Einzelbild herunterladen
 

Ar. 151

X Mw

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. -Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; JnvalidendaNk, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- v ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Exprditton d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Diettich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfutt a. M. rc.

E / ^Ikarkurg, Donnerstag, 1. Juli 1875.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'! Buchdruüerei) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg

Für tn der Expedition zu ettheilcnde Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

ie Postbestellungen des dritten Quartals auf die

Dberhessische Zeitung

und deren Gratisbeilage

Issullrirtes Sonntagsötatt bitten wir um vollständige Exemplare liefern zu können vor Ablauf des Monat Juni gef. zu machen.

W* Auf dem Lande nehmen auch die Post­boten Bestellungen entgegen.

Im Feuilleton der Zeitung kommen im nächsten Quartal einige sehr spannende Er­zählungen von Wartenburg, Streben und Anderen zum Abdruck. Auch wird die Marburger Chronik in demselben fortgesetzt.

Zur wirthschaftlichen Lage.

Es ist ein erfreulicher Fortschritt, der sich in der Be­trachtung unserer wirthschaftlichen Lage geltend macht, und ohne Zweifel zu einer gründlichen Aenderung unserer Ver­hältnisse führen muß. Aber ein solcher Umschwung, der sich namentlich in den Kreisen der Eisenbahnverwaltungen kund giebt, ist die Veröffentlichung des Jahresberichts der rheinischen Eisenbahngesellschaft hervorzuheben. In dem­selben begegnen wir zum ersten Mole dem ausführlichen Beweise, daß die Erhöhung der Eisenbahntarife ein zwei­schneidiges Schwert ist, welch nicht bloö die Consumentcn, sondern auch die Producenten trifft, und daß die Einnahmen der Eisenbahnen gerade durch diese Maßregel rapide zurück­gegangen sind.

Es ist namentlich in jenem höchst interessanten Bericht constatirt, daß die Eisenbahnen nur im Zusammenhänge mit der Industrie gedeihen können, daß ihre Rentabilität mit der Llüthe der Industrie zusammenhängt, und daß, wenn die Industrie erlahmt, auch der Güterverkehr, diese Hauptrolle der Eisenbahneinnahme erlahmen muß. Es wird anerkannt, daß nur durch die Beschaffung billiger Rohprodukte die deutsche Industrie concurrenzsähig mit dem Auslande wird, und daß die Erhöhung des Eisenbahn­tarifs grade daS Gegentheil von dem bewirkt, was ste be­wirken soll; sie verringert die Einnahme der Eisenbahnen, statt sie zu erhöhen; sie vertheuert die Rohprodukte für die Industrie und schädigt daher diese selbst im höchsten Grave.

Außerdem aber wird in diesem Bericht anerkannt, daß unsere Industrie durch unsere gegenwärtige Zollgesetzgebung im höchsten Grade benachtheiligt ist. Es wird darauf auf­merksam gemacht, daß Frankreich seine unerwartet günstige Lage ausschließlich seiner maßvollen und umsichtigen Polittik

in Bezug auf Handel und Zölle zu danken hat, welche den inländischen Markt in vorsichtiger Weise schützt und ihn vor den extremen Schwankungen, welche die deutsche In­dustrie schwer geschädigt haben, bewahrt hat. Auch wird anerkannt, daß unsere Industrie im Vergleich mit den übrigen Faktoren deS Lebens noch nicht so entwickelt ist, wie in England, und daß wir noch manche Mängel in der Produktionsweise haben.

