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Marburg, Mittwoch, 14. April 1875.

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Und die Kameraden mußten allein gehen, während Pierre ruhig in der Werkstatt fortarbeitete. Die Ausrede mit den Schulden war aber eben nur eine Ausrede, denn Pierre hatte auch keinen Sou Schulden und er ging aus einem ganz anderen Grunde nicht aus. Er fürchtete einem von seinen früheren Genossen aus dem Lagno zu begegnen und von diesem erkannt zu werden und darum vermied er alle öffentlichen Vergnügungen.

So verstrich eine Woche nach der andern und Pierre «ar nun schon gegen elf Monate in dem Etadlissemenl

▲ meyer in Berlin; Carl Schüß- ” ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Kind.

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„Bei der Barmherzigkeit Gotte«! hört mich, meine Brüder," rief bei dieser Beschuldigung Pierre und stürzte, die Hände auSftreckend, aus seine Knie, während bitte

Anzeigen nimmt entgegen: die EMdttion d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L Daube & Co. in Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalideudank, A Rete-

TageSbericht

Nach den neuesten Dispositionen würde der Kaiser schon in acht Tagen sich nach Wiesbaden begeben und dort bis zum 8 Mai verweilen, dann nach Berlin zurück kommen und Ende Mai nach Empfang des Kaisers von Rußland und des Königs von Schweden in Berlin ver­bleiben, hierauf wie in früheren Jahren sich zum Kurgebrauch nach Ems und Gastein begeben. Das kronprinzliche Paar kehrt gleichfalls gegen den 10. Mai nach Berlin zurück.

Der Umstand, daß die Reise des Kronprinzen nach Italien, die. am Montag Mittag 2 Uhr angetreten wurde, gemäß den veränderten Dispositionen ohne offiziellen Cha ratter stattfindet, wird vergebens von den Pessimisten ver- werthet werden. Diese Aenderung fand gutem Vernehmen nach im Einverstänbniß mit Italien statt, damit ein etwai» get späterer Gegenbesuch des Kaisers Wilhelm offengehalten werde. ES ist dadurch eine Begegnung des Kronprinzen mit Mitgliedern der königlichen italienischen Familie selbst­verständlich nicht ausgeschlossen. Nach den gegenwärtigen Dispositionen würde sich bas kronprinzliche Paar zunächst über München, Verona an den Gardasee begeben und später in der Villa Carlotta des Herzogs von Meiningen Ausenlhalt nehmen.

Ein Gesetzentwurf gegen die Orden und Congregatio- nen, unter Beibehaltung der WohllhätigkeilSgesellschasten, soll in Widerspruch mit früheren Intentionen nun doch vorerst für Preußen ins Auge gefaßt sein. Die Haltung deS Clerus wird daS Gesetz gezeitigt haben. Auch das schon eingebrachte, das die bekannten Artikel der Verfassung abschafft, ist eine thatsächliche Ergänzung der Antwort an die Fuldaer BischosS-Adresse. Diese Antwort ist ein historisch denkwürdiges Aktenstück und macht das größte Aufsehen.

Der Wortlaut in dem dem Abgeordnetenhause zuge­gangenen Gesetzentwurf Über Aushebung der Verfassungs­artikel 15, 16 und 18 ist folgender: Art. 15. Die evan­gelische und die römisch-katholische Kirche, sowie jede andere Religionsgefellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegen­heiten selbstständig, bleibt aber den Staatsgesetzen und der gesetzlich geordneten Aussicht des Staates unterworfen. Mit der gleichen Maßgabe bleibt jede Religionsgejellschaft im Besitz und Genuß der für ihre Cultus-, Unterrichts­und Wohlthätigkeitszwecke bestimmten Anstalten, Stiftungen und Fonds. Art. 16. Der Verkehr der Religionsgesell schäften mit ihren Oberen ist ungehindert. Die Bekannt­machung kirchlicher Anordnungen ist nur denjenigen Be­schränkungen unterworfen, welchen alle Übrigen Veröffent­lichungen unterliegen. Art. 18. Das Ernennungs, Vor­schlags -, Wahl- und Bestätigungsrecht bei Besetzung kirchlicher Stellen ist, soweit es dem Staate znsteht und

so lebhaft an jene entsetzliche Zeit —" das Gesicht mit den Händen bedeckend, tumultuarisches Geschrei unterbrach ihn. die Arbeiter, „wir haben einen Galeeren-

es mich immer stammelte, sich Pierre.

