Einzelbild herunterladen
 

X. MW«-.

%r. 1OS.

(®bcrl)clfifd)f Zeitung

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen

1 ' rrx « L .... Jfc__-Ö13a**F Aitrrti htp MsmTAtmPT

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstcin & Vogler in ftrantsurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Cöln:c; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Durch Vorstellungen und Anträge von verschiedenen Seiten ist das CultuSministerium veranlaßt worden, eine Verstärkung des Fonds zur Unterstützung der Schullehrer- Seminarien in Aussicht zu n Haien. Bei der Theuerung der Lcbensbedürfnisie und der für die Ausbildung der Zög­linge nöthigen Zeit ist eine angemesicne Unterstützung allerdings geboten, um auch den weniger bemitteiten Zög- ingcn den Eintritt in die Scminarien zu ermöglichen, denn die Erwartung, daß eine größere Zahl von Zöglingen aus bemittelteren Ständen sich dem Schulfache widmen würden, nachdem eine Erhöhung der Lehrergehälter eingetreten ist, hat sich nicht in enfprcchcndem Maße erfüllt. Unter allen Umständen aber muß auf Errichtung neuer Schullchrer- Seminarien und Verstärkung des Besuches Bedacht genom­men werden, um bei der Vermehrung der Schulen und Schulcasten hinreichende Lehrkräfte zu beschaffen. Es er­scheint daher auch eine generelle Ordnung dcs Unterstützungs- wesens für Schullehrer-Seminarien angezeigt und man ist, wie wir hören, im CultuSministerium mit der Ausarbeitung des bezüglichen Planes beschäftigt.

Der Präsident des Abgeordnetenhauses hat die Absicht die Sitzungen vom nächsten Donnerstag an bis Ende Mai zu vertagen.

Telegraphisch wird der gänzliche Untergang des Ham­burger Dampfschiffs Schiller gemeldet. Das Schiff kam von New-York mit 260 Paffagieren, 300,000 Doll. Baar­frachten und die australische Post via Francisco an Bord und scheiterte am Freitag Abend an BishopS Rock bei den Scilly-Inseln. Nur wenige Personen wurden gerettet; das Schiff ist voraussichtlich total Wrak.

Auch in Würtemberg hat seit einiger Zeit der Kirchliche Kampf seinen Anfang genommen. Bei Berathung des CultuSetats brachte in einer der letzten Sitzungen des Ab­geordnetenhauses der Abg. von Gönningen einige Beschwer­depunkte zur Sprache: Als solche bezeichnet er insbesondere die Ernennung dcs Stadtpfarrers Schwarz zum päpstlichen HauSprälaten, nachdem dessen Wahl zum Decan, vom Bischof kurzvorher nicht bestätigt worden war, die Einführung eines extremen Religions-Lehrbuchs, worin die Unfehlbarkeit ge­lehrt wurde, und daS Umsichgreifen der Schulschwestern, welche, dem Gesetz zuwider, factisch geduldet werden. Der Cultusminister machte darauf bezüglch des Pfarrers Schwarz die überraschende Mittheilung, daß demselben die Führung des päpstlichcn Titels untersagt worden, nachdem er zuvor aufmerksam gemacht worden war, daß er die Regierungs- genchmigung nachsuchen müsse, diese aber von Schwarz nicht eingeholt worden war. ES scheint, die Regierung hat die Auszeichnung deS fanatischen Stadtpfarrers durch den Papst mehr noch als eine Herausforderung an sie, denn als eine Mißachtung deS Bischofs aufgefaßt. Man wartete nur ein paar Tage, ob Schwarz die Rcgicrungserlaubniß nachsuchen werde, und schlug ihm dieselbe im voraus ab.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Dureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schliß» •' ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Die Hcxc von Gmunden.

Eine Geschichte aus dem Volksleben des XVII. Jahrhunderts- (Fortsetzung).

Um oller Heiligen willen", rief Lenerl: „die Frau Mutter wird doch nicht das Wetter mit dem Dampf aus ihrem Hafer! gemacht haben? Der Redcrl und die Micrzl sind ja bei ihrem Großvater in der Plätten."

