder in Paris ein, der Präsident der Republik wird am Freitag zurück erwartet. Die Verluste an Hab und Gut wie an Menschenleben stellen sich noch ungleich größer heraus, als im ersten Schrecken gefürchtet wurde. Die Stimmung im Lande gegen die National-Versammlung und die Regierung ist keine gute: man sehnt sich nach festgeordneten Zuständen, nach rascher Annahme der VerfaffungSgesetze, nach Auflösung der National-Versammlung, um dann im Herbste die allgemeinen Wahlen vorzunehmen, damit die neue Verfassung zu einer Wahrheit werde. Die Linke steht in diesem Punkte ganz im Einvernehmen mit der öffentlichen Meinung, während die Regierung getheilter Ansicht und die Rechte eifrig bemüht, die jetzigen Eisenbahndebatten in die Länge zu ziehen und die Berathung der organischen Gesetze so zu erschweren, daß die National-Versammlung sich genöthigt sieht, die Auflösung bis zum Jahre 1876 zu vertagen.
Die spanische Regierung hat einige Erfolge den Carlisten gegenüber aufzuweisen. Generalcapitain Martinez Campos nahm am 25. Juni das mehrere Tage lang belagerte Fort Miravet ein und besetzte alsdann andere Ebro Uebetgänge, um den Aufständischen im südlichen Aragonien und in der Provinz Valencia den Rückweg nach Norden abzuschneiden. Während dessen operirt General Jovellar mit 28,000 Mann von Süden und Westen her gegen
ihrer vielleicht drei Jahre älteren Gefährtin angezogen, deren stattlicher Wuchs und schlanke Gestalt jene fast um Kopfeslänge überragten. Dunkle Augen und reiches blondes Haar verliehen den ebenmäßigen Zügen noch mehr Ausdruck, und das Roth der Gesundheit auf den sanft gerundeten Wangen stach anmuthig gegen die krause, kornblumenblaue Einfassung ihrer Winterkapuze ob, die es wie in einen Rahmen faßte. Sie setzte das Handkörbchen, welches sie am Arme trug, auf den Boden hin und wie- I derholte langsam wie für sich die Worte: „Ja, diese letzten Novemberstürme waren entsetzlich,* wobei ein schwerer Seufzer ihren tieftraurigen Blick begleitete.
„DaS war eine volle Salve aus dem Herzenskastell,* flüsterte die Kleine mit einem unwilligen Aufblick. „Hu, wie schwer und trübselig, dieser Seufzer! Ober ihn wohl auffindet ohne Kompaß, den schmucken Steuermann, den Mathias Voß auf der Marie Charlotte? — Schooner, Kapitän Halliger, geht von Hüll nach Bremen mit Stückgut. — Letzte Fahrt für diesmal; da dentt er vor Weihnachten hier zu sein in der alten Ostseestadt und sein liebes Schätzchen mit vielen schönen Sachen aus der Fremde zu beschenken, dann den Winter hindurch die Navigationsschule zu besuchen, um ausö Schiffexamen loszusteuern und hernach geraden KourS auf die Hochzeit. O, Unsereins weiß genau Bescheid, hab'Alles richtig im Kopfe behalten; und nun zittert und zagt das arme Bräutchen, daß der schlimme Nordost einen Strich durch die glatte Rechnung machen könnte. Als ob so ein flotter Secmanun sich so leicht von einem bischen Spritzwaffer anfechten ließe! Na, ein«
Anzeigen nimmt entgegen: btt Spedition d. Blattes, sowie die Annoneen-Bnreanx von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalideudank, A Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß- v ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leipzig, Cöln k ; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
namen Sabine angeredet wurde, mehr gedrungen und steht fest: daß ich Brautjungfer werde und tanzen will, daß rundlich mit lachendem Auge, blondem Haar und einem e« eine Art haben soll.* 8 B
schelmischen Zuge um den Mund, gleich auf den ersten ~ ' Blick Wohlgefallen an ihrer niedlichen Persönlichkeit er-
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirttS SonutaaSblatt" durck die Ervedition runA-t*. auf ben bru ckerei) ‘W % Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«^ lexl.^stellgebühr^ Zisertioulgebühr für die gespaltene Zei,7 io Pfo
■ - Fbr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet,
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Sie streckte kichernd mit einer tänzelnden Wendung - ■ ■ „ - «neu ihrer niedlichen Füße hervor; aber eine unwillige
weckte, fühlte man sich tiefer von der ernsteren Erscheinung Bewegung der Andern, die von einen fast erschrockenen .beee 5t..»» «i.k-it.,.-» Blick begleitet war, hemmte ihre Lustigkeit.
„Wie kannst Du nur so gottlos und vermessen sprechen, thörichteS Mädchen?* r -—
ift's Frevelinuth und Sünde