Ein wildes, „Wie?" riefen sträfling unter

. _ uns, einen aus dem Bagno Entlassenen, einen Spießgesellen von Raubmördern und Fälschern? — Herr Goujon," schrien sie, „daS dulden wir nicht, entweder der Format verläßt augenblicklich Ihr Etabliffement ober wir legen inSgesammt unsere Arbeit nieder."

Der Galeerensklave.

Novelle

von Karl Wartenburg.

(Fortsetzung.)

„Komm', Pierre," hatten sie im Anfang oft zu ihm gesagt, „komm mit hinaus vor die Barrieren! Du bist jetzt das erste Mal in Paris und hast noch keinen Tropfen Wein mit uns getrunken."

„Und die Mädchen, die Grisettrn solltest Du erst kennen," fügte ein Anderer hinzu: „ah! vive la Gri- sette!“

nur, geht," sprach bann Pierre, „ich will untetbeffen arbeiten,

zu bezahlen; oh! man hat auch nicht fiedln gelebt," fügte et bann mit geheimnißvoller Geberbe

„Geht nur allein," antwortete er, „Ihr wißt ja, daß ich keinen Wein trinke und waS Eure Griselten betrifft, so bin ich wohl schon ein zu alter Bursche sür solche Thorheiten."

„Was, ist man zu alt, um Eroberungen zu machen, wenn man erst siebenunddreißig Jahre alt ist, wie Du, "" ein achtes Pariser

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattet, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

nicht auf dem Patronate ober befonberett Rechtstiteln be­ruht, aufgehoben. Auf die Anstellung von Geistlichen beim Militär und an öffentlichen Anstalten findet diese Bestim­mung keine Anwendung. Im Uebrigen regelt das Gesetz die Besugniffc des Staates hinsichtlich der Vorbildung, Anstellung und Entlassung der Geistlichen unv Religions­diener, und stellt die Grenzen der kirchlichen Disciplinar- gewalt fest.

Herr Llorente in Madrid soll Glückwünsche als be» zeichnetet Geschäftsträger Spaniens in München angenom­men haben. Danach würde sich unsere neuliche Nachricht bestätigen, daß Spanien seine Vertretung in München nicht aufgegeben hat.

Von den österreichischen Zeitungen will so wenig wie von den französischen keine, mit Ausnahme der wenigen prin­zipiell deutschfeindlichen Blätter, an das Vorhandensein schwieriger politischer Verhältniffe glauben. Das über auswärtige Beziehungen zuweilen gut orientirte Wiener „Fremdenblatt" schreibt: „Noch liegt kein Grund und keine Wahrscheinlichkeit vor, daß das Dreikaiserbünduiß, das die unantastbare Bürgschaft des Weltfriedens ist, ins Schwan­ken gekommen oder gar erschüttert worden sei, noch hat sich keine bedeutende europäische Macht gesunden, die so thöricht und selbstmörderisch wäre, um die eigene Existenz zur größeren Ehre der französischen Revanche in die Schanze zu schlagen; noch sind die Franzosen selbst nicht so verblendet, um einen Kampf zu überstürzen, der in An- belracht der heutigen gegenseitigen Machtverhältnisse ihren nationalen Untergang nach sich ziehen könnte; noch endlich leben die Schrecken und Leiden des Jahres 1870 zu frisch in Aller Erinnerung, noch drücken die Folgen dieses ge- geroaltigen Zusammenstoßes zu schwer auf den europäischen Geldmarkt und auf die Erzeugungs- und Verbrauchskraft in allen wirthschaftlichen und industriellen Gebieten, als daß nicht der vergangene Krieg selbst daS beste Gegenmittel gegen einen baldigen neuen Krieg sein sollte. Das sind Gründe von solchem Gewicht, daß sie, wenn die Stunde der ernsten Entscheidung schlagen sollte, alle Hoffnungs­träume und Restaurationsgelüste gewisser Äoterien, alle Kombinationen der internationalen ultramontanen Ver­schwörung und alle noch so kühnen Rachepläne einer vor­eiligen Revanche mit leichter Mühe in die Höhe schnellen sollten."

