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%r. 120,

Marburg, Mittwoch, 26. Mai 1875.

X Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Cöln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. >- M-; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntaaSblatt" dutch die Ervedition lKock'kLe Buchdruckerei) bezogen Mark, durch ie Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg iexl Bestellgebühr).^- Jnsertionsgebühr ftr die gespaltene Ae lO «fa * _______ 8är >n der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adrefsen werden 25 Pf», berechnet.

Die Reichssteuer.

Schon zu wiederholten Malen ist die Einführung einer allgemeinen Reichssteuer in Anregung gebracht. Unterstützt wurde dieselbe namentlich durch die Erscheinung, daß die kleinen Staaten der Steuerlast, welche ihnen durch die Matrikularbeiträge auferlegt ist, auf die Länge nicht ge­wachsen sind und entweder wirthschastlich ruinirt werden, oder aber gezwungen werden, ihre selbstständige Verwaltung an Preußen abzutreten. Diese Angelegenheit, die bis da­hin lediglich von einzelnen Publizisten oder Abgeordneten angeregt wurde, tritt nun dadurch in eine neue Phase, daß Sachsen-Weimar im BundeSrath einen Antrag auf Ver Minderung der Matricularbeiträge und Ersetzung derselben durch Erhöhung bestehender oder Einführung neuer Reichs­steuern gemacht hat. Die Veranlassung zu diesem An­träge liegt darin, daß die Einnahmen aus den Reichs­steuern in diesem Jahre geringer werden wie bisher, und in Folge dessen die einzelnen Staaten eine höhere Quote der Matricularbeiträge zu zahlen haben. Der Antrag, den Sachsen Weimar an den BundeSrath gemacht hat, bezweckt noch keineswegs eine vollständige Beseitigung der Matri- cularbeiträge, sondern zunächst nur eine Herabsetzung der­selben. Mit festen, bestimmten Vorschlägen tritt Sachsen Weimar in diesem Anträge noch keineswegs auf, es handelt sich vielmehr nur um eine Anregung zur Behandlung dieser wichtigen Frage in den Bundesrathsausschüssen. Uebrigens sind in jenem Anträge einige Andeutungen angcgebep, aus denen zu erkennen ist, in welcher Weise sich die Regierung von Sachsen - Weimar die Einführung einer Reichssteuer denkt, und welchen Gegenständen sie bei einer etwaigen Besteuerung durch das Reich den Vorzug gehen würde. Sie kommt keineswegs auf jene Positionen zurück, welche im Jahre 1873 von den Commissionen des Bundesrathes zum Ersatz der Salzsteuer vorgeschlagen worden, nämlich Erhöhung des TabalzolleS, Besteuerung der Schlußscheine der Lombard Darlehen und der inländischen und ausländi­schen Werlhpapierc; vielmehr deutet sie auf die Erhöhung einer nicht näher bezeichneten, ausgiebigen Position des Zolltarifs hin und auf die Erhöhung der Brausteuer bis zu der Höhe, in welcher die süddeutschen Staaten dieselbe erheben.

Jedenfalls wird dieser Antrag die Veranlasiung zu einer weiteren Erörterung dieser Frage geben, über die bis jetzt noch sehr divergirende Ansichten herrschen. Jndesien ist anzunehmen, daß die Einbringung dieses Antrages von Sachsen-Weimar mit Uebereinstimmung der Reichsregierung erfolgt ist und daher nicht ganz rejultatlos vorübergehen wird.

Tagesbericht.

Nach dem Fackelzuge, den man den kronprinzlichen Herrschaften ip Venedig gebracht hat, schickten die Veran­stalter desselben nachstehendes Telegramm ab:Fürst Bis­marck, Berlin. Die Benetianer benutzten die Anwesenheit der kronprinzlichen Herrschaften zu einer großartigen De­monstration, um ihre lebhaftesten Sympathien für Deutsch­land zu erkennen zu geben."

