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Marburg, Freitag, 23. April 1875.

X Mw.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Mojse in Berlin, Frankfurt a. SUt. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die E^reditio» d. Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Wetttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (exl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu etthcilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

Deutschland «nd Rußland.

AlS der KriegSlärm in den letzten Wochen austauchte, wurde sofort die Frage aufgeworfen, wie sich Rußland zu dieser Situation stellen würde. Es fehlte nicht an solchen, die die Ueberzeugung aussprachen, daß Rußland die Ge­legenheit benutzen würde, um seine Absichten im Orient auszuführen; der Gedanke, daß cs sich gegen Deutschland mit den übrigen Mächten verbinden würde, ward aber als durchaus unmöglich erklärt. Ganz abgesehen von der innigen Freundschast deS Kaisers Alexander zu dem Kaiser Wilhelm, verbieten die Interessen Rußlands eine solche Combination von vorn herein. Alle Versuche Frankreichs, Rußland für sein Interesse zu gewinnen, sind bis jetzt erfolglos geblieben und werden es hoffentlich auch in Zu­kunft bleiben. Selbst das Anerbieten Frankreichs, die Orientpolitik Rußlands zu unterstützen, kann dicjes nur sehr wenig reizen.

Es ist allerdings wahr, daß Deutschland bei der Zu­sammenkunft der drei Kaiser die orientalische Frage auf die Seite geschoben, und durch die Uebereinkunft von Ruß­land, Oesterreich und Deutschland im Interesse des euro­päischen Friedens auf dem Status quo erhalten hat. In dem Moment aber, wo dieses Bündniß auseinander ginge, wo eine der Mächte sich zurückzöge, und zur Störung des Friedens die Hand böte, würde auch die Stabilitätspolitik im Orient ihr Interesse für Deutschland verlieren. Denn so abgeneigt dasselbe auch gegenwärtig ist, dort irgend eine Aendcrung zu befürworten oder dieselbe mit herbeisührcn zu helfen, jo wenig würde doch Deutschland nach einem Zerfall der Dreikaiserpolitik sich gegen eine Aendcrung der Situation stemmen. Damit hat also gewissermaßen Deutschland einen materiellen Preis seines Bündnisses in der Hand, denn darüber darf man sich wohl schwerlich einer Täuschung hingeben, daß nur das Interesse die Staaten zusammenhält und nicht individuelle Gcsühlspolttik. So ist denn auch Deutschland weit davon entfernt, an der unteren Donau eigene Interessen zu vertreten. ES ist ein Jrrthum, wenn man glaubt, daß seit der Errichtung der Hohenzollernschen Dynastie dort von preußischer Seite eine dynastische Politik getrieben werde; Rumänien steht Deutschland gerade so nahe und gerade so fern, wie jeder andere Staat an der unteren Donau. Das wünschens- wertheste freilich wäre es, wenn sich die dortigen Verhält- niffe friedlich und ordnungsmäßig auf der bisherigen Bahn entwickeln, denn um dieser Staaten willen den europäischen Frieden beunruhigen zu laffen, davon ist Deutschland sehr weit entfernt, aber andere Situationen schaffen andere Ge­sichtspunkte und würden auch im Stande sein, die jetzt acccplirte Friedenspolitik zu rnodifiziren.

- Der Zubilar Mirza Schaffy.

(Fortsetzung).

Das Titelblatt erscheint auf gelbem und Goldgrund in rorher und blauer Farbe in Form einer reich orna- mentirten Tafel, deffen Mitte in Zierschrift den Titel: Die Lieber des Mirza Schaffy mit einem Prolog von Friedrich Bodenstedt" enthält; in der Randverzierung finden wir in Albionfchrift die Firma: Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (Rudolph von Decker) Berlin, 1874.ZubelauSgabe" und die Zahl 50 in der oberen Randverzierung. Das Titelblatt ist entworfen und gezeichnet von Giovanni Abonnelli und, wie alle anderen Farbendruckblätter, gedruckt von W. Locillot in Berlin. Der Preis deS gebundenen Werkes ist 72 M.

