Nr. 114.
Marburg, Mittwoch, 19. Mai 1875. x Jahrgang.
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DcrhcWc Jritimg.
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lium gepredigt, szu Ehren also benannt, besichtigt werden. Auf den Herrn Wirth im Waldcck'schen Hofe schienen die schlichten Reisenden keinen sonderlichen Eindruck zu machen, denn,' als sie drei Zimmer gefordert, wies er sie kurz ab. so entschlossen sich die königlichen Herren, zur Engel- wirthin zu gehen, die sie gern aufnahm. Inzwischen war der Herr vom Waldcck'schen Hof wohl durch den Kutscher aus seinen faux pas aufmerksam gemacht worden, denn er stellte plötzlich sehr devot sein ganzes Haus zur Disposition. Prinz Wilhelm aber lehnte kurz ab und meinte, er möge sich ihretwegen nur keine Umstände machen. Bon Corbach nahmen die Prinzen Extrapost nach der fürstlichen Residenz Arolsen. Die Postillone aber fuhren in der preußischen Gallauniform mit wehendem Federbusch unter fröhlichem Hörnerschall vor das fürstliche Schloß, wo die Prinzen dem durchlauchtigsten Fürsten Georg Victor ihren Besuch machten. Der Fürst aber war über diesen hohen Besuch sehr erfreut und ließ Höchstdieselben am andern Tage mit vierspänniger fürstlicher Equipage und einem Vorrciter nach Warburg an der Westfälischen Eisenbahn fahren,, von wo die Prinzen nach Kassel zurückgingen. Zm Fürstenthum aber wird viel von der Liebenswürdigkeit, von der Bescheidenheit und Rüstigkeit der jungen Prinzen gesprochen. Sie bilden den Lobgesang des Tages.
machte der Dom auf die jungen Herren. Als BonifaciuS diesen dem Abt Wigbertus übergab, sagte er; haec tua ecclesia semper manebit inusta, diese Kirche wird nie durch Feuer verwüstet werden. Und wunderbar, obwohl die Kirche und die Stadt im Laufe der Zeiten, in den Sachsenkriegen Karl des Großen (800), in den Thüringschen Kriegen durch den Landgrafen Konrad 1232, im dreißigjährigen Kriege (1618—1648), im siebenjährigen Kriege schwere Belagerungen, harte Drangsale erlitten, ob wohl ganze Straßen niedcrbrannten und die Franzosen im siebenjährigen Kriege die Stadt vom 14. bis 16. Februar mit glühenden Kugeln beschossen, — der Dom des heiligen Petrus ist nie in Asche gelegt worden. Von Fritzlar fuhren die Prinzen mit ihren Gefährten auf einem gewöhnlichen Omnibus nach Wildungen. Während sie ihren Freunden im Hotel zur Post ein Diner zurichten ließen, bei welcher Gelegenheit der Gouverneur dem Wirthe sagte: „Er möchte cS an Nichts fehlen lassen," gingen die Prinzen mit dem Lehrer nach dem Baderayon, sahen sich den Kurgarten, den Kursaal, das Bade-LogirhauS und die Quellen an und tranken dann in einfachster Weise in Goeck's Hotel eine Tasse Kaffee. Der Kellner fragte seinen Prinzipal, wie er den Kaffee berechnen solle. Ach, sagte der Wirth des feinen Hotels, das werden Schüler sein, die von Kassel einen" kleinen Ausflug machen, da wollen wir eS nicht so genau nehmen; und er nahm pro Tafle 2 Sgr. Nachdem die Freunde bei L. Hoehle dinirt, ließen die Prinzen dieselben auf dem Omnibus nach Wabern zurückfahren. Die königlichen Prinzen aber fuhren Über Sachsenhausen nach Corbach. Auf dieser Tour er» regten sie des Kutschers Aufmerksamkeit dadurch, daß sie, obwohl der Weg 8 Stunden und sie anständig bezahlt, meist zu Fuß neben dem Wagen hergingen, gewannen deS Knechtes Herz, daß sie es so sorglich mit seinen Pferden meinten, ihn anhielten, öfter zu füitern. In Sachsenhausen fanden die hohen Herrschaften kein Unterkommen, sic fuhren daher nach Corbach, das Herz der Fürstenihümer. Hier sollte die schöne st. Kilianskirche mit ihrer alten Glasmalerei, dem irischen Missionar Kilian (600), der den!