DerReichs-Anzeiger," anknüpfend an das Dementi der Nordd. Allg. Zeitung," betreffend das angebliche Rund­schreiben über das franzsische Cadre Gesetz, weist darauf hin, daß der Verbreiter der Nachricht an der Existenz des Rundschreibens festhalte und daß einige Blätter annähmen, die deutschen Vertreter hätten in anderer Form bezügliche Instruktionen erhalten und schreibt:Alle derartige Be hauptungen und Andeutungen sind gänzlich unbegründet."

Um einen sicheren Ueberblick über den Einfluß des Civilstandsgcsetzes und der durch dasselbe erfolgten Besei­tigung des Tauf- und TrauzwangeS auf die Betheiligung der Mitglieder der Kirche an den betreffenden kirchlichen Handlungen zu gewinnen, hat der evangelische Qberkirchen- Rath genaue und regelmäßige statistische Erhebungen an­geordnet. Demzufolge haben die Conststorien dahin Ver­fügung getroffen, daß überall nach bestimmten lokalen Be­zirken die Anzahl der in jedem derselben innerhalb be stimmter Zeiträume bei den evangelischen Gemeindedliedern vorgekommenen Geburten und bürgerlichen Eheschließungen, sowie der Taufen und der kirchlichen Trauungen zu er­mitteln, und darüber alljährlich, Anfangs Januar eine Nachweisung anzustellen sei. Das königliche statistische Bureau, dem bekanntlich von sämmtlichen Standesämtern des ganzen Landes die erforderlichen Nachrichten ringe- sandt werden müssen, hat sich auf Ersuchen deS Ober kirchenrathS sofort und in cntgcgenkommenster Weise bereit erklärt, die amtlichen Feststellungen über die Anzahl der Geburten und bürgerlichen Eheschließungen in den einzel­nen evangelischen Gemeinden zu dem in Rede stehenden Zwecke mitzutheilen, so daß die von der Kirchenbehörde angeordneten statistischen Erhebungen sich in Folge dieser Freundlichkeit ohne allzugroße Schwierigkeiten werden be­wirken lassen.

In der BreSlauer Diöcesanfrage haben sich die öster­reichische und preußische Regierung bezüglich der princi- piellen Gesichtspunkte geeinigt. Die bezüglichen Erklärun­gen sind bereits zwischen' dem Grafen Andraffy und dem deutschen Gesandten in Wien, General Schweinitz, gewech­selt worden. Gras Andraffy erklärte, daß eine von Preu- Ißen verfügte Absetzung deS Fürstbischofs Förster für den

Die Hexe von Gmunden.

Eine Geschichte aus dem Volksleben des XVll. Jahrhunderts- (Fortsetzung).

Gott zum Gruß, gestrenger Herr Westernacher," sagte Grilleneder, dem Ankömmling die Hand schüttelnd:der Herr möge mir als gueter Freund die Ehre erweisen, mein HauS als das Seine zu benutzen. Im Uebrigen bin ich Seiner Befehle gewärtig."

Westernacher nahm nach der Sitte des Landes und der Zeit die Einladung ohne viele Umstände an, und fuhr dann fort:Ich war im Stift zu Lambach über Nacht, um Seine Hochwürden-Gnaden, den Herrn Prälaten, zu bestimmen, den Pater GregoriuS anherzufenden. Besagtem Gregori muß nämlich der Herr wissen, ist nicht leicht noch ein ExoriciSmuS mißrathen. Der Prälat hat's un­gern gestattet, aber dennoch wohl nicht abschlagen mögen, und der Pater kommt mir auf einem Steierwagerl nach. Kann jede Stunde eintreffen. Wir sollten ihn erwarten, und dann mitsammen das kranke Dirn'l heimjuchen."

Als nicht gar zu lange darauf der Syndikus mit den beiden Fremden, dem kaiserlichen Rath und dem Benedik­tiner, im Spital erschien, lag CreScenz von einem starken Anfall erschöpft, auf dem Schrägen.

Die Herren kommen zu guter Stunde," sagte drau­ßen vor der Kammerthür die Wärterin:das Dirn'l ist jo ziemlich bei sich. Aber der böse Feind hat sie neu­lich*) übel gestoßen. Ich bin noch völlig bummerwitzig davon."