Kachi stieß einen entsetzlichen Schrei aus und stürzte zu Boden. „DaS kann nicht sein, das wird nicht sein!" jammerte sie. Dasselbe Weib, das einen Augenblick zuvor mit ruhiger Kattblütigkeit den Ehegcspan vor seinen leib­lichen Augen hätte untergehen sehen und das mit frechem Spott eben noch sich über den verwüstenden Schauer be­lustigte,- brach nun in erbärmliche Klagen über das Loos der Enkel aus. Dieser unerwartete Ausbruch bestärkte den Argwohn im Herzen der Teiningerin. Mit Grimm und Abscheu wandte sie sich von bei verruchten Zauberin, und enteilend erduldete sie lieber die rauhen Schläge der Hagelkörner als die unheimliche Nähe der Mörderin ihrer unschuldigen Lkinder. .

Durchnäßt und jämmerlich zerschlagen kam sie heim, wo fie von Fieberfrost geschüttelt auf ihr Lager sank. Der herbeigemfene Meister Bader zuckte bedenklich die Achseln zu den wirren Reden, welche die Kranke auösticß. Zeternd schrie sie nach ihren Kindern Andreas und Maria, die mit dem Großvater auf dem See umhertrieben, vielleicht todtgeworfcn von den Schloffen, wenn nicht bereits begraben in der Fluth. „ „

„Nimm zurück, widerrufe, was Du angestellt, unglück­seliges, altes Weib", kreischte sie mit überschnappender Stimme, „bin ich ohnehin nicht schwer beladen mit Kreuz und Leid, daß Du mir auch noch die lieben Fratzen er­tränken mußt? Besprich den Sturm, Du gottvergessenes

Römische Sichcrheitszustande.

Aus Rom schreibt man von einem am 18. April dicht vor den Mauern der Stadt bei San Paolo fuori le Mura vorgekommenen Raubanfalle, der beweist, daß in Italien eine gewisse Art von Romantik noch nicht ausge. storben. Der Maler Zaudolli war in Pratika draußen gewesen und fuhr auf einem jener zweirädrigen Wägelchen, wie sie dort zu Ausflügen aufs Land viel gebraucht wer- deen, nach Rom zurück. Zn der Nähe von Ardea ange­langt, sah er sich plötzlich ein paar Bewaffneten gegenüber, die bedenklich genug aussahen, um sich auS ihrer Nähe fortzuwünschen. Unser Maler gab seinem Rößlein einen Peitschenhieb, die Leute aber fielen demselben in;,die Zügel. Aber sie hatten die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Zaudolli sprach kein Wort, aber griff in die Brusttasche seines Rockes, zog ein zweiläufigeS Pistol und gab, auf Armeslänge fast, auf die Burschen dm einen Schuß ab. Das Alles war nur das Werk eines Augenblicks. Der Eine von den Burschen stürzte nieder, und der Andere nahm vor dem zweiten ihm vorgchaltenen Laufe Reißaus. Ein paar Stunden später kam ein Fuhrmann desselben WegcS. Inzwischen aber hatten die Strolche Verstärkung gehott; es waren nun drei. Alle bis an die Zähne be­waffnet, und ließen dem armen Teufel von Fuhrmann nur die Wahl, ob er lieber sein Geld oder sein Leben lassen wolle. -Derselbe entschied sich für Ersteres. Nun hieß es: „Herunter vom Wagm l" Was war zu machen? Zähneklappernd erhob er sich, um dem Befehle zu gehor­chen; da erblickte er in geringer Entfernung einige Pferde­hirten daherkommen. Nun fand der Fuhrmann seine verlorene Kourage wieder und schrie wie besessen. Und nicht umsonst, denn im nächstm Augenblick schon waren die guten Seute zur Stelle und hatten, ihre mächtigen

Mensch und befiehl dem bösen Feind, die Schlossen auf- zufangen .... —" In solcher Weise ging eS fort und fort. Dem Bader ward angst und bange, er schlug ein Kreuz um's andere, hielt die Kranke für besessm, und war höchlich zufrieden, als bald darauf seiner Rathlostg- keit sich der Ausweg bot: der Wehmutter den Platz zu räumen.

