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Sr. 78.

Marburg, Sonntag, 4. April 1875.

x Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Matte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leip­zig, Cöln k ; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a. M. rc-

(Obrtbrflifdjf Jalung.

Anzeigen nimmt entgegen: die E^edition d. Blatte-, sowie dre Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- ' meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buch druckerer) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Wirklich senkte sich allgemach die täuschende Fläche des Sumpfes. Mark versuchte, auf deu nächsten Erdschollen hinüberzuspringen. Allein er fühlte, daß sein lockerer Standpunkt zum Sprunge die nothwendige Stütze ver­sagte, und daß ein Versuch ihn dem Sumpf überliefern würde. Mehr und mehr wich unter seinen Füßen der Boden. Bis an die Brust stand er bereit- im Wasier. Er empfand den unerbittlichen Zug nach der Tiefe und ein rasendes Lachen des verzweifelten Bösewichts verzerrte sein Gesicht. Wie Blitze, geschleudert von Gottes strafender Hand, zuckte cs durch die Nacht seiner Seele, und diese Blitze erhellten vor seinem geistigen Schauen in erschre­ckenden Lichtern seine Lebensbahn.

Mit unabweisbarer Bestimmtheit sah er die Bosheit seines Herzens, seine Hoffahrt und Habsucht, seinen Chri- stenhaß und Glaubensabfall, sowie das gräßliche Werk seiner Umtriebe, die grausamste aller Christenverfolgungen. Dieses geistige Schauen und das Erkennen seiner Persön­lichkeit wurde «tot Unglücklicht» so furchtbar, daß er die leibliche Todcsnähe vollständig übersah. Nicht Reue über­kam ihn, nicht der Drang sich schuldbewußt der göttlichen Erbarmung zu unterwerfen, ein wahnsinniger Haß der auch dem Allerhöchsten trotzt, lodert in seinen Blicken. Bis zu den Schultern bereits gesunken, ballte er die Faust gegen den Himmel und knirschte mit den Zähnen.

Nazarener, - mich sollst Du nicht überwinden, nicht beugen I" rief er in wahnwitziger Vermessenheit.Dir, gekreuzigter Jude ergibt sich Mark nicht. Die Bekämpfung Deines Geistes und Deine« Werkes, der katholischen Kirche, war meine Lebensaufgabe, leugne ich eS, nein, ewig fei Dir Haß geschworen und ewiger Widerspruch I Hinab

verfassungsmäßigen Rechte gegenüber den das constitutio- nelle Gleichgewicht gefährdenden Bestrebungen der Folke- thingömehrheit kräftig wahren und der Regierung zu Hülfe kommen soll. Es ist dies das erste Mal seit Einführung der Verfassung, daß die Erste Kammer einen solchen «schritt thut.

Der schwedische Reichstag hat die von der Re­gierung beanspruchten Summen zur Vergrößerung der Flotte bewilligt.

In Petersburg und Moskau haben die dort wohn­haften Deutschen den Geburtstag des Deutschen Kaisers (22. März) festlich begangen. In erstgenannter Haupt­stadt wurde der deutsche Botschafter Prinz Reuß, der in der Festversammlung erschien, mit einem Beifallssturm be­grüßt, der die in einigen deutschen Blättern auSgesprengtcn Gerüchte, als seien die Deutschen in Rußland mit diesem Vertreter deS Deutschen Reiches sehr unzufrieden, voll­ständig Lügen strafte.

Die griechischen Kammern sind wieder einberufen, aber die Opposition ist nicht erschienen. Das Haus der Deputirten ist so spärlich besetzt, daß Beschlüffe gar nicht gefaßt werden können.

