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Marburg, Freitag, 30. April 1875.
Anzeigen nimmt entgegen: di« Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M. re-
Anzeigen nimmt entgegen: die d. Blattes,
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iRpftpIhittflPii M die Monate Mai und gJqUUllUjjlU Juni ersuchen wir bei dm zunächst gelegenen Postanstalten gefl. baldigst machen zu wollen. '__________________________
Tagesbericht
DiedieSwöchentliche „Provinzial Correspondenz" meldet: „Unser Kaiser hat in einem eigenhändigen Schreiben an Se. Majestät den König Victor Emanuel nochmals dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß es ihm zur Zeit noch nicht möglich war, den längst beabsichtigten Besuch am italienischen Hose auszuführen, zugleich aber die Hoffnung ausgesprochen, daß eS ihm im Laufe dieses Jahres noch vergönnt sein werde, dies nachzuholen. Zugleich hat der Kaiser seine lebhafte Theiluahme an der jüngst stattgefun- denen Zusammenkunft des Königs von Italien mit dem Kaiser von Oesterreich bekundet. — Kaiser Wilhelm gedenkt von Wiesbaden am nächsten Sonntag Abend die Rückreise nach der Residenz anzutreten und am Montag (3.) hier wieder einzutreffen. — Unser Kronprinz, welcher mit seiner hohen Gemahlin seit voriger Woche in Florenz verweilt, hat sich von dort aus über Rom nach Neapel begeben, um da dem Könige von Italien einen Besuch abzustatten. Der Prinz ist daselbst am Sonntag (25.) herzlich empfangen worden und verweilte bis Montag Mittag in Neapel, um sich sodann nach Florenz zurückzubegeben. Dort war inzwischen das kronprinzliche Paar von Italien zum Besuche der deutschen Kronprinzessin von Rom aus eingetroffen und begrüßte unseren Kronprinzen bei der Rückkehr von Neapel. Die italienischen Herrschaften verweilten auch am Dienstage in freundschaftlichem Verkehre mit dem deutschen prinzlichen Paare in Florenz
Die Justizcommission des Reichstages hielt am 27. d. ihr« zweite Sitzung. Sie setzte die Berathung fort. Im Wesentlichen gelangte der Regierungsentwurf zur Annahme, nur einige Modifikationen wurden angenommen, welche die Grundsätze des EntwursS nicht berühren. Verbesierungs- Anträge in ganzen Gruppen sind eingegangen von den Abgg. Reichensperger-Olpe, Bähr-Kassel und Wolfsohn. Seitens der Reichsregierung betheiligte sich hierbei der Direktor des Reichs-Justizamts von Arnsberg lebhaft an den Debatten. Gegen den früheren Beschluß, die Handelsgerichte aufzuheben, sprach und stimmte nur der Abg. Wolssohn.
Aus den einzelnen Bestimmungen des neuen ReichS- Eisenbahn-GesetzentwürfS verdienen folgende Punkte zunächst hervorgehoben zu werden: Der Schwerpunkt der Reichshoheit ist durch den Gesetzentwurf in den Bundes- Rath gelegt, von diesem gehen die dem Reiche zustehcnden administrativen Anordnungen aus und das ReichS-Eisen- bahnamt hat über die Ausführungen dieser Anordnungen zu wachen. Das Recht des NebenbetriebeS, welches in
Ueber einige hemerkenswerthr Eigenschaften der Salicylsäure.
Von Prof. Dr. Kolbe in Leipzig.
(Schluß.)
Ueber die antiseptischen Wirkungen der Salicylsänre und speziell über die Verwendung derselben für chirurgische Amecke hat Profeffor Thiersch in der chirurgischen Abthei- lung des Leipziger Hospitals angefangen, Versuch anzu- stellcn, welche bemerkenswerthe Resultate gegeben haben, worüber er mit am 7. Mai folgende Notiz hat zukommen lasstn:
„Auf noch nicht geringen Quetschwungen und auf schorfmden Krebsflächen als Pulver, für sich oder mit Stärkemehl vermischt, aufgestreut, zerstört die Salicylsäure für längere Zeit die Fäulnißgerüche, ohne nennenöwerthe entzündliche Erscheinungen hervorzurufen.
