|ldUJ vormalB Erlanger. |7582J am Markt. s Das Ueberziehen von Gestellen, sowie jede Reparatur wird rasch u. billigst besorgt.
x. Jahrgang.
Marburg, Sonntag. 13. Juni 1875,
\r. 136
OberhtUlht Jätung
welchen Franziska in Schutz genommen, zu dessen Gunsten
unter bei seinem Verkehr im Hause begegnet, und es war
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E- ward wohl noch Einige« hinzugefügt; Berthold aufgeregt, um sogleich seine Wohnung auszusuchen, führten erb ab fi* nahm das Tuch herunter. Sein Gesicht war ihn seine Schritte rnstmktmaßig IN das Freie, vor eines S Morden seine Miene hatte ettvaS Feierliches, der Stadtthore, wo ein ftisch-r Wind von der See herüber tief ^Bett offene- 'indem er sich langsam aus dem Bereich streichend seine Schläfe kühlte. Ergriffen wie er war daß d« »uschaun ntsernte und ein Anderer seine Stelle ein-1 ein Mensch seine verborgen- geistige Eigen,huml.ch e.t, s°, nah^ Dtt Lust war geweckt, daö Jntereffe allgemein di-Verhältniffe, welche seme Jugend fördernd oder chmerz.
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Frankreich sah in den letzten acht Tagen eine . von Schaustellungen, welche durchaus charakteristisch für die jetzigen Zustände sind: Am 4. wurde in Paray-le- Monial der dortigen Kirche unter großem Prange und Zustrom der Titel einer Basilika feierlich beigelegt; am I. fand im Boulogner Holze ein großes Wettrennen um den 100,000 FrancS:Preis statt, dem die große und halbe Welt mit ungeheurem Prunke anwohnte und den Sieg des französischen „Salvator" über die englischen Concurrenten bejubelte; am 8. fand das Bcgräbniß des allgemein verehrten Grafen Charles de Remufat unter allgemeiner Theilnahme statt; nur der Präsident der Republik war weder erschienen noch vertrieb, ßgurirte aber sogleich darauf in der Madeleine als HochzeitSgast bei der Trauung eines Sohnes von Broglie. Der Präsident der Nationalversammlung, Audiffret - Pasquier, sprach in der Sitzung vom 7. in warmen Worten über den freisinnigen Charakter
bereitend bestimmt hatten, so treffend und wahr hatte fchil- dm, können, trat noch ein Umstand hinzu, der seine Ge- müthsbewegung steig«rn mußte. Jener Fremde, — kaum hatte er auf einen Moment fein Gesicht erblickt, aber doch — welche sonderbare Beklommenheit trieb ihm das Blut mächtig zu Herzen, machte seine Pulse heftiger schlagen, erfüllte seinen G-ist mit rastlosen unklaren Leforgniffen, mit Erinnerungen voll Qual und Selbftvorwurfl Es war wie ein Auftauchen, ein unbestimmte« Erkennen, ei« lebendig
des Verstorbenen und über deffen Betheiligung an der Lefteiung des französischen Gebietes; die Rede wurde als eine Kundgebung gegen die antiliberale Richtung des Elyfse betrachtet, in welchem die Politik des Herzogs Broglie und seines Gehülfen Buffet mehr als je florirt.
In Spanien haben zwischen Carlisten und Alfon- sisten mehrere kleine Gefechte stattgefunden, die aber von keiner entscheidenden Bedeutung waren. Die Carlisten haben die Eisenbahn zwischen Gerona und Barcelona angegriffen und die Reisenden geplündert.
Die abgelaufene Woche ist für die englischen Liberalen eine angenehme gewesen. Einmal haben sie der Reihe der in der jüngsten Zeit von ihnen erfochtenen Wahlsiege einen neuen — in Cheltenham — zugefügt, und dann haben sie in einer wichtigen Abstimmung von grundsätzlicher Bedeutung über das Sparcaffengesetz zwar nicht einen Sieg erfochten, aber eine so stattliche Minderheit um ihre Fahne versammelt, wie di-S in dem gegenwärtigen Parlamente wohl noch nicht der Fall gewesen ist.
