Sfr. 107.
Marburg, Sonntag, 9. Mai 1875.
x Mrgog.
OberMchc Jrilung
u
(Forts, folg.)
1. Mai wurde, wie in Friedenstagen üblich, in Paris die Kunstausstellung eröffn!; Mac Mahon prangt im Ehrensaale auf einem Reiterbilde als Marschall En- avant. Die Friedfertigkeits-Versicherungen dauern indeß fort und die Ernennung • der 28 neuen Divisions- und Brigade-Generale wird durch den Eintritt einer gleichen Anzahl activer Generale in die CadreS der Reserve ausdrücklich als nothwendig bezeichnet. Die Polemik der ultramontancn nnd legitimistischen Blätter gegen das Deutsche Reich dauert fort und erreichte bei Gelegenheit der Grazer Alfonso - Unruhen eine schwindelnde Höhe. Gambetta befindet sich noch auf der Apostelreise, um die Bauern für einen republikanischen Senat zu gewinnen und Verbrüderung mit den gezähmten Arbeitern der Fabrikfitze zu betreiben.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von ® L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ▲ rneyer in Berlin; Carl Schütz-
v ler in Hannover; C. Schlotte
in Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln k ; Rudolf Messe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Südende b-6 Küstenlandes erreicht. In Cattaro empfing er de» Fürsten Nikita von Montenegro. In Wien wird
Politische Wocheu-Nebcrjicht.
Der ruhigeren Stimmung, welche an Stelle der jüngsten politischen Aufregung in die Gemüther eingegangen ist, konnte die am Dienstag erfolgte vollständige Veröffentlichung der zweiten Hälfte les deutsch-belgischen Notenwechsels nur zur Befestigung dienen. Wer gegen die vorher bekannt gewordenen zuverlässigen Inhaltsangaben vielleicht noch ein Mißtrauen genährt hatte, muß sich, nun die Schriftstücke der belgischen Kammer vorgelegt worden, von deren Harmlosigkeit in Bezug auf den europäischen Frieden überzeugen Eine entsprechend vertrauensvolle Auffassung fand die Angelegenheit auch in der kurzen Unterhaltung, welche Lord Ruffell und der Minister des Auswärtigen, Lord Derby, im englischen Oberhause pflogen. Wahrend auch außen der Friedensbarometer steigt, wüthet drinnen um so heftiger der Krieg gegen die katholische Religion — wie sich nämlich unsere Ultramontanen auszudrücken pflegen. Nicht nur ist im Abgeordnetenhause nach sehr lebhaften Redekämpfen die Vorlage betreffend die Vermögensverwaltung der katholischen Kirchengcmeinden in dritter Lesung mit der gewaltigen Mehrheit von 238 gegen 82 Stimmen so wie das ergänzende, von Petri beantragte Gesetz betteffend die Rechte der altkatholischen Kirchenge- meinden an dem kirchlichen Vermögen in zweiter Lesung angenommen worden, sondern e6 brachte überdies der ominös gewordene Monat Mai gleich an seinem ersten Tage einen noch schärfer in das wilde Fleisch des Ultramontr- niSmnS einschneidenden Gesetzentwurf: die Ausschließung aller Orden und ordensähnlichen Kongregationen von dem . preußischen Gebiete. Eine bedingte Ausnahme ist zu Gunsten der Orden, welche sich der Krankenpflege widmen, gemacht, eine Verlängerung der Lebensfrist auf 4 Jahre den Niederlaffungen, die sich mit dem Jugendunterricht beschäftigen, gewährt worden. Durch die am-Dienstag erfolgte endgültige Annahme des Gesetzentwurfs über die Verwaltungsgerichte bat das Abgeordnetenhaus mühsamen Anstrengungen die Krone aufgesetzt und einen anerkennens- werthen Beweis des praktisch politischen Sinnes gegeben, welcher unsere Volksvertretung mit jedem Jahre mehr beherrscht. Ein gleiches Lob gebührt dem Hause für seine Behandlung der Vorlage betreffenb Schutzwaldungen und Waldgenoffenschasten.