In Lösungen von 1 Theil Salicylsäure, 3 Theilen phosphorsaurem Natron und 50 Theilen Wasser begünstigt sie die Ueberhäutung von Granulationsflächen.
Ueber ihre Wirkung bei frischen Wunden liegen bis jetzt folgende Thatsachen vor. Während der Operation wird die Wunde unter einem Sprühnebel von Salicylsäure in Waffer (1:300) gehalten. Der Verband der Wunde bestand in Wundwatte, mit Salicylsäure in kry- stallisirtem Zustande imprägnirt. Die Watte wird mit Salicylsäure in Waffer (1:300) genetzt, ebenso die Mullbinde, mit welcher die Watte festgehalten wird. Hinterher fortwährende Beträufelung des Verbandes mit Salicyl- säurelösung (1:300), etwa 8 Tropfen in der Minute. Nach einet am 27. April vorgenommenen Oberschenkel- Amputation hatte der Patient bei jener Behandlung keine Schmerzen, keine Geschwulst, kein Fieber. Die erste Er
den Artikeln 9—16 geregelt wird, bezieht sich auf andere Eisenbahnen, nicht aber auf Spediteure und sonstige Unternehmer (im Gegensatz zu dem preußischen Eisenbahngesey und der englischen Gesetzgebung), weil, wie amtlich hierzu bemerkt wird, „der Zulassung des Nebenbetriebes in dieser Ausdehnung fast unüberwindliche Hindernisse in Rücksicht auf die Betriebssicherheit und die Erfüllung der nimm gänglichen Anforderungen im Jntereffe des allgemeinen Verkehrs und der Landesvertheidigung entgegenstehen." Die Bestimmungen über die baulichen Einrichtungen (Artikel 22 ff) gewähren den Eisenbahn Unternehmern hohe Freiheiten in der Bauausführung, indem das Gesetz sich ausschließlich auf allgemeine, allein den Zweck berücksichtigende Anordnungen beschränkt. Die Feststellung der Beförderungspreise (Maximalsätze) steht dem Bundesrathe zu; außerdem zur Erhebung gelangende Nebengebühren und Eonventionalstrasen unterliegen der Genehmigung und periodischen Prüfung ihrer Angemessenheit Seitens des Reichs-Eisenbahn-Amts. Artikel 30 des Entwurfs bestimmt die Einheitlichkeit der Publikation des Tarifs und der Fahrpläne und aller ihrer Aenderungen, so daß das Publikum aus bestimmten öffentlichen Blättern alle Veränderungen, die auf den deutschen Eisenbahnen eintreten, rechtzeitig erfahren kann. Von hoher praktischer Bedeutung ist Artikel 18, wonach jede Eisenbahn verpflichtet ist, auf Anordnung deS Reichseisenbahn-Amts im allgemeinen Ver- kehrSiniereffe Lokomotiven und Wagen anderen deutschen Bahnen zur aushilfsweisen Benutzung zur Verfügung zu stellen. Bisher war gesetzlich diese aushülföweise Benutzung von Betriebsmitteln nur auf militärische Zwecke beschränkt. Artikel 36 des Entwurfs bestimmt die Einrichtung von Central-Reklamations-Bureaux, zur Erledigung von Reklamationen aus dem Personen- und Güterverkehr. Die Einrichtung derartiger Bureaux scheiterte bisher, trotz des lebhaft hervorgetretenen Bedürfnisses, an dem Mangel mit ausreichender Machtvollkommenheit ausgestatteter Organe und eS mußten daher die Raklamanten oft Monate lang warten, ehe ihre Reklamationen, welche durch die Hände aller Eisenbahnverwaltungen vom Empfangs- bis zurück zum Versandtsort zu gehen hatten, erledigt wurden. In England bestehen schon längst derartige Een ralbureaux für größere Bezirke, an welche sich auch Centralabrech- nungs- und statistische Bureaux anlehnen. Eine bisher tief empfundene Lücke der Gesetzgebung wird durch Artikel 47, betreffend die ConzesstonSentziehung, auSgefüllt. Die Conzessionsentziehung erfolgt auf den motivirten Antrag des Reichseisenbahn-Amts oder der Landesregierung durch den Bundesrath unter kaiserlicher Bestätigung.