Wir heben diesmal noch ganz besonders hervor, daß die Vertheilung der Arbeit noch lange nicht genügend durchgeführt ist. Der deutsche Fabrikant ist von dem verkehrten Ehrgeiz beseelt, eine große Mannigfaltigkeit in der Production zu bethätigen. Er hat die Gewohnheit, seine Abeiter in ihrer Beschäftigung umherzuwerfen, und mit ihnen Alles zu gleicher Zeit zu versuchen. So be­kommt die ganze Productionsweise den höchst bedenklichen Character des ExperimentirenS, was überdies kostspielig ist und den Arbeitern die nöthige Sicherheit raubt. Diese ProductionSweisc sowie das eigenthümliche Gebühren vieler, ja der meisten Actiengescllschasten hat die Unsolidität der Arbeit befördert, und unsere Industrie in einzelnen Zwei­gen geradezu herunter gebracht. Dabei hat in der letzten Zeit eine höchst bedenkliche Usance in dem Verkehr mit dem Auslande Platz gegriffen. Nicht nur, daß die Nach­ahmung der Marken in dem größten Maßstabe eingesührt ist und dadurch solide und zuverlässige Firmen aus ihrer Kundschaft verdrängt worden find, indem die Concurrenten zwar billiger lieferten, aber durchgehends viel schlechter, als die Häuser, deren Marken ste nachahmten; außerdem aber hat sich auch die Gewohnheit eingeschlichen, das Aus­land durch schlechte und lheure Waare zu Übervortheilen. Es ist so weit gekommen, daß viele auswärtige Häuser eS vorziehen, ihre Einkäufe durch Agenten in Deutschland besorgen zu lassen, die weit billiger und besser einkaufen, als sie selber es bittet in Verbindung mit den deutschen Fabrikanten vermögen. Diese Usance droht geradezu ver­derblich zu werden, wenn sie nicht bald beseitigt wird. ES sollte eine Ehrensache des deutschen Fabrikanten sein, wie cs wirklich längst in Frankreich und England der Fall ist, die auswärtigen Kunden ganz besonders billig und reell zu bedienen, und den Versuch, dieselben durch Unreeüität zu übervortheilen, ganz aufgeben.

Wir sind überzeugt, daß die Hebung der Industrie eine der höchsten und wichtigsten Aufgaben unseres öffent­lichen Lebens ist, daß Gedeihen und Wohlstand damit in innigem Zusammenhang steht, und daß wir nur dann eine bessere und dauernd gute Lage erzielen können, wenn wir alle Uebelstände, die sich in der Praxis herauSgestellt haben, beseitigen. Dahin gehört aber in erster Linie eine Aende­rung unseres Zollwesens, so daß wir nicht fernerhin dem Auslande gegenüber benachtheiligt sind, sodann die Herab­minderung der Eisenbahntarifc, der schleunige Ausbau eines Deutschland umfassenden Kanalnetzes, um die Rohproduete

billiger zu beziehen; ferner Gründung von Fortbildungs­schulen und Musterzeichenschulen, um unsere Arbeiter zu heben und eine Geschmackveredelung und endlich die Ab­stellung der nachtheiligen Usaneen vieler unserer Fabrikanten mit dem AuSlanve. Die Berücksichtigung dieser vier Punkte ist die Grundbedingung, ohne welche unsere Industrie auS ihrem Rückgänge sich nicht erheben kann.

Deutsches «eich.

= Berlin, 29. Juni. Das Gesetz über die Ver­mögensverwaltung in den katholischen Kirchengemeinden, welches jetzt veröffentlicht ist, hatte zu gewissen Besürch- tungen Anlaß gegeben, die sich jedoch unbegründet erweisen, obwohl daö Herrenhaus, das als Zwangsmittel betrachtete Amendement Wehrenpfennig nicht hat zur Annahme kommen lassen. Die ultramontane Presse hatte in der ersten Zeit den guten Katholiken davon abgcrathen, an den Wahlen der Verwaltungsorgane Theil zu nehmen; rheinische Blätter melden aber jetzt, daß der Erzbischof von Köln auf seiner FirmungS- und Visitationsreise dem KleruS mitgetheilt, die Bischöfe haben auf der letzten Fuldaer Conferenz den Be- schluß gefaßt, die Wahl zu erlauben. Der BundeSrath hat die Ausführungsbestimmungen zum Civilehegesetz an­genommen und es beginnen jetzt in Folge dessen die Vor­arbeiten zur Einführung dieses Gesetze« in den verschiedenen Einzelstaaten, die z. B. in Hessen, dringend verlangt wird; ein besonderes Gesetz darüber soll in Württemberg mit der Landesvertretung vereinbart werden; die Einführung dieses Gesetzes wird in Bayern dnrchauS den Beschlüffen des BundeSrathS analog vorgenommen werden; die auch in Preußen einige Modifieationen in der Ausführung des Gesetzes herbeigesührt haben. Herr v. Sybel, heißt es, wird der Leitung der Staatsarchive einen neuen Aufschwungs geben, und soll dazu bereits einen neuen Organisationsplan entworfen haben; Dr. Lehmann, ein bekannter Gelehrter, wird ihm als Adlatus beigegeben werden. Da Herr von Sybel, Mitglied der Akademie der Wissenschaften ist, so wird er wohl von dem ihm daraus erwachsenden Rechte ^brauch machen, an der Universttät historische Vorlesungen

