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Sr. 13$.

x. Zhrzang.

Marburg, Sonnabend, 12. Juni 1875.

Anreigen nimmt entgegen: hie (Bflwbitieit d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leip- äg, Eöln rc; Rudolf Mosse w Berlin, Frankfurt a. M. rc-

(l^crl|cffifd|c Jrtlung.

Anzeigen nimmt entgegen: die d. Blatte-,

sowie bie Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.' Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i> Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - Jnsett.onsgebühr für bie gespaltene Zelle 10 Psg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

DttttschtS Strich.

dier-ReaimeutS erwiderte, hat zu einer unliebsamen Eon- um sich mit eigenen Augen von derNacht am Rhein" troverse Veranlastung gegeben. Es war in deutschen'zu überzeugen. Dem nichtbestätigten Oberbürgermelster

erfolgen.

Kiel, 10. Juni. Die Panzerfregatten König Wilhelm, Kaiser und Kronprinz nebst dem Aviso Falke gingen heute Mittag nach Travemünde, um dem nordischen Königs- gejchwader das Geleite zu geben, das morgen von dort mit dem König Oskar nach Malmö geht.

Bon», 9. Juni. Der Proseffor der Rechte an un­serer Universität, Justizrath v. Meiboom, ist dem Kaiser zur Besetzung der durch den Austritt des Dr. Goldschmidt erledigten Stelle im Reichsoberhandelsgerichte vorgeschlagen worden. Ob Herr v. Meiboom die Stelle annehmen wird, ist noch fraglich. In nächster Zeil wird CultuSminister Falk eine JnfpectionSreise nach unserer Provinz unternehmen, ..M. ( X wee* QIoaah taAH z+1 Am **

Berlin, 10. Ium. Der Trinkspruch des Königs Oskar von Schweden, mit welchem er den Toast des Kaiser Wilhelm in der Kaserne deS Kaiser-Franz Grena-

Blättern gemeldet worden, daß der König OSkar den Aus-1 druckWaffenbüverschaft" gebraucht habe. Ein schwe­disches Blatt, welches sich bei jeder Gelegenheit hervor- that, stellt in Abrede, daß dieser Ausdruck wirklich ge­braucht worden sei, und behauptet, der König habe nur von einem kameradschaftlichen Verhältoiß beider Armeen gesprochen. Wir halten diese Kontroverse für sehr unter­geordnet; von vornherein war der Besuch des Königs OSkar durchaus unpolitischer Natur, und nur aus persön­lichen Gründen veranlaßt, angezeigt worden. Auch auf deutscher Seite sind jene Acußcrungen niemals als Dekla­ration eines Schutz- und Trutzbündnisses aufgefaßt, vielmehr als Ausdruck der persönlichen Sympathie des Königs von Schweden zu unserem Kaiser, zu seinem Heere und dem deutschen Volke. In dieser Auffassung wird auch der Protest jenes schwedischen Blattes keine Aenderung Her­vorzurusen im Stande sein, ebensowenig wie das abfällige Urtheil, welche jenes Blatt über die kirchliche Politik der deutschen Regierung fällt. Man ist in Deutschland keineswegs darauf kapricirt, es allen Leuten recht zu machen, auch nicht den Dänomanen und Francquillons Schwedens; man ist vollständig damit befriedigt, daß König Oskar aus seinen Sympathien zu Deutschland kein Hehl ge macht hat, und giebt sich der Hoffnung hin, daß der Einfluß des Königs aus sein Volk in dieser Beziehung nicht ohne Erfolg bleiben wird. Der Kronprinz machte gestern eine Fahrt; an der Ecke der Leipziger- und Wilhelms- Straße brach plötzlich eine Achse seines Wagens; er mußte daher mit seinem Adjutanten den Weg zu Fuß fortsetzcn. Das Herrenhaus wird in Betreff der Pro­vinzialordnung am nächsten Sonnabend seine Zustimmung zu dem Compromiß, wie ihn das Abgeordnetenhaus vor- schlägt, erklären, so dürste dann wohl der Schluß der parlementarischen Session bis zur Mitte künftiger Woche

Tagesbericht.

