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ftr. 1L7.

Narkurg. Sonntag, 26. Juni 1875.

x. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d. Blatte«, sowie die Annoneen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Mosse in Berlin, Frankfurt a. !vl. re.

ObcrheUcht Irilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie bie Annoneen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M. -Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes Souiitagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (ejl. Bestellgebühr). — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Dberhessische Zeitung

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NT Auf dem Lande nehmen auch die Post­boten Bestellungen entgegen.

Im Feuilleton der Zeitung kommen im nächsten Quartal einige sehr spannende Er- zählungm von Wartenburg, Streben und Anderen zum Abdruck. Auch wird die Marburger Chronik in demselben fortgesetzt.

Tagesvertcht.

Der Weltpostvertrag tritt am 1. Juli in« Leben; allein Frankreich tritt diesem erst vom 1. Januar 1876 an, bei, und wird bis dahin „Vereinsausland" bleiben. Alle übrigen Staaten dieses Vereins, das heißt Deutschland, Oesterreich Ungarn, Belgien, Dänemark, Aegypten, Spanien, Vereinigte Staaten, Großbrittanien, Griechenland, Italien, Luxemburg, Norwegen, Niederlande, Portugal, Rumänien, Rußland, Serbien, Schweden, Türket, (von 1876 auch Frankreich) bilden in Zukunft ein einziges Postgebtet, unter dem Namen „Allgemeiner Postverein." Das allgemeine Bereinsporto für den einfachen srankirten Brief im ganzen Umfange diese« Poßgebiete« (also z. B. von Odessa bis Irland, von Moskau bis San Franzisko) beträgt 25 c. d. i. 20 Pf. Der einfache Bries darf 15 Gramm wiegen. Bei höherem Gewicht werden für je 15 Gramm (ober einen Theil davon) weitere 20 Pf. erhoben. Un- jrankirte Briese zahlen Doppelporto. Briefe die mehr als 300 Seemeilen gehen, zahlen einen Zuschlag von höchstens 50pCt. Einfache Sendungen (bis zu 50 Gramm) 76. (5,6 Pf.) mit denselben Zuschlägen wie die Briefe. Zu­lässiges Höchstgewicht bei Waarenproben 250 Gramm, bei anderen Sendungen 1000 Gramm. Unfrankirte Zei­tungen werden nicht befördert. Recommandirte Sendungen zahlen nicht mehr, als was im inneren Verkehr des Landes, wo sie aufgegeben werden, dafür erhoben wird. Für ver­lorene recommandirte Sendungen 50 FrS. (40 M.) Ent­schädigung.

Die Verluste, von denen — wie das „Berl. Tagbl."