Es folgt nun das Medaillonpotträl F. Bodenstcdt's, nach einer Zeichnung W. v. Kaulbach's hergestellt in Photographie, und umrahmt von einer zweifarbigen, zart auSgefühttcn Randverzierung. Diesem gegenüber steht der in Buchdruck hergcstellte, in Roth und Schwarz gedruckte Titel, wie wir ihn oben angegeben.

Dem JnhaltSverzcichniß schließt sich das Widmungs­blatt an, enthaltend nur die wenigen Worte:Edlitam gewidmet von F. B." Man kehre diesen orientalisch klin­genden Namen um, und man hat den Namen der Gattin deS Dichters.

Der Prolog ist mit einem Blatte geschmückt, welches das Titelwort in Zierschrift, mit Rosen und Reben um­rankt, in denen Colibri zwitschern, enthält. Dasselbe ist gezeichnet von Adalbert Müller.

Da« erste Buch der Lieder betitelt sichZulsikha" mit Rückert'S Motto:

Die Liebe ist der Dichtung Stern, Die Liebe ist des Lebens Kern; Und wer die Lieb' hat ausgesungen. Der hat die Ewigkeit errungen.

Ein Medaillonbild in Farbendruck, gez. von Giovanni

Nicht wenig aber wird zur Beruhigung der öffentlichen Meinung in Deutschland beitragen, daß Rußland der auf­richtigste und der innigste Freund Deutschlands ist, und daß es auch bei der belgischen Frage sich wieder mit großer Entschiedenheit auf Seite Deutschlands gestellt hat, inso­fern cs die Beschwerden Deutschlands gegen Belgien auf das eindringlichste unterstützt hat. Diese Gemeinsamkeit der Anschauungsweise und Jntereffen ist eine Garantie, daß der europäische Frieden so bald noch nicht gestört wird, und daß Deutschland in allen Fällen einen zuverlässigen Bundrsgenoffen in Rußland hat.

Tagesbericht

Nach dem bekannten Inhalt des Schreibens, welches der deutsche Gesandte am italienischen Hofe dem Könige Victor Emanuel Seitens Sr. Majestät überbracht hat, ist diese Reise des letzteren nach Italien noch nicht aufgezeben. Wie man erfährt, ist vor der Abfahrt des Kaisers nach Wiesbaden eine Disposition dahin getroffen worden, daß die Reise des Kaisers alsbald nach dem Besuche des Kö­nigs von Schweden, also in der dritten Maiwoche, erfolgen und Obcritalien zum Ziele haben solle. Es ist indeffen nur ein kurzer Aufenthalt in Aussicht genommen und würde der Kaiser dann direct sich nach EmS begehen. Auf Grund dieser Plane sind Denn auch bereits bestimmte Anordnungen an die Hofämter ergangen, über die Be­gleitung rc. aber noch nichts festgesetzt. Ob und wie weit diese Projekte zur Ausführung gelangen können, muß sich noch zeigen. In Ems trifft bekanntlich der Kaiser noch mit dem Kaiser von Rußland zusammen; auch andere Für­sten werden gleichzeitig dort cintreffen. Auch von einer kurzen Zusammenkunft der beiden Kaiser mit dem Kaiser von Oesterreich in Ems ist die Rede.

Das Gesetz über den Verwaltungs-Gerichtshof ist in der Commission auch in "zweiter Lesung durchberathen. Der Bericht wird heute feftge stellt; Referent ist der Abg. Wintzingerode. Der wichtigste Beschluß der Commission geht dahin, daß der Gerichtshof für Cornpetenzconflikte beseitigt werden soll und bei Competenzstreitigkeiten die Entscheidung theils den ordentlichen Gerichten, theils dem Verwaltungsgerichte selbst und in höchster Instanz einem Gerichtshof übertragen werden soll, welcher sich aus den Senatspräsidenten des Obertribunals und dem Oberver­waltungsgerichte selbst zusammensetzt.