Die Florentiner „Epoca" bringt ausführlichere Mit- theilungen über die Zusammenkunft in Venedig. Der Cardinal-Patriarch in Venedig soll zwei eigenhändige Briefe deS Papstes erhalten und den einen dem Kaiser von Oester­reich, den anderen dem König von Italien übergeben haben. In den Audienzen, bei welchen er die Handschrei­ben ablie|erte, soll der Patriarch im Auftrage deS Papstes die Bedingungen entwickelt haben, unter denen sich ein des Herrn Goujon und hatte sich eine anständige Summe verdient, die er seinem Prinzipal zur Aufbewahrung über­geben.

Seine Kameraden, an seine Eigenheiten gewöhnt, lie­ßen ihn gewähren und plagten ihn nicht mehr, mit ihnen auszugehen. Nur eines fiel ihnen in seinem Wesen auf. Am ersten Tag jedes Monats kam Pierre, der sonst immer der Erste früh in der Werkstatt war, eine ganze Stunde später und sah dann bleich, traurig zerstört ans. Diesen ganzen Tag sprach er kein Wort und verließ am Abend wieder eben so still und traurig, wie er gekommen, die Fabrik. „Was wird es sein", meinte einer der Arbeiter, „der Pierre ist sehr fromm, vielleicht läßt er am ersten eine Messe lesen für seine Frau, die gestorben und die er sehr geliebt hat, oder für seine Eltern."

Dies schien Allen die natürlichste und einfachste Er­klärung und eS forschte Niemand weiter nach, zumal man in den letzten zwei Monaten, an den bestimmten Tagen, nicht mehr jene niedergeschlagene bleiche Miene an ihm bemerkt hatte.

Da klopfte eines Tages — eS »ar im Spätherbst des Jahres 1829 — ein Polizeiagent an dem Thore der Fabrik und verlangt Einlaß. Man öffnet und der Agent l fragt nach Herrn Goujon.

„Sie haben mich zu sprechen verlangt," redete dieser, nachdem man ihn gerufen, über den Besuch deS Polizei­agenten Überrascht, denselben an, „was wünschen Sie von mir?"

„In Ihrem Etablissement ist ein gewiffer Pierre Poiffon beschäftigt — nicht so?" sagte der Polizeiagent kurz. —

„So ist's," erwiederte Herr Goujon, „er ist einer meiner fleißigsten und bravsten Arbeiter; dort arbeitet er,

ßrfAeint tüalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JSustrirteS Sonntagsblatt durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2't Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). - Jnsettionsgebühr für bte gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

gute« Verhältniß zwischen Staat und Kirche in Italien Herstellen ließe. Die erste derselben wäre Italiens Los­lösung von Deutschland. Ein Privattelegramm aus Venedig meldet der „Epoca", daß diese Mission des Patriarchen vollständig gescheitert sei. Eben so fruchtlos seien die Be­mühungen einer anderen, weltlichen Persönlichkeit gewesen, die eigens von Rom nach Venedig geschickt worden, um in diesem Sinne zu wirken. Die neueste „Opinivne" leugnet überhaupt, daß mit dem Patriarchen von Venedig von den Dingen gesprochen wurde, welche die „Epoca" zu erzählen weiß.

