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JUarfiurg, Freitag, 38. Mai 1875.

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führten Kriege stellte stch bekanntlich die öffentliche Mei­nung in Schweden und Norwegen, bei den einen aus Unkenntniß der Verhältnisse, bei den anderen aus verhär­teten Vorurtheilen, entschieden auf französische Seite. Schon lange bevor die französische Dynastie aus den schwedischen Thron kam, hatten die Schweden den Zu­namen „die Franzosen des Nordens" geführt, womit hin­länglich ihre Neigung zu Frankreich erklärt ist, und in Norwegen glaubte man zu fest an die liberale Mission des französischen Volkes, als daß man sich für den an geblichen Militär-Absolutismus Deutschlands hätte erwär­men können.

Diese Stimmung ist nun seit dem Regierungsantritt des jetztigen Königs eine entschieden andere geworden. Schon im vorigen Jahr erwies der schwedische Hof dem Kronprinzen dcö deutschen Reichs die ausgezeichnetste Aufnahme und die Art und Weise, mit welcher der freund­schaftliche Verkehr zwischen König Oskar und unserem Kronprinzen in Stockholm beachtet wurde, war ein Zeichen dafür, daß die Sympathien der Schweden für Deutschland in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht haben. Diesem Umschwung im Norden will jetzt das Königspaar durch seinen Besuch in Berlin den beredtesten und unzwei­deutigsten Ausdruck geben. Die Freundschaft, die sie sür unseren Hof empfinden, und die Achtung, welche das deutsche Reich im Norden genießt, haben die hohen Gäste nach Berlin geführt.

Doch fordern sie auch Achtung. Die skandinavische Idee lebt auch in der jetzigen Generation fort. Schweden und Norwegen, das sich im Innern gekräftigt hat, scheint naturgemäß einen Ueberfluß von Attractionskrast zu haben, welche, wenn eine Förderation mit Dänemark nicht herbei zuführen wäre, vielleicht auch eine Annektion nicht ver­schmähen würde. Wir sind weit entfernt zu behaupten, daß König Oskar II. dergleichen Pläne hat, geschweige denn, daß er sie in der Hoffnung auf eine bezügliche Unterstützung mit nach Berlin bringt. Aber deshalb darf doch nicht der Kern der skandinavischen Bewegung verkannt werden, die nach der Regeneration im Innern logischer Weise auf Abrundung deö Territoriums rind Vereinigung der uordgermanischen Völker — wenn auch unbewußt — gerichtet fein muß.

Einstweilen giebt daS schwedische KönigSpaar in Berlin seine Visitenkarte ab; bald wird König Oskar auch in Petersburg einen Besuch machen. Damit ist die skandi uavische Frage wieder auf die Tagesordnung getreten und für den denkenden Politiker Anlaß gegeben, die Dinge im Norden fortan mit etwas größerer Sorgfalt inS Auge zu fassen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (exl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr sür die gespaltene Zeile 10 Psg.

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Tagesbericht

Der Bundesrath wird noch im Laufe dieser Woche eine Plenarsitzung abhalten, um die wichtigsten Arbeiten, welche ihm jetzt vorliegen, zu erledigen. Es gehören dazu bis jetzt noch keine Vorlagen, welche den nächsten Reichs­tag beschäftigen möchten, wohl aber mehrfach Ausführungs- bestimmungen zu früheren Reichsgesetzen. So hat man sich über gemeinsame Instructionen bei der Ausführung des Reichscivilehegesetzes für die Civilstandsbeamten geeinigt und ferner eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, welche sich auf das Münzgcsctz beziehen, zum Beispiel die Ausprä­gung silberner 5-Markstücke zu vermehren und 50-Pfenig- stücke (anstatt der jetzigen Viergroschenstücke) prägen zu lasten.