DieNordd. Allg. Ztg." bespricht die Wahlm der elsaß-lothringischen Bezirkstage zum LandeSauSschusse, welche überwiegend im Sinne der maßvollen, auf Förderung der Landesinleressen gerichteten Bestrebungen ausfielen. Dieses ruhige Fortschreiten der Verhältniffe vor dem In- und

I Auslande zu constatiren, sei, zumal'tm gegenwärtigen Augen­blicke, eine dankestswerthe Aufgabe.

Nach einer direkten Mittheilung aus Jsmailia vom 11. April ist der Erbgroßhcrzog von Mecklenburg-Schwerin am 10. d. M. von seiner Reise nach dem Sinai glücklich in Suez zurückgekehrt. Unter Führung des ProfefforS Brugsch Bey hatte er und seine Begleiter auf einer ägyp­tischen Corvette von 6 Armstrong-Kanonen und 130 Mann die Hinreise von Suez nach Tor zur See und von da weiter nach dem Sinai zu Lande auf Kameelsrücken unter­nommen. Die mit königlicher Pracht ausgestattete Kara- wane bestand aus mehr als 120 Kameelen und Drome­daren, welche die Hin- und Rückreise in sieben Tagen zu­rücklegten. Die Zelte wurden aM Fuße dis Klosters und des MoseSbergeS aufgeschlagen. Professor Brugsch Bey hatte das unerwartete Glück, in der Klosterbibliothek neun bis jetzt noch unbekannte Stücke deS berühmten Codex Sknaiticus, der ältesten Handschrift der Bibel, zu entdecken. Der Erbgroßherzog sammt Gefolge begiebt sich auf den Suez-Canal über Zsmmliä nach Port Said, um am 13. d. M. feine Weiterreise nach Palästina fortzusetzen.

Die Gerüchte von Pferde-Ankäufen in Böhmen und Fouragekäufen in der Schweiz werden derAgencc HavaS" von unterrichteter Seite üls vollständig unbegründet be­zeichnet; die Gerüchte sind dem Vernehmen nach auf Ma- növreS intereffirtcr Spekulanten zurückzuführen.

~ Deutsches Reich.

Berlin, 20. April. In der letzten Zeit ging durch die Zeitungen wiederholt die Nachricht von dem Rücktritt deS Kriegsministers, Generallieutenant von Kamekc, von seinem Posten. Eine hiesige Correspondenz deutete sogar schon den Nachfolger des Herrn v. Kameke an. Wir können auf das Bestimmteste versichern, daß jene Gerüchte nichts als Combinationen sind und daß auch nicht einmal der Gedanke von einem Rücktritt des Herrn v. Kameke von seinem Posten bisher angeregt worden ist. Der Gesetzentwurf über die Klöster Und Congregationen, welcher noch in dieser Session dem Landtage vorgelegt werden soll, ist, wie wir hören, vom Kaiser noch nicht vollzogen, ob­gleich er bereits vom Ministerium berathen worden ist. Es widerlegt sich dadurch auch die Nachricht einer hiesigen Correspondenz, daß der Kaiser vor seiner Abreise nach Wiesbaden dieses Gesetz unterzeichnet habe. ES ist bereits von anderer Seite daraus hingewiesen, daß in den aller­höchsten Kreisen selbst sich gegen dieses Gesetz Bedenken geltend gemacht hätten und wir hören, daß cS bis jetzt noch nicht gelungen ist, diese Bedenken zu beseitigen. Man glaubt jedoch, daß der Kaiser noch während deS Aufent-

Abonnelli, schmückt diese Abthcilung. Im Schatten der Pinien steht Mirza Schaffy unv blickt zu seiner Zulsikha empor, welche umschleiert auf dem Dache ihres Hauses sitzt. Wir hören den entzückten Mirza singen:

Nicht mit Engeln im blauen Himmelszelt,

Nicht mit Rosen auf duftigem Blumensttd, Selbst mit der ewigen Sonne Licht Vergleich' ich Zulsikha, mein Mädchen nicht!