Die Pforte verhandelt mit Äaron Hirsch über den Bau der rumelischen Eisenbahn. Zur Begrüßung des Kaisers von Oesterreich, welcher Dalmatien bereist, ist der Contre-Admiral Haffan Pascha mit einem Geschwader nach dem Adriatischen Meere abgegangen. Der Gouverneur von Theffalien, Mehemed Ali Pascha (ein aus Magdeburg stammender Preuße Namens Detroit), hat für seine kräftige Vertilgung der Räuberbanden den Medschidieh-Orden er­halten. Die Deutschen in Konstantinopel haben den Ge­burtstag deS Deutschen Kaisers mit reichen Feierlichkeiten begangen.

Fürst Karl von Rumänien hat am 28. März die Session und damit zugleich die 4jährige Legislaturperiode der Kammern feierlich mit einer Thronrede geschlossen, in welches er unter allseitigem Beifall betonte, welches An­sehen das Land in Europa genieße, da andere Mächte gern mit ihm Conventionen abgeschlossen hätten.

Die serbische Skuptschina, welche am 24. März dadurch beschlußunfähig geworden war, daß 44 Mitglieder den Saal verließen, ist Tagö darauf durch fürstliches Decret für aufgelöst erklärt worden. Die Neuwahlen sollen binnen 4 Monaten vollzogen sein.

Tagesbericht

Die Reichsregierung hat, wie diePost" bestätigt, eine förmliche und definitive Einladung zur Fortsetzung der kriegsrechtlichen Confercnzen in Petersburg erhalten und bereits eine zustimmende Antwort nach Petersburg abgehen laffen.

DerNational. Ztg." zufolge ist die Nachricht von einer im Abgeordnetenhause bevorstehenden Interpellation

Der Äernn* va» Minister Muk.

(Schluß.)

Seine Betrachtungen wurden durch ein nahes Waffen- geräusch unterbrochen. Mark schaute zurück und gewahrte, daß ihm em Retterhaufen nachsetzte. Sofort trieb er sein Pferd an und galopirte über das Flachland. Weitere Rückblicke überzeugten ihn, daß er dem Feinde einen stets wachsenden Vorsprung abgewann. Wahrscheinlich würde er auch entkommen sein, hätte sich nicht ein unüberwind­liches Hinderniß entgegengeworsen. Seit einigen Augen­blicken erschien nämlich das Rennen seines Pferdes gelähmt, es sank bei jedem Schritte immer tiefer, und Mark ge­wahrte mit Schrecken, daß er in ein Moorland gerathen. Seine Verfolger hemmte allerdings dieselbe Schwierigkeit. Zurückschauend sah er, daß sie den schnellen Lauf in vor­sichtigen Trab verwandelt hatten. Für Mark bot jedoch dieser Umstand keinen Trost. Feinde hinter sich und einen Feind vor sich, der jeden Augenblick gefährlicher wurde.. Mit einem Male sank sein Pferd bis über die Knie und blieb stecken. Mark verließ den Sattel und flüchttte zu Fuß. Das Gleiche thaten die Verfolger und zwar mit mehr Gewandtheit und Schnelligkeit als der Staatsmann. Sie kamen näher und näher. Schon riefen sie ihm zu, sich zu ergeben. Mark bedachte indessen, daß den erbitter­ten Männern des Schlachtfeldes sein Kopf genügte und daß sie seinen Rumpf auf dem Moorlande würden liegen laffm. Darum flüchtete er, von Todesangst getrieben, immer weiter. Jetzt verwandelte sich das Moor in einen förmlichen Sumpf.

In mächtigen Sätzen sprang Mark von einer Insel aus die andere, bis er- sich überzeugte, daß ihm die Feinde

Politische W-cheu-Ueterficht.