Der Kaiser von Oesterreich, der erst am 15. Mai von feiner dalmatischen Reise in Wien zurückerwartet wird, hat mit der am 2. Mai erfolgten Ankunft in Budua das
Treue eines Hundes.
Folgendes Beispiel der Treue eines Hundes ereignete sich kürzlich in Friedrichslohra bei Nordhaufen. Dort starb am 17. April der Fleischermeister Siebert und wurde am 20. begraben. Von dem Tage feiner Erkrankung an lag fein treuer Hund stets zu seinen Füßen, Speise und Trank verschmähend und mußte beim Ableben des Siebert mit Gewalt von der Leiche entfernt werden. Dann als die Leiche beerdigt, legte er sich heulend und winselnd auf das Strohlager, welches das letzte Bett feines Herrn gewesen und wurde am andern Morgen auf dem eine Viertelstunde entfernten Kirchhofe gesunden, wo er in das frische Grab am Fuß- und Kopfende Löcher gegraben und sich hinein- gelegt hatte. Um so merkwürdiger ist es, daß der Hund die Begräbnißstätte, die eine Viertelstunde von Friedrichs, lohra entfernt liegt, aufgefunden hat, da er, während der Sarg fortgetragen wurde, eingesperrt war. Auch jetzt wird er wieder gefangen gehalten, verschmäht aber fast jede Nahrung und ist schon so abgemagert, daß er wohl bald seinem Herrn in den Tod nachfolgen wird. Der Sohn des Siebert, welcher das Geschäft sortsetzt und den Hund gern als Hilfe bei seiner Arbeit behalten möchte, gibt sich alle Mühe, ihn von seiner Trauer abzuziehen und an sich ZU gewöhnen, doch trotzdem er auch diesen schon Jahre lang auf seinen Wegen in Gesellschaft feines Vaters begleitet hat, beißt das Thier bei jeder Annäherung nach ihm und bleibt nach wie vor theilnahmslos für Alles und winselnd in seiner Ecke liegen. Er erinnert an den Hund des Chamisso und wäre wie dieser werth, durch die Dichtung verherrlicht zu werden.
Die Hexe von Gmunden.
Eine Geschichte aus dem Volksleben des XVll. Jahrhunderts. (Fortsetzung).
Die Rede unterbrach ein Knall; aus dem Herd zischte die Flamme, bann erfüllte dicker Qualm das ganze Haus, kreischend retteten sich die erschreckten Weiber in's Freie, und mußten eine geraume Weile harren, bevor sie wieder tintreten konnten. Kathi beklagte den Verlust einer kräftigen Salbe, die sie aus mühsam zusammengelesenen Kräutern und anderen Zulhaten hatte bereiten wollen, wie sie zur Tochter sagte, während sie die neugierig herzulaufenden Nachbarinnen mit der Lüge abspeiste: „Die Milch sei ihr in's Feuer gelaufen." AlS Rauch und Dampf sich so ziemlich verzogen, machte Lenerl sich mit einem halbfertigen Löffel zu schaffen, und schnitzelte am Stiel herum, während kathi den Herd wieder in Ordnung brachte und dazu allerlei Geschichten erzählte, wie der Anblick der Nachbarinnen sie ihr in bas Gedächtniß zurückgerufen haben Mochte.
„Wie bunkel es doch mit einem Male wird," sagte die Tochter plötzlich, legte die Arbeit nieder und steckte den Kops durch daS Fensterlein. Vor der Sonne stand blau- graues Gewölk mit leichtem Silbersaum wie eine Riesen- mouer, und der kaum noch so friedliche See warf hohe Wellen, bereit weißaufzischender Schaum Unheil verkünbete. «Mutter, ach Frau Mutter, ber Viechtauer Winb kommt," schrie sie voll Schrecken: „und ans Baiern reitet ein grobes Wetter bei’m Grasberg herüber."
