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tr. 88.

Marburg, Mttwoch, 28. Aprü 1875.

x Iahkgaog.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kaffe! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

(Öbrrljtlfirdjr Jrtlung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte-, sowie bic Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in - Frankfurt a. M.' Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- " ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Die KrifiS in Griechenland

Seit einiger Zeit kommen regelmäßig beunruhigende Gerüchte aus Griechenland. Es wird von Gewaltthaten und Verfassungsbruch des Ministeriums, von einer das ganze Land ergreifenden Aufregung, von einer sich vor­bereitenden Revolution geschrieben. Bereits wird von dem Sturz der Dynastie, von der Republik als deren Nach­folgerin gesprochen. Man hat sich in Europa so sehr ge­wöhnt, jene südöstlichen Länder als den Heerd unaufhör­licher Bewegungen anzusehen, daß man sich nicht wundern kann, wenn diese Gerüchte Glauben finden.

Nirgend« wird der eigentliche Grund erforscht und Ursprung dieser Gerüchte nachgesucht. Einem großen Theil der Presse genügt es schon, daß von einer Opposition die Rede ist, und daß diese sich von der Regierung zurück­gesetzt fühlt, ja daß sie für die Rechte der Verfassung eintritt und schließlich mit der Republik droht; also ist eS, so folgert man, der Fortschritt, der gegen die Reaktion, Hofpattei, die Camarilla ankämpft.

In Wahrheit verhält sich aber die Sache ganz anders. Solche Parteien wie im Abendland cxistiren in Griechen, land nicht. ES handelt sich dort nicht um prinzipielle Fragen, nicht um die Herrschaft der conservativen oder liberalen Partei, sondern lediglich um persönliche Fragen. Die Regierungspartei ist die Partei und die Clientel des Herrn Bulgaris, die Oppositionspartei die Clientel der Herrn CommanduroS und Deligeorgis. Die beiden letzteren machen Opposition nicht etwa neill die Regierung nach theilige Maßregeln unternimmt, wei sie schlechte Gesetze vorschlägt und das Land nachlässig verwaltet, sondern weil sie selbst Minister sein wollen, wir sie es früher auch zum Theil mit Herrn BulgariS zusammen gewe­sen find.

Das ist der Kern der Sache, darum setzen sie Himmel »nd Hölle in Bewegung und lasten die Nachricht ver­breiten, Griechenland stehe am Vorabend einer Revolution. UebrigmS find die Gerüchte weit übertrieben; sie stammen durchgehends aus den Kreisen der Opposttion selbst und danach ist auch die Wahrheit derselben zu taxiren. DaS Volk selbst intcrcffitt sich sehr wenig für die Herren CommanduroS und Deligeorgis und wenn auch in Athen vielleicht diese einen größeren Anhang haben als Bulgaris S=SS=S = ' - - - - ~~ =

Üebrr einige bemerkenswerthe Eigenschaften der Salicylsäure.

Bon Prof. Dr. Kolbe in Leipzig.

Die speziellen physikalischen und chemischen Eigenschaften der Salicyljäure find sorgfältig studirt und im allgemeinen gut bekannt; weniger oder eigentlich fast noch gar nicht find dir phystologischcn Wirkungen derselben untersucht D'ie einzige in dieser Richtung bekannt gewordene That- sache ist die vor einer Reihe von Jahren von Bertagnini mitgetheilte Beobachtung, daß Salicylsäure, in größeren Dosen (6 Gramm in 2 Tagen) gegeben, Ohrensausen bewirkt, und daß fie beim Durchgänge durch den Körper zum Theil in Salicylursäre übergeht, während ein anderer Theil. sich unverändett in dem Urin vorfindet. Nach Versuchen, welche im hiesigen Hospital angestellt sind, ist die Salicylsäure, wenn davon 0,3 Gramm innerlich ge­nommen find, schon nach 2 Stunden und noch nach 20 Stunden im Harn nachweisbar.