Der belgische Justizminister hat in der Kammer den Gesetzentwurf vorgelegt, welchen er in der letzten Note an Deutschland zugesagt hatte und den die Angelegenheit Du- chesne veranlaßt hat.
Am 8. haben die Wahlen zur zweiten Kammer der holländischen Generalstaaten, von deren Mitgliedern alle zwei Jahre die Hälfte ausfcheidet begonnen. Soweit die Resultate bis jetzt bekannt geworden, sind 16 Liberale, 3 Conservative, 4 Antirevolutionäre und 8 Ultramantane
ihm ein Etwas in dessen Gesichte flüchtig ausgefallen, ohne daß er sich getrieben fühlte, diesem näher nachzuforschen.
Seine Gedanken nahmen jetzt eine andere Richtung. Der Name „Franziska" hatte alle seit lange schlummernden zarteren und beglückenderen Regungen seines Herzens wieder wach gerufen. ES zog eine füße Beruhigung durch seine Seele, indem er an sie dachte, an sie, deren Erscheinung gleich bei der ersten Begegnung sich wie die eine« gnadenreichen HeiligenbildeS in fein Innerstes gesenkt hatte, um dort unauslöschlich zu ruhen. Je mehr er die« ernste doch fleckenlose Gemüth erriech, je länger er Zeuge ihre« stillsreundlichen Waltens, ihrer anspruchslosen Güte war, je wehr hatte sich diese erste Empfindung zu einer tiefen, beseligenden Neigung gestaltet. Durste er, der vom Schicksal so lange Verfolgte, noch auf Glück hoffen? Er, deffen Jugend düster und einsam verstrich, ohne die treue Fürsorge, die leitende Hand eine« Vaters, ohne den warmen, verklärenden Schimmer, den die Mutterliebe über die frühen Tage der Kindheit, wie noch in der Erinnerung bis auf die fernste Zeit des Lebens auSströmt? — Zuneigung, Liebe, dieser göttliche Funke», der alle Blütheu d-S Daseins weckt und hervorruft — wie wenig war diese Liebe ihm entgegen getreten, wie selten, wie flüchtig hatte sie chn beglückt, — und doch, wie hatte seine Seele immerdar na 1) ihr gedürstet, so heiß st- begehrt, nach ihr geforscht und gesucht!
>agen anlaufen.
Fürst Milan von Serbien hat die Rundreise durch ein Land beendet und am 9. d. in Belgrad wieder feinen Linzug gehalten.
geworden Franziska achtete nicht weiter darauf; ihre ganze Seele war erfchüttert. In ihr Innerstes fchan-nd, das Klopfen ihre« Herzens befragend, fühlte sie sich selbst erstaunt wegen deS lebendigen AntheilS, den sie an einem, ihr kürlich noch gänzlich Fremden nahm; wie jedes Wort, das feinen Charakter, selbst feine früheren Verhältniffe betraf, sie wunderbar mit berührte. Was zog sie hm zu ihm, welche rätselhafte Stimme sprach in ihrem Busen so laut und überzeugt zu feinen Gunsten? —
Schuldig «der schuldlos?
Original-Novell- von Ernst Strehlen.
(Fortsetzung.)
Der Gelehrte mit seinem leicht süddeutschen Dialekt und der etwas scharfen Stimme, begann nach einer länge ren Pause, indem er eifrig die Untersuchung betrieb und sich dann und wann in feiner Rede unterbrach, um darin fvrtzufahren: „Eö ist dies ein Kopf, von welchem sich di- Wissenschaft nur ungern trennt I Die höheren Sinne überwiegend vorherrfchenv — der Sinn der Anhänglichkeit für einen Mann in bedeutendem Maße vorhanden. — Ihre Erziehung ist unter Umständen schwierig gewesen; im Fall sie die Richtung.ihreS Charakters nicht erkannte oder berücksichtigte, waren Sie schwer zu lenken. — Freundlichkeit, Sanstmulh, Güte, hat fit zu allem bewegen können ; der Härte, dem Zwange haben sie Trotz, entschiedenen Widerstand entgegengefetzt. — Idealität sehr groß, aber daneben der Erwerbssinn ebenfalls groß — Sinn der Ehrerbietung bedeutend, aber auch das Selbstgefühl stark entwickelt. Kampfsinn in gutem Maße — Gewissenhasttg-
Polittsche Wochku-Ucberficht.