Die Organisation be6 neuen Reichsbankinstituts wird mit großem Eifer betrieben. Seitens der Berliner Haupt­bank sind bereits nach Dresden, Leipzig und Chemnitz er­fahrene und geschulte Beamte entsendet, die all s vorbe­reiten, um in der kürzesten Frist Filialinstitute daselbst zu errichten. Als diejenigen Städte, in denen bann zunächst ähnliche Institute errichtet werben sollen, werben Mann­heim, Mainz unb Braunschweig genannt. In britter Reihe für bie Errichtung neuer Bankinstitute soll Johann Wür- temberg unb bemnächst Bayern stehen. JnSgesammt sollen etwa 15 Städte für die Errichtung neuer derartiger In­stitute in Aussicht genommen sein. Von der Berliner Hauptbank sicht eine größere Anzahl älterer Beamten ihrer deSsallsigen Versetzung nach Mittel- und Süddeutschland entgegen.

Der diesjährige dritte deutsche Seminarlehrertag soll am 29. September bis zum 2. Oktober in Stuttgart statt- finben. Um ben Seminarbirektoren unb Lehrern den Be­such biefer Versammlung zu ermöglichen, stnb bie Provin- zialschulkollegien angewiesen worben, diese Tage, soweit dies ohne Zuträglichkeiten geschehen kann, von Prüfungen, bie an ben Seminarien abzuhalten sind, frei zu lasten.

Nach einem Telegramme auS Mabrib hat sich bie in ber großen Parteiversammlung vom 20. b. M. zur Fest­setzung ber Grunbzüge einer spanischen Verfassung nieber« gesetzte Commission constitnirt unb wirb demnächst ihre Arbeiten beginnen, nachdem noch zahlreiche Beitrittserklä­rungen zu den damals gefaßten Beschlüssen ergangen sind.

Die „Basler Grenzpost" weist bezüglich der letzten Volksabstimmung in der Schweiz auf die bedeutend gerin­gere Betheiligung hin, welche am 23. Mai d. I. im Ver- gleich zum 19. April v. I., als über die Bundesverfassung abgestimmt wurde, stattgefunden hat. Damals haben 540,000 Bürger, diesmal nur 400,000 ihre Stimmen ab­gegeben. Die Differenz fällt hauptsächlich auf die Kantone

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für den Monat Juni auf die c———4, Oberhessische Zeitung, nebst dem damit gratis ausgegebenen Itlustrirten Sonrrtagsölatt nehmen alle Postanstalten, sowie Landbriefträger entgegen.

Die Exp. d. Oberhess. Zeitung.

DaS schwedische KönigSpaar, das am Freitag zu einem mehrtägigen Besuch des kaiser­lichen Hoss nach Berlin kommt, lenkt gegenwärtig unsere Aufmerksamkeit, die schon seit langer Zeit fast nur mit ben anberen Staaten Europas unb ben sich an sie knü- pfenben sogenannten „Fragen" beschästigt war, nach Norden hin, zu jenem Lande Gu lav Adolphs unb Carls XII., das seit den Tagen deS letzteren in dem Concerte Europa's kaum eine hörbar begleitende Stimme hat.

König Oskar II., Sohn des Königs Oskar I., geb. ben 21. Januar 1829, folgte feinem Stuber, dem König Karl XV., am 18. September 1872 auf dem Thron von Schweden und Norwegen seit dem 6. Juni 1867 ist er vermählt mit Sophie der Tochter deö verstorbenen Herzogs Wilhelm von Nassau. Der Besuch dieses Königs­paares in Berlin darf in seiner Bedeutung nicht unter­schätzt werden. Wie auö der Ferne längst vergangener Zeiten erinnert derselbe an die große Macht, zu deren Füßen Bremen, Wismar, Stralsund, Stettin, Riga und Reval lagen, und bie ein unerklärliches Geschick so sehr in bie Vergessenheit und Unbedeutendheit hineingestürzt hat. Nach der Vereinigung Norwegens mit Schweden nach dem Wiener Congreß war Oskar I. derjenige König, der zur Erstarkung deö politischen EinflusteS fern von aller äußeren Politik die inneren Reformen begann, und diese wurden von feinen Nachfolgern bis auf den heutigen Tag emsig fortgesetzt, wenn gleich daS konservative Land Zäh festgehalten hat an vielen überkommenen Sitten und Einrichtungen.

