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Vr. 139.

Marburg, Donnerstag, 17. Juni 1875.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blattes, sowie bie Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Srantfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A. Stete« meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln ic; Rudolf Messe in Berlin, Frankfurt a. M. rc-

Krickeint täalick autzer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche durch die Postamte? des Deutschs Reiches 2 Mark 5V Pfg. lexl Bestellgebühr). -KlertumMh- für d.e gespaltene Seile 10 Psg.

W Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. ___________

1000 Pesos baar für das beste System zur Vermessung und Vertheilung von BewässerungSwassern für eine feste oder proporkionirte Quantität, begleitet von den Apparaten und praktischen Darstellungen, welche eS auf die Beschaffen heilen des Landes anwendbar machen. Eine Prämie von 500 Pesos baar für den besten Sondirungsapparat zur Erforschung von Minen, wie Bohrer oder durchbohrende Schrauben, um die Erforschung der Bedeckungen von Kohlen, Stein, oder anderer derartiger Materien anzu- sühren. Eine Prämie von 500 Pesos baar für die beste Dankschrist, in welcher die Bedürsnisse und der sociale Zu­stand unserer ackerbautreibenden Klassen unter Bezeichnung der geeigneten Mittel zu ihren Aufrichtungen untersucht werden. Eine Prämie von 200—500 Pesos baar für den besten telegraphischen Apparat, welcher es erlaubt, auf einer Eisenbahnlinie die bezügliche Lage zweier in Bewegung be- findlicher Züge auf demselben Schieaengeleise festzustellen, derart, daß die Führer die geringste Entfernung wissen können, welche sie während der Fahrt trennt. Die Prämie ist diesen Apparaten zubewilligt, in dem Augenblick, da sie Funktioniren. Eine Medaille erster Klasse und 250 Pesos (1250 Franc«) für das beste vom Auslande eingeführte Oelgemälde, was auch immer Gegenstand desselben sei. Eine Medaille erster Klaffe und 500 Pesos (2500 Frcs.) für das beste in das Land eingeführte Werk der Bild­hauerkunst, und außerdem die Fracht und Versicherungs­summe wenn eS auf Rechnung des Künstlers eingeführt worden. Eine erste Prämie für die beste wissenschaftliche Denkschrift über Behandlung der silberhaltigen Bleie, wenn

den 24. April 1875. Die dirigirende Kommission ber| chilenischen internationalen Ausstellung des Jahres 1875 ;at beschlossen, daß Privatpersonen während der Zeit der Ausstellung auf dem für dieselbe bestimmten Raume, Ge- >äude auf ihre Kosten errichten dürfen, um in denselben Verkäufe von allen beliebigen Gegenständen zu halten. Dieselbe Kommission hat ferner für einzelne aufzustellende Gegenstände besondere Prämien bewilligt. Zugleich beehre ich mich, im Auftrage des kaiserl. Mimster-Refidenten, Herrn Levenhagen, anliegend ein Programm der besonderen Prämien, von einer Uebersetzuug begleitet, Ihnen zur gc fälligen Benutzung ganz ergebenft zu übersenden. Der Legations rc. rc. (gez. Pult.) Programm besonderer Prä mien: Eine Prämie von 1000 PesoS baar für Eifenmaterial zu schmalem Wege bis zu 3 Fuß, mit Locomotiven, Ten: der, festes und bewegliches Material für Lasten von 60 bis 100 Tonnen, auf Wegen mit Steigungen von 1.50 und Kurven von 50 Meter Radius. Eine Prämie von

Tagesbericht.