Ein Tag von nationaler Bedeutung war in der schei­denden Woche der 'Geburtstag unseres Reichskanzlers. Von zahlreichen Städten aller Staaten des Reiches sind dem Fürsten Dank- und Glückwunschädressen übersandt worden und der Kaiser selbst hat ihn persönlich beglück­wünscht. Während die deutschen Landtage überall noch Osterferien halten, hat der preußische Episcopat neue Con­serenzen eröffnet, in welchen ohne Zweifel über die in Folge des Erlaffes der päpstlichen Encyclica vom 5. Febr. verschlimmerte Lage des vatikanischen CleruS in Preußen und insbesondere über die Haltung deS EpiScopats gegen­über der bevorstehenden Dotationssperre berathen werden soll. Inzwischen hat der Fürstbischof vön Breslau, so viel man weiß, zuerst und von allen seinen Mitbischösen allein jene Encyclica seiner Pfarrgeistlichkeit amtlich verkündet und bereits ist auf diesen Schritt hin Seitens der StaatS- regierung durch den Oberprästdenten die Aufforderung zur Amtsniederlegung an ihn ergangen. In Bayern begreift die ultramontan-particularistischc Partei, daß sie durch den Personenwechsel an der Spitze des Kriegs Ministeriums nichts gewonnen hat, und ihre Presse ergeht sich in betreffenden Geständnissen und Klagen. Für Elsaß-Lothringen ist die Ausführungsverordnung zu dem Gesetze vom 29. Oct. 1874, welches bekanntlich dem Rcichslanve einen berathen- den Landesausschuß gewährt, im Reichsanzeiger verkündet worden.

Die Reise deS Kaisers von Oesterreich nach Dal­matien hat durch den Abstecher nach Venedig eine höhere Bedeüiung auch für die auswärtige Politik erhalten und Andrassy'S Ideen eine neue Weihe ertheilt. Die Ultra» montanen fühlen, daß der Kaiser sich nicht zum Werkzeuge ihrer Pläne mißbrauchen läßt. Am 2. April wird der Kaiser in Triest erwartet, wo bereits große Vorbereitungen zu seinem Empfange getroffen wurden. Wenn Wind und Wetter günstig sind, wird diese Reise Franz Joseph's ein wahrer Triumphzug werden. Die Dauer der bevorstehen­den Landtagssession ist auf vier Wochen berechnet, das Arbeitsmaterial auf die dringendsten besonderen LebenS- bedürfniffe beschränkt.

Noch vordem Feste hat der schweizerische BundeS- rach in Betreff des Rekurses gegen die Ausweisung der jurassischen Geistlichen die Berner Regierung eingeladen, anzuzeigen, ob und wie lange die Ausweisung noch sort- bestehen solle, und welche Gründe sie für diese außerordent­liche Maßregel geltend mache. Der LundeSrath behielt sich vor, nach Umständen angemeffene Verfügungen zu treffen.

In Italien bereitete man sich auf den Besuch des Kaisers von Oesterreich vor, die ganze königliche Familie wird sich dazu in Venedig einfinden. Der König reist schon am 1. April dorthin.

AlS dir republikanische Mehrheit der französischen

Nationalversammlung die Verlängerung der Osterferien bis zum 11. Mai bewilligte, ward die Absicht ausgesprochen, dem neuen Kabinette Ruhe und Zeit zu laffen, die Fol­gerungen der neuen Lage zu ziehen und sicham Werke" zu zeigen. Ueber die Ersatzwahlen ist es noch zu keinem Endergebniß gekommen; über die Maßregeln gegen die bonapartistische Präfecten steht noch nichts weiter fest, als daß Buffet eine kleinere oder größere Anzahl von Ver­setzungen zugestehen, doch von Absetzungen nichts wissen will. Einstweilen hat Dufaure als Justizminister die Initiative ergriffen und ein Rundschreiben erlassen, worin die Staatsprocuratoren aufgefordert werden, darauf zu achten, daß den Staatsgesetzen Achtung gezollt und keine aufrührerischen Umtriebe gestattet werden. Ueber die Auf­lösung der Nationalversammlung ist es gleichfalls zu Kämpfen im Cabinette gekommen, indeß wird hier, wie in Bezug auf so manche andere Frage, schließlich die Macht der Verhältnisse sich geltend machen: eS sind noch neue Steuern nöthig; um sich aber durch Bewilligung derselben nicht mit den Wählern zu verfeinden, wird die National- Versammlung wahrscheinlich die provisorische Forterhebung der Steuern für das erste Semester 1876 bewilligen; eben so stemmt sich die Majorität gegen das von der Regierung als Bedingung zur theilweisen Aufhebung deS Belagerungs zustandes verlangte Preßgesetz. Nach Wiedereröffnung der Session dürfte es daher bald an Arbeit fehlen und die Nationalversammlung Grund oder Vorwand haben, im August vom Schauplatz zu verschwinden, so daß danü im September der Senat und im October die neue Legislative gewählt werden könnte.