Deutsches «eich. “

.** Berlin, 12. April. Der Artikel der mit den Auffassungen der Regierungskreise vertrauten „Post," wel­cher sich mit den allgemeinen Aussichten der gegenwärtigen Lage und mit der vorwaltend kriegerischen Stimmung Frankreichs beschäftigt hat, ist noch in Aller Mund und hat trotz der beschwichtigenden Artikel der Nordd. Allg. Ztg. auch heute noch seine hohe Beachtung und dies um so mehr, als er im genauen Gedankenzusammenhange mit den Ausführungen steht, die anderen hervorragenden Organen der Tagespresse von sachverständigen und gewiffenhasten Berichterstattern zugegangen sind. Wenn ein besonnenes Uriheil auch nicht leicht an eilte ernste Kriegsgefahr von Seiten Frankreichs glauben kann, so ist doch in Betracht zu ziehen, daß unsere Nachbarn uns daran gewöhnt haben, auch auf die Unwahrscheinlichkeiten einer kopflosen Politik gefaßt fein zu müssen. Bis jetzt hat Frankreichs Jsolirtheit gegenüber dem wohlgerüstetea Deutschland Garantie ge­boten, daß die Revanchegelüste der Franzosen gute Wege haben. — Die Reise des Kronprinzen nach Italien wird heute stattstnden, jedoch ist dieselbe nur als private zu be­trachten, da die vertraulichen Verhandlungen über eine Begegnung mit König Victor Emanuel noch kein Resultat verlangt haben. E« ist daher wohl voreilig, weitere Re- flectionen an die Reise des Kronprinzen zu knüpfm. Der Auffaffung aber, als ob die Entrevue des Kaiser» von Oesterreich mit dem König von Italien hier irgend welche Verstimmung hervorgebracht hat, muß doch ent­schieden widersprochen werden. Man ist in Berlin vorher und jetzt so vollständig über die Entrevue unterrichtet ge­blieben, daß irgend ein Mißton durch dieselbe nicht her­vorgebracht werden konnte. — Die Aufhebung der Artikel 15, 16 und 18 auf legislativem Wege hat mit Recht grpße Sensation hervorgerufen. Man wird die Vorlage aber am besten charakteristren, wenn man sie als die fak­tische Beantwortung der bischöfl. Vorstellung bezeichnet. Die Provinzial-Corresp. hatte bereits in ihrem Artikel, „Preußens Antwort auf die geistliche Bulle" das Sperr­gesetz als den ersten Schritt auf der staatlichen Defensive

er ist eben an der Drehbank beschäftigt." Er zeigte mit dem Finger auf Pierre.

Auf diese Antwort geht der Polizeibeamte auf Pierre los und spricht in barschem Tone zu ihm:

„Hat man Euch nicht bei Eurer Entlassung au« dem Bagno gesagt, daß Ihr Euch den Ersten jeden Monats auf dem Polizeibureau Eures Wohnortes melden müßt? Warum seid Ihr dieser Vorschrift in den letzten zwei Monaten nicht nachgekommen?"

^MBei diesen laut und rücksichtslos gesprochenen Worten des Polizeiagenten richteten sich die Blicke aller Arbeiter und des Chefs auf den unglücklichen Pierre, der bleich verstört, die Augen zur Erde niedergeschlagen, bei seiner Drehbank steht und kein Wort der Entgegnung stammeln «kann. Wie erstarrt und in lautloser Spannung lauschten die Arbeiter und Herr Goujon auf die Antwort des Armen. Alle glaubten, daß hier eine Verwechslung statt­finde.

„Nun, werde ich eine Antwott erhalten?" unterbrach endlich der Polizeiagent die bängliche Stille.

„Ich — ich hatte es vergessen und dann erinnerte