London, 15. Mai. Die Reise der Parlamentsmit glieder Pope und Hemmefley nach Rom hat zuverlässigem Vernehmen nach die Uebringung einer Petition der irische» Bischöfe zum Zweck, worin dieselben den Papst ersuchen, Italien freundlich zu behandeln und der Versöhnung mit Italien jedes zulässige Opfer zu bringen, weil die Versöhnung mit Italien vaö einzige Mittel sei, Deutschland zu isoiiren.
Tagesbericht.
Ein Telegramm aus Venedig meldet, daß der deutsche Kronprinz dort am Freitag angekommen ist.
Fürst Bismarck ist Freitag Abends nach dem Lauen- burgiscken abgereist. Während dieses Landaufenthaltes können dahin an den Fürsten gerichtete Briefe oder andere Zusendungen weder auf Annahme noch auf Beantwortung rechnen.
Die Justizcommission des Reichstages macht eine kurze Pause wegen deS Festes und ebenso verfahren die Bundes rathSauSschüfle, welche sich seit Donnerstag mit dem Bankstatut beschäftigen. Die Berathungen schreiten schnell vor und eS sind fast durchgängig die preußischen Vorschläge angenommen; gleich nach dem Feste werden die Bcrathun- gen fortgesetzt und zwar bis Anfang Juni, wo dann eine Vertagung bis zum September eintreten soll. ,
Im Herrenhause fand am Freitag die letzte Sitzung der Provinzialordnungs - Commission statt. Man konnte jedoch nur durch Herbeiholung des Oberbürgermeisters Hobrecht und des Präsidenten Ellwanger eine beschlußfähige Anzahl von Mitgliedern zusammenbringen. ES herrscht übrigens die allgemeine Ueberzeugung, daß die die Provinzialordnung betreffenden Beschlüsse der Commission nicht im Plenum zur Annahme gelangen werden und so hofft man, daß eine Einigung darüber mit dem Abgeordnetenhause doch noch zu erreichen sein wird.
Das Abgeordnetenhaus hat sich auch noch mit einem Gesetze zu beschäftigen, das die Wiederaufhebung der Be schlaguahme deS Vermögens des verstorbenen Kursürsten von Hessen betrifft. In dem Gesetz vom Jahre 1869, welches diese Maßregel ausspricht, ist ausdrücklich die Bestimmung getroffen, daß es zur Aufhebung derselben eines Gesetzes bedarf. Eine Rechnungslegung über die Beschlagnahme braucht der Staat nicht zu leisten. Der Finanzminister wird einfach mit Ausführung der Aufhebung der Beschlagnahme betraut.
Der „Post" zufolge ist der Termin zur zweitinstanzlichen Verhandlung gegen den Grafen Arnim aus den 15. Juli festgesetzt.
Der russische Reichskanzler Fürst Gortschakoff ist in Baden-Baden zu einem dreiwöchentlichen Aufenthalte eingetroffen.
In wohlunterrichteten Kreisen heißt es, daß die Wei-
Hrssen-Naffau.
* Marburg, 18. Mai. In Anbetracht des dritten Feiertages bitten wir im Namen unseres Druckereipersonals, das diesen Festtag auch gern feiern möchte, unsere verehr- teil Leser sich heute mit einer halben Zeitung gefl. behelfen zu wollen.
Marburg, 16. Mai. Gestern war am sog. Lichten kippel in einem mit niederem Nadclholzgesjrüpp bewachsenen Schlage ein Brand auSgebrochen, der sich auf eine Fläche von ca. 4 C.-Acker ausdehnte. Eine Abtheilung hiesiger Jäger rückte nach der Brandstätte aus und wurde alsbald Herr des Feuers. Die Entstehungsursache deS Brandes ist unbekannt und soll der entstandene Schaden nicht erheblich sein.