Ein schweres Ungewitter war es in der Thal, baS noch unentloben auf Sturmesschwingen einherflog. Die Wolke überzog mit büfterm Schatten zur Rechten bie Mrberge bon ber Gmunbner Höhe bis zum Sulzberg. Aus bie Häuser von Traunkirchen und auf bie Berge im Hintergrund schien noch bie Sonne, wie auch zur Linken aus
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Porta stellte eine Interpellation Betreffs der Beziehungen zwischen Staat und Kirche und hob in der Begründung derselben hervor, daß namentlich die höhere Geistlichkeit die bestehenden Gesetze ganz ungestraft verletzen dürfe. Der Cultusministcr Vig- liani leugnete, daß in letzter Zeit Unbotmäßigkeiten des Clerus vorgekommen seien, und versprach die baldige Vorlage des Gesetzes über die Verwaltung der Kirchengüter.
den General Aguirre herbeigemfen, der sich an ihre Spitze gestellt, ist die Bestätigung ausgeblieben.
Im englischen Oberhause hat Lord Ruffel aber- malS den deutsch-belgischen Notenwechsel zur Sprache gebracht und Mittheilungen über die ganze Angelegenheit zu Grunde liegenden Thatsachen erbeten, eine solche indeß nicht erhalten. Earl of Derby erklärte, daß es sich empfehlen würde, zunächst die Verhandlungen der belgischen Kammer abzuwarten, versicherte aber aufs Neue, daß die ganze Angelegenheit keinen bedrohlichen Charakter habe.
Der bisherige niederländische Kriegsminister General Weitzel ist von seinem Posten abgetreten; sein Nachfolger ist Oberst Ederlein.
In der belgischen Repräsentantenkarnmer verlas am Dienstag bet Minister des Auswärtigen bie deutsche Note vom 15. April und die belgische Antwort darauf.
In Dänemark erklärte der ConseilSprästdent, wenn das Finanzgesetz bis Pfingsten, wo das vorläufige l'/r- Monatbudget abläuft, nicht zu Stande komme, müffe wieder ein provisorisches gemacht werden, und wenn das Folke- thing in seinem Wiederstande.gegen Ministerium und LandSthing beharre, würde feine Auflösung unvermeidlich werden; denn daran fei nicht zu denken, daß die Regierung nachgebe und das LandSthing im Stiche lasse.
Der König von Schweden und Norwegen befindet sich zur Zeit in Christiania, wo er acht Tage verweilen will. Der schwedische Finanzminister Akerhjelm ist aus dem Rathe des Königs ausgeschieden.
Der Kaiser von Rußland tritt in den nächsten Tagen seine Badereise nach Ems an und wird am 10. Mai in Berlin eintreffen. Graf Schuwalow, der von London nach Petersburg gekommen war, hat sich auf seinen Botschafterposten zurückbegeben. Seit dem 5. d. tagt in Petersburg ein Kongreß der russischen Maschienenbau- Jndustriellen; für den Herbst ist eine internationale Gartenbauausstellung in Aussicht genommen.
In Griechenland brodelt und zischt es; wann sich der Hexenbrei abkühlen wird, ist kaum abzusehen. Einstweilen versucht der König, ein Ministerium aus Männern zu bilden, die den leidenschaftlich erregten Parteien fern stehen.
Die Pforte wünscht die montenegrinische Grenze, um bie noch immer so viel Streit ist, bestimmt zu reguliren; ber Fürst hat sich bebingungSweise bamit einverstanden erklärt. Letzterer hat dem Kaiser von Oesterreich in Cattaro einen Besuch gemacht.
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Deutsches «eich.
•• Vecli«, 7. Mai. Nachträglich wird noch bekannt, daß Se. Majestät am Geburtstage aus eigenem Antriebe Baron v. Rothschild den Stern der Großcomthure
paar von Gucnca in den gewöhnlichen Formen einer Universitätsstadt Luft machte. Die Sache wurde durch Taktlosigkeiten aller Art verschlimmert und wird jetzt in der schamlosesten Weise von den Organen der Jesuiten un Feudalen auSgebeutet.
