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Marburg, Sonnabend, 8. Mai 1875.
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des ultramontanen Widerstandes gegen die Staatsgewalt
(Pr.-Crfp.)
weiterer Zerrüttung entgegenführen.
Die geistliche» Orden und der kirchliche Kampf.
Das Vorgehen der Regierung gegen die geistlichen Orden ist ein weiterer unerläßlicher Schritt in dem Kampfe gegen die geistliche Fremdherrschaft, die man in unserem Staate aufzurichten bemüht ist.
Schon einmal, beim Beginn des kirchlichen Kampfes, richtete sich die nothwendige Vorkehr der Regierung gegen einen geistlichen Orden, — gegen den Jesuiten - Orden, dessen Einfluß und Geist bei der folgenschweren Veränderung in den Einrichtungen der römischen Kirche und bei der Erschütterung der Beziehungen derselben zum Staate vorzugsweise maßgebend gewesen waren. Das verletzte Staatsinteresse und die erregte öffentliche Meinung forderten zunächst ein Einschreiten gegen den Orden, welcher als Urheber des eingetretcnen und weiter drohenden Zwiespalts galt, und deffen unheilvolle unmittelbare Wirksamkeit inmitten des deutschen Klerus man im Interesse der Wiederherstellung des kirchlichen Friedens beseitigen zu müssen
benutzen wird. Je größer die Anerkennung und Sympathie ist, welche die Ordensbrüder und Schwestern sich in der Erfüllung ihres praktischen Berufs erworben haben, desto willkommenere Werkzeuge müffen sie der ultramontanen Agitation sein. Die weiblichen Kongregationen zumal dringen durch ihren unmittelbaren Beruf in Kreise ein, welche der Einwirkung der Geistlichen oft nicht zugänglich sind, und eö ist eine Erfahrung, die in den katholischen Landestheilen jetzt täglich gemacht wird, daß die Schwestern mit der ganzen Hingebung, die sie ihrem eigentlichen Berufe widmen, sich auch als Helferinnen der Geistlichen und der klerikalen Führer in den Sachen des kirchlichen Kampfes erweisen.
Vor Allem aber ist es unvermeidlich, daß die Jugend- Erziehung, welche von geistlichen Genossenschaften unter dem Einflüsse der römischen Oberen geleitet wird, bei der jetzigen Stellung RomS zum preußischen Staate entschie- jchiedene Gefahren für die Entwickelung des Volksgeistes hervorruft. Die Schulbrüder und -Schwestern müßten gradezu ihrem innersten Berufe untreu sein, wenn sie nicht ihren Zöglingen die Auffaffungcn kirchlicher Dinge einzu- flösen sein sollten, welche zur Zeit von Rom als unbedingte und maßgebende Lehren verkündet werden.
Je unumwundener und rücksichtsloser aber die feindliche Stellung des Papstes dem. preußischen Staatswesen gegenüber sich jüngst offenbart hat, desto mehr mußte auch die ultramontane Einwirkung der geistlichen Orden Gegenstand ernster Erwägung und durchgreifender Abhülfe werden. Nachdem der Papst es gewagt hat, greußische Staatsgesetze seinerseits für „ungültig" zu erklären, kann die Regierung unseres Königs eö nicht mehr geschehen lassen, daß die katholische Jugend und weite Schichten der Bevölkerung dem Einflüsse geistlicher Orden überlassen werden, für welche die päpstlichen Aussprüche und Weisungen unbedingt Geltung „gleich den Aussprüchen GolteS" haben.
, Wenn die angekündigte Maßregel tief und scharf eingreift in lang gepflegte und vielfach von der Achtung und Liebe der Bevölkerung getragene Einrichtungen, so trifft die Verantwortung auch für diese Folge des kirchlichen Kampfes die geistlichen Machthaber in Rom, welche in dem Wahn und Dünkel ihrer allgemeinen Weltherrschaft die Geschicke der deutschen katholischen Kirche gering achten, und von Herausforderung zu Herausforderung schreitend, unsere Regierung zu immer stärkerer Abwehr nöthigen, unbekümmert darum, daß sie durch ihr Verhalten die ge- sammten kirchlichen Einrichtungen in Deutschland immer
gestanden hat.
Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die brauch barsten Werkzeuge der ultramontanen Geistlichkeit überall die Mitglieder geistlicher Orden und Kongregationen sind, und zwar keineswegs blos diejenigen, welche von vorn herein zur Aushülfe in der Seelsorge, zu Missionen, Pre digten, Beichten u. s. w. bestimmt sind, sondern auch diejenigen Orden, welche an und für sich nur den Zwecken der Krankenpflege und des Jugendunterrichts gewidmet sind; denn der Einfluß, welchen dieselben vermöge ihrer eigentlichen Wirksamkeit in den weitesten Kreisen der katholischen Bevölkerung gewinnen, wird Seitens der Kirche unter den jetzigen Kämpfen zugleich für die ultramontanen staatsfeindlichen Zwecke benutzt. Für alle diefe Orden und ihre Mitglieder ist neben und über dem unmittelbaren praktischen Ordensberufe die volle und rückhaltlose Hingabe an die Zwecke der römischen Kirche die höchste und unbedingte Pflicht. Wenn bei den gestrigen Stimmungen, welche zumeist den Eintritt in den Ordensberuf herbei- sühren, die Voraussetzung berechtigt ist, daß den OrdenS- Brüdern und Schwestern die Sache RomS auch persönliche Herzenssache ist und daß sie auch aus eigenem Antriebe mit allem Eifer für die vermeintlich verfolgte römische Kirche wirken werden, so ist überdies durch die übereinstimmenden Ordensstatuten dafür gesorgt, daß sie der Sache des Papstes in jeder Beziehung dienen und allen Entscheidungen der Kirche vollkommenen Gehorsam erweisen. Zur Erfüllung dieser Pflicht haben sie den Weisungen ihrer Oberen absolut Folge zu leisten.
Nach den wesentlich übereinstimmenden Ordensstatuten müffen sie in ihremVorgesetzten „den StellvertreterGottes"ver- ehren und demselben „wie Gott selbst" gehorchen. Ihr Gehorsam soll blind sein, — sie sollen sich von ihren Oberen leiten lassen, „wie ein Leichnam, der sich tragen läßt, wohin man will und behandeln wie man will, — oder wie der Stab eines Greises, welcher demjenigen, der ihn in der Hand hält, überall und zu allen Dingen dient, wozu er ihn anwenden will."
Die obere Leitung aller Orden geht aber von Rom
glaubte. , , „ .
Schon damals wurde allerdings auch eine allgemeine Regelung der Stellung der religiösen Orden, Kongregationen und Genossenschaften überhaupt und der Bedingungen ihrer Zulassung, sowie die Herstellung von Mitteln der Abwehr gegen eine staatsgefährliche Tätigkeit derselben in Aussicht genommen; — das Gesetz gegen den Jesuitenorden sollte ausdrücklich nur ein Gesetz der Nothwehr gegen den gefährlichsten Feind des kirchlichen Friedens sein.
In den drei Jahren, welche seit Erlaß jenes Gesetzes verflossen sind, hat der geistliche Kampf immer weitere Ausdehnung genommen. Die deutschen Bischöfe haben die Hoffnungen, welche sie an ihre vor dem Konzil knndgegebene Auffassungen knüpften, vollständig getäuscht und sich selber durchweg als willige Werkzeuge des vatikanisch jesuitischen Geistes erwiesen, welche den früher bestandenen, auf gegenseitiger Achtung beruhenden Frieden zwischen Staat und Kirche immer tiefer untergräbt.
Die Staatsgewalten haben deshalb die Mittel der Abwehr gegen die römischen Uebergriffe seitdem mit immer gesteigerter Krast gegen die Bischöfe und ihre Geistlichkeit richten und das ganze Gebiet der staatlich-kirchlichen Einrichtungen und Beziehungen im Hinblick auf das veränderte Wesen der kirchlichen Oberleitung einer neuen Regelung Behufs wirksamer Wahrung des Hoheitsrcchts des Staates unterwerfen müssen. .