Der Sturm wüthele die ganze Nacht/ bis der Tag zu dämmern begann. Der Hagel hatte furchtbare Verwüstun- gen angerichtet, auf einem ziemlich breiten Strich Landes von Neukirchen bis über Olsdorf hinaus die bereits der Reife nahen Saaten vernichtet, auch an den Gebäudm in ©tabt unb Dörfern sein Müthchen gekühlt. Nichts desto- wenigcr spicffelte sich die Morgmsonne so unbefangen in der ölglatten Fluth, als wären Feld, Wald und Menschen noch wohlgemuth und hoffnungsreich, wie Tags zuvor, und als bärge der heuchlerische Friede auf der Oberfläche deS Wassers keinen unersättlichen Abgrund, in dessen Tiefe gewalttge Hechte eben frische Menschenleichen schmausten, wahrlich nicht die ersten, die ihnen je zu Theil geworden, viel weniger aber die letzten, auf die sie rechnen durften. Es war lange noch nicht Mittagszeit, als der Teininger- Loiscl schon wußte, daß er mit vollem Grund auch für die armen Seelen seiner Kinder ein frommes Ave gespro­chen, da Morgens für die Verunglückten im Allgemeinen das Züngenglöcklein geläutet worden. War doch aus der Eisenau Botschaft eingetroffen, daß die Kleinen mit ihrem Großvater eine gute halbe Stunde vor dem Beginn des Sturmes abgefahren; von allen Punkten des Gestades waren schon Schiffleute nach Gmunden gekommen, keiner von ihnen aber hatte den wohlbekannten Kufen Nazi erblickt oder von ihm vernommen.

(Fortsetzung folgt.)

kchr ausgestreuten Behauptung, daß man sich an höchster Stelle nur mit Wid ^streben in die Kirchcnpoiitik- der Re­gierung füge, ist nun auch vom Kaiser selbst das entschie­denste Dementi mtgcgengcsetzt. Von unterrichteter Seite wird bestätigt, daß der Kaiser am Dienstag einen Minister- rath berufen und in demselb n seine höchste Verwundemng darüber ausgesprochen hat, wie man ihn als Gegner des Kiostergesetzentwurses habe hinstellen können. Der Kaiser erklärte auSvrücklich, daß er mit den Principicn des Ent­wurfs von vornherein durchaus einverstanden gewesen und erinnerte bei dieser Gelegenheit daran, daß seine Jugend

gebrochm, welche derartige Gerüchte und Beunruhigungen rechtfertigen könnten." Die unabhängigen Blätter drucken ast sämmtlich den vom 4. Mai batikten, angeblich von einem französischen Staatsmannc herrührenden Pariser Bries der „Times" und de» erläuternben Artikel ab, mit welchem bas leitende Organ von London denselben begleitet har, nicht ohne ihre große Zufriedenheit über een letzteren ;u erkennen zu geben. Der „Constitutionnel" schreibt: „An der gestrigen Börse waren wieder Gerüchte von bet Möglichkeit kriegerischer Ereignisse verbreitet. Wir roieber» holen, baß diese Gerüchte sich aus keinem Gesichtspunkte rechtfertigen lassen, wie am besten beweist, was soeben aus Anlaß unseres ersten Mobilmachungs-Versuch geschieht. Im vorigen Jahre war es bekanntlich noch nicht möglich, einen solchen Versuch auszuführcn, wie man gern gewünscht hätte. Er soll nun in dem laufenden Jahr statifinden. An das 3. Corps (Havptort Rouen), an das 5.s(Orleans), das 8. (Bourges), das 13. (Clermont-Ferrand), das 15. (Mar­seille) und das 18. (Bordeaux), im Ganzen also an 6 Corps sind bereits die geeigneten Weisungen ergangen, die sich gleichzeitig auf die entsprechenden Reserven erstrecken. Diese Corps sollen zum 28. August auf einen Monat zusammcngezvgen werden; die großen Manöver werden 14 Tage dauern. Um nun jeden kriegerischen Commentar zu vermeiden, hat man beschlossen, die Corps der Grenzdepar- temenrs in diesen Mobilmachungs-Versuch nicht einzubezie­hen." Zu dieser Notiz wiederum bemerkt der „Moniteur", daß es sich überhaupt nicht um einen Mobilmachungs- Versuch handle, da eine Mobilmachung im Sinne der neuen HeercSvcrfassung immer eine unmittelbare Kriegs­gefahr vorauösctze, sondern einfach um die alljährlich wieder­kehrenden großen Herbstmanöver. Im vorigen Jahr hätten 10 ArmeecorpS an denselben Thcil genommen und die übrigen 6 ArmeecorpS würden daher dieses Jahr zu ihnen zugezogen werden.

h i r -TTt- - . rawtetcr--— ..--awcncT-r11 ■ । >—tww". - —

Tagesbericht

Der von ultramontaner Seite in periodischer Wiedcr-

Parifer Beunruhigungen.