Die Erfahrung, daß die Salicyljäure sich aus Carbol- säurc und Kohlensäure leicht zusammensetzen läßt, und die bekannte Eigenschaft derselben, sich beim Erhitzen über den Siedepunkt in Carbolsäure und Kohlensäure zu spalten, ließen mich vermuthen, daß die Salicysäure ähnlich der Carbolsäure Gährens- und Fäulnißprocesse aushält oder ganz verhindert, und daß sie überhaupt antiseptisch wirkt.

In dieser Richtung thetlS von mir selbst, theils von Professor Thiersch Hierselbst angestellte Versuche haben zu merkwürdigen Ergebniffen gesührt, durch welche meine Ver- muthung von den anti-septischen Eigenschaften der Salicyl­säure eine überraschende Bestätigung erfahren hat. Ich beschränke mich darauf, über jene Versuche hier vorerst kurz zu referiren.

Um zu sehen, ob die Salicylsäure die Wirkung ver­schiedener Fermente, zu vernichten oder aufzuhallen im Stande sei, habe ich zunächst Amygdalin in Waffer auf­gelöst, dieser Lösung eine kleine Menge Salicylsäure bei» gemischt und nach gehörigem Durchmischen eine Auflösung

und seine Clientel, so ist doch sehr zu bezweifeln, daß das Land auf ihrer Seite steht. Auch das Gerücht, nach wel­chem der griechische Gesandte in Paris, Herr Caudoriotti, nach Athen berufen sei, um das Ministerpräfldium zu übernehmen, ist falsch. Derselbe hat schon vor längeres Zeit um einen Urlaub nachgesucht, um sich aus Familien­rücksichten nach Athen zu begeben; so geschätzt und ange­sehen derselbe auch ist, so hält ihn doch Niemand zn der Leitung des Ministeriums für geeignet.

Da er aber ein patriotischer Staatsmann ist, so wird er jedoch jedenfalls bei seinem Aufenthalt in Athen Alles versuchen, um die KrifiS zu beschwichtigen, und seinen Rath dem König nicht vorenthalten. Sollte sich der König dazu entschließen, daS" Ministerium Bulgaris zu entlasten, so ist doch kaum anzunehmen, daß die Führer der Opposttion mit der Bildung des Ministeriums betraut werden; viel­mehr würde in dem Falle wohl ein völlig unparteiisches Ministerium ans Puder gelangen, das durch Neuwahlen die Bahn zu einer friedlichen Ordnung der Dinge ebnen könnte. -

Tagesbericht.

DerReichs- u. St.-Anz." publizirt das Gefetz betref­fend die Einstellung der Leistungen aus Staatsmitteln für die römisch - katholischen Bisthümer und Geist­lichen.

Die Rückkehr des Präsidenten des ReichskanzlcramtS, Staatsminister Delbrück, nach Ablauf seines 2monatlichen Urlaubs wird Ende dieser Woche erwartet. Es wird dann in nächster Zeit der Geh. Rath Michaelis einen längeren Urlaub antreten und sich zur Herstellung seiner angegriffe­nen Gesundheit nach Süd - Tyrol begeben. Als eine der ersten Arbeiten, welche im Mai das Reichskanzleramt be­schäftigen werden, wird der Entwurf eines Bank - Statuts bezeichnet, dessen weitere Feststellung dem Bundesrach nach seiner Wiederzusammenberufung obliegen wird.

Dem Präsidenten v. Bennigsen ist von vielen Seiten der Wunsch ausgesprochen worden, zu Pfingsten eine län­gere Pause in den parlamentarischen Arbeiten eintreten zu lassen. Demzufolge wergen die Ferien des Abgeordneten­hauses voraussichtlich 14 Tage andauern und zwar vom Mittwoch den 12. Mai vor Pfingsten bis zum zweiten Mittwoch nach diesem Feste, also bis zum 26. Mai.

DaS diesjährige Herbstmanöver des 9. ArmeecorpS soll in der Nähe von Rostock stattfinden. Die Rostocker erwarten bei dieser Gelegenheit einen Besuch des Kaisers.

