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Vr. HO.

Marburg, Donnerstag, 13. Mai 1875.

x Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: dir EMeditton d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Cöln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lcxl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Der Kriegslärm.

Nachdem in der letzten Zeit die Friedensnachrichten überwogen hatten, wird in der französischen und englischen Preffc gleichzeitig wieder der KriegSlSrm erhoben, und es sieht fast aus, als wenn wir dem Kriege zutreiben müßten. So arg nun, wie es diese Blätter machen und wie nament­lich ein Pariser Correspondenzartikel derTimes" die Situation hinstellt, ist es nun freilich nicht und es ist da her gut, daß die offiziöseNordd. Allgem. Zeitung" diese Stimmen zur Ruhe versetzt, und damit die Discussion wie­der in geebnete und gefahrlose Bahnen bringt. Wenn das offiziöse Blatt auch in seinem BcgrüßungSartikel den Kaiser von Rußland, den es denbesten Freund Deutsch­lands" nennt, hervorhebt, daß seitdem Frühlingstage über den politischen Horizont des Laterlandes dahingezogen sind, so constatirt es doch, daß zwischen den Regierungen dcS Deutschen Reiches und Frankreich auch nicht der ge­ringste störende Vorgang stattgcfunden hat. Diese doppelte Erklärung genügt vollständig, um die Situation nach allen Seiten hin zu begreifen. Sie führt die Konjekturen auf das richtige Maß zurück, 'und kühlt die erhitzten Ge- müther ab. Es ist durchaus an der Zeit, daß die wahre Stimmung der deutschen Regierung und des deutschen Volkes wieder zur Geltung kommen, und daß bei Allem was sie beabsichtigen und thun, in erster Linie die Erhal­tung des Friedens in dem Vordergrund steht und sie weit entfernt find, irgendwie Anschläge auf die Sicherheit und den Frieden Frankreichs zu combiniren. Alles was in dieser Beziehung von Plänen der Kriegspartei und ähn» lichen Dingen geschrieben wird, ist nichts als eine Aus­geburt der Phantasie. Eine Militärpattei, welche nam­haften Einfluß auf die entscheidenden Instanzen auch nur zu erstreben bemüht sein könnte, existirt bei uns nicht. Die Militärs sind gewohnt, bis zu den höchsten Chargen hin­aus, stch der politischen Nothwendigkeit in jedem gegebenen Falle unterzuordnen, aber niemals selber Politik zu machen, geschweige denn, auf die letzte Entscheidung von Krieg und Frieden einwirken zu wollen. Wenn in militärischen Kreisen über den Pariser Friedensschluß vielleicht hie und da sich andere Ansichten geltend machten, als im dmtschen Volke, wenn vielleicht neuerdings die Frage debattirt worden ist, wenn eS nun doch wieder zu einem Kriege mtt Frankreich kommen sollte, welcher Zeitpunkt wohl der günstigste sein dürste, so kann man solchen Erörterungen keine irgend­wie politische Bedeutung beimefien, sie sind lediglich vom militär-technischen Standpunkte aus geltend gemacht worden. Wenn ferner zur Zeit der Zusammenkunft in Venedig in den höheren militärischen Kreisen die Eventua­lität einer schleunigen Mobilmachung ganz ernsthaft er­örtert wurde, wie uns aus einer wohlunterrichteten Quelle verstchett wird, so kann auch dies Alles für die Situation nicht maßgebend sein. Es ist begreiflich, daß in allen militärischen Kreisen, und namentlich in denen des hohen Generalstabes alle Bewegungen auf militärischem Gebiete

Die Hexe von Gmunden.

Eine Geschichte ans dem Volksleben des XVII. Jahrhunderts- (Fottsetzung).