Sicherem Vernehmen nach hat der Reichskanzler Fürst Bismarck durch kaiserliche Verordnung vom 4. Juni einen nachgesuchten Urlaub auf unbestimmte Zeit erhalten. Die Staatsminister v. Bülow, Camphausen und Delbrück sind mit der Vertretung des Reichskanzlers betraut; der Kaiser hat sich vorbehalten, in besonderen Fällen auch während des Urlaubs sich seines RalheS zu bedienen.

Dem Vernehmen nach erfolgt die Repartition der be­zeichneten Rcichsbankantheilscheine dergestalt, daß die Zeich­nungen in 6 Klassen zerfallen. Zeichnungen bis 10 Stück bilde» eine Klaffe, innerhalb welcher eine Verloosung stattfindet. Alle Zeichnungen über 10 Stück werden in 5 Klassen eingecheilt, als Maximum der Zutheilung einer Klaffe werden aber nur 6 Stück angenommen.

Die deutsche Regierung hat Bezugs des Abschlusses eines Handels- und SchiffsahrtSvertrages mit Schweden- Norwegen folgende Wünsche ausgedrückt: 1) daß die Gewerbesteuer, welche in Schweden und Norwegen von fremden Handlungsreisenden erhoben wird, wegsallen oder doch sehr ermäßigt werden möge; 2) daß die Zollermäßi gung, welche dem aus Frankreich in Schweden und Nor­wegen eingesührten Traubenbranntwein gewährt wird, auch dem au« Deutschland eingesührten Traubenbranntwcin ohne Rücksicht auf deffen Herkunst zugestanden wird; 3) daß den aus Deutschland in Schweden und Norwegen einge­sührten Spirituosen hinsichtlich der Creditniederlage, deö Tara und der Leckage dieselben Begünstigungen gewährt werden, welche den am meisten begünstigten Spirituosen dort zugestanden werden; 4) daß in den Fällen, wo die Küstenschifffahrt den einheimischen Schiffen Vorbehalten werden sollte, der commerce dechelle den Schiffen des anderen Theils verstattet werden; 5) daß hinsichtlich gegen» seitiger Anerkennung der Meßbriefe eine Vereinbarung ge­troffen werde. n

Man telegraphirt derN. Fr. Pr." aus Belgrad, 8. Juni: Großartige Vorbereitungen für den Empfang des Fürsten werden hier überall getroffen; von den Häusern wehen Fahnen, die Schiffe prangen im Flaggenschmuck. Viele Bürger begleiten den Fürsten. Gestern und heute gestaltete sich die Fahrt des Fürsten zu einem Triumphzuge. Es herrscht allseitig die größte Begeisterung.

Kaufmann wird von den ultramontanen Bürgern unserer Stadt ein Album mit sechs Aquarell - Bildern geschenkt werden.

Weimar, 10. Juni. Der König von Schweden ist heute um halb 10 Uhr nach Lübeck abgereist, nach herz­licher Verabschiedung von der grobherzoglichen Familie.

Darmftadt, 9. Juni. Das durch den Synodal- ausjchuß erweiterte Oberconsistorium hat gegenüber dm renitenten Geistlichen beschloffen, vor definitiver Aburthei lung derselben deu Versuch einer Belehrung durch dm Superintendenten zu machen und die einzelnen Renitenten nach vorgängigem geeigneten Vorhalt zur nochmaligen und schließlichen protokollarischen Erklärung darüber zu veran­lassen, ob dieselben sich jetzt bereit finden lasten wollen, der Verordnung über die neue Kirchenverfastung unbedingt und in allen Theilen ihrer Amtspflicht zu genügen oder nicht. Demgemäß wird jeder der betreffenden Geistlichen auf einen bestimmten Termin zunächst vor den Super­intendenten und sodann am selben Tage noch in das Ge­schäftslokal deS OberconststoriumS geladen, mit dem An- fügen, daß bei unentschuldigtem Ausbleiben ohne weitere Verfügung an den Geistlichen unter Zuziehung des Sy- nodalausfchufles endliche Entschließung nach Lage der Acten ergeht.

Mainz, 10 Juni. Der Großherzog, welcher seit Pfingsten in unseren Mauern weilte, wird uns heute wieder verlassen, um den Kaiser von Rußland bei seiner Ankunft in Jugenheim zu begrüßen.