Man schreibt auS Constantinopel: Die Pforte hat kürzlich an den Fürsten von Montenegro ein Schreiben

von süßen Mänteln hinzugefügt. Nach Verlauf einer Viertelstunde, wo eine zweite Mischung von Mandelauf­lösung und Amygdalin, die keine Salicylsäure beigemischt enthielt, längst stark nach Bittermandel Oel roh, war bei jener salicylsäurehaltigen Mischung ein Geruch nach Bitter­mandelöl nicht im mindesten wahrzunehmen.

Ist der Zusatz von Salicylsäure sehr gering, so kommt der Bittermandelölgeruch nach einigen Stunden zum Vor­schein; ist aber die Menge von Salicylsäure etwas be­trächtlicher, jedoch immer noch minimal, so ist selbst nach 24 Stunden kein Geruch entstanden.

Sensmehl, welches mit lauwarmem Master nach we­nigen Augenblicken einen starken Geruch nach Senföl er zeugt, giebt mit Master eine geruchlose Mischung, wenn derselben zuvor ganz wenig Salicylsäure beigemischt war. Wird eine Lösung von Traubenzucker mit wenig Salicyl säure (höchstens ein Tausendstel) vermischt, so übt Hefe hernach keine Wirkung mehr darauf aus, und bereits in Gährung begriffene Zuckerlösung hört auf zu gähren, wenn man kleine Mengen von Salicylsäure hinzufügt. Dr. von Meyer, mit welchem ich diese Versuche zusammen aus- führte, hat darüber folgendes notirt: Vier GlaSgefäße, deren jedes mehr als 1 Liter Zuckerlösung enthielt, wur­den mehrere Tage und Nächte nacheinander constant auf der Gährungstemperatur erhalten. Der Zuckerlösung in den Gefäßen a und b wurde keine Salicysäure beigemischt sondem nur Hefe. Im Gefäße c war vor dem Einträgen der Hefe die Gährungsflüssigkeit mit Ojg Gramm und in d mit 1 Gramm Salicysäure versetzt. Der Inhalt der Gefäße a und b gerieth gleich am ersten Tage in volle Gährung, der von c gleichfalls, aber in schwächerem Grade. In d war keine Spur von Gasentwickelung wahrnehmbar, die Flüssigkeit klärte sich allmählich vollständig. Die der Zuüerlösung in c zugcfügte Menge (0,i8 Gramm war also zu gering, um die Gährung zu verhindern. Es wur den derselben deßhalb am dritten Tage noch 0,2 Gramm Salicylsäure hinzugefügt, wonach die Gährung vollständig

gerichtet, in welchem sie ihn auffordert, endlich die Ange- legcnheit von Koladschin zu ordnen, welche sich schon länger als ein Jahr hinzieht. Bei dieser Gelegenheit hat fie dem Fürsten bemerkt, daß Conflicte dieser Art und die Unorb» nungen, welche sie im Gefolge haben, sowohl von Seiten der Montenegriner als den Türken ihren Ursprung vor­zugsweise in dem Umstande haben, daß die Grenzbezeich­nung der beiden Länder'unvollständig und mangelhast ist. Die Pforte benachrichtigt in Folge dessen den Fürsten Ni­colaus, daß sie im Laufe des Frühlings eine Special- Commisston in diese Gegenden schicken wird, um die Fest» setzung der Grenzen nach gegenseitigem Uebereinkommen zu beschließen. Der Fürst ist seinerseits eingeladen worden, sich durch Delegirte bei diesem Vorgänge zu betheiligen. Der türkische Commistar ist bereits ernannt, eS ist der Chef des Generalstabs der Armee von Rumclien, Hassan. Evib Pascha. Für den politischen Theil seiner Sendung hat man ihm Constant-Effendi, ehemaligen Rath im Mi­nisterium der öffentlichen Arbeiten, beigegeben. DaS be­treffende Schreiben ist, was seine Form und seinen Inhalt anbetrifft, in sehr gemäßigter Sprache abgefaßt. Auch. hat die Pforte, damit dasselbe nicht zu Mißverständnissen Veranlassung geben könne, Abschriften an ihre Vertreter bei den Großmächten gerichtet.