In Bern ist am 3. d. M. eine weltgeschichtliche Handlung vollzogen worden: der Austausch der Ratifi- cationSurkunden zum Weltpostverttag. Die vertragsschließenden Mächte waren vertreten durch ihre Gesandten und Consuln in ber Schweiz.
In der italienischen Deputirtenkammer gab die Kirchenpolitik brr Regierung Anlaß zu lebhaften Erörterungen. Der Deputirte La ~
bas zackige Haupt und die breite Felsenbrust des Traun- ihn um keinen Apfel bitten, und er wird mir nicht iu Jems, wogegen anprallend in kurzer Frist darauf das jagen brauchen: geh' dem bösen Feind zu, alte Hexe? und Wetter sich entladen mußte. Lenerl sah noch auf wenige laß Dir Acpfel von ihm geben." 8 (Forts folg) Augenblicke die Plätte, worin sie ihren Vater und ihre Vö
beiden Kinder vermnthete. Das Fahrzeug trieb eilig gegen die steile Wand hin, bie als Fußgestcll dcS Traunsteins der Fluch entsteigt. Die Stelle ist mit Recht verrufen und gefürchtet. Der Westwind fährt an der Wand bes Höllengebirges nieder zur Viechtau, und von da aus wie durch baS Rohr eines Blasebalges mit verdoppelter Gewalt über die Wogen den Felsen zu. Was er hier auf feinem Wege findet, das reißt er unwiderstehlich mit sich fort, um die Schiffe am ungastlichen Gestein zu zerschellen und die Schiffleute in die ungemeffene Tiefe zu versenken.
Der Traunstein hüllte sich in Nacht und Nebel, das Gewitter entlud sich unter furchtbaren Blitzen und endlos rollendem Donner, und was praffelnd aus ber Höhe nie» derfuhr in schrägem Fall war kein Platzregen, sonbern ein Schioffenwetter, so entsetzlich als nur je eines den Gan heimgesucht haben mochte, welchem der Hagclfchlag ein nur allzu bekannter Gast ist.
„Verloren, verlorenI" jammerte das junge Weib, in die Kniee sinkend und mtt gerungenen Händen: „bie Plätten ist mitten im Sturm."
Der Asien schien die augenscheinliche Lebensgefahr ihres Eheherrn nicht sonderlich nahe zu gehen. Zwar fürchtete sie sich gewaltig vor dem Sturmwind, der bie Hütte von bannen zu führen drohte, mit Beben vernahm sie den Lärm der Hagelkörner, die wie Flintenkugeln gegen die dünnen Holzwände raffelten, und dennoch vermochte sie inmitten der Angst nicht ihre Schadenfreude zu unterdrücken, svu- bern versetzte höhnisch: „Wie schad' um des gestrengen Herrn Syndikus waidlichen Baumgarten. Heuer werd' ich
Ein ultramontancS Blatt in Madid die ESpanna Latolica erklärte dieser Tage, daß ihm jedwede Verfassung annehmbar erscheine, wenn nut bie religiöse Einheit darin ausgesprochen fei; ober zu deutsch, wenn sie das Verbot jedes andern Glaubens als desjenigm der alleinseligmachenden römisch-katholisch-apostolischen Kirche und in Folge dessen bie von den Päpsten so oft erflehte Ausrottung der Ketzer vorfchreibe. Ein liberales Blatt, der Jmpareial, entgegnete darauf, daß ihm keine Verfassung annehmbar erscheine, an deren Spitze nicht die Religionsfreiheit stehe. _ . _ Das sind die beiden Gegensätze, welche die Regierung Don
für die Rückkehr deS Kaisers ein großartiger festlicher Alfonsos versöhnen zu können meint. Vom Kriegsschau- Empfang vorbereitet. Die politische stille wurde in un- platze ist kaum etwas zu melden; für das Gerücht, ein behaglichster Weise durch den Alfonsokrrwall in Graz Theil ber earlistischeu Truppen an der Gränze in Navarra unterbrochen, in welchem sich der Unwille über das Sieger- habe mit dem Ruse: Friede und FueroS l gemeutert und