Die stolze Dirne hatte das Kopftuch mit der Gold­haube vertauscht und unter dem helmartigcn HanptschmW war ihr ein anderer Sinn gewachsen, so daß von der alten Liebe schier nichts übrig geblieben, als tyrannische Eifersucht und im Lauf der Zeit die kecke Entschiedenheit in Wort und Wesen sich immer mehr zu zänkischer Unge- berdigkeit ausgebildet. Die wackere Stadt Gmunden hatte ein sauberes Dirn'l weniger, dafür ein böses Weib mehr, und im Schmied an derBrucken" einen von den vielen Bürgern, deren Zahl nicht ausstirbt und die noch heute ein Jeder der Meinung sind, daß ein böses Weib zuviel in der Stadt lebe.

Kaum fünf Jahre waren seit Magdalena'S Tod ver­strichen, wahrlich eine kurze Frist! Wer jedoch in der Zwischenzeit den Teininger nicht gesehen, der würde ihn schwerlich auf den ersten Blick wieder erkannt haben. Zwar führte und schwang er noch wie ehedem in rüstigen Hän­den die schwere Zange, den gewichtigen Hammer, aber seine welkenden Lippen pfiffen keine lustige Weise mehr zum Werk. Hinter der gefurchten Stirne, unter dem halb- kahlen Scheitel und dem spärlichen grauen Haar tummelten sich nicht die Schwänke von ehedem; trübselige Gedanken und düstere Vorstellungen hatten dott ihr Lager aufge» schlagen. Eingefallen waren die Wangen und ihre sonstige frische Röthe hatte stch in die Nase gezogen, die somit be­zeugte, wo der geplagte Mann Erholung und Trost um so beharrlicher zu suchen pflegte, je seltener er ste dott wirklich fand.

in Frankreich mit der gespanntesten Aufmerksamkeit verfolgt werden, weil allerdings nach den Expectorationen der fran­zösischen Preffe ein Revanchekrieg mit Deutschland in früherer oder späterer Zett zu erwarten ist. Es ist dem­nach auch sehr wahrscheinlich, daß die leitenden militättschcn Kreise eine solche Eventualität in den Kreis ihrer Combi- Nationen hineingezogen haben; aber schwerlich ist anzuneh­men, daß solche formulirte Forderungen der höchsten poli- iischen Leitung, von jener Seite, wie es der Corrcspondeni derTimes" wiffen will, aufgedrängt wären. Eine solche Behauptung, wie sie dort austritt, geht von einer Auffaffung unserer Zustände aus, die glücklicherweise nicht berechtigt ist. Es sind doch sicherlich die höchsten politischen Gesichts- punkte und nicht militärisch-technische, welche zur Berück sichtigung stehen. Die Gefahr einer Conflagration mit Frankreich scheint demnach gegenwättig allgemein beseitigt zu sein. Mochten auch int Hinblick aus die Zusammen- kunft in Venedig Bedenken der ernstesten Art entstanden fein, so scheinen sie doch für den Moment stch wieder zer­streut zu haben. Nur für den Fall, daß Oesterreich und Italien sich bereit gefunden hätten, Frankreichs Wünschen cntgegenzukommen, wäre eine Präventivpolitik von deutscher Seite nicht blos ein Akt der Klugkeit, sondern auch der Selbsterhaltung. Da nun aber anzunehmen ist, daß jene beiden Staaten weit davon entfernt sind, Frankreich auch nur Hoffnung zu machen, so ist zu einem Prävenire vor­erst jeder Grund beseitigt. Dabei ist nicht ausgeschlossen, daß unsere leitenden Kreise alle politischen Mb militärischen Vorgänge in Frankreich mit aufmerksamem Auge verfolgen, daß sie auch das Treiben der ultramontanen Propaganda in Belgien, das französtfcher als die Franzosen auftritt, von Schritt zu Schritt überwacht, und die Aufmerksamkeit Europas darauf hinlenkt. Wir legen den Hauptaccent der Lösung aller dieser Beunruhigungen auf die anerken­nende Weise, in welcher stch die Mächte über das ge­mäßigte Vorgehen der deutschen Regierung ausgesprochen haben. Sie ist eine Garantie, daß eine friedliche Ver­ständigung stch leicht anbahnen läßt, und damit alle Be- sorgnifse eines Krieges verschwinden.

