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Marburg, Dienstag, 13. April 1875.

x Mrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Cüln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

OlmheWe Jriluim.

Anzeigen nimmt entgegen: die E^edition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidcndank, A-Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Z»»ediat - Eingabe der preußischen Bischöfe und Ant- wart des Staatsmiaisterinms.

Der Wortlaut dieser Eingabe ist nach demStaats- Anzeiger" folgender:

AUerdurchlauchtigster, GroßmSchtigster Kaiser! AllcrgnLdigster Kaiser, König und Herr!

Durch Ewr. Kaiserlichen und Königlichen Majestät Staats-Ministerium wurde den Häusern des Landtages ein Gesetzentwurf vorgelegt, nach welchem der Fortgenuß der den katholischen BiSthümern und Geistlichen aus Staats­mitteln zugesicherten Leistungen von einer vorgängigen Er­klärung der Diöcesanvorstände oder Geistlichen zu unbe- dingter Befolgung der staatlichen Gesetze abhängig gemacht werden soll. Eine derartige Erklärung in solcher Unbe­dingtheit abzugeben, ist mit dem Gewissen eines Christen unvereinbar. Haben doch die Apostel und unzählige christ­liche Blutzeugen lieber den Tod erdulden, als sich den­jenigen Staatsgesetzen und obrigkeitlichen Anordnungen fügen wollen, welche ihnen die Verkündigung der göttlichen Wahrheit untersagten, oder von ihnen eine Verleugnung des christlichen Glaubens forderten. Können wir nun aber, ohne unserem Gewissen zuwider ,ju handeln und mit den Prinzipien des ChristcnthumS zu brechen, jene Erklärung nicht abgcben, so wird auch das Bestreben, uns dazu durch Borenthaltung materieller Mittel nöthigen zu wollen, als ein vom christlichen Standpunkte zulässiges niemals erachtet werden können. Ueberdies sind die bezüglichen Leistungen des Staates an die betreffenden Bisthümer die Folge einer rechtlichen Verbindlichkeit, welche der Staat zugleich mit den säkularisirten Kirchengütern in Gemäßheit ausdrücklicher Stipulationen überkommen hat, und die nach dem bekannten Worte eines preußischen Ministersunter Verpfändung der Ehre Preußens" übernommen wurde. Und was die übri­gen Leistungen aus Staatsmitteln an Geistliche anbetrifft, so sind auch diese keineswegs aus einer bloßen Liberalität b« Staates gegen die Kirche entsprungen, sondern haben ebenfalls eine rechtliche Grundlage, sei es in der Säkulari­sation von Klöstern und Stiftern, sei es in PatronatS- rechten oder in landesherrlichen Zusagen, und muß die Einstellung dieser Leistungen gerade im gegenwärtigen Augen­blicke ganz besonders dazu dienen, bittere Gefühle in den Herzen der Katholiken anzuregen, als eben für die Geist­lichen anderer christlichen Konfessionen von Seiten deS Staates mit wohlwollender Freigebigkeit aus den allgemeinen Steuer- Verträgen erhebliche GehaltSverbefferungen bewilligt werden. Am schmerzlichsten aber berührt uns die angegrohle Ein­stellung der Leistungen aus Staatsmitteln deshalb, weil sie als eine Strafe des Verhaltens der katholischen Bischöfe und Geistlichen den Maigesetzen gegenüber ausdrücklich be zeichnet wird, obwohl dieselben ohne Verletzung ihrer heiligsten Pflichten und der von Gott gegebenen Bersassung