Diese Zeit der Kräftigung durch innere Reformen soll augenscheinlich jetzt ihre Früchte und ihren Lohn ernten. Wie um der Welt zu beweisen, daß das nordische König­reich wieder oder immer noch reich an Macht unb Ehren ist und daß eS sich wieder oder immer noch ebenbürtig unb stark genug fühlt, hat sich baS schwebische KönigSpaar entschlossen, bem mächtigsten Herrscher des Continents einen Achtung und Auerkennug sowohl beweisenden wie fordern­den Besuch zu machen.

Der Werth, den wir in diesem Beweise von Achtung sehen können, darf sicherlich nicht gering geschätzt werden. In dem letzten zwischen Deutschland unb Frankreich ge-

Dik Hexe von Gmunden.

Eine Geschichte aus dem Volksleben des XVII. Jahrhunderts. (Fortsetzung).

6.

In früher Morgenfiund verließ Lerchenauer zu Roß daS Schloß von Otth, Felleisen und Regenmantel hinter stch am Sattel festgeschnallt, das lange Stoßrappier im Wehrgehäng, daS Faustrohr in ber Halfter. Ihm folgte ein Knecht mit der Pikelhaube auf dem Kopf, die Kugel- büchfe am Sattelbogen, unb hinter sich ben wohlgefülllen Habersack. So ritten sie, dem Aussehen nach zu einer längeren Reise gerüstet, munteren Schrittes der nahen Stadt zu. Der See war mit Fahrzeugen übersäet, wie kaum an einem Markttag oder sogar am hohen Fest des Frohn« leichnamS, wenn von Traunkirchen aus der Umzug mit dem hochwürdigsten Gut unb bem Altar in prachtvoll aufgeputzter Zille sich majestätisch auf ben Wogen hinbe­wegt, gefolgt von Schaaren ber Anbächtigen in zahllosen Plätten unb Einbäumen.*) In ber Stadt war des Ge drängeS und Getümmels nicht wenig, bet Marktplatz, wie Fenster und Dächer ber Gebäube ringsumher mit Schau luftigen bicht besetzt, während andere, beiweitem zahlreichere Schaaren zum Oberlhor hinausströmten, um sich auf dem Guglberg ober weiterhin auf ben Höhen eines Platzes mit ber Aussicht auf ben Rabenstein zu versichern, wo nicht allzuweit vom Galgen ber Scheiterhaufen um ben Pfahl aufgeschichtet lag. Der Pfleger von Orth ritt finstern Angesichtes burch baS Getümmel zum Rathhaus hin, vor bem das schwarzbehangene Gerüst zurHegung bes offenen HalsgerichreS aufgeschlagen ftanb. Hier stieg er ab, be­gehrte traft seines Amtes Eintritt und wurde von den Stadtknechten nach kurzem Wortwechsel eingelassen. Im

*) Der Einbaum ist das ursprünglichste Fahrzeug aus einem Eichenstamm gezimmett, unb wirb auf dem Traunsee meist nur beim Fischfang benutzt.

Saale fanb er ben Synbikus mit Ralhsverwanbten unb Schöppen, fammt bem kaiserlichen Rath Westernacher, beschästigt, bie arme Sünberin noch über einige Nebenpunkte in Güte zu befragen, bevor braujjen vor ben Augen bes Volkes ihr ber Stab gebrochen unb sie bem Henker über­geben würbe. Die Löffelkathi sah aber gar nicht recht wie eine arme Sünberin aus, obschon geknickt unb zerbrochen. Ihr runzliches Angesicht, etwas gebleicht in ber Kerkerluft, hatte ben trotzigen Ausdruck von ehedem mit milder Er­gebenheit vertauscht. In ihrem ganzen Wesen sprach sich eine todeSfreudige Zuversicht aus, und mit demüthiger Ruhe gab sie Red' und Antwort.