Paris ist gegenwärtig wieder der Schauplatz großer Beunruhigungen. Zunächst hat die große Börscnkatastrophe viele mit hineingerissen, so daß Paris jetzt noch einen Nachkrach erlebt. Der Banquier Philippart, in Verbin­dung mit dem neuaufgefrischten „Credit mobilier" unb der | Banane franco - hollandaise" hatte eine große Hausse in Scene gesetzt, die ihre Spitze gegen die Baissepartei in Berlin kehrte und große Engagements dabei übernommen. Sie hatten sich aber in der Situation getauscht; dieselbe ist noch keineswegs censolidirt und berechtigt weder zu unbe­dingtem Vertrauen noch zu einer ungestümen Hausse, wenn auch die volkswirthschaftlichen Verhältnisse in Frankreich noch so günstig sind. So wurden denn auch durch die plötzlichen Kriegsgerüchte sammtliche Börsen deroutirt und Herr Philippart unb Genossen mit iu diesen Strudel K hinesngezogen. Es zeigte sich demnach, daß die Franzosen k sich einer Täuschung Hingaben, wenn sie meinten, die Börse Avon Paris sei schon wieder in der Lage, den Ton in Cu° Kropa anzugeben und könne dann durch einen coup de mam * sich wieder in den Sattel setzen und Berlin sicco pede Heimschicken. Der Schrecken über dieses leichtfertige Ex­periment kommt nun hinterher. Ganz abgesehen von den bedeutenden Verlusten, welche die Börse davongetragen hat, tritt die Kriegsbcjorgniß in Paris wieder hervor. Die Veranlassung dazu ist die Unterredung des Fürsten Hohen» lohe mit dem Herzog von Decazes vor der Abreise des Ersteren. Sowohl in politischen als finanziellen Kreisen wurden in den daraussolgenden Tagen beunruhigende Ge­rüchte in Paris colprrtirt. Indessen wird officcks in Paris mit allem Nachdruck gemeldet, daß zu solchen Be­unruhigungen durchaus kein Grund vorhanden sei, die guten Beziehungen Deutschlands zu Frankreich seien in keiner Weise getrübt unb nichts rechtfertige bic Bcsorgniß, diese erfreuliche unb bringend gebotene Situation in näch­ster -leit eine Modification erleiden zu sehen. Ein Zeichen, i wie großes Gewicht die französische Regierung darauf legt, dem in Deutschland herrschenden Mißtrauen keine weitere Nahrung zu geben, geht auch daraus hervor, daß sie er­klärt hat die Beförderung von 8 Brigadegencralen zu Divisionären und von 20 Obersten zu Brigadegenerälen sei nur zur Ausfüllung regelmäßiger Vacanzcn erfolgt.

Das amtliche „Bulletin ftanrais" schreibt nun zur Beruhigung ferner: „Die Times hat gestern eine ihr ans Paris zuaezan;enc Coirespondenz veröffentlicht, deren Vcr- fasset die Möglichkeit auswärttger Verwickelungen zuzulassen schien Das City-Blatt hat cs sich allerdings selbst ange- legen sein lassen, diese Korrespondenz nur als eine Probe wa?vortre^M denn, rok die „Agcnce Havas" in die Zeit dcs Edicts von 1810 gefallen sei. Diese Nach

in einem Dementi von Börsengerüchten erklärt: cs ist hier richt wird hoffentlich jenem beliebten ultramontanen Ma- ketne Nachricht eingetroffen, es ist kein Zwischenfall ans- növer ein für alle Mal ein Ende machen._________________

,, anker den Wcrttaaen nacy Sonn- uno Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Zllustr.rteS SonntagSblatt" durch blc °*W

Rnckd ?ckere > taJSJ durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). - In,ertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Buchdrucker«) vezogen Mart, ou a; ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg- berechnet ____________ ______

Marburg, Diestnag, 11. Mai 1875.

o