Mr. 77.
Marburg, Sonnabend, 3. April 1875.
x. Jahrgang.
WerheMe Jritumi
in SRabitb gehört zu den im Hoch-1und allgemein anerkannten Wirksamkeit in Einklana brinae fiXn - dem Grafen Hegnenberg-Dux aufgcho-I Dem politisch klarsehcnden Menschen ist es aber unrweif?l-
6cn,n ’ WEedereinstellung tn das Budget würde in haft, daß gerade in der vielfach und mit Unreckt aekchmäbte» mehr als einer Hmstcht und von mehr als einer Seite Vergangenheit des Fürsten, die Grundlage für ^ieine ieniae ^"belführen. Immerhin liefert der Größe zu suchen ist. Die Frankfurter^ Seituna bat n?r deS Königs auf eme Erwiderung der von Don Feier des heutigen Tages ein wunderbares Znartt>iens ae- Alono erwiesenen dvnasti cken Löllickkeit den Ingrediens ge-
Deutsches «eich.
klagte mich der Verletzung der Gastfreundschaft, deS Ver- trauensbrucheS und Gott weiß, was Alles, an. Wie ich'
zu der Kühnheit gekommen, Lina zu küssen, war mir ein Räthsel. — Tiefe Reue bemächtigte sich meiner — und als ich Abends in dem Gesellschaftszimmer mit den übrigen Hausgenossen zusammentraf, wagte ich kaum den Blick zu erheben und vermied mit aller Anstrengung, Lina anzusehen »der mit ihr zu reden, konnte jedoch nicht umhin, zu be- merken, daß, sobald der Oberst seine Augen nach mir wandte, jene« schon erwähnte Lächeln über sein Gesicht ftofl. Ich verbrachte eine schlaflose Nacht. Am nächsten
neu Händen zurückgebliebene Buch wieder ein. Lina machte sich am Clavier zu schaffen. Als ich verstohlen nach dem