Sie ttaten ein. Mit scheuer Verwunderung betrachtete Zenzi die finsteren Züge WesternacherS, wogegen Gregors offene Miene ihr Zutrauen einzuflösen schien. Der Pater trat zu ihrem Lager, grüßte sie im Namen der heiligen Dreifaltigkeit und nahm sie bei der Hand. Sie zuckte zusammen, doch ohne die Hand wegzuziehen, noch sonst ihre Lage zu ändern. Nach einer Weile hob Gregor mit

*) Soeben.

sanfter Stimme, aber entschiedenem Tone zu reden an: Sage mir, Kind Gottes, wie Du heißest und wie alt Du bist?"Crescentia heiß' ich, hochwürdiger Herr, und bin 16 Jahre alt," versetzte ste.

Wem gehörst Du?" fragte er weiter.Dem Teufel," grinste die Dirne.

Da streckte GregoriuS seine Hand über ste aus und rief mit heller Stimme:Hebe Dich von dannen, SatanaS, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Du aber, Crescentia, gieb mir Red' und Ant­wort aus Deinem eigenen Herzen. Ich frage Dich nach Vater, Mutter, Geschwistern und Freunden."

Mein Vater ist der Schmied an der Brucken," sagte Zenzi darauf:meine rechte Mutter ist tobt und {meine rechten Geschwister auch. Die Frau Ahndel hat sie alle mitsammen umzebracht. Auch mein Stiefschwesterl hat sie verderbt, und das Brüderl über die Brucken abig'heit.*) Ich hab's mitansehen müssen; sie hat aber gar nicht der­gleichen gethan, als ob sie was merkte."

Wie heißt Deine Frau Ahndl?"

Der Herr wird dennoch wohl die Löffclkathi wissen? Sie wohnt am Erdl, und hat ihren Herrn, den Kufen- Nazi getränkt.**) Die Frau Ahndel hat mich meinem Heern Vater gestohlen, wie ich noch ein ganz winziges Menscherl war, und mich sieben Jahr behalten. Hernach hab' ich wieder heimgedurft. Dennochwohl hat sich's da­heim nicht gethan. Ich bin soviel krank geworden, und der Herr Vater hat gemeint, ich hätte das böse Wesen. Weiß der hochwürdige Herr, der Schmied ist wohl nicht so dumm und hat'S schon gewußt, was mir war, aber die Frau Mutter leidet's nicht, daß er so gescheit ist, wie er sein möchte. Ist das nicht g'spaßig."

»Apage Satanas«, hob der Mönch wiederum an:ich verbiete Dir Kraft meines Amtes, den unschuldigen Mund

*) Hinabgeworfen.

**) Ersäuft.

österreichischen Theil der BreSlauer Diöcese keinen Einfluß haben könne, dagegen fei es selbstverständlich, daß Oester­reich die durch den preußischen Gerichtshof für kirch iche Angelegenheiten, für den preußischen Theil verfügte Fort­setzung derselben mit ihren Consequenzen anerkennen, und nicht zugeben werde, daß der Fürstbischof von Oesterreich aus fortfahren «erde, sich als preußischer Bischof zu ge- riren. Bis der Spruch des Gerichtshofes erfolgt fei, be­stehe natürlich noch der Status quo. Der deutsche Bot­schafter erwiederte, daß Preußen nicht mehr verlange, daß er diesen Standpunkt für völlig correkt anerkenne.

DerAllgem. Ztg." zufolge soll ein Gesandter der Schweiz bei einer der Großmächte während der jüngsten Krisis erklärt haben, daß die schweizerische Regierung ent­schlossen fei, im Falle Frankreich beim Ausbruch eines Krieges Miene mache, die Neutralität der Schweiz zu mißachten, ein Schutz- und Trutzbündniß mit dem deutschen Reiche abzuschließen.