Von einer angeblich schon Anfangs dieser Woche erlassenen belgischen Note auf die deutsche April-Note ist auch bis jetzt in Berlin noch nichts bekannt. Obgleich einige Correspondenzen mit Berufung auf den Inhalt der April-Note noch immer eine europäische Konferenz wegen
Neuerung deS Verbandes fand am sechsten Tage statt. Die Wunde war bis auf einige kleine Stellen geschloffen. Das während dieser sechs Tage unter dem Verbände zurückgehaltene Wundsecret war geruchlos.
Mit gleich günstigem Ergebniß wurde am 4. Mai eine Amputation des Oberarmes und am 5. Mai Resektion deS Oberarmes auSgeführt. Wo Salicylsäure mit Wunden in Berührung ist, tritt sie alsbald in großer Menge im Harn auf.
Die bisherigen Erfahrungen berechtigen zu der Hoffnung, daß Salicylsäure die guten Wirkungen ohne die unangenehmen der Caraolsäure hat."
Die bemerkenswerthe Eigenschaft der Salizylsäure, die Pilzbildung zu verhindern und die Fermente unwirksam, unschädlich zu machen, .läßt mich vermuthen, daß sie für gewiffe Krankheiten auch in dem Arzneischatz Ausnahme finden wird. Es ist gewiß der Mühe werih, zu versuchen, welche Wirkungen kleinere oder größere Dosen von Salicylsäure, bei den ersten Anzeichen ausbrechender Cholera dem Patienten innerlich gegeben oder durch Klystiere appli- cirt, auf den Verlauf der Krankheit ausüben.
Zerusale» und die bärtige« Deutsche».
(Schluß.)
Das Klima von Jerusalem ist sehr günstig; die Stadt liegt 2500 Fuß über dem Meeresspiegel und die Hitze ist selten stärker als bei uns. Nur ausnahmsweise steigt sie bis 27 Grad Reaumur, fällt aber nie so tief wie bei uns, obschon Schnee nicht allzuselten ist, doch bleibt er nicht allzu lange liegen. Es ist daher nicht zu verwundern, daß Jerusalem und seine Umgebung reich an Naturprodukten all.r Art ist und namentlich ausgezeichnete Gemüse
der Angelegenheit in Aussicht nehmen, gilt diese Vermuthung in unterrichteten Kreisen für unwahrscheinlich und als den diesseitigen Intentionen keineswegs entsprechend.
Ueber einen Sendling der Centrumspartei an den Papst, um über den Kardinal Antonelli Klage zu führen, wird jetzt vielfach gestritten; in parlamentarischen Kreisen gilt der Fürst v. Löwenstein-Wertheim-Rosenberg dafür.
