Sr. 127.
Marburg. Donnerstag, 3. Juni 1875.
X ZahkMg.
Anzeigen nimmt entgegen: tie Expedition b. Blattes, fomie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Laasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln ic; Rudolf Mosse in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
WerhtUcht Jrtlung.
^Anzeigen nimmt entgegen: die En>edition b. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M. -Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank. A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schliß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 21$ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Tagesbericht
Der König von Schweden empfing Dienstag früh eine Deputation bet in Berlin sich aushaltenden Schweden und Norweger und nahm eine Adresie entgegen. Dann wohnte er am Vormittag noch mit dem Kaiser und den Prinzen des königlichen Hauses den militärischen Hebungen auf dem TempelhofSt Felde bei und besichtigte die Caserne dcS Kaiser - Franz - Regiments und die Feuerwehrhauptstation. Um 5 Uhr sand ein kleineres Diner im kaiserlichen PalaiS statt. Die Abreise des Königs ist aus Mittwoch Vormittag bestimmt.
Wie wir Höven, ist auf Anordnung des Cultus- ministerS ein Lesebuch für die Volksschulen der gesammten Monarchie ohne Unterschied der Confession ausgearbeitet worden.
ES scheint nicht, als wenn der Kulturkampf schon einer baldigen Beendigung entgegensehen dürfe, wenigstens sind biS jetzt dahin gehenden Bestrebungen ohne Erfolg gcblie ben, gewisse Organe der Regierung selbst sprechen die Un Möglichkeit einer Einigung mit der römischen Curie aus. So hat jetzt ein altkatholischer Edelmann in Schlesien alle Geistlichen, welche sich von dem Vatikan loözusagen gewillt sind, aufgesordert, sich an ihn zu wenden, indem er ihnen in materieller Hinsicht ihre Existenz zu sichern ver pricht. Ein schlesischer Geistlicher hat die alikatholische Pfarre in Offenburg in Baden angenommen. Der Papst, heißt es, hat einen neuen Erlaß an die Bischöfe, zu deren Stärkung" erlassen, in welchem er gleichzeitig die Eingabe bezüglich des Klostergesetzes beantwortet.
Zn der Dienstagssitzung deS Herrenhauses wurde in endgültiger Gesammtabstimmung die Provinzialordnung in der vom Hause festgesetzten Fassung mit überwiegender Majorität gegen vereinzelte Stimmen, wie die des Finanzministers (Herr v. Forckeubeck war nicht im Hause anwesend) genehmigt. Das HauS trat darauf in die Spezialdebatte des ProvinzialdotationSgesetzeS ein.
Das Abgeordnetenhaus nahm in der Dienstagssitzung mehrere kleine Gesetze in dritter Berathung an, darunter die Vorlage über die Aushebung der Beschlagnahme des Vermögens deS verstorbenen Kurfürsten von Hiessen. Der Antrag Sachses, wonach das Verlesen von Schriftstücken im Hause nur mit Genehmigung des Präsidenten zulässig ein soll, wird an die GeschästScommisston verwiesen. Hierauf wurde eine längere Reihe von Petitionen nach den Anträgen der Commission genehmigt. Der Antrag der Commission, das Gesetz über die Aufhebung der Con- fessionalität der Kirchhöfe in nächster Session vorzulegen, wurde, unter Streichung der Worte „in nächster Session" angenommen. Der Cultusminister bezeichnete den Antrag
DaS Waffer, das wir trinken.