Denn der Engel Busen ist liebeleer, Unter Rosen drohen die Dornen her. Und die Sonne verhüllt des Nachts ihr Licht: Sie alle gleichen Zulsikha nicht!

Nichts finden, so weit das Weltall reicht, Die Blicke, was meiner Zulsikha gleicht Schön, dornlos, voll ewigem Liebesschein, Kann sie mit sich selbst nur verglichen sein!

Das zweite Buch:Lieder der Klage", ist mit einer höchst stimmungsvollen Mondlandschaft von Giovanni Abonnelli geziert, sie trägt das Göthe'sche Motto:

Die ftohen Freunde laden Dich,

O komm an unsere Brust, Und was Du auch verloren hast, Vertraure den Verlust.

In diesem Theile klagt Mirza Schaffy über den Ver­lust seiner geliebten Zulöikha und singt verzweifelnd:

Wieder ist der Frühling ins Land gekommen. Ist in blumigem, buntem Gewand gekommen.

Sonst als einem Freunde bin ich ihm entgegen

Mit einem vollen Becher in der Hand gekommen.

Jetzt meid' ich ihn, denn unter feinen Blumen

Bin ich an der Verzweiflung Rand gekommen.

Bin um Zulsikha, und mit der Geliebten

Um Freude, Glück und Verstand gekommen.

Das dritte Buch enthält dieLieder zum Lobe des Weines und irdischer Glückseligkeit", cingcleitet durch ein Kunstblatt von Adalbert Müller, welches in einem obernt' Medaillon Mirza Schaffy zu Füßen seiner Geliebten dar« stellt, das Glas in der Hand, die Weisheit im Munde, während der untere Theil das Ganze zu einem Blumen­

stück, Rosen und Trauben, gestaltet. Diesem voran siebt das Rückert'sche Motto: 1 9

Becherrand und Lippen

Sind Korallenklippen, f Wo auch die gescheitem

Schiffe gerne scheitern.

Wählen mir aus diesem Witz und Geist sprudelnden Capitel ein kurzes Liedchen, das den Dichter in seiner gan- zen Schlagfertigkeit uns zeigt:

Wo man fröhlich versammelt in traulicher Runde ist.

Ohne zu achten, ob's früh oder spät an der Stunde iff -

Wo der Becher von Wein überfließt, und die Lippe von Witz, Und em rosiges Kind mit den Zechern im Bunde ist: Gerne dott weilst Du, o Mirza Schaffy! wo die Weisheit Hinter den Ohren nicht feucht, und nicht ttocken im Munde ist.

Das vierte Buch bringt dieLieder und Sprüche der Weisheit", eingeleitet -durch das von der ersten Aufgabe vonTausend und ein Tag im Orient" bekannte Bild, in welchem Bodenstedt den Weisheitslehren seines Lehres Mirza SchaM lauscht; daffclbc ist Zeichnet von Adalbert Müller und emgeleittt nitt dem Goelhe'schen Motto:

Auf das empfindsame Volk habe Ich ftie 'toas gehalten- es werden, '

Kommt die Gelegenheit, nur schlechte Gesellen daraus.

Aus dem reichen Jnhatt dieser Ablheilunu wählen wir das folgende Kernlied auS: *

Höre was der Vokksmuiid spttcht:

Wer die Wahrheit liebt, der muß

Schon sein Pferd mn-ZüzelHaben -

Wer bte Wahrheit denkt, der muß

Schon den Fuß im Bügel haben

Wer die Wahrheit spricht, der muß

Statt der Arme Flügel haben!

Md doch singt Mirza Schaffy:

Wer da lügt, muß Prügel haben!

Das fünfte Buch betitelt sichTiflis". Verschiedenes. Dasselbe ist geschmückt mit einem Landschaftsbild von Giovanni Abonnelli stach einem Motiv deS Paul von