Düsseldorf, 29. Juni. Heute. Vormittag um 10 Uhr 5 Minuten traf der CultuSmimster Dr. Falk nebst Gemahlin auf dem Köln Mindener Bahnhofe Hierselbst ein Der Regierungspräsident v. Ende war den hohen Gästen bis Köln entgegengefahren. Auf dem Bahnhofe, woselbst sich die Mitglieder der städtischen Verwaltung und die Stadtverordneten versammelt hatten, begrüßte der erste Beigeordnete, Herr Affeffor Fritzen, den Minister im Namen der schönen Düsselftadt, die mit Freuden seine Ankunft erwartet habe. Die heitere Stadt der Kunst hoffe ihm eunge frohe Tage bereiten zu können, die ihm in seinem schweren Amte in freundlicher Erinnerung verbleiben möch-

Dks Cultus-Ministrrs Dr. Falk Anwesenheit in Köln.

Bei dem großen Interesse, welches Die Reise unseres Kultusministers nach den Rheinijchen Städten bietet, geben wir in Nachstehendem den Bericht derKöln. Zig." über die dastgen Festlichkeiten zu Ehren des Herrn Ministers.

Am Sonnabend Abend gegen ^9 Uhr versammelten sich die verschiedenen Vereine, welche an dem unserm Gaste darzubringcnden Fackelzuge Theil zu nehmen beabsichtigten, in bestimmten Localen und zog von dort mit ihren Ban­nern nach den zum Sammelplatz ausersehenen, das Stadt- Theater umgebenden Straßen. Den Mitgliedern dieser Vereine, sowie einer großen Zahl einzelner Festgenossen wurden zwischen 3 bis 4000 Fackeln ausgehändigt; leider mußten, da der Vorrath nicht ausreichte, im ehemaligen Saale des ConservatoriumS Hunderte Bürger abgewicscn werben. Außer denen, welche in benanntem Locale ihre Laternen und Lampions erhielten, hatten Viele ihren Be­darf vorsorglich schon aus anderen Quellen entnommen.

Der riesige Zug, deffen Formation längere Zeit in Anspruch nahm, setzte sich um 9Vr Uhr unter den Klängen von fünf Musikcoips in Bewegung, voran zwei Reiter, denen die erste Capelle folgte. Diesen schloffen sich die durch roth und weiße Schärpen ausgezeichneten Festordner und, hoch zu Roß, zwölf Fackelträger an. Von Turnern umgeben, erschienen dann die an Se. Excellenz entsandten Deputationen, hinter diesen in unabsehbarer Reihe die Mitglieder der beiden kölner Turnvereine, des Deutschen KriegervereinS, der Kameradschaftlichen Vereinigung von 1866, deS KriegervereinS von NippeS, des Kameradschaft­lichen KriegervereinS und deS KriegervereinS von Ehren­feld, des KriegervereinS aus Bayenthal und der Krieger- kameradschaft au« Sülz, die Mitglieder anderer hiesiger