behauptet, — sowohl der Invaliden- als auch derReichs- festungSbaufonds in Folge der BörsenkrisiS betroffen ist, haben in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit mancher Kreise in so hohem Grade auf sich gelenkt, daß eö sehr wohl an der Zeit sein dürste, wenn die Reichsregierung aus ihrer Reserve einmal heraustreten und die öffentliche Meinung durch einen rückhaltlos klaren Bericht über den gegenwär­tigen Stand der genannten Fonds resp. einen genauen Nachweis der bereits erlittenen Coursverluste beruhigen möchte. Es ist bekannt, daß die berliner Disconto-Gesell- schast zur Zeit mit der Unterbringung jener Gelder beauf­tragt war, sie vermittelte die Geschäfte für die mehrfach genannten Reichsfonds; sie kaufte für Rechnung derselben große Posten deutscher Eisenbahnobligationen, ferner ganze Anleihen, und sie machte dabei brillante Geschäfte. Allein, trotzdem nur Papiere ersten Ranges gekauft werden sollten, trotzdem so vortreffliche Finanzmänner, wie die damaligen Leiter der Discontogesellschaft ja unzweifelhaft waren (wir nennen nur die Herren Miquel, Hansemann, Hecker), die diese weitschichtigen Geschäfte abzuwickelen hatten, ist man doch in Betreff der Güte der angekauften Papiere im Schooße des Verwaltungsrathes jener Reichsgelder sehr zweifelhaft geworden. Und in der That sind Effekten wie Hannover- Altenbeken, von denen der Jnvalidenfonds 2,400,000 Thlr. oder Magdeburg-Halberstädter, von denen er 4,800,000 Thlr. und der Reichsfestungsbaufonds über 23,000,000 Thlr. besitzen soll, nicht gerade geeignet, die mit der Verwaltung jener Fonds betrauten Rcichsbeamten (Herr Geh. Rath Elwanger ist ja Kurator des Jnvalidenfonds) besonders vertrauensvoll in die Zukunft blicken zu lassen. Nach den uns gewordenen, soweit wir wiffen, zuverlässigen Milthei­lungen besitzt der Reichsinvalidenfonds dermalen an un garantirten deutschen Obligationen ca. 69,000,000 Thlr.; in Anbetracht dieser coloffalen Summen, sowie der aus jenen Mitteln zu leistenden Ausgaben hat unseres Erach­tens die öffentliche Meinung ein unbedingtes Recht, die bündigsten Aufklärungen zu erhalten. Wir haben eine vom Reichstage zur Revision dieser Riesensummen nieder- gesetzte Commission, der das Recht zweimaliger außerordent­licher Besichtigungen dieser Schätze zusteht, sie wird hoffent­lich ihres Amtes sorgfältig und schleunig warten.

Das Kammergericht verkündete Donnerstag Nachmittag- wie bereits telegraphisch gemeldt, das Urtheil zweiter In stanz in Sachen wider den Wirklichen Geh. Rath, Bot­schafter z. D. Grafen Hany Arnim. Präsident Stein: Hausen eröffnete die Verhandlungen mit folgenden Wortenn Es wird heute verhandelt gegen den ehemaligen deutschen ! Botschafter Grafen Harry von Arnim. Das Erkenntniß I der ersten Instanz wird insofern bestätigt, resp. abgeändert,

daß der Angeklagte wohl wegen Beseitigung öffentlicher Urkunden, aber nicht der Störung der öffentlichen Ordnung für schuldig befunden wird und dcßhalb mit einer Gesäng- nißstrafe von 9 Monaten, wovon 1 Monat verbüßte Untersuchungshaft angerechnel wird, zu bestrafen.

Aus Paris wird telegraphirt, daß nach neueren Nach­richten die Ueberschwemmungen in den Thälern der Garonne und des Advur besonders groß sind und ungeheure Ver­heerungen daselbst angerichtet haben. In Toulouse sind alle Brücken weggeriffen und zahlreiche Häuser eingestürzt Auch sind mehrere Menschenleben zu beklagen. Aehnliche Verwüstungen werden aus Tarbes, Auch, Albi und Mon­tauban berichtet. Gegenwärtig sind die Gewässer in lang­samer Abnahme begriffen, obwohl der Regen anhält.

Deutsches Strich.