Aus Newyork meldet man: Die Lage des Handels scheint sich zu verbessern und der Kampf zwischen Kapital und Arbeit, welcher sich in beunruhigender Weise zu erhe­ben anfing, ist durch die eigenthümliche Natur der Ameri­kaner beendigt. Der gemeinsame Widerstand, die strenge Disciplin der Arbeitervereine, die Aufgehung des Indivi­duums in dem gemeinsamen Interesse stimmen nicht zu dem Temperament der Arbeiter Amerikas. Die Arbeiter­vereine haben in 2 Jahren 9000 ihrer Anhänger verloren. Die Ueberzeugung, daß die Führer nur die Arbeiter auS- beuten, hat wesentlich dazu beigetragen, die Neigung der Arbeiter zu den Strikes und Demonstrationen zu schwächen. Die Vereine der Böttcher, Maler und Schuhmacher haben die größte Verminderung, 3050 Proz., erlitten.

Deutsches »-ich. "

Berit«, 26. April. DieKölnische Zeitung" hat in den letzten Tagen einen Artikel veröffentlicht Aber das Verhältniß Deutschlands zu Belgien, in welchem zum SchluS der Ausdruck vorkam, wie dies Jahrhuudett die Gründung Belgiens gesehen habe, so könne eS auch noch die Gründung dieses Landes erleben. Darin hatten ängst» ltche Auflösung gleich eine Drohung gewittert und Be­stätigung deutscher Eroberungsgelüste, und doch sollte jener

aufhörte. Am fünften Tage war die Gährung in den Gefäßen a und b (welche von vornherein gar keine Sali­cylsäure erhalten hatten) schwach, ging jedoch noch fort. ES wurden der Mischung in b jetzt 0,« Gramm Salicyl­säure zugesügt. Dies hatte zur Folge, daß am sechsten Tage die Flüssigkeit in b zwar noch trübe, aber ohne Pilzdecke war, während aus der Flüssigkeit in a eine solche in üppigster Weise vegetirte. Wir setzen jene und ähn­liche Versuche fort, und prüfen zunächst, welchen Einfiuß die Salicylsäure auf den Verlauf der Milchsäure« und Buttersäure Gährung übt, und ob, wie zu vermuthen ist, die Salicylsäure auch die Wirkung der Diastase aus Stärke- lösung aufhebt.

(Fortsetzung folgt.)

Merket.

Kein Land besitzt eine so reiche Zeitungsliteratur wie Deutschland. In anderen Ländern concentrirt sich die geistige und schriftstellerische Thätigkeit mehr oder weniger auf die Hauptstadt allein, und in Frankreich z. B. bietet außer Paris, von wo aus das ganze Land mit ZeitungS- lectüre versorgt wird, kaum eine andere Stadt ein nennens- wcrthes tägliches Journal. In Deutschland dagegen haben nicht nur die Residenzstädte Berlin, München, Stuttgart, Dresden viele und große Zeitungen, sondern auch Pro­vinzialstädte, wie Köln, Frankfurt a. M., Breslau, Posen, Magdeburg, Leipzig u. s w., sowie die Hansestädte Ham­burg und Bremen senden eine Reihe von bedeutenden Zeitungen in die Welt, und außerdem erscheinen noch fast in allen, selbst kleinen Städten täglich ober boch ein ober mehrere Male wöchentlich Blätter, welche die wichtigsten Zeitereignisse registriren.

Der vorjähige offizielle Preiscourant weiß mehr als 3800 in deutscher Sprache erscheinende Zeitungen und Zeitschriften auf. Bringt man die letzteren in Abzug und ebenfalls die außerhalb deS Deutschen Reiches erscheinenden deutschen Zeitungen, so bleibt für letztere« noch hie sehr