Unser gestrige« Berliner Telegramm traf leider fo spät ein, daß e« in unsere erste Postsendung nicht mehr aufgenommen werden konnte, wir lassen dasselbe noch­mals hier folgen: Bei dem Königlichen Kammerge­richt ist der Prozeß Arnim eröffnet. Die Anklage wird durch Oberstaatsanwalt Luck vertreten, Vorsitzender ist Kammergerichtsrath Steinhausen, des Angeklagten Arnim früher angezeigtes Erscheinen ist durch dessen Krankheit verhindert. Der Gerichtshof beschließt hierauf Contumacial- Verhandlung. Der Referent Kammergerichtsrath Meles rc umirt kurz den allgemein bereits bekannten Anklagegegen- staud. Die Staatsanwaltschaft wiederholt einen Straf Antrag, welcher auf 2‘/2 Jahre lautet. Die Ver theidigung beantragte Freisprechung. Der OberstaatS- anwalt beantragte die Beweisaufnahme durch Verlesung der Schriststücke zu wiederholen, sowie die Vernehmung des Zeugen Landsberg, auch die Beweisaufnahme über zwei Vorfälle im Thiergarten zu erstrecken. Der Gerichtshof beschloß, nur dem ersten Antrag stattzugeben, dagegen die beiden andern Anträge vorläufig abzulehnen. — Die kirchen- politischen Schriststücke mit Ausnahme des im „Reichs- Anz" veröffentlichten Circular-ErlasseS vom 14 Mai 1872 wurden auf Antrag des Staatsanwalts in öffentlicher Sitzung verlesen. Um 3 Uhr wurden die Verhandlungen geschlossen und auf morgen vertagt.

Die Reichsjustizcommission hat am Sonnabend den § 1 der Strafprozeßordnung, welcher von dem örtlichen Gerichtsstände in Strafsachen Überhaupt handelt, die Be- stimmung hinzugefügt: „Soweit die Verantwortlichkeit des Verfasser«, Herausgeber«, Verlegers ober Drucker« in Frage steht, so gilt eine Handlung, deren Strafbarkeit durch den Inhalt eine« Preßerzeugniffes begründet wird, nur al« an demjenigen Orte verübt, an welchem das Preßerzeugniß erschienen ist. Bezüglich de« Zeugniß zwangeS wurde folgender Zusatz zu § 43 auf Antrag des Abg Mauquardsen mit 15 gegen 11 Stimmen angenommen. Bildet der Inhalt eine« veröffentlichten Preßerzeugniffes den Gegenstand einer Strafverfolgung, so sind der Redak teur Verleger und Drucker berechtigt, das Zeugniß über die Person de« Verfassers, Herausgeber« und Einsenders

zu verweigern.

Der UnterrichtS-Minister hat einen katholischen Bischof dahin verständigt, daß die Ertheilung, Leitung und beauf sichtigung deS Religions unterrichts in den Schul- und Erziehungsanstalten ein ausschließliches Recht der Unter- richtsverwaltungaf eriich ^^(schm Minister-Residentur in! sie die Umstände des Landes berücksichtigt. Eine Prämie Santiago, geht uns folgendes Schreiben zu: Santiago,'erster Klaffe für die beste Denkschrift übe Verhandlung

von Silber auf dem Trocken- oder Feuchtwege. Eine Medaille erster Klasse der Ausstellung und eine andere besondere, von dem Intendanten von Santiago, Herrn Benjamin Vicunna Meckenna dargebotene für .die beste Gruppe von Modellen und so weiter für Findelhäuser

Ciöches.)

~~ Deutsches Strich.