Rasch in den Saal eintretend, hob Lerchenauer mit fester Stimme zu reden an: „Gott zum Gruß, meine Herren von Gmunden. Hier steh' ich im Namen meiner gnädigen Herrschaft zu Orth, um Einspruch zu thun gegen Euer Blutgericht, das Ihr da hegen wollt gegen Recht und Herkommen über einen Untertanen des Freiherrn von Hofmann, meines gnädigen Herrn, welcher in diesem offenen Brief ausdrücklich seine Rechte zu verwahren gemeint ist"

Er legte bei diesen Worten ein großes Blatt mit angehängten Jnsiegeln auf die Tafel. Der Syndikus reichte es dem Stadtschreiber zum Vorlesen dar. ES ent­hielt einen Protest gegen das Verfahren der Stadt in Beziehung auf die Herrschaft Orth, und zugleich eine Ausführung der Behauptung: die Beklagte fei „denen Rechten nach gar nicht verbotener Zauberei überwunden."

Grilleneder sah zweifelhaft im Kreise umher. Wester­nacher aber nahm statt seiner das Wort: „Das vorgelegte Documentum zerfällt in zwei Theile. In puncto defen- sionis der Unholdin werden wir am besten thun, dasselbe als gar nicht vorhanden zu betrachten. Vielleicht wär' es jedoch ein Werk der Barmherzigkeit, den von Hofmann zu erinnern, daß er seine Gottlosigkeit nicht allzu offen zur Schau trage. Er ist allerhöchsten Ortes ohnehin nicht zum Besten angeschrieben. Das jedoch an seinem Ort

belassen, so wird in Hinsicht des andern Punkti, der Rechtsverwahrung besagten von Hofmanns, das geeignete fein, sie ad acta zu legen, unb ihrer ungeachtet vo»u- schreiten. Dixi."

Währenb Westernacher noch sprach, führte Pater Gre- gorius eine bleiche Mädchengestalt an ber Hanb burch bie fcheuausweichenbe Menge. Sie stutzte unb schwankte bis­weilen, er jeboch sprach ihr Muth ein. „Vertrau auf Gott unb feine heiligen Engel," sprach er: „unb wenn Du mit ihrer Hülse stanbhaft ausharrst, so wirst Du noch in biefer Stunbe nicht nur Gespenster vollends überwinden, sondern auch diejenige retten, bie ohne Schulb um Deinet­willen sterben soll."

Die Wächter an ber RathhauSpsvrte ließen die beiden unangefochten ein, obschon ihnen bewußt war, daß Zenzi vor Gericht nichts zu thun hatte und noch weniger zu ihrer Großmutter geführt werden sollte. Es war nämlich verurtheilten Hexen nicht gestattet, sich mit ihrer Freund­schaft zu letzen, wie andere arme Sünder. Weshalb bei dem Eintritt Gregors und der Dirne Westernacher seinen Wortwechsel mit Lerchenauer unterbrach, um die „Abschaffung" der unberufenen Eindringlinge zu begehren. „Damit nicht", wie er sagte, „daS böse Auge die begon­nene Heilung Obsessae wiederum zerstöre." Doch ver­schwieg er, daß ihm mehr noch die Gegenwart des Paters ein Dorn im Auge war. Gregorius hatte das Wohl­wollen des gestrengen Herren durch die Vorstellungen ver­scherzt, wodurch er mündlich wie schriftlich stch bemüht, die Beklagte zu befreien. Diese Vorstellungen hatten übrigens nicht denselben Erfolg gehabt, mit welchem der geistliche Herr die Heilung der Kranken betrieben.

„Laßt sie in deS Himmels Namen gewähren", sagte Gregor; „wenn hier das böse Auge wirken könnte, so wäre der Rückzug ohnehin zu spät."

„Auch will mich bebünftn," fügte Lerchenauer hinzu,