Je rücksichtsloser aber der Kampf fort und fort von geistlicher Seite geführt wird, je mehr von Rom aus der . . . .
@eifi des Widerstands gegen die Staatsgewalt ermuntert! in der Natur der Dinge, daß unter Kämpfen rote die ;e- und aufgereizt wird, je mehr die Bischöfe und Geistlichen «tzigen das ganze Netz von Orden und Genoffenschaften
und dem dort entscheidenden Willen aus, — und es liegt | in der Natur der Dinge, daß unter Kämpfen I feinen das ganze Netz von Orden und Gen
alle Mittel der Einwirkung auf die katholische Bevölkerung ^ zugleich für die Bearbeitung der Bevölkerung im Geiste benutzen, um dieselbe den Zwecken RomS willig und dienst-' " '
bar zu machen, — desto mehr ist es Pflicht der Staats - regierung, darüber zu wachen, daß hierzu nicht auch kirchliche Einrichtungen mißbraucht werden können, deren Zulassung in unserem Staate nur für völlig andere Zwecke und unter ganz anderen Voraussetzungen bisher in Geltung
Die Hexe von Gmunden.
Ein« Geschichte aus dem Volksleben des XVIl. Jahrhunderts- (Fortsetzung).
Eifrig vom Bitnkel schmausend, versetzte Kathi mit vollem Munde. „Der böse Feind hat ihn heut schon wieder zum Eisenan geführt. Er findet alleweil einen Vorwand, über den See zu fahren, der alte Narr. Das Kehrruder handhaben ist freilich auch keine leichte Arbeit, aber lustig, weil emer nichts damit verdient. Das Kufl- machen trägt Kreuzer, Mehl und Salz ein, darum freut es ihn nicht, den lockern Tagdieb und Saufaus. Ich muß mit dem Löffelmachen uns Beide erhalten und besser würd' ich leben als eine Wittib, Gott verzeih' mir die Sünde! wenn der heilige Nepomuk einmal nur wegschauen wollte um dem Viechtauer Wind freie Hand zu lassen."
Gott verzeih' der Frau Mutter die Sünde! das sag' ich auch;" fiel ihm Magdalena in die Rede.
Das alte Weib fuhr mit giftiger Zunge fort: „Der Alte ist ein Taugenichts, die Jungen sind es nicht minder. Was nur Mann heißt, sollte im See liegen, wo er am tiefsten ist. Jung gewohnt, alt gethan. Wie macht es nicht der Deinige, he? r ' , ’
Ihre Bewegung unterdrückend, versetzte Lenen: „Der Loisel ist ein rechtschaffener Mann. Sie wird ihm nichts Schlimmes nachsagen mögen."
„So? Ei, seht doch einmal," rief Kathi hohnlachend: „ich"mag ihm freilich nichts Böses nachsagen, und das Salzzillenwastlmensch*) wird ihm halt etwas gegeben haben, daß er ihr seit zwei Jahren auf Tritt und Schritt nach gehen muß, wie dem gestrengen Herrn Syndikus sein Pudel und daß er sich die Bubensonne**) auf den Hut scheinen läßt, um vor dem Kammersenster der Burgi Gaffelreime zu dichten."
♦) Noch heutzutage haben in Ober-Oestereich die Ausdrücke Dirne und Mensch keine üble Nebenbedeutung.
**) Bubensonne — Mond.
„Er bleibt Nachts daheim, rote stch's gehört," widersprach Lenerl: „oder schau ich aus wie ein Weib, das sein Herr verachtet und verschmäht? Ich meine doch nicht."
Kathi zuckte die Achseln. „Er wird dazumal just vom Dirn't geträumt haben," bemerkte sie spöttisch.
