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x Mrgang.

Marburg, Freitag, 11. Juni 1875.

Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Köln ic; Rudolf Moffc in Berlin, Frankfurt a. M. ic.

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Anzeigen nimmt entgegen: die E^edition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer dm Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für bas Uuartai mit oer wöchentlichen Beilageyuufmrite n outn» v« «^coinon

Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, (exl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebahr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffm werden 25 Pfg. berechnet.

Tagesbericht

DieKöln. Zeitung" resumirt den Inhalt eines Ber­liner Briefe- der neuesten WienerMontagsrevue", welcher eine Auseinandersetzung über das sogenannt« Aegidi'jche Preßbureau bringt. Wie wir dem Resums mit allem Vorbehalt entnehmen, geht aus dem Briefe hervor, daß alle Nachrichten über Veränderungen des Dezernat« für hie politische Literatur unbegründet waren.Herr Aegidi bleibt nach wie vor betraut mit diesem Dezernat, dessen wesentliche Aufgabe ist, dem Reichskanzler über alle Er­scheinungen auf dem Gebiete der Tagesliteratur nicht nur, sondern auch der gesammten politischen und historischen Publikationen in Büchern und Broschüre« Bericht zu er­statten. Verändert hat sich nichts, als daß die Vcrbin düngen mit der Presse zunächst vollständig abgebrochen sind und da« auswärtige Amt namentlich auf jedes Rai- sonnement über auswärtige Fragen verzichtet. Pofiiive Nachrichten, Personalien, nothwendige Berichtigungen wer­den "nach wie vor und an denselben Stellen wie früher zur Veröffentlichung gelangen, wie in den letzten Tagen Jedermann sich aus den bettesfenden Blättern überzeugen konnte."

Obwohl ei« Gesammtresultat der Zeichnungen auf die Antheile der deutschen Reichsbank noch nicht vorliegt, so steht doch schon so viel fest, daß eine colossale Ueberzeich- nung sich herauSstÄen und daß die Repartitton der Reichs- rrgierung große Verlegenheiten bereiten wird. An der Spitze der Subskription steht der Frankfurter Platz, wie überhaupt im südlichen Deutschland der Andrang zu den Zeichnungen ein sehr großer war. In Frankfurt allein wurde die Gesammtsumme der zur Ausgabe gelangenden Antheile über zwei und ein'halb Mal überzeichnet. Die Subscriptionssumme beträgt dort 158 Millionen Mark. Diese Zeichnuung überragt diejenige Berlin« um über ein Viertel, da daselbst nur 120 Millionen eingeschrieben wur den. Die« erklärt sich freilich theilweis« aus dem Umstande, daß die preußischen Finanzkreise als Antheilseigner der preußischen Bank meistens schon an dem neuen Unternehmen bctheiligt sind, während das süddeutsche Capital mit frischen Kräften an die Sache herantritt. In München sind halb so viel Zeichnungen als in Berlin, nämlich im Betrage von 60 Millionen Mark. In den Städten Franksurt, Berlin, München, Köln, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart, Mannheim sind zusammen nahezu 200,000 Stück (ä 3000 Mark), also das zehnfache Quantum, gezeichnet worden.

DaS Enqueteverfahren über die Arbeiterverhältnifle Hal guten Fortgang und berechtigt zur Ermattung sehr erheblicher Resultate sowie zu der Hoffnung zu einer Ge­

setzvorlage schon für die nächst bevorstehende Session des Reichstags, zu der das bisher zusammengebrachte Material genügend erscheint; das bei diesem Enqueteverfahren be­folgte System scheint sich als das richtigste herauszustellen.

Bezüglich der von der Regierung beabsichtigten ander- weiten Regelung deS Gebrauchs von Lesebüchern in den Schulen handelt es sich nur darum, eine nicht geringe Anzahl theils veralteter, theilS unbrauchbarer und geradezu zweckwidriger, welche noch im Gebrauche ist, zu beseitigen und die in einzelnen Regierungsbezirken bestehende Mannig­faltigkeit eingeführter Bücher zu vermindern. Diese liebel- stände sind, wie im CultuSministerium eingegangene Berichte über die im Unterrichtsgebrauche der Volks- und Mittel schulen sowie der höheren Mädchenschule befindlichen Lese bücher ergeben haben sollen, dadurch entstanden, daß die Einführung der letzteren die bezüglichen Bestimmungen der Instruction vom 23. Oktober 1847 und die in Gemäßheit derselben erlaffenen allgemeinen Verfügungen nicht überall beachtet worden sind. Schon Ende vorigen Jahres wur­den deshalb die Provinzialschulcollegien darauf aufmerksam gemacht, daß es zur Beseitigung im Unterrichsgebrauche befindlicher sowie zur Einführung neuer Lesebücher der Ge nehmigung des Cultusministers bedürfe, und wurde gleich, zeitig angeordnet, daß die Sitzung der Provinzialschul­collegien, an welcher die bei den Regierungen angestellten Schulräthe der Provinz theilnehmen, in diesem Jahre schon vor dem 1. Mai abzuhalten sei, daß dabei die Frage we­gen der Lesebücher zum Gegenstände der Verhandlung ge­macht und vor dem 1. August' Bericht erstattet werde. Auf jeden Fall sollen bis zum 1. Januar k. I. folgende Lesebücher beseitigt werden: Gröning und Büscher, Lesebuch für die Oberklassen katholischer Schulen; Baumüller und Schuster, deutsches Lesebuch; Cöller, Lesebuch für die mitt­leren und oberen Classen katholischcer Elementarschulen; MünsterischeS Lesebuch für Oberclaffen und für Mittel- claffen; Hüser, Lesebuch sür Oberclaffen.

Der Ausschuß deS deutschen HandelstageS hat sich in seiner letzten Sitzung auf veSfallstge Anregung mehrerer Handelskammern mit der schutzzöllnerischerseitS in Oester­reich, Frankreich und Deutschland lebhaft befürworteten Aushebung der bestehenden Zollverträge beschäftigt. Diese für unsere Handelswelt so außerordentlich wichtige Frage wurde zur Vorbereitung sür daS Plenum an eine Com­mission verwiesen, bestehend aus Edgar Roß-Hamburg, Hammacher - Berlin, Liebermann - Berlin, Bahse - Chemnitz, Heimendahl-Crefeld (Vorsitzender) und einem ilJihgliebe des Ausschusses sür Elsaß.

Deutsches «eich.

Berlin, 9. Juni. DieProv^orresp." schreibt in ihrem heutigen Leitartikel:Das Herrenhaus und die Provinzialordnung": Die Provinzialordnung ist in Folge der im Herrenhause beschlossenen Abänderungen, im Abge­ordnetenhaus« nach erneuter Berathung zwar mit geringerer Mehrheit als früher, aber mit der immerhin noch erhebli­chen Mehrheit von 213 gegen 148 Stimmen von Neuem angenommen worden; über die meisten bisher streitigen Fragen ist die Verständigung erzielt, nur in zwei Punkten von Bedeutung sind noch abweichende Beschlüsse bestehen geblieben. In wenigen Tagen wird nunmehr das Herren­haus nochmals vor die Entscheidung über daS Gesetz ge­stellt sein. DaS bisherige Verhalten des HauseS, sowie die- Erfolge, welche daffelbe in wichtigen Beziehungen erreicht hat, begründen die Zuversicht, daß daS große Reformwerk aji den endlichen Beschlüssen deS Herrenhauses gewiß nicht scheitern werde. ES ist von vornherein als ein glückliche», und hoffnungsreiches Anzeichen begrüßt worden, daß das Herrenhaus in seiner großen Mehrheit sich den wichtigen Vorlagen dieser Session gegenüber auf den Standpunkt willigen und entschlossenen Mitwirkens zur Erfüllung be«r bedeutsamen Aufgaben des Staates gestellt und damit seinen vollen inneren Antheil an dem gemeinsamen gesetzgeberischen Schaffen der Staatsgewalten wieder gewonnen hat. Diese an und sür sich wichtige politische Thatsache war von be­sonders erfreulicher Bedeutung für den weiteren Ausbau der kommunalen Selbstverwaltung, bei welcher die im Herrenhause wesentlich vertretenen staatlichen Elemente ia hohem Maße betheiligt sind. Die bereitwillige Mitwirkung derselben in der Berathung und Gestaltung der neuen Ge­setze durfte als eine Bürgschaft mehr für die ersprießliche Durchführung derselben gelten. Je bedeutsamer die Ge- sammtstellung des Herrenhauses zu den Reformaufgaben ins Gewicht fiel, destomehr sah sich die Staatsregierung veranlaßt, dem Hause auch den gebührenden Einfluß aus die praktische Gestaltung der neuzuschaffenden Einrichtungen unter selbstverständlicher Festhaltung der wesentlichen Grund- lagen des Entwurfs zn sichern. Die Regierung durste auf Vorschläge zumal, in welchen sie selbst eine mögliche Verbesserung der Vorlage erkannte und auf welche das Herrenhaus einen erheblichen Werth legt, mit des Zuver- sicht eingehen, daß auch daS Abgeordnetenhaus in dem grundsätzlichen Entgegenkommen des Herrenhauses einen dringenden Anlaß finden würde, sich mit demselben im Geiste unserer Verfassung bereitwillig über die Meinungs­verschiedenheiten und Bedenken im Einzelnen weiter zu verständigen. Das Vertrauen, welches die Regierung dabei in das Abgeordnetenhaus setzte, ist nicht getäuscht worden:

Schuldig -der schuldlos?

Original-Novelle von Ernst Strehlen.

(Fortsetzung.)

Er griff jetzt nach seinem Hute, um sich bei der Fa mitte zu beurlauben, da er noch einige nothwendige An- ordnungen zu treffen habe, um feine Ueberfiebelung von einem nahe gelegenen Hotel in bas Hau« seines Wirthes zu bewerkstelligen. Es war ihm gelegen gewesen, baß jener just eine freunbliche Wohnung offen hatte, da er jedenfalls einige Zeit in dieser nördlichen Seestadt verweilen, vielleicht sogar sür immer sich hier niederlaffen wollte. Er hatte davon als von einem unbestimmten Plane gesprochen, da er darüber noch nicht mit sich im Reinen sei: die Ver- hättniffe würden seinen Entschluß bestimmen. Diese Aus sicht war in der Familie mit Theilnahme und Befried! gung vernommen worden. Herr Wellmann hatte gleich anfangs den, ihm von befreundeter Seite Empfohlenen, herzlicher als es sonst wohl in dem etwas wählerisch abgeschloffenen Wesen deS Hauses lag, ausgenommen und im Verlaus der Zeit Beranlaffung gesunden, feinem Kommen, als einer angenehmen Unterbrechung der Langweile, die ihn zuweilen plagte, mit Vergnügen entgegen zu sehen. Nicht als ob Herr Berthold ein besonders anziehender oder gesprächiger Gesellschafter gewesen wäre, dies lag wohl kaum in seinem Wesen, das nachdenklich und häufig zerstreut er­schien; aber eS hatte sich herauSgestellt, daß er ein ziemlich gewandter Schachspieler sei, und da der ältere Herr dieser Unterhaltung mit einiger Leidenschaft stöhnte, so lud er jenen dringend ein, ihn so oft er Zeit und Genüge dazu habe, zu diesem Endzweck zu besuchen, überhaupt sich als Mitglied der Familie zu betrachten.

Berthold war diesem Wunsche bereitwillig nachgekom­men, da er, fremd am Orte, überhaupt nur wenige Be- kannffchasten gemacht hatte und ihm daS gemüthliche Wesen de« Andern zusagte. Ob noch ein anderer Grund ihn drrankßtr sein Besuche häufiger zu wiederholen «er

kann es wissen I Jedenfalls hatte sich auch zwischen ihm und Franziska eine Art freundschaftlicher Beziehung heran gebildet, die bei dem, für gewöhnlich etwas scheuen Mäd­chen, daS nur wenigen Umgang und kaum eine Freundin hatte, wundernehmen mußte. Vielleicht gefiel ihr die ruhige, von jeder Art Schönthucrei entfernte Weise deS Fremden und der Zug leiser Schwcrmuth, der in unbewachten Augen blicken sein Gesicht einnahm, wandte ihm ihr Jntereffe zu, daS sich unwillkürlich an ein hier etwa verborgene« Leid knüpfte. Die einzige Person deS kleinen Kreises, welche im Stillen der neuen Erscheinung sich weniger hold er­wies, war die Mutter. Sie sühlte ihrerseits von denselben Wahrnehmungen, welche die Tochter anzogen, sich eher ab gestoßen. Sie hätte keinen Grund dafür angeben können; aber sie hatte Momente, wo ihr die Gegenwart des Ga­stes geradezu unbehaglich war. Seine Augen hätten etwas Unheimliches, behauptete sie, und auch jetzt war ihr nicht unlieb, als er sich, nach achtungsvoller Begrüßung der Damen, seinem Wirthe zuwandte, diesem zum Abschied kräftig die Hand zu schütteln.

Da fällt mir ein, Herr Berthold, haben Sie nicht auch Lu'i, heut Abend in die Vorlesung zu gehen?" fragte dieser.Ich gedenke dies zu thun", erwiderte der An­geredete,um mich einigermaßen mit einer Wiffenschaft vertrauter zu machen, die, wenn ich auch versäumte, mich ernstlich mit ihr zu beschäftigen, doch von je schon ttwaS geheimnißvoll Anziehendes sür mich gehabt hat."Je nun, man kann sich das kuriose Zeug einmal anhören", meinte Weltmann.Meine Frauenzimmer, neugierig wie dies Geschlecht einmal ist, haben beschlossen, den ganzen «Cursus mitzumachen. Na, sie haben die Zeit und die Geduld dazul Schnurrige Geschichte das, mit der Phrenologie! ES wird wohl noch in Zukunft dahin kommen, daß wenn mir Jemand kunstgerecht eine Beule in den Kopf schlägt, er damit irgend ein Talent, eine Be­gabung in mir herrvvrruft, an die seither nicht gedacht

worden war. Eine herrliche Erfindung l Den meinigen gebe ich übrigens zu dem Experiment noch lange nicht Herl Ha, ha, Hal" Er lachte herzlich über seinen Einfall. Nun, Sie haben es eilig, ich sehe schon! Adieu denn, da sie doch nicht länger daS Vergnügen schenken wollen, und kommen Sie recht bald wieder I" Die Thüre schloß sich hinter dem Abgehenden, welchen der Hausherr freund- schastlich geleitete.

Solltest du nicht bald daran denken, Franziska, deine Toilette zu machen?" nahm die Mutter nach einer längeren Pause das Gespräch wieder auf.Die Vorlesung beginnt schon um sechs.»Findest Du e« nöthig, liebe Mutter?" Ich bitte dich um alles in der Welt, Kind, du denkst vvch nicht im Hauskleide hinzugehen? Und wenn auch heute weiter keine Veranlassung ist, sich zu putzen das Publikum wird sehr gemischt sein wozu fdienten wir dir überhaupt Kleider und Schmucksachen, wenn du es kaum der Mühe werth hältst, sie anzulegen? Ich weiß wirklich nicht ich glaube, ja, ich wollte in der That, du wärest meinetwegen leichtsinniger, eitel, flatterhaft, kurz ein wenig mehr wie andere junge Mädchen! Tu bereitest mir zuweilen Kummer durch dein seltsames Wesen."

Die gemüthliche Frau hatte einen ganz elegischen Ton angestimmt; Jte schlug mit einem zufriedenen Seufzer die Hände über einander und legte sich zurück in die Kiffen. Franziska warf über ihre Stickerei hinweg einen lächelnden Blick nach dem Sopha, schweigend und emsig die Nadel handhabend, während der Vater am Fenster stand und Heil dir im Siegerkranz" zu trommeln versuchte. Dann , stand sie plötzlich auf, warf die Wolle, das bunte Muster, die angefangene Arbeit über den Haufen auf das Tischchen und eilte auf die Mutter zu, sie fast mit Heftigkeit in die Arme zu schließen. Eine Minute lang barg sie ihr Ge­sicht an deren Wange.Und du hast mich doch lieb, so wie ich bin*, flüsterte sie und kehrte die bittenden Augen , zu ihr. Ein feuchter Glanz schimmttte in ihnen, die