Vereine, dann die der Lesegesellschast und des VolkSbildungs- VereinS, die über 18 Jahre alten Schüler des letzteren und ein großer Theil der Primaner und Ober-Seeundaner des Friedrich-WilhelmS-GymnasiumS die aus eigener Initiative hervorgegangene Betheiligung dieser Gymnasiasten und die der jüngeren Mitglieder der Turn-Vereine wird einem hiesigen Blatte, dessen Zahlenbegriff bei Schätzung der Fackelträger bei 1300 seine Gränze sand, zu der Be­merkung Anlaß gegeben haben,daß sehr viele, kaum dem Knabenalter entwachsene junge Leute im Zuge waren." Den Schluß bildete eine große Schaar von vielfach er­grauten Bürgern aller Berufsktassen, die keiner der vor­hergenannten Gesellschaften und Vereine angehörten. Der Zug nahm seinen Weg durch die im voraus bestimmten Straßen, deren Bewohner ohne vorherige Aufforderung ihre Häuser vielfach mit Fahnen festlich geschmückt hatten. Uederall stand das Publikum Kopf an Kopf gedrängt, brach beim Anblick der unzähligen Sterne in derNacht am Rhein" in lauten Jubel aus und stimmte mit frohem Enthusiasmus ein in die Vaterlandslieder, welche, begleitet von den Klängen der Musik, weithin in die Ferne drangen. Einen imposanten, in Köln wohl nur selten gesehenen An­blick, bot der Zug dar, als er von einem Lichtmeer über­gossen im Scheine bengalischer Flammen in schönster Ord­nung sich dahin bewegte.

Während derselbe stch auf dem Wege zum Regierung« - gebäude befand, brachte der Kölner Männergesangverein unter Leitung deS Herrn Hinsen eine Serenade dar. Herr v. Othegraven begrüßte Den Minister mit begeisterten Worten und schloß folgendermaßen:Gestatten Ew. Ex­cellenz uns zum Schluß die Sitte, in unfern Vorträgen ein schwaches Zeichen unserer Gefühle der innigsten Verehrung

und ausgezeichnetsten Hochachtung entgegennehmen zu wollen. Möge Ihre Wirksamkeit unserm engeren preußischen wie dem weiteren deutschen Vaterlande auf dem Wege des Frie- dens und der durch Sie angestrebten wahren Freiheit noch lange zur segensreichen Fortentwicklung gereichen und möge es uns noch so oft vergönnt sein, Ew. Excellenz, als Förderer von Kunst und Wiflenschaft, an den Ufern un- feres schönen Rheinstromes unsere Sympathieen bekunden zu dürfen. Euch, liebe Sangesbrüder, bitte ich, diesen Gefühlen und diesem Wunsch Ausdruck zu geben in dem Ruse:Se. Excellenz der Staatsminister Herr Dr. Kalt lebe hoch, hoch, hochl" ö

SUtit tum Mendelssohn'schen herrlichen, so recht paffen­den Liede:Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt" wurde der Gesang eröffnet es folgtenFrühlingsgruß" von Karl Wilhelm, Jetzt gang i an- Brünneli" von Silcher undSänaeraruß" von Strauß. Wer die Leistungen unseres Kölner Männer- gesangvcreinS kennt, dem brauchen wir nicht erst zu sagen wie mächtig die von 120 Männerstimmen gesungenen Chore dahin rauschten, wie ergreifend die Forte« ausgeführt und wie sein und bezaubernd die PianoS dahin gehaucht wurden, wie das von dieser Sängerschaar gesungene deutsche Lied die Herzen der Zuhörer entzücken mußte

Nach dem ersten Liede trat der Gefeierte, deffen impo- nirenve Erscheinung alle Blicke feffelte, auf den Festredner zu und sprach tiefgerührt in einer längeren geistvollen Rede, beten Wortlaut wir leibet nicht ganz getreu wiedergeben so""««, 1° intereffant sie wat, ungefähr Folgende«:Der schönste Gruß, der mir in Ihrem gastlichen Köln an dieser Stelle^ gebracht werden konnte, ist der Liedergruß, der mir von Seiten des Kölner Männergesangvereins entgegenlönt,