DieNational-Zeitung" bezeichnet die Anwesenheit deS Botschafters Fürsten Hohenlohe auf dem letzten Abend- Empfang des Präsidenten Mahon mehr als einen einfachen Höflichkeitsbesuch. Fürst Hohenlohe sei vor sei­ner Rückkehr nach Paris von dem Kaiser beauftragt wor­den, den Marschall Mac Mahon der wohlwollenden, freundlichen Gesinnungen des Kaisers zu versichern. Mac Mahon habe dem Fürsten Hohenlohe seinem wärmsten Dank ausgedrückt und sich beeilt, daS angenehme Ereigniß seiner ganzen Umgebung mitzutheilen.

Das Herrenhaus genehmigte am Montag in erster Berathung das Waldschutzgesetz nach den Beschlüssen deS Abgeordnetenhauses und nahm sodann in einmaliger Schluß- Berathung die vom Abgeordnetenhause an daS Herrenhaus zurückgelangte Vormundschafts-Ordnung nach den Beschlüssen deS Abgeordnetenhauses en bloc an, nachdem ein von Lippe gestellter, dem Vertreter der Regierung und aus der Mitte des Hauses bekämpfter Antrag auf Wiederherstellung des ZüchtigungSrechtS des Vormund« abgelehnt wor­den war.

DnttfcheS «eich.

e# Berlin, 24. Mai. In Ermangelung wichtiger ivlitifcher Nachrichten werden in einigen Correspondenzen Gerüchte über die Reise des Kaisers nach Italien colportirt, die, wie bereits angegeben, jedweder Begründung entbehren. Dahin gehört auch die Angabe, daß der Kaiser die Reise bis nächstes Frühjahr vertagt habe. Es ist in dem Vor­haben keine Aenderung eingetreten, zum Herbst nach Italien zu gehen; ein bestimmter Termin läßt sich natürlich nicht durch schnöde Scherze zu entweihen. Du hast kein Recht an dieses Kind."

Ist sie leicht nicht mein?" fragte der Erbfeind an» ZenzerS Mund:Du wirst sie mir lang noch nicht ab­spannen, Du in Deiner schwarzen Kutten. Ich bin auch schwarz, aber schöner schwarz, wie Dm Der Schmied ist freilich gescheit, doch hat's ihm nichts geholfen. Auf dem Todbett hat ihn die Leni noch verwarnt. Aber der Burgi war- es schon recht und ste hat mir da« Dirn'l gerne ge­gönnt. Sie hat sich's schon von selber einbilden mögen, die Stiefmutter, wie's gehen würde. Ich sitze bei der Löffelkathi in einem Trinkglas und schau aus wie eine Mucken. Wann ich aber heraussteig', so bin ich ein rech­tes Mannsbild, anderthalb Ellen lang, und die Zenzi ist mein. Der Baderfranzl wär' ihr schon lieber, hilft aber nix. Sie ist mein . . . mein!"

Bei den letzten Worten fuhr die Kranke in die Höhe, etwa wie ein Karpf sich aus dem Wasser emporschnellt, fiel dann Hirt auf ihr Lager zurück, und brach auf's Neue in krampfhaftes heiseres Gelächter aus. Der Pater wieder­holte seine Beschwörung, die den bösen Geist nicht ohne Erfolg zur Ruhe verwies, und sprach dann zu seinen Be­gleitern:Ich werde dem dunklen Ungethüm mit tapferem Ernste zu Leibe gehen, und ihn bei den Krickeln*) haben, ehewenn er sich's versieht Ich habe mein Richtzeug nicht zur Hand, und dennoch halt' ich ihn - schon ziemlich unter dem Daumen wie Ihr seht. Für jetzt indessen muß ich ihn und sein Opfer in Ruhe lassen. Ort und Stund« sind nicht günstig." Worauf er Crescenz guten Muth fassen hieß; er wolle ihr schon helfen. Sie hörte nicht fein TrosteSwort, und merkte nicht, daß die Besucher sie verließen. Starr und kalt lag fle wie eine Leiche mit verdrehten Augen da, und nur ein leises Wogen der Brust verrieth, daß sie noch athme.

Draußen sagte Westermacher:Wie ich au8 den Rk-

) Hörner.