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Tagesbericht

Der Kaiser von Rußland und Kaiser Wilhelm besuchten Montag Abend das Wallner-Theater; Dienstag Vormittag fuhren dieselben gemeinschaftlich nach dem Potsdamer Bahn­hof, um mit der Kaiserin, mehreren Mitgliedern bet kai- fcrlichen Familie und den mecklenburgischen Herrschaften sich nach Potsdam zu begeben, wo um 11 Uhr eine große Parade stattfindet. Nach der Parade giebt das Offizier- Corps des ersten Garde-Regiments beiden Kaisern ein Dejeuner. Abends findet eine (Soiree statt, wozu 220 Einladungen, darunter Fürst Bismarck und sämmtliche Botschafter, ergangen sind.

Der Bundesrath trat Montag Mittag 12 Uhr im Reichskanzleramte unter Vorsitz des Präsidenten Debrück

In der Schmiede arbeiteten zwei Knechte und ein Lehr­ling mit dem Meister, der, ein frischbeschlagenes Rad in die Ecke rollend, zu ihnen sagte:Das Eisen im Feuer ist geschaffte Arbeit und muß gefördert werden. Ihr könnt Wni^alleS fertig machen ohne mich. Mich freut das Hämuwrn heute nimmer, auch muß ich auf den Acker hin­aus und das neue Eisen in den Pflug setzen, sonst kommt der Hiesel, der talfete Bue, nicht zu Streich. Zuerst macht ihr die Kloben und Nägel für den gestrengen Herrn Pfle­ger zu Orth. Er hat gestern schon d'tum geschickt und wird heute nicht darauf vergessen."

Schon recht, geh der Meister nur zu und laß er sich Zeit", versetzten die Gesellen.

Loisel trat auf die Schwelle. Vor der Thür saß auf dem Abweisstein ein bleiches stilles Dirn'l, die Händchen gefaltet im Schooß, träumend mit offenen Augen.

Schläfst Du, Zenzerl?" fragte er das Kind, das statt aller Antwort nur die Augen emporhob, um ste gleichdaraus wieder wegzuwenden.

Willst Du mit mir gehen?" fragte er weiter. Cres- cenz schüttelte kaum merkbar das Köpfchen. Dringender fuhr er fort:Ich geh auf den Acker hinaus, lieb'S Scha- tzerl, dort magst Du bei der Hecken im grünen Gras sitzen. Auf dem Birnbaum dichten Zeiserl und Rothkropf und heimwärts darf das Dirn'l auf dem Braunen reiten. Willst Du, herzige Docken?"

Die verheißenen Lieder des Zeisigs und des Roth- kehlchens schienen die Kleine zu locken und ste erhob sich, um dem Vater die Hand zu reichen, duckte sich aber schnell wieder auf ihren Platz zurück, da ste die keifende Stimme der Stiefmutter vernahm, die, ein Mädchen auf dem

zu einer Plenarsitzung zusammen. Es erfolgte zunächst eine Mittheilung über die Ernennung von Bevollmächtigten zum Bundesrath, sodann die Wahl eines Protokollführers und die Mittheilung über die Bildung der AuSfchüffe für das Landheer, die Festungen und für das Seewesen. So­dann die Wahl der Ausschüsie für Zoll und Steuerwesen, für Handel und Verkehr, Eisenbahnen, Post und Tele­graphenwesen, für Justiz, für Rechnungswesen, für aus­wärtige Angelegenheiten und für Elsaß-Lothringen. Wie in früheren Jahren erfolgte die Beschlußnahme über die Wahl besonderer Ausschüsse für die Verfassung und für die Geschäftsordnung. Eine Vorlage, betreffend die den Bundesstaaten überwiesenen Beträge an Reichs- Silber- Nickel- und Kupfermünzen ging an die Ausschüsse; bann erfolgte Mittheilung, betreffend die erfolgte Ueberweisung der Vorlage wegen Feststellung der beim Eichen eylindrischrr Hohlrnaaße zulässigen Fehler, und Mittheilung über die erfolgte Bildung einer neuen Centraldirektion für die Fort­führung der Monumente Germania Historika. Ein Antrag betreffend die bei Pensionirung eines Militärbeamten in Anrechnung zu bringende im Gemeindedienste zurückgelegte Dienstzeit ging an die Ausschüffe. Die Vorlegung einer Eingabe machte den Beschluß.