• • Berlin, 15. Juni. Betreffs der Bewilligung von 500,000 Mark für die Ausstellung zu Philadelphia durch den BundeSrath erfährt man weiter, daß ursprüng­lich von einer Deckung der erwachsenden Kosten durch da« Reich ganz abgesehen war, weil man schon wegen der Entfernung die Ausstellung als nicht besonders wichtig für Deutschland ansah. Nachdem dieselbe indeffen während der letzten Monate immer mehr Bedeutung auch für Eu­ropa erlangt, ward diese Voraussetzung hinfällig. Auch andere Regierungen gedenken zu gleichen Zwecken Gelder zu bewilligen: Oesterreich 150,000 Gulden, Schweden 400,000 Kronen (450,000 M.), Belgien 200,000 FrcS., Frankreich 5—600,000 Frcs., Großbrittannien mindesten« 40,000 L. Sterl. Auch der schweizer BundeSrath beab­sichtigt, eine finanzielle Unterstützung aus Bundesmitteln zu gewähren. — Schon gestern Morgen hatte sich heraus- gestellt, daß das Abgeordnetenhaus seine noch vorliegenden Arbeiten nicht gestern schon werde abwickeln können und einigte sich deshalb, den Schluß doch wieder auf heute zu verschieben. Wenn alle Kämpfe vorüber, stellt sich immer mehr eine allgemeine Befriedigung über die Ergebnisse der Session ein und diese wird nur von Denjenigen, welche von ihrem negativen Standpunkte durchaus nicht ablassen mögen, geleugnet. Auch die Differenz zwischen den Präsidenten der beiden Häuser hat eine Lösung erhalten, die den zwischen beiden Häusern wiederhergestellten besseren Beziehungen entspricht. — Die Minister werden auch nach Schluß der Session noch reichlich zu thun haben, da eS jetzt die Ausführungsanordnungen für die verschiedenen Gesetze zu treffen gilt. ES dürften darüber jedenfalls wenige Wochen hingehen. — Der CultuSminister ist in einem amtlichen Geschäfte nach Koblenz gereift. Der Mi­nister des Innern wird sich demnächst wie alljährlich nach Ems begeben, um hier dem Könige Bericht über den Ab­schluß der Landtagsverhandlungen zu erstatten. — Es ist wiederum vom Rücktritt deS Oberprästdenten der Rhein­provinz, Herrn v. Bardeleben, die Rede. Man will da­mit seine Anwesenheit in Berlin in Verbindung bringen. Herr v. Bardeleben kam indessen nur nach Berlin, um an den Sitzungen des Herrenhauses theilzunehmen. Alle weiter daran geknüpften Combinationen, besonders die über seinen

Schuldig oder schuldlos?

Original-Novelle von Ernst Strehlen.

(Fortsetzung.)

Sie passtrten die Ecke des Hauses; die Entgegnung Bertholds war nicht zu verstehen. Bei den ersten Worten, welche dieser gesprochen, war Frau Wellmann zusammen- gefahren und ihr Gesicht drückte ein solches Gemisch un­angenehmer Empfindungen auS, daß Franziska sie wortlos und staunend betrachtete. Jene schien unschlüssig mit sich zu kämpfen: halb aufgerichtet starrte sie mit gerunzelter Stirn nach der Thür, welche im nächsten Augenblicke sich öffnete und die Gestalt ihres Gatten und die des fo un­erwartet bei ihr in Ungunst Gefallenen erblicken ließ. Mit einer plötzlichen, wie unwilligen Bewegung ließ sie sich zurückfallen in die Kissen und schloß die Augen. Einige unverständliche, halbgebrochene Worte sielen halblaut von '^Berthold näherte sich, seine Kühnheit entschuldigend, bat diese seiner herzlichen Theilnahme zu verzeihen. Die Mutter schwieg, daS Gesicht halb abgewendet; der Vater, in der jovialen Unbefangenheit seines Charakters lachte über die Flausen und Umstände und lud seinen Gast zum Sitzen ein, Franziska stand, den achtungsvollen Gruß oe6 Fnunde« schweigend, errölhet und verlegen da. Es kam eine drückende Pause, als sich jener niedergelassen hatte, wie er sagte, nur um einen Augenblick zu verweilen, und fragend zu ihr auffchaute. Diese Pause drohte sich zu verlängern, als sich Frau Wellmann mit einem Male em- pvrrichtete und mit zusammengezogenen Augenbrauen und einem fast feindselig erregten Blick zu ihm hinüber sah. Berthold erhob sich betroffen, er wolle nicht stören, sich empfehlen l — Die Frau faßte sich gewaltsam, lächelte gezwungen, bat mit veränderter, krankhafter Stimme drin­gend, doch noch zu verweikn. Es sei ihr wirklich sehr, sehr angenehm l Sie sei allerdings ein wenig unwohl, aber e« bedeute nichts. .Sie bitte sehr, durchaus keine

. Rücksicht auf sie zu nehmen. Ja, sie hoffe mit Zuversicht, daß es sie erleichtern, zerstreuen werde, wenn man sich wie gewöhnlich unterhalte! Sie legte eine seltsame Hast in dies Gesuch und, auf ihren Wunsch eingehend, wie gern verweilte nicht der wieder Beruhigte unter dem Strahl der gdiebteften Augen!