In der 19. Commission zur Vorberathung des Gesetzentwurfs, betreffend die staatsrechtliche Stellung des fürstlichen Hauses Sayn-Wittgenstein-Berleburg, ist der Abg. Dr. v. Cuny zum Vorsitzenden, Dr. Eberth zum Stellvertreter befleißen,- Abg. Knebel und Freiherr von Wendt zu Schriftführern gewählt. Uebrigens scheint eS, als ob dieser Gesetzentwurf wie der über die Avenberg- Meppenschen Verhältnisse nicht zum Abschluß gelangen sollte. — Die 17 Abgeordneten polnischer Abkunft haben einen Antrag eingereicht, worin sie die königl. Regierung auffordern, die in den letzten Jahren erlaflenen Schulordnungen aufzuheben, und an ihrer Stelle Schulordnungen zu erlaflen, welche die Muttersprache als Unterrichtssprache mehr für den angehenden Unterricht fortsetzen. Es wird dieser Antrag ohne Zweifel wieder Gelegenheit geben, die üblichen Klagen der Polen wegen angeblicher Vergewaltigung durch die Deutschen zu wiederholen, wobei ihnen dann die alleinige Unterstützung der Ultramontanen nicht fehlen dürfte. — Die Zahl der beim Abgeordnetenhause eingelaufenen Petitionen hat 1759 bereits überschritten. — Der Bericht über den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst liegt jetzt auf 18 Seiten gedruckt, vor; zum höheren Verwaltungsdienst gehören die Stellen der Präsidenten und Mitglieder bei den Regierungen, mit Ausnahme der technischen Mitglieder, sowie die der Landräthe, Kreis- und Land- hauptmänner, in Hohenzollern, und Oberamtmänner. — Für den Anfang der Pfingstferien ist zur Zeit der 11. Mai in Aussicht genommen, sofern, wie wahrscheinlich, das Abgeordnetenhaus bis dahin alle Hauptaufgaben er- legigt und sie dem Herrenhause überwiesen haben wird.
Wenn unsere Bemerkungen über die unsympathische Stimmung gegen Deutschland, für das von den Jesuiten durchwühlte Belgien vollständig zutreffend erscheinen, so sind sie ifür das rocitüberrageub evangelische Holland nur beschränkt richtig, da seit einigen Jahren von den gebildeten, freisinnigen protestantischen Kreisen mit großem Talent und anhaltendem Eifer die Sympathien zu den deutschen Kämpfen sorgsam und mit sichtlichem Erfolge gepflegt worden. Die unbegründete Sorge, daß Deutschland sich durch die kleineren Nachbarstaaten zu vergrößeren suche, erkennen die hervorragenden Persönlichkeiten als Phantastegebilde, wie aus den Schriften des Präsidenten der niederländischen Akademie der Wissenschaften, deS be» rühmten Professors Dr. Opzomer in Mrecht längst zu ersehen war, und deutlich wieder hervorleuchtet aus dem daselbst gedeihen. In dem Kalkplateau finden sich Stellen, an denen die fruchtbarste Erde lagert, die, wie die Plätze im Thale, an jene Zeiten erinnert, in welchen das ganze Land ein wahrhaft „gelobtes" genannt werden durfte. Die ersten Früchte und Gemüse des Jahres kommen stets nach Jerusalem; zunächst ist eS die wärmere, am Tobten Meere gelegene Gegenb, welche ihren Sobenertrag nach ber heiligen Stabt fenbet; bann kommen bie Dörfer, welche rings um bie Stabt sich ausdehnen, und find auch bie Erträgnisse dieser Ortschaften aufgezehrt, so lebt Jerusalem von dem, was es selbst probucirt. Der Aufenthalt in ber Stabt ist sehr angenehm; ber Gesundheitszustand ist ein guter, bie Fieber, welche vorkommen, stnb trotz ber Menge alten Schuttes nicht gefährlich. Wer nicht gerabe in ben untersten Quartieren lebt, kann Jahre lang sich in Jerusalem aufhalten, ohne an seiner Gesundheit Schaden zu nehmen.
Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 30,000, von denen je 10,000 auf die Bekenner des MohamedaniSmus, des Juden- und Christenthums kommen. Die Juden trennen sich in zwei scharf geschiedene Parteien, in die bet Sepharbim ober spanischen Juden, welche zu Zeiten ber Verfolgungen ans Spanien auswanberten und über Ma- rokko, Tunis und Egypten nach Palästina zogen, und in bie Aschkenasim oder deutschen Juden, welche ans Rußland, Galizim, Deutschland und Holland stammen; diese stehen meist unter europäischem Schutz. Die Christen theilen sich bekanntlich ebenfalls in Parteien, bie nicht selten mit wenig Liebenswürdigkeit sich behandeln. ES sind zunächst bie Griechen, welche ein eigenes Patriarchat haben, sehr großen Besitz ihr Eigen nennen unb von bedeutendem Einfluß sind, da sie zumeist ben Boden bear-