Wien, 8. Juni. Die trüben Erfahrungen, die bitteren Enttäuschungen, die die chauvinistische Großmachssucht ge­wisser magyarischen Sphären gerade auf wirthschastlichem Gebiete in den letzten Jahren erfahren, hat mit einer wohlthäti- gen Ernüchterung aus die erhitzte Kirchthurmpolitik eingewirkt; eine Wirkung die sich in der jetzigen Wahlbewegung ge­treulich widerspiegelt. Keine himmelstürmende Opposition, sondern berechnende und von einem Zuge kräftigen, aber immerhin berechtigten Egoismus' getragene Politik, welche die materiellen Juteresten Ungarns möglichst zu wahren be­strebt ist, dies ist der Typus der jetzigen Wahlbewcgung und mit solchen Tendenzen lätzt sich viel leichter rechnen jedenfalls muß man mit ihnen rechnen, als mit den großmäuligen Phantastereien, wie sie daS Feldgeschrei der Opposition in früheren Wahlepochen bildeten. In allen Wahlreden, gehalten von Männern, die verschiedenen po­litischen Schattirungen und verschiedenen Berusösphären an­gehören, spricht sich ein gemeinsamer Gedanke aus, dahin­gehend, daß das Zoll- und Handelsbündniß, sowie die

und Seitcnbänke, zeigte Reihen von täuschend der Natur nachgeformten Köpfen, die sich durch irgend eine merkwür­dige Bildung, die besondere Entwickelung eines Organes auszeichneten. Einzelne Todtenschädel grinzten dazwischen hervor; cs war beim ersten Anblick wie eine stumme ge» spensterhaste Versammlung, die sich tief der Phantasie ein­prägte, wohl fähig eine lebhafte Einbildungskraft zu beschäf­tigen und aufzuregen. Dort am Ende jener unförmlich große Kopf, obgleich von milden und leidenden Zügen, mit der unnatürlich hohen Stirn und Schädelwölbung; die widerwärtig oder charakteristisch hervortrctenden Züge jener anderen, und vor allem jener zur Rechten in der Mitte, mit dem Gesicht eines WeibeS, was nichts Menschliches, keinen Funken der Gottheit aufwies. Diese niedrige, flach zurücktretende Stirn, diese scheußlichen blosgelegten Knochen wülste über den Ohren gewiß, dies war die Physio­gnomie des Lasters, entsetzlicher Verbrechen, deren Ahnung das Herz mit Schauern erfüllte, mit unbestimmten Schreck nisten ängstigte, auch ohne daß man wußte, es sei die Gistmifcherin von Bremen, die sich in der Geschichte menschlicher Uebelthat ein so grauenhaftes Andenken stiftete. Schienen nicht alle diese in's Leere schauenden Augen, diese zum unabänderlichen Ausdruck einer bestimmten Seelen thätigkeit für immer erstarrten Gesichtszüge, von düsteren Gedanken, traurigen Schicksalen und Verbrechen zu er­zählen? Trugen sie nicht den Stempel der Unfreiheit, der sie zu Dienern eines Hanges, einer Neigung vorher bestimmt, die ach, zu ost in die abschüssigen Pfade der Leidenschaft, die dunklen Schluchten des Lasters führte?

ES war etwas tief NiederbeugendeS in diesen Vor­

Schuldig «der schuldlos?

Original-Novelle von Ernst Strehlen. (Fortsetzung.)

Du bist verblendet. Ich hoffe, daß dem nicht also fein werde!" fuhr'sie etwas heftig auf.Dieser Mensch ist mir zuwider, er hat etwas Düsteres, ich möchte sagen Scheues an sich; keine von den verbindlichen und zarten Formen, die für mich bestechend sind, die gleich beim ersten Anblick für sich rinnehmen. Doch wir schwatzen da ins Blaue hinein, für jetzt ist, Gott sei Dank, noch nichts zu besorgen Das Mädchen denkt nicht daran; denn wenn junge und wirklich schöne Männer von eleganten Manieren sie gleichgültig ließen, so wäre es rein unmöglich, daß sie diesem schweigsamen und unaufmerksamen Menschen ihre Neigung zuwendete." Sie nahm beruhigt und mit ihrem Scharfsinn höchst zufrieden ein Buch mit Goldschnitt zur Hand, flüchtig darin zu blättern, indeß sich Herr Well- mann halb zur Seite drehte, um ein pfiffiges Lächeln, das die untere Pattie feines Gesichtes behaglich in die Breite zog, vor den hellsehrnden Augen seiner Frau zu verstecken; denn diese, sonst die Herzensgüte und Seelenruhe in Per­son, konnte unter Umständen und durch Widerspruch ge- reizt, sehr heftig werden und sich alsdann ohne Rückhalt und Maß ihrem Temperament hingeben.

Es war etwa eine halbe Stunde später, als die Familie in den Saal trat, wo diesmal die zweite phrenologische Vorlesung deS namhaften Gelehrten ftattfindrn sollte, der auf ein« ausgedehnteren Reise in wistenschastlichen Zwecken auch diese Stadt berührte. ES war noch etwas früh, der alte Herr liebte eS, sich bequem und nach Gefallen nieder - ,

zulasten Der Saal war noch ziemlich leer, ein einzelner «stellungen, von denen sich Franz,S.a innerlich ergriffen Kronleuchter warf fein Licht auf flüsternde, zerstreut sitzende fühlte. Von beklommener fast pcmlich« Spannung erfaßt, Gruppen und den seltsamen, fast unheimlichen Apparat im war es ihr, als sollte irgend ein dunkle« Räthsel, eine ge- Hintergrunde. Eine weiß behangene Tafel, die fast bie heimnißvolle Begegnung an sie herantreten. DaS junge ganze Breite deS Raumes einnahm, mit einigen Lichtern Mädchen mit der ruhigen Hauung, mit dem nachdenklichen -besitzt, grell hervortretend gegen die dWhelrothen Vorhänge und stäten Blick, das äußerlich fast kühl erscheinen konnte,

barg in sich rin glühendes und bewegtes Herz, ein rast- loses und unbefriedigtes Sehnen. Hintn dieser klaren Stirn wogten oft Gedanken und Träume, die den suchen­den Geist über die Schranken der Wirklichkeit weit hiu- wegtrugcn, in eine Welt von harmonischer Schönheit, voll bestrickenden Zauber«, die mächtig ihn an sich zog und fesselte. Hier unten verlieh ihm die Kunst, wie sic in den Gestaltungen erhabener Meister beseligend an ihn her­antrat, ein HeimathSgefühl, ein AuSruhen im Genüsse, und sie senkien sich durch Augen und Ohr zugleich in die innerste Seele hinein. Zu solchen Zeiten war Fran­ziska stumm ynd in sich versenkt. Sie fühlte instinkt­mäßig, daß die Tiefe und Heftigkeit ihreö Gefühls miß­verstanden und belächelt werben würde, versuchte sie es in Worte zu kleiden. Träumend verschloß sie eS in sich selbst; aber ihre Augen leuchteten dann in so «in« Be­geisterung und die sonst etwas strengen Züge waren von der Glut ihr« Empfindung so durchdrungen und vergei­stigt, daß sie in solchen Momenten von überraschender Schönheit erschien. Jetzt war sie noch entfernt von dieser Besriedigung, sie hatte überhaupt von dem Wesen der Wissenschaft, welche sie in nächster Stunde in Anspruch nehmen sollte, nu unklare Vorstellungen, da fie sich wenig und ungenügend davon unterrichtet hatte.

Der Saal hatte sich inzwischen angefüllt d« Ein­trittspreis war sehr niedrig gestellt worden, um auch we­niger Bemittelten die Theilnahme zu gestatten. Die Mut­ter studirtr mit Aufmerksamkeit die Toiletten der Damen, unter denen eine aufgeregte Erwartung herrschte; da jetzt auch mit dem Glockenschlage der Held des Tages erschie­nen war. Einfach in seiner Erscheinung und seinem Auf­treten zeigte er die ruhige Ueberlegenheit des Mistens zu­gleich mit deffen Anspruch! ostgkeit. Sein freier Vortrag war kunstlos, ab« voll Klarheit und Deutlichkeit. Nach einer gedrängten, süßlichen Ueberstcht des Materials begann er jn jeftzer Erklärung der niederen Sinne jort^ufahrezi,