Kaiser Wilhelm ist am Sonnabend Abend (5. Juni) lum gewohnten Kurgebrauch nach EmS gereist, wo er noch einige Tage mit dem Kaiser Alexander zusammen verbrachte und wo der König und die Königin von Württemberg mm Besuche beider Kaiser eintrafen. Am Sonntag begab sich bann auch Fürst Bismarck in seine Sommerferien nach Barzin. In der hohen Politik beginnt nach den stürmischen KriegSbesorgniffen der letzten sechs Wochen eine erfreuliche Windstille einzutreten und auch die anfänglich nachgebliebenen Fluchen officiöser Berichtigungen ebnen sich allmälig auS. Im preußischen Landtage ist durch die parlamentarischen Arbeiten der letzten acht Tage der Ausgleich des zwischen beiden Häusern in Bezug auf die Provinzialordnung ausgebrochenen Zwiespalts und damit das Zustandekommen der Provinzialordnung und der beiden zubehörigen Organisationsgesetze gesichert. DaS in voriger Woche unter den Delegirtcn der Fractionen des Abgeordnetenhauses berathene Compromiß ist am Montag (7 Juni) in der Pl-narberathung des HauseS in allen seinen einzelnen Th-ilen mit großer Mehrheit angenommen worden. Ende dieser Woche wird das Herrenhaus über dasselbe berathen und nun auch seinerseits demselben beitreten, und dann kann auch im Laufe der kommenden Woche die Session al« eine recht fruchtbare geschlossen
Anzeigen nimmt entgegen: die (Kniebitton d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureanx von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schütz- >
ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Lage-b<richt.
Die „Weimarische Zeitung" berichtet über die Sitzung des BundeSrathe« vom 4. Juni in folgender mehr auS- ührlicher Weife: „Die Ausnahme, welche der Antrag Sachsen Weimars wegen Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reiches zu dem Zwecke der Abminderung der Matrikularbeiträge im BundeSrathe gesunden hat, kann als eine sehr günstige bezeichnet werden. Denn cS haben sich sämmtliche Bundesregierungen sowohl mit der Tendenz, als mit der Molivirung des Antrags einverstanden erklärt und anerkannt, daß die Erhaltung der Matrikularbeiträge auf einer mäßigen und konstanten Höhe und, soweit es hierzu erforderlich ist, die Einführung oder Erhöhung von Reichssteuern durch die Budgetverhältniffe aller Einzel- staaten geboten sei und im Interesse des Reichs selbst liege. Hierdurch finden mehrfache Aeußerungen der Preffe ihre Widerlegung, welche den Antrag als einen auö dem einseitigen Interesse der kleineren Bundesstaaten hervorgegangenen darzustellen versucht haben. Auch darüber herrscht im BundeSrathe fast allseitiges Einverständniß, daß die Lösung der wichtigen Frage nur auf dem Gebiete der indirekten Steuern zu fuchen und insbesondere von einer Reichseinkommen- ober Gewerbesteuer abzusehen fei. In bet heutigen Plenarsitzung haben bie Ausschüsse über den Antrag bereits mündlichen Bericht erstattet, und eS ist ihren Vorschlägen entsprechend beschloffen worden, wegen Erhöhung der Brausteuer und Einführung einer Börsensteuer Gesetzentwürfe durch die Ausschüffe auSarbcite» zu
gewordenes Schattenbild aus der Vergangenheit, daS blitz- : schnell vor ihn getreten war, um spurlos wieder zu versinken. Woran erinnerten ihn diese schwarzen, tiefliegenden । Augen unter den starken Braunen, die auf kurze Sekunden mit trotzigem und scheuem Blick die Versammlung über« : flogen hatten? — Seltsame Verbindung bei Gedanken,
i daß er in diesem Moment an den Knaben denken mußte,
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Wenig beachtete sie, wa« sich eben jetzt bei einer neuen Untersuchung zutrug. Ein Mann au« dem Hintergründe des Saales hatte sich herzugedrängt, den erhöhten Sitz einzunehmen und der Phrenolog begann die Untersuchung seines Kopfes. Kaum minutenlang währte diese. „Er werbsinn sehr groß!" stieß er abgebrochen und kurz hervor und verließ mit einer hastigen, fast wollte eS bedünken unwilligen Bewegung den Sitzenden. Dieser saß noch, _ _ ... ...