— lieber den um Himmelfahrt unternommenen AuS-
ÄttSlano.
Wien, 15. Mai. Der Kaiser ist von der dalmatinischen Reise glücklich in Wien wieder eingetroffen. Derselbe wurde auf dem Bahnhofe von der Kaiserin, dem Kronprinzen, den Erzherzogen, den Ministern und dem Bürgermeister der Stadt Wien begrüßt. Der Kaiser sprach sich sehr be- jriedigl über die Reise aus. Auf der Fahrt in die Burg wurde der Kaiser allenthalben von einer gedrängten Volks menge mit stürmischen Hochrufen begrüßt.
Rom, 16. Mai. Deputirtenkammer. Minghetti ersucht um schleunige Vorlage deS Berichtes über die Gesetzentwürfe betreffend die Convention mit den Bahngesell- schasten und die daS Jnterefle der öffentlichen Sicherheit betreffenden Maßregeln, damit dieselben in dieser Session erledigt werden könnten. Gleichzeitig urgirt der Minister den Bericht über die Verbrauchssteuerreform, erklärend, daß er jedenfalls von der Regierungsvollmacht Gebrauch machen und im Interesse der Staatsfinanzen mit den Mu nicipalitäten wegen der betreffenden Vertragsabänderung verhandeln werde.
Versailles, 15. Mai. Nationalversammlung. Lafond von der Linken richtet an den Marineminister eine Anfrage über Akte mißbräuchlicher Anwendung der Gewalt, welche in einem Dorfe der Colonien am Senegal stattgefunden hätten. Der Minister erklärt, von den fraglichen Thatsachen keine Kenntniß zu haben ; er ist der Meinung, daß wenn strafbare Handlungen Seitens der Bevölkerung begangen sein sollten, der Gouverneur rechtsmäßig eingc>
Wien, 17. Mai. Die „Montagsrevue" sagt in einem Artikel über die Rückkehr deS Kaisers nach Wien anknüpfend : Der Kaiser findet bei seiner Rückkehr die politischen Verhältnisse Europas ihrer normalen Entwickelung zurückgegeben. Aus einet kurzen Scheinkrists sind die Tendenzen und die Thatsachen des Friedens neu gekräftigt und mit neuer normativer Macht hervorgegangen. Man weiß, daß die Verdächtigung der Absichten Deutschlands jeder tatsächlichen Begründung entbehrte. Um so rühmlicher falb die positiven FriedenSversicherungen, denen in den letzten Tagen von Berlin Ausdruck gegeben wurde. Deutch- lands Macht sichert ihnen Den vollen Nachdruck einer gewichtigen politischen Entschließung, deren Bedeutung durch den lebendigen Zusammenhang mit den Ideen nur erhöht werden kann, aus welcher die Einigung der drei Kaiser« Mächte sich vollzogen hat. Die „Montagsrevue" weist schließlich nach, baß Kaiser Alexander, deflen warmer Freundschaft sich Deutschlanv und Oesterreich-Ungarn rühmen dürfen durch seine Gegenwart in Berlin unzweifelhaft es als die Aufgabe seiner Begegnung mit Kaiser Wilhelm betrachtet habe, für die Befestigung und Vertiefung des Dreikaiser. bündniffeS, welches der europäische Friede ist, zu wirken
Wien, 17. Mai. Die „MomagSrevue", indem sie " bie Agitationen in der Zollfrage erörtert, erklärt, daß die österreichische Regierung sich niemals zu einem Rückschritte in daS Schutzzollsystem entschließen werde; dagegen dürste die Aushebung resp. die Abänderung der Nachtrags - Convention mit England, eine bessere Cathegoristrung der Waarenklaflen und ein neuer Zolltarif, in welchem auf bie wirklichen Jntercflen deö österreichischen Handels Rücksicht genommen wird, von ihr erwartet werden. —