Gleich Mentbehrtich, wie die Lust, ist zur Erhaltung aller lebenden Wesen das Wasier; wie die Lust, so ist auch. daS Wasier von der Natur mit mancherlei Stoffen gemischt, die bei der Ernährungsfrage eine wichtige Rolle spielen DaS Wasier, als ein bekannter Stoff, wird, wenn wir eS auch täglich und stündlich genießen, wenig beachtet, obgleich es bereits die Alten im Gefühl der wichtigen Rolle, welche es im Haushalt der Natur spielt, zu den 4 ursprünglichen Elementen rechneten, als welche sie Wasier, Luft Feuer und Erde anjahen. — Und nicht mit Unrecht, denn schon die große Menge Wasiers, welches sich in den Körpern der Menschen, Thiere und Pflanzen vorfindet, zeugt von der Wichtigkeit dieses Wasiers bei der Erhaltung des Lebens; der thierische Körper wie die lebende Pflanze bestehen fast zu Dreiviertel ihres Gewichtes auS Wasier, fortwährend dunstet der Mensch auS Haut und Lungen Wasier aus; wäre also die Luft welche ihn umgibt, vollständig trocken, würde ihm kein Wasser zugeführt — bann würde seine Haut vertrocknen, sein Leib sich in eine bleiche Mumie verwandeln, ein fieberischer Durst würde ihn verzehren. Desgleichen die Pflanze, die ohne Wasier welken und verdorren würde. DaS Waffer ist der Träger für die mannigfachsten Nahrungsstoffe, auS denen die Theile des Körpers aufgebaut und dessen verschiedene Gewebe ernährt werden; durch dasselbe werden alle die Verwandlungen im Körper vermittelt, da eS den Hauptbestandtheil unseres BluteS bildet.
Abgesehen davon hat das Wasier Eigenschaften, welche den Menschen bestimmen, ihm vor andern ähnlichen Körpern den Vorzug zu geben; schon durch die wenig beachtete Eigenschaft seiner Geruchlofigkeit trägt es viel zu unserem Wohlbehagen bei, denn unsere Geruchs- und Geschmacks netoen könnten einen beständigen Reiz nicht ertragen und brr ganze Körper würde leiden, wenn diese Nerven fortwährend erregt würden. So aber ist das Wasser, das
als augenblicklich inoportun, weil eine rasche Bewältigung deS umfangreichen bereits vorliegenden Materials unthun - lich sei. Nach dem Ergebniß der gestrigen Conferenz der FractionSdelegirten beider Landtagshäuser gilt das Zustandekommen des Gesetzes betreffend die Vermögensverwaltung in den katholischen Kirchengemeinden auf der Basis der Annahme der Herrenhausbeschlüsse mit Ausnahme deS Vorsitzes des Pfarrers im Kirchenvorstande als sicher.
Ibrahim Pascha, Kronprinz von Egypten, ist am 29. Mai in Begleitung des Ministers des Auswärtigen in Rom angekommen.
Den neuesten Nachrichten aus Konstantinopel vom 29. Mai zufolge hat daS jüngst in Kleinasien stattgehabte Erdbeben schreckliche Verwüstungen zur Folge gehabt; ganze Dörfer sind in Schutt und Trümmer verwandelt, bis jetzt stellt sich die Zahl der Tobten über 2000 heraus.
Deutsches Strich.
•• Berlin, 1. Juni. Es ist als ein charakteristisches Zeichen der eingetretenen politischen Windstille zu betrachten, daß auch wieder einmal die versunkene nordschleSwig'sche Frage emportaucht, selbstverständlich nur in der Phantasie einige Conjeetural-Politiker. Wunderlicher Weise will man dem König von Schweden die Absicht zuschreiben, bei Gelegenheit seines Besuchs am Berliner Hofe das abgesetzte Thema zur Sprache zu bringen und im skandinavischen Jntereffe neue Abtretungsvorschläge zu befürworten. Jüngst hat die „Prov. Corresp." dem erwarteten Gast einen sehr warmen Freundschaftsgruß entgegengebracht. Es ist schwer zu glauben, daß eine solche Kundgebung erfolgt wäre, wenn man dem schwedischen Gaste die Absicht zutraute, unzeitgemäße und unfruchtbare Versuche in