der katholischen Kirche zur Ausführung dieser Gesetze mit­zuwirken nicht im Stande sind. Wir würden der schul digen Ehrfurcht gegen Ew. Majestät zu jnahe zu treten fürchten, wenn wir die Voraussetzung auch nur für mög­lich halten wollten, daß es den Intentionen Ewr. Majestät entsprechen könnte, eine solche Untreue und Pflichtverletzung von Seiten der bestellten Hüter der kirchlichen Ordnung zu fordern. Deßhalb wenden wir uns nicht an die Häu­ser des Landtags, in welchen das Verständniß christlicher Anschauungen mehr und mehr zu schwinden beginnt, son­dern an Ew. Majestät selbst alö den Schirmherrn der in Preußen anerkannten christlichen Kirchen, an die Krone, zu welcher die Katholiken auch bei politffchen Stürmen stets mit treuer Loyalität gestanden haben, mit der ehr­furchtsvollen Bitte, dem intcndirten Gesetze al£ einer Ver­letzung wohlerworbener Rechte und einer Quelle unsäg licher Trauer und friedestörender Verwirrung die Allerhöchste Sanktion versagen zu wollen. In tiefster Ehrfurcht verharren mit vollkommenster Unterwürfigkeit Ewr. Majestät

allerunterthänigste, treu gehorsamste. Paulus, Erzbischof von Cölu, Heinrich, Fürstbischof von Breslau, Peter Joseph, Bischof von Liinburg, Wilhelm Emanuel, Bischof von Mainz, Matthias, Bischof von Trier, Johann Heinrich, Bischof von Osnabrück, Lothar, Bischof von Leuka i. p. i., Verweser der Erzdiöeese Freiburg, für Hohenzollern, Philippus, Bischof von Ermland, Wilhelm, Bischof von Hildesheim, Conrad Hahne, BisthnmSverweser von Fulda, für den Bischof von Culm, Klingenberg, General-Biear, für den Bischof von Münster, Dr. Giese, General-Vicar.

Fulda, den 2. April 1875.

Die im Allerhöchsten Auftrage örfolgte Beantwortung von Seiten des Staatsministeriums lautet:

Berlin, den 9. April 1875.

Ew. Erzbischöfliche Gnaden benachrichtigen wir, daß Se. Majestät der Kaiser und König geruht haben, das Staatsministerium mit der Beantwortung der Jmmediat- Eingabe der in Fulda versammelt gewesenen preußischen Bischöfe vorn 2 d. M. zu beauftragen. Bei Erledigung dieses Allerhöchsten Auftrags können wir nicht umhin, un­ser Erstaunen und unser Bedauern darüber auSzndrücken, daß Geistliche in der hohen Stellung der Herren Bischöfe sich zum Organ einer Behauptung machen konnten, als ob cs in Preußen eine Verleugnung deS christlichen Glau­bens sei, die Befolgung solcher Gesetze zu versprechen welche in anderen deutschen und fremden Staaten feit Jahrhunderten und noch heute von der katholischen Geist­lichkeit und ihren Kirchenobern bercitwtlligst befolgt werden und deren Befolgung dort von katholifchen Geistlichen mit heiligem Eide bedingungslos gelobt wird. Nicht minder auffällig und unwahr ist die Behauptung, daß die Gesetze,

Der Galeerensklave.

Novelle

von Karl Wartenburg.

(Fottsetzung.)

Nun freilich", erwiderte der Landmann,der Hügel, auf dem Ihr steht, ist der Montmartre, drüben rechts," indem er nach der Richtung wies,liegt Paffy, das hier gleich unten, etwas seitwärts, ist Batignolles und da zur Linken La Chapelle; wenn Ihr den Hügel heruntergehr und Euch rechts haltet, kommt Ihr biteel auf die Rue deS CarnöreS und an der Eile la Fontaine vorbei gerade in'S Herz von Paris und nun gehabt Euch wohl, Freund, ich habe noch ein derb' Stück Wegs vor mir."

Er grüßte und ging.

Also das ist Paris," murmelte Pierre, als er allein war.

Er hatte die große Stadt noch nie gesehen. Während seines Soldatenlebens war er immer im Feldlager gewesen und hatte Paris niemals selbst auf dem Durchmärsche berührt.