einige Augenblicke unter seiner Hülle wie erwartend. Dann sie so gutherzig sich geäußert hatte! Er war diesem mit« sprang er ungestüm empor, riß das Tuch ab und schritt mit zurückgeworfenem Haupte und verächtlicher Miene, halblaut einige Worte hervorstoßend, schallenden Trittes und herausfordernd um sich blickend, über den erhöhten Raum nach den Zuschauern, unter die er sich verlor,, um gleich daraus den Saal zu verlaffen. — Man brach überhaupt jetzt allgemein auf; die neugierigen Fragen, wer der Fremde fei, über welchen ein, in feiner Kürze anscheinend so scharfes Urtheil gefällt worden, beschästigteti bie Menge noch eine Weile. Dann zerstreute sie sich, nachhaltige Einbrücke beS Gehörten mit sich nehmenb.
Bertholb befanb stch ebenfalls auf der Straße. Zu 1 aufgeregt, um sogleich feine Wohnung aufzusuchen, führten
werben.
Da« wichtigste Ereigniß der Woche in Oesterreich ist bie feste Haltung Andrassy's in den jüngsten Kriegsalarmstürmen unb bie damit in Verbindung stehende Reise des Erzherzogs Albrecht zu Besuchen in Jugenheim, Ems und Eoblenz und dessen für den September angefagte Anwesenheit bei den Herbstmanövern der preußischen Armee in Schlesien. ES kann kein erfreulicheres Zeichen des t hieven« und des herzlichen Einvernehmens der drei Kaiser- höse geben. Franz Joseph hält Alpenruhe in Ischl, kam aber zu den Ministerberathungen über das gemeinsame Budget für 1876, welche am 8. begannen, nach Wien.
Die Berner KantonSregierung hat ihren RecurS an die BundeSverfarnrnlung gegen den Beschluß deS BundeS- [ raches durch welchen die Regierung aufgefordert wird, den F tzxiernimngsbeschluß gegen die jurassischen Geistlichen binnen 2 Monaten zurückzunehmen eingereicht.
DaS italienische Parlament hat in mehreren erregten Sitzungen die Berathung über die außerordentlichen Maßregeln für die öffentliche Sicherheit fortgesetzt. Der Ministerpräsident hat erklärt, sein Antrag habe durchaus keine politischen Zwecke und solle nicht nur für ©leihen, gewählt worden. ,
sondern überall Anwendung finden, wo Unordnungen vor! Das neue dänische Ministerium ist, nachdem Gras kommen 'Frijs v. Frijsenborg flch der Ausgabe Nicht hat unterziehen
Reihe mögen, durch den Gutsbesitzer Estrup, der fich neben dem " Vorsitz auch die Finanzverwaltung zugelegt hat, zu Stande gebracht worden. ES sind lauter conservative Männer au« dem LandSthing. Der König hat die Offiziere der auf ber kopenhagener Rhede vor Anker liegenden deutschen Reid>8fregatte Niobe am 7. d. in Audienz empfangen.
Die skandinavischen Studenten, deren 1000 au« Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland zusammen- gekommen waren, haben am 4. ds. in Upsala ein großes 53ruberfeft gefeiert, bei welchem der Erzbischof Sundberg die Weihrede hielt. Da« norwegische Storthing hat mit 61 gegen 50 Stimmen zur Aufbesserung der VolkSschul- ehrergehälter 60,000 SpecieS bewilligt.
Der russische Großfürst Alexis, der am 3. d. von Kronstadt mit ber von ihm befehligten Fregatte „Swjet» ana" abgerefft ist, wird in den nächsten Tagen in Kope».