Die Berathungen im landwirthschaftlichen Ministerium über die Verwendung bet im Etat bewilligten Summe von 60,000 Thaler für Hebung bet Viehzucht, sind am Sonn­abend geschlossen worden. Es ist dabei die Aufstellung von Normativbedingungen für die Prämiirung von Zucht­vieh bei Viehschauen, welche durch Kreise und Provinzen zu veranstalten, erfolgt. Die Letzteren sollen von einzelnen Distrikten ober Provinzen ins Leben gerufen werden, und ein PreiSrichteramt ans den Central- und Lokalvereinen für Landwitthschaft zusammengesetzt werden. Außerdem will man in angemessenen Zeiträumen große allgemeine Landschauen arrangiren, und die Dotirung solcher Veran­staltungen durch den Staat erstreben.

Das Waldschutzgesetz kommt nur mühsam zu Stande. Noch am Montag hieß es, der Minister für die Laud- wirthschaft würde das Gesetz zurückziehen, denn schon in der Eommisston hat der Entwurf ein ganz verändertes Ansehen erhalten, und im Plenum steigerte sich dies Re­sultat noch erheblich. Für die dritte Lesung sind bereits 33 Amendements beantragt und man sah einer sehr aus­gedehnten Debatte entgegen. Sonntag und Montag aber fanden sehr eingehende Berathungen zwischen dem Minister und dessen Rächen, sowie einer Anzahl von Abgeordneten statt, und als Resultat derselben darf man ansehen, daß der Minister sich entschlossen hat, den sämmtlichen Amen­dements einfach zuzustimmen.

Sämmtlichen Bezirksregierungen ist die Verfügung zu» gegangen, daß ohne oberpräsidentliche Genehmigung etwaige Entschädigungscollekten für katholische Geistliche, anläßlich des Brodkorbgesetzes strafbar sind.

Der italienische Gesandte am Berliner Hofe, Graf von

Arm, ein zweijähriges Büblein an der Schürze, au6 dem Haufe trat.

-Wär' nit übel", tief Walpnrg,ich glaube gar, bet alte Lalli will mit der Dirne in der Welt nmber- ziehen?"

Und ich glaube, Weib", versetzte der Manu mit grim- ungern Spott,Du eiferst mit meinem eigenen Kind?"

-Und wenn?" fragte ste entgegen,die Zenzerl ist das Ebenbild von Einer, die Du viel lieber gehabt hast, wie mich."

Hab'S bewiesen", grollte der Loisel in sich hinein.

(Fottsetzung folgt.)

Dir Brtcetung und dir Rumen der Minake bei de» verschiedene« Kötter».

(Fortsetzung.)

Die Italiener haben ein Sprichwort, in welchem sie die Eigenschaft eines guten Jahres folgendermaßen be­zeichnen: Die große Kälte des Januars, das schlechte Wetter des Februars, der Märzwind, die sanften April- Regen, der Maithan, das gute Erntewetter des JuniuS, das gute Abbreschen im Julius, bie drei Wasser bes Au­gusts mit guter Witterung, sind mehr werth als Salomons Thron; undannus fructificat, non terra" ist ein altes, von Theophrast überliefertes Sprichwort, welches eine von bet Erfahrung ewig bestätigte Wahrheit enthält. Die Namen der Monate variiren nach ben verschiedenen JahreSein» theilungen bei den Völkern, denn ehe man dahin mit der Zeitrechnung gelangte, jedes vierte Jahr einen Schalttag einzuschieben, hatte man Jahre mit dreizehn und mit zwölf