Vielleicht gelingt cs mir auch, unter diesem Menschen­meer ein kleines Plätzchen zu finden, wo ich ruhig leben und ruhig sterben kann, wo man mich nicht vor der Thür Hungers sterben oder durch Hunde von der Schwelle hetzen läßt, weil ich von der Galeere komme."

Er senkte bei diesen Worte» den Kopf traurig auf die Brust und blieb einige Minuten in düsteren Gedanken versunken stehen, dann hob er das Haupt empor und murmelte:

Muth! Muth! Pierre, ein Tapferer soll nicht ver­zweifeln." Und mit dem Gedanken schritt er den Hügel hinab und aus den ihm von dem Bauer bezeichneten Weg durch die Rue de CarrisrcS und an der Cite la Fontaine vorbei, hinein in dos Herz von Paris.

Es war Abend, als Pierre in Paris anlangte.

In den reichen Schaufenstern der Passagen, und jenen großen prächtigen Straßen, wo die Mode und der Luxus ihr Lager aufgeschlagen, funkelten und flammten Tausende von Lichtern und Kerzen, reiche Equipagen, in denen ele­gante Damen saßen, rollten nach den Theatern, aus den glänzenden Caffees flössen durch die hellen, hohen Fenster Ströme Lichtes auf die Straße, auf den Boulevards drängte sich eine dichte, elegante, lustige Menschenmenge. Alles Freude und Vergnügen athmend, denn es war Abend und mit dem Abend jauchzt ganz Paris auf, denn bann beginnt das Vergnügen.

Ein solcher Abend in Paris berauscht selbst Den, der an das Treiben großer Städte gewöhnt ist, wie viel mehr nicht den armen Pierre, der den größten Theil seines Lebens im Feldlager und im Bagno zugebracht hatte. Er vergaß unter diesem Menschenstrom die grauenhaften Bilder des Bagnos, er fühlte sich wieder frei, als ein Mensch, wie die Anderen.

Er lief wie ein Träumender auf den Straßen und den Boulevards umher, die Hoffnung, der Muth wachten wieder in ihm auf und als er spät am Abend in einer bescheidenen Nachtherberge der Rue des Barrcs, unweit des Hotel de Bille, sein Lager suchte, legte er sich zum ersten Mal wieder seit jenem unglücklichen Tag, wo er auf den Marquis von Chambreuil geschossen, mit ruhigem Herzen nieder.

Am andern Morgen verließ er, das Bändchen der Ehrenlegion ins Knopfloch geknüpft, das Haus, um irgendwo Unterkommen und Arbeit zu finden.

In Bagno hatte er das Feilen und andere Schlosser­arbeiten gelernt; er erkundigte sich daher nach einer folchen Werkstatt. Man wieS ihn nach einem großen Etablissement