flug der beiden ältesten Söhne unseres Kronprinzen, der Prinzen Wilhelm und Heinrich, die bekanntlich in Kassel das Gymnasium besuchen und bei ihren Mitschülern sehr beliebt sind, wirdj der „Nordd. Allg. Ztg." aus Wil düngen berichtet: Die königlichen Prinzen beabsichtigen mit ihrem Erzieher ganz inkognito eine kleine Fußtour ins Waldeck'sche zu machen, zu der fünf befreundete Gym-1 nastasten eingeladen waren. Zunächst ging die Reise ins prächtige Ederthal. Die Reisenden fuhren aus der Mainweser- Bahn 4 Meilen von Kassel bis Wabern, besichtigen hier das ehemalige kurhessische fürstliche Jagdschloß, in dem manches alte, gute Gemälde, vor Allem aber der berühmte Reihersaal Anziehungskraft übt. Sodann gingen dieRci- enden zu Fuß nach dem schön gelegenen Fritzlar, wo sie die Merkwürdigkeiten der alten Stadt, die aus BonifaciuS Zeiten (744) stammen, betrachteten. Großen Eindruck
gerung Englands an der wegen der Kriegsgebräuche zu veranstaltenden Conferenz in Petersburg sich zu betheiligen, auch einer der Gegenstände gewesen, die zwischen dem Fürsten Bismarck und Gortschakoff besprochen worden und daß dieser letztere dabei betont habe, die russische Regierung werde, im Falle deS Beharrens bei dieser Weigerung von Seite» Englands, Specialverträge mit den einzelnen Mächten abschließen und auf diese Weise der Brüfleler Declarafion Rechtskraft verschaffen, zumal da zwischen den drei norHschen Kaiserreichen vollständige Uebereinstimmung in dieser Sache herrsche. Es ist bekannt, daß Rußland schon auf solche Weise trotz alles Widerstreben Englands die Neutralität zur See zur allgemeinen Geltung zu bringen.
Die „Montags - Revue" hört, daß nach dem Schluffe der ungarischen Reichstagssession Vertreter der ungarischen Regierung nach Wien kommen, um die die Bankfrage betreffenden Verhandlungen mit dem öftere, Ministerium zu beginnen.
* Dau Sebastian, 16. Mai. Die Carlisten haben den Plan Cuetaria zu nehmen aufgegeben und ihre Artillerie aus den bisherigen Positionen zurückgezogen; sie bereiten dagegen anscheinend einen Angriff auf Renlaria vor.
Washington, 16. Mai. Der Schatzsecretär hat abermals 5 Millionen Coupon - Obligationen Fünsund- zwanziger Bonds von 1862 unberufen.
Aus allen Theilen der Welt laufen Aufträge auf das berühmte, mit vielen Illustrationen ver» sehene Buch: Dr. Airy'ü Raturheilmethode ein, die Verlagz- handlung kann den kolossalen Bedarf kaum decken und empfiehlt es sich, in der nächsten Buchhandlung frühzeitig ein Expl, zu be« fetten. [5450
T-l-grapkische Depesche« der Oder- tz-sstsche« Zeitung.
Leipzig, 16. Mai. Der Ausschuß deS deutschen Jvurnalistentages hat beschlossen, daß der diesjährige Journalistentag in Bremen in den Tagen vom 21. bis 23 August stattfinden soll. Der erste Gegenstand der Tagesordnung ist der Antrag, betreffend eine, die Straffreiheit wahrheitsgetreuer Berichte über öffentliche Gerichtsverhandlungen sichernde Declaration des PreßgesetzeS, und sodann die Frage, wegen deS ZeugnißzwangeS gegen Redakteur und Heraus- gebet von Zeitungen.
schritten sein wird. Die Sitzung bot sonst kein Interesse. Heiden in Waldeck, Franken und Würzburg das Evanac- Nachste Sitzung Dienstag. >•---------- - - - - - - ö
Kopenhagen, 14. Mai. Der Reichstag nahm daö Budget nach dem Bericht des Ausschusses an. Voraussichtlich wird das Ministerium nunmehr seine Demission geben, wovon die Anzeige bei dem morgen erfolgenden Reichstagsabschluß erwartet wird.