•• Berlin 24. Juni. Während der jetzigen längeren parlamentarischen Pause wendet sich das Interesse sowohl im Publikum wie in der Preffe mit Vorliebe den Ver­handlungen der Reichsjustizcommisston zu, die ja gewiffer- maßen eine Fortsetzung der parlamentarischen Verhandlungen und eine zweite Lesung der Justizcommission darstellen. Diese Berathungen sind vor Allem dazu bestimmt, dem Reichstage einen Theil seiner Arbeitslast abzunehmen. Der Verlaus, welchen die Debatten bis jetzt genommen, ist in­dessen derartig, daß Besorgnisse wegen des schließlichen Resultats nicht ausbleiben können und kommen diese auch in der Presse zum Ausdruck. Die Commission hat nicht nur eine Menge von Abänderungsvorschlägen gemacht, sondern zwischen ihr und der Regierung haben sich auch die verschiedensten prinzipiellen Differenzen ergeben. Unter diesen Umständen liegt eben die Befürchtung nahe, daß sich erst im Reichstage Alles wird ausgleichen laffen und daß die Justizgesetze zu ihrer Erledigung mehr Zeit erfordern, als im Interesse der anderen parlamentarischen Aufgaben zu wünschen ist. Trotzdem hat man bis jetzt nirgends die Hoffnung aufgegeben, daß bei dem guten Willen, welcher auch bie Mitglieder der Commission beherrscht, sich doch eine Verständigung wird finden laffen und daß in der zweiten Lesung die Commijsion den Entwürfen gegenüber einen praktischeren Sinn an den Tag legt. — Zur Er­leichterung der GeschäflsverkehreS find den Eisenbahn- commissariaten einige Befugnisse zuertheilt, welche ihnen früher nicht zustanden, insbesondere dürfen sie fortan An­träge stellen wegen Genehmigung von Umbauprojecten für Bahnhöfe, Betrieb auf neugebauten zweiten Geleisen, Fahr­planänderungen bei Loealzügen, soweit dadurch der übrige Betrieb der Bahn nicht gestört wird. — Während gestern noch die „Prov.-Corresp." die Fortdauer des Dreikaiser-

Die Kartoffel.

(Fortsetzung statt Schluß)

ES wird auch von einigen Schriftstellern behauptet, unsere Frucht sei in Italien schon im Jahre 1588 häufig angebaut worden, wohin sie dann wohl durch die Spanier gelangt sein müßte, die sie aus Peru mitbrachten. — Hin gegen behaupten Andere wieder, daß erst im Jahre 1604 durch Franz Redi die Kartoffel in jenem Lande bekannt geworden sei.

In seiner Beschreibung seltener Pflanzen, die 1601 her ausgekommen ist, erzählt Carl Clusiuö, daß ihm dieses Gewächs erst 1588 bekannt geworden sei, da ihm ein Freund zwei solcher Knollen nach Wien schickte.

Dieser hatte dieselben ein Jahr zuvor aus dem Garten de« päpstlichen Nuntius in den Niederlanden erhalten, wo Man sie bereits mit dem Namen „Tartufeln" benannte. Es •ft also wahrscheinlich, daß die Saat aus Italien nach den Niederlanden gekommen, da der genannte Name auch darauf hindeulet, ^welcher, wie wir später sehen werden, aus dem Italienischen stammt.

Clustus verwundert sich, daß dieses Gewächs so spät •n Deutschland bekannt geworden sei, da eS sich, Berichten iusvlge, damals in einigen Gegenden Italiens doch schon 1° aus gebreitet habe, daß es nicht nur den Menschen zur Epeise diente, sondern sogar den Schweinen zur Mast. Aber noch mehr muffe et sich wundern, daß diese Pflqnze °us bet hohen Schule zu Padua nicht eher bekannt ge- Wcfen sei, als bis er einigen dort die Arzneikunst studiren b-n Freunden mehrere Knollen von Frankfurt aus zuge- Ichickl habe.

Er fährt dann weiterhin fort: „Jetzt aber im Anfänge °kS 17. Jahrhunderts ist ste wegen ihrer leichten und häu- stgen Vermehrung in Deutschland in den meisten Gärten gemein geworden."

Der schweizer Botaniker CaSper Baukin, welcher Vir- i'N>en als das Vaterland der Kartoffel anführt, erhielt

zuerst im Jahre 1590 eine fein colorirte Abbildung dieser Pflanze, und klasstfizirt sie unter die Nachtschatten, wohin sie mit Recht gehört.

Aus England scheinen sich die Kartoffeln nach den Niederlanden und Brabant, sowie nach Frankreich, später nach Lothringen und dem Elsaß, und dann bald nach allen Gegenden Deutschlands, nach Schweden und anderen Län­dern ausgebreitet zu haben. Der vorhin genannte Baukin erwähnt, daß sie schon zu seiner Zeit, also vor 1623, häufig in Burgund feien angebaut worden. Im Jahre 1616 kamen sie noch als seltenes Gericht auf die königliche Tafel zu Paris.

Obgleich deutsche Gelehrte die Kartoffel schon zu Ende des sechzehnten und zu Anfang des siebzehnten Jahrhun­derts beschreiben und auf den Nutzen aufmerksam machen, welche andere Nationen aus ihrem Anbau bereits zogen, so ging es mit ihrer Einführung bei uns doch nur lang­sam fort. Wie auf so vielen Gebieten der durch die Römlinge heraufbeschworene dreißigjähige Krieg unser armes Vaterland um fast ein ganzes Jahrhundert in der Ent­wickelung zurückgehalten hat, so war die stete Ueberfchwem- mung seiner Fluren mit Kriegsheeren auch gewiß nicht der Einführung einer neuen Culturpflanze günstig. Jedoch führte die Verwüstung der Felder und vielfacher Mißwachs des Getreides denn doch zu Versuchen, und so wurde in einigen Gegenden Deutschlands, bald nach wieder her- gestelltem Frieden, gegen 1650, dem gemeinen Manne die neue Nährfrucht bekannt. Jndeß bauerte es bis zum Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, ehe auf den An­bau der Kartoffeln in Deutschland mehr Eifer verwandt wurde, ja es giebt Gegenden desselben, wo erst vor hundert Jahren etwa die ersten Versuche damit gemacht wurden.

In Mecklenburg wurden die Kartoffeln im Jahre 1708 durch einen dort angeseffenen Edelmannn eingeführt, welcher al« Offizier bei den dänischen Hülsötruppen diente, bie der

Königin Anna beiftanben, den mit französischer Hülfe in «Schottland gelanbeten Prädententen zu vertreiben. Man traf damals in diesem Lande unsere Frucht bereits allge­mein und da die Truppen manchmal an den nothwendigsten Nahrungsmitteln Mangel litten, so versuchten sie, wenn auch anfänglich mit Widerstreben, die ihnen bis dahin un­bekannten Knollen, obgleich ihnen der Genuß derselben verboten war. Die verbotene Frucht scheint aber doppelt süß geschmeckt zu haben, denn auch die Offiziere bereicher­ten bald ihre knappe Tafel damit, und so wurde dieser Feld­zug Ursache, daß oben gedachter Edelmann die Kartoffel auf seinen mecklenburgischen Gütern anbauen ließ, nachdem er sich in Schottland genau über ihre Cultur unterrichtet hatte.

Der Waldenser Anton Seignoret, ein Colonist zu Nürnberg, brachte die Kartoffeln im Jahre 1710 nach Württemberg, wo sie sich bald auebreiteten; nach bei Schweiz scheinen sie aus Burgunb gekommen zu sein. Eine Nachricht belehrt unö, daß man 1730 dorts bereits viele Kartoffeln gepflanzt, ja sie auch zu Scheiden geschnitten und gedörrt habe, um sie auf der Mühle zu mahlen und vaS Mehl zu Brod sowohl, wie zu anderen Zwecken zu gebrauchen. Die Schweden erhielten ste im Jahre 1716 durch Jonas Alsttötn.

Als Curiosttäl ist zu erwähnen, daß ein Schriftsteller (Ludwig Abt: von den Erdäpfeln, Bonn 1770) weitläufig durch Citate aus MoseS zu erweisen sucht, daß das vor­liegende Staudengewächs nicht neu, sondern schon seit dem dritten Schöpfungstage da sei. Ob es eine Frucht au« dem Paradiese gewesen — darüber getraut er sich kein Urtheil zu fällen, da dieS doch eine Sache sei, bie ihre großen Bebenfen habe.

Seit 1738 wird die Kartoffel in Preußen angebaut, und seit 1783 in Frankreich, wo ste nach langem Wider­stande endlich durch Parmentier allgemein eingeführt wurde. Erst in den letzten 70—80 Jahren kam sie in Drutschlanh