gegen welche sich neuerdings der Ungehorsam der Bischöfe gerade nur in Preußen gerichtet hat, die Verkündigung der göttlichen Wahrheiten untersagten. Wenn die Herren Bi­schöfe anbeuten, daß den Geistlichen anderer Konfessionen gegenwärtig GehaltSverbefferungen bewilligt würden, welche nicht gleichzeitig den katholischen Geistlichen zu Statten kämen, so hätte ein oberflächlicher Einblick in die Vorlagen und Verhandlungen des Landtags genügt, um die Herren Bischöfe selbst von der Unwahrheit ihrer Behauptung zu überzeugen. Ebenso kann den Herren Bischöfen unmöglich bekannt fein, daß die Vorlage, deren Nichtvollziehung Sie unter Anwendung verletzender Worte über den Inhalt derselben von Sr. Majestät verlangen, nur mit Aller­höchster Genehmigung an den Landtag gelangen konnte. Die Forderung, daß Se. Majestät derselben dennoch, nach der Annahme an den Landtag, die Sanktion verweigern solle, ist um so befremdender, als die Herren Bischöfe selbst nicht glauben werden, daß die Dotationen, um deren Zu­rückhaltung eS sich handelt, vom Staate jemals bewilligt worden wären, wenn bei der Bewilligung den Bischöfen und Geistlichen das Recht hätte Vorbehalten werden sollen, je nach päpstlichem Befinden den Gesetzen deS Staates ge­horsam zu sein oder nicht. Wenn die Eingabe daS Ein­stellungsgesetz eine Quelle unsäglicher Trauer unh friede­störender Verwirrung nennt, so wollen Diejenigen unter den Herren Bischöfen, welche im Jahre 1870 vor der Verkündigung der vatikanischen Beschlüffe derartige Zu­stände als die Folge der letzteren vorauSsahen, und mit beredten Worten öffentlich verkündeten, sich selbst fra­gen, ob Sie nicht vielleicht durch treue und feste Ver­tretung ihrer Ueberzengungen unser Vaterland vor den Wirren und Friedensstörungen zu bewahren vermocht hätten, welche Sie selbst warnend vorhersagten und die wir jetzt mit Ihnen beklagen. Ew. Erzbischöfliche Gnaden ersuchen wir, den übrigen Herren Mitunterzeichnern der Jmmediat-Eingabe von diesem Schreiben gefälligst Mit­theilung machen zu wollen.

Das Staats-Ministerium.

Fürst von Bismarck. Camphausen. Graf zu Eulenburg. Leonhardt, galt. Achenbach. Friedenthal.

An den Erzbischof von Cöln, Herrn Dr. Paulus Mel­chers, Erzbischöfliche Gnaden zu Cöltt.

Tagesbericht.

DerReichsanzeiger" meldet: Der Kronprinz und die Kronprinzessin reisen am Montag zu einem längeren Auf­enthalt nach Oberitalien. Dem Vernehmen nach erfolgt die Reise im strengsten Jncognito.

Ans Berlin wird uns geschrieben, daß in Abgeordneten­kreisen von einer bevorstehenden Mobilisiruug der deutschen

in einer Straße der Faubourg Saint Antoine, und er ließ sich zu dem Chef der Anstalt führen.

Sie wünschen?" fragte Herr Goujon, der Chef, ein Man» von einigen vierzig Jahren und wohlwollenden, freundlichen Zügen.

Arbeit, mein Herr," antwortete schüchtern Pierre.

Sind Sie früher schon in einem solchen Etablisse­ment gewesen?" fuhr Herr Goujon fort.

Pierre zögerte einen Augenblick, dann antwortete er mit unsicherer Stimme:

Ja, mein Herr, mehrere Jahre hindurch."

Pierre log in diesem Augenblick und deßhalb zitterte seine Stimme; aber durste er die volle Wahrheit sagen, durfte er sagen, daß er sich seine Fertigkeit in diesen Ar­beiten in Bagno erworben ? Man würbe ihn auf ber Stelle abgewiefen haben, und bann hatte er zwischen dem Hungertod, Selbstmord oder dem Verbrechen zu wählen.

Dann haben Sie vermuthlich Zeugniffe von Ihren früheren Arbeitsherren?" sagte der Chef, indem er sich auf feinen Arbeitsseffel niederließ.

«Zeugniffe?" stotterte Pierre,verzeihen Sie mein Herr, daran habe ich nicht gedacht; ich ließ sie in meiner Wohnung."

Zum Glück bemerkte Herr Goujon feine Verlegenheit nicht; er murmelte:schon gut schon gut" und fuhr dann weiter fort:

Indessen bedarf es deren bei Ihnen auch nicht, Sie haben gebient, wie ich fche, Sie haben sich das rothe Bändchen auf dem Schlachtfelde geholt. Sie sind einer von unseren Braven, es ist das Zengniß genug.

Ja, mein Herr, ich diente. unter dem Kaiser," stammelte freudetrunken Pierre, der sich am Ziele seiner