Die beiden streitenden Parteien in Spanien führen ihren Kampf augenblicklich mit Worten, in vielen Fällen auch mit Lügen. Von alfonsistischer Seite werden zahl­reiche Uebcrtritte carlistischer Generäle und Offiziere ge meldet; von carlistischer wird behauptet, daß kein einziger activer Offizier dem Beispiele des Verräthers Cabrera gefolgt sei. Indessen ist es offenkundig, daß Cabrera'S Erklärungen die Zwietracht in der .^rrnee des Prätenden­ten und zugleich die Friedenssehnsucht in der Bevölkerung der Nordprovinzen bedeutend gesteigert haben, auch daß Don Carlos mit seinen Provincialständen, von denen er Geld und immer wieder Geld fordert, in Hader liegt. Eine Niederlage der carlistischen Hauptarmee würde Unter diesen Umständen die Niederlage bet ganzen unheilvollen Sache sein.

Das Osterfest hat in England fein übliches Gefolge von Ausflügen, Freiwilligen-Manövern und öffentlichen Versammlungen gehabt. DaS Parlament hat während der Ferien mehrere Mitglieder durch den Tod verloren, 'als namhaftestes unter denselben den Vertreter von Meath, John Martin.

Das dänische Landsthing hat, bevor es in die Osterserieu ging, einen Ausschuß eingesetzt, welcher seine

nicht weiter folgten, sondern am Rande -des Sumpfes stehen blieben. Auch Mark blieb stehen, durch Aufstampfen die Tragkraft seiner Insel prüfend. Der Moorgrund schwankte und das Wasser ringsum schlug Blasen. Sein Gewicht zu erleichtern, warf Mark sämmtliche RüstungS- stücke und Waffen von sich, die sofort unter dem Wasser verschwanden. Dann sah er nach den Feinden, die zu einer Belagerung entschlossen schienen. Er lauschte und entnahm den fallenden Reden, daß er von den Soldaten erkannt worden.

Die Krieger betrachteten den Staatsmann im Sum^ pfe und das Schauspiel wehte ste an wie göttliches Sttaf- gericht.

Solch' ein Bösewicht darf uns nicht entschlüpfen," sagte ein Reiter.Hätten wir nur einen Bogenschützen, den Unhold tobt zu schießen."

»Sei unbesorgt, Karnerab! Mark erwürgt keine Christen mehr," versetzte Nabor.Gott hält eben Abrechnung mit seinen Feinben, unb ben grimmigsten wirb er nicht ent­wischen lassen. Lange genug schwieg Gott, ber Herr, zu ben Blutthaten ber Heiben. Nun rebet ber Allmächtige, unb mit bem Äthern seines MunbeS vertilgt er seine Wi­dersacher."

Mark, he Mark!" rief ein Soldat hinüber.Du hast die katholische Kirche ausrotten wollen, hast Du den Sieg deS Kreuzes gesehen? Und wie steht es mit Dir?"

Flüche unb Hohngelächler antworteten aus bem Sumpfe.

Mark wirb vor unseren Augen sogleich bett Boden verschlingen," rief ein Krieger.Seht doch, der Unhold wird immer kleiner I"