Der gepeinigten jungen Frau schoß abermals das Wasser in die Augen, die ohnehin vom Kummer der jüngsten Zeit mehr als überflüssig angegriffen waren. Der bitterböse Spott hatte schwerer getroffen, als jeder frühere Schlag, aber stolz und tapfer gab sic sich nicht gefangen, und um nur etwas zu sagen, hob sie an: „Die Leut' sind halt bös und wittern gleich das Aergste, wo einer ein bissel Spaß macht. Der Loisel ist ein lustiger Mann, und ich bin keines von den eifernden Weibern, die gleich Zeter- mordio schreien, wenn ihr Herr 'mal eine saubere Dirne am Schurzbändel zupft. Drum laß Sie mich ans, Frau Mutter, und vollends gar mit dem Gcplausch vom Eingeben. Die Lieb' läßt sich nicht essen oder trinken."
„Nimm Dich in Obacht, Teiningerin, vor solch lästerlichen Reden;" mahnte die Mutter: „statt zu läugnen, was doch klar ist wie der Sonnenschein, solltest Du lieber bei irgend einer Zauberin Dich Raths erholen, um den Bann zu lösen . . . ."
tFortsetzuug folgt.)
Die Gefahre« der hohe« Luftschifffahrt.
(Schluß.)
Um sich gegen die Gefahr des Erstickens zu schützen, nehmen die Luftfahrer in neuerer Zeit ein Schutzmittel mit, nämlich reinen Sauerstoff, ober eine Luft, deren Sauerstoffgehalt künstlich auf 40 bis 50 Prozent gebracht ist. Mit Hilfe luftdichter Schläuche läßt sich der Transport dieses Materials leicht genug bewerkstelligen, und es ist klar, daß, wenn man z. B. 40prozentige Luft in einer HSh- eiuathmet, wo der Druck die Hälfte des Druckes
am Boden ist, die Wirkung dieselbe fein muß, als ob man am Boden 20prozentige Luft athmete.
Bert hat an sich selbst und an Thieren über den Gegenstand intereffatUe Versuche gemacht. Er begab sich in eine große Glocke, worin durch die Luftpumpe der Druck vermindert wurde, und zwar ungefähr in demselben Maße, wie eS bei Ballonfahrten durch die senkrechte Erhebung geschieht. Schon beim Sinken des Drucks auf % (entspricht etwa einer Höhe von 4000 Metern) fühlte et sich unwohl; wenn er aber aus einem mitgenommenen Schlauch eine Menge von 45 Prozent Sauerstoff und 55 Prozent Stickstoff einathrnete, verschwanden die krankhaften Erschet- nungen. Mit Hülfe eines anderen Präparats von 65 Prozent Sauerstoffgehali konnte er ohne Beschwerden den Druck, in dem er sich aufhielt, auf Vs Atmosphäre (entspricht 8800 Meter Höhe) verringern taffen, während ein gleichzeitig unter der Glocke befindlicher Sperling, dem kein Sauerstoff gereicht wurde, in höchst elendem Zustande, dem Tode nahe und um mehrere Grade abgekühlt, aus dem Versuche hervorging.
Auf Grund dieser und ähnlicher Beobachtungen glaubte Bert, daß ein Lustschiffer sich gegen gefährliche Zufälle hinreichend sicher stellen könne, roenn er Schläuche mit stark sauerstoffhaltiger Luft mitführte, um durch diese seine Respiration in der Höhe zu unterstützen. In der That haben dieselben Pariser Aeronauten, welche vor wenigen Tagen dem Tode zum Opfer fielen, bet einer ersten Aufsteigung zu großer Höhe im Jahre 1874 das Bert'sche Verfahren mit gutem Erfolg benutzt. Sivel und Croce- Spinclli erreichten damals die immerhin sehr bedeutende Erhebung von 7300 Meter, überzeugten sich von der ausgezeichneten Wirkung der Sauerstoffeinathmung und brachten eine Menge wissenschaftlich werthvolle Ergebnisse au6 der Höhe herab. Auch bei ihrer letzten Fahrt waren sie mit Sauerstoffschläuchen ausgerüstet; dennoch sind sie erlegen. Welcher Grund Hal das Unglück verschuldet?