Es kam ein anfangs halblaut geführtes Gespräch zu Stande, da« allmälig die Verstimmung, welche unsichtbar über der Familie schwebte, zu lösen schien. DaS Mädchen ward unbefangener, sie gewann wieder den heiteren Gleich- muth ihrer Seele. Eben war sie im Begriffe eine leicht scherzende Frage deS Gastes ebenso zu beantworten, als die Mutter ihr das Wort vom Munde abjchnitt, und indem sie die Augen starr auf ihn heftete, ganz unerwartet die Frage an ihn stellte: „Haben Sie nicht ehemals einen Herrn Berthold Rauenstein gekannt, der vor fünfzehn Jahren über Bremen entfloh?"

Wäre ein Wetterstrahl aus heiterem Himmel vor ihm niedergeschmettert, Berthold hätte nicht mehr erschrecken können als bei diesen Worten. Eine fahle GrabeSbläffe überzog fein Gesicht, aus dem alles Leben zu weichen schien. Wie erstarrt und verstummt saß er da, während die beiden unbetheiligteu Personen, bestürzte Zeugen dieses Vorganges, die Blicke theilnchmend und entsetzt auf ihn richteten. — „Um GotteSwillen, Mutter — lieber Herr Berthold, wie seltsam! — Franziska konnte nicht weiter, die Stimme versagte ihr. — „Annes Kind!" seufzte die Mutter leidenschaftlich, indem sie aufftanb und in ein krampfhaftes Weinen auöbrach. „Meine theuere, bcklagenS- werthe Franziska, du dein Herz verfchleudern an —! Gott, in feiner Barmherzigkeit hat eS nicht zugegeben!"

Es war eine peinliche Scene, die sich rasch, aber ver­wirrend gleich einem wüsten Traume, abspann. Die Mutter schluchzte in ihr Taschentuch, Franziska, deren Augen wie halberloschen an Berthold hinge», unterstützte sie, welche den Kops aus ihre Schulter niederstnken ließ.

Herr Wellmann stand verblüfft und ließ seine Blicke von dem Einen zu dem Andern hcrumjchwetfen. Endlich machte sich ein gesunder Unwille bei ihm Luft. — „Alle Wetter nochmal!" fuhr er empor, „bin ich toll geworden oder hat die Tarantel dich gestochen? Frau, was hast du, was faselst du? Herr Berthold, liebster, bester Freund, verzeihen Sie — aber sie muß ein Fieber — ach, mein (Sott, wer hätte das denken sollen! ES ist natürlich, daß Sie böse sind — ich will gleich nach dem Doktor schicken. Mein armes Weib, und so plötzlich!"

Berthold hielt ihn mit einem festen Griff am Arme zurück. Er war aufgeftanben, und richtete sich zu feiner ganzen Höhe empor. Seine weit geöffneten Augen hatten noch die geisterhafte Starrheit behalten, aber in den abge­spannten Zügen arbeitete es wie eine Welt von gährenden Gefühlen. Schmerz, Selbstanklage, Trotz und Würde schienen zugleich sich geltend machen zu wollen. — „E« ist auS," sagte er mit klangloser Stimme, „ich bin erwacht I Ich gehe — leben Sie wohl!" — Er hatte sich gefaßt, er sah Alle in der Runde an, frei, fest, ohne Zorn oder Vorwurf, trat dann einen Schritt gegen Franziska vor. ES schien fast, als wollte er sich ihr zu Füßen werfen, aber er hielt an sich. Es lag ein entsagende« Pathos, eine stumme LiebeSbetheuerung in dem langen und tief- schmerzlichen Blick, den er auf sie heftete. Dann ließ er daS Hanpt sinken. „Leben Sie wohll" sagte er nochmal« und schritt schwer und langsam zur Thüre hinan«. — Vater und Tochter sahen einander rathlos an. Erst nach einer geraumen Weile gewannen beide so viel Äthern und Besonnenheit, daß sie fragen, die Mutter um Erklärung bestürmen konnten.

„Aber in aller Welt," stieß der alte Herr hervor, vor Aufregung schnaufend und mit den Händen cvnvulstvifch an feiner Weste herumfingernd, „Frau, ich bitte dich I So erkläre doch, ich will wissen, warum —." — Er sah sie aufgebracht und verstört an; Franziska warf sich an jein«