tactlofer Weise zu unterstützen. Der Verlaus der bisherigen Verhandlungen über die notdschleswigsche Frage ist in Stockholm wie anderwärts bekannt. Mau weiß, daß eine Verständigung zur Zeit unmöglich ist, weil Dänemark Forderungen stellt, auf welche Deutschland nicht eingehen kann. König Oskar hatte ein richtiges Verständniß hiesür und ihm gebührt die Ehre, erkannt zu haben, daß eS kaum ein richtigeres Interesse für Skandinavien gibt, als mit Deutschland in Friede und Freundschaft zu leben. Dieser Eindruck ist durch das herzliche Begegnen beider Majestäten in verstärkter Weise Jedem, der der Anwesenheit König OskarS näher gestanden, klar geworden. — So bedeutsam nun auch die Beschlüsse des Herrenhauses in Bezug auf die Provinzial- orbnung ausgefallen sind, fo wird doch bis heute noch an eine Verständigung zwischen den Faktoren der Gesetzgebung geglaubt. Man wird fehl gehen, wenn man nicht in den Anslasiungen des Ministers des Innern die Ansicht deS
fortwährend in den Körper gelangt — sowohl durch Ein- athmen wie durch den Genuß von Trank und Speise — frei von solchen Eigenschaften, es kann den Körper durchwandern und die empfindlichsten Nerven berühren, ohne ein Gefühl deS Unbehagens zu erzeugen. Und selbst äußer lich wird durch die Berührung dieses Stoffe« ein Gefühl des Wohlbehagens, der Linderung und Besänftigung hervor- gerufen, eS übt feine heilende Wirkung auf verletzte und entzündliche Theile. Dagegen wirken geringe Veränderungen feiner Beschaffenheit augenblicklich auf unsere GeschmackS- nerven, nicht selten auch nach kurzer Zeit störend auf den Organismus, wie z. B. wenn wir gezwungen werden, plötzlich sehr kalk- oder eiseiihaltiges Trinkwasser zu genießen; langsam gewöhnt man sich leichter an solche Veränderungen, ja nach einiger^Zeit stört eine solche Beimengung weder daS Wohlbehagen noch das Wohlbefinden des Menschen.
Die kühlende Eigenschaft deS Wasiers ist ebenfalls eine Wohlthat für alle lebenden Wesen. Das Wasier kühlt das Erdreich und läßt die Wurzeln der Pflanzen, die uns nähren, im heißen Boden nicht vertrocknen und sterben. Dem Menschen bringt fein Genuß mehr Kühlung, als jeder andere flüssige Stoff, in gleichem Maße genossen, erzeugt. Das Wasier bedarf nämlich zu seiner Erwärmung einer größeren Wärmemenge, als daS gleiche Gewicht von jedem anderen Körper verbraucht. Um z. B. ein Pfund Wasser um einen Grad zu erwärmen, bedarf es einer Wärmemenge, mit welcher man weit größere Quantitäten von anderen Körpern in den gleichen Wärmegrad versetzen könnte; desgleichen ist zur Verdampfung des Wasier« mehr Wärme erforderlich, als für jede andere Flüssigkeit; weil also die fortwährende Ausdünstung des Körpers fo viel Wärmestoff verbraucht, wird Blut und Lunge vor zu großer Erhitzung bewahrt.
Auch die Zusammensetzung deS WafferS ist, wie bereits bemerkt, für das Thier- und Pflanzenleben äußerst wichtig;
j GefammtministeriumS vertraten steht. Bedenklich ist die Situation allerdings, eS wird des guten Willens sehr bedürfen, um ein Gleichgewicht herzustellen. — Nach einem Bericht über den Verkehr der deutschen Schiffe im Hdsen von Kopenhagen während deS Jahres 1874 hat die Zahl der dort angekommenen und von dort abgegangenen deutschen Schiffe 813 mit 3513 Mann Besatzung und einet Trag, traft von 92,107 Schiffstonnen betragen. Von den deutschen Schiffen waren 765 preußische mit 3342 Mann. Aus England gingen 97, aus Rußland 18, Amerika 15, Dänemark 14 ein und aus. Nach Kopenhagen wurden meist transportirt: Brennholz, Stückgüter, Fettwaren, Langholz, Kartoffeln re.
Potsdam, s31.,Mai. Wenn man heute nicht gewußt hätte, daß man sich in der friedlichen Residenz an der Havel befinde und daß man auf dem Schreibtisch den Kalender von 1875 vor sich habe, so hätte man sich in das große Kriegsjahr von 1870/71 zurückversetzt wähnen können — so ein Kriegslärm wurde heute <fuf dem berühmten Exercirplatze der Potsdamer Garden, auf dem Bornstedter Felde, vollführt. Es war ein Kriegsspiel, bei dem Manchem doch recht ernst werden könnte, namentlich wer kriegerische Absichten gegen un« im Sinne führen mag. Das Mausergewehr machte sich mit seinen bewun» * derungSwürdigen Leistungen gellend. Dieses Schnellfeuer, diese Salven, welche heute vom ersten Garderegiment, dem Lehrbataillon, die zu einer Brigade vereinigt waren, gegeben wurden, mußte Staunen erregen. Jeder Mann hatte 40 Patronen erhalten, ein Bataillon sogar 80 Patronen, jeder Mann gab in einer Minute wenigstens 12 Schüsie, jedes Gewehr wurde zu einer Mittailleuse. DaS kleine Manöver war zu Ehren des König« von Schweden veranstaltet und mit dem Glockenschlage 10 begrüßten die Monarchen die Truppen, welche am Eingänge des Bornstedter Felde« vor der Schanze ist Rendevousstellung auf- gestellt waren. Da« Erste Garderegiment zu Fuß, dao Lehrbataillon, die Unterofficierfchule, das Gardejägerbataillon waren zu einer Jnfanteriebrigade vereinigt, welcher daS Gardehusarenregimenk und die 5 Batterie des Zweiten Gardefeldartillerieregiments zugetheilt war. Die Disposition zu dem Manöver hatte der Commandeur der Ersten Gardeinfantriebrigade, Generalmajor v. Tannenberg, früher Generalstabschef des Gardeeorps, entworfen. Ein von Westen aus erscheinender Feind suchte den Marsch der Brigade aufzuhalten. DaS Gardehufarenregiment klärte das Terain in dieser R chtung auf, bekam Feuer und mußte zurückgehen. Die Brigade suchte dem Beginnen deS Feindes energisch zu wehren, die Artillerie (50 Kartouschenberg- geschütz) bereitete den Kampf vor. Das Lehrbataillon, die
eS besteht aus Wafferstoff und Sauerstoff, und in allen festen Theilen deS Körpers wie der Pflanzen, in trockenem Fleisch, in den Knochen, wie auch in trockenem Holze sind diese Grundstoffe in großer Menge vorhanden. Der thierische Körper, wie die Pflanzen bedürfen zu ihrem Wachs thum Wafferstoff und Sauerstoff, eS find dies unentbehrliche Materiale zum Bau des Körper«; wir finden sie in keiner Flüssigkeit so wie im Waffer und deshalb muß daS- selbe al« ein wirklicher Theil der Nahrung für alle lebenden 'Wesen betrachtet werden.
Reines Wasier findet sich in der Natur selten; daS Regenwaffer enthält die Beimengungen, von denen eS die Lust reinigt, Quellwaffer führt diejenigen Stoffe, benen e« in der Erde begegnet und die im Wasier lösbar sind; solche Unreinigkeiten sieht man auch häufig mit bloßen Augen. Geht daS Wasserbett durch em Lager von rothern Thon, der viel Eisenoxyd enthält, dann hat da« Wasier eine rothe Farbe; von Bergen, die viel Gypö enthalten, kommt eS weiß und milchig, braun erscheint eS» wenn es durch Moor- und Torfboden fließt, schwarz, wenn das Flußbett übermäßig viel Pflanzenstoffe enthält, wie eS z. & bet dem Rio Negro (schwarzer Fluß) in Südamerika der Fall ist. Die Seen der Schweiz sind häufig grün, sie führen massenhaft aufgelöste oder fein zerthcilte gelbe und grüne Pflanzen und Erdstoffe. Nur wenige, sehr liefe Gewäsier sind klar und haben jene eigenthümliche, blaue Farbe de« Wassers, wie man es etwa im Meerbusen von Neapel ober an einigen Theilen des mittelländischen oder adriati- schen Meeres sicht, wo das Wasier beinahe indigofarbig erscheint. Aber bennodj ist auch da« klarste und hellste Waffer nicht rein, ja selbst ftltrirt enthält e« eine große Menge von Bestandtheilen, die e« jenen Stoffen, welche e« in und auf der Erde bespült, entnimmt. Zuweilen entnimmt es den Erdtheilen die eS umgeben, eine solche Menge Stoffe, daß eS ein sogenanntes Mineralwasser wirb; weniger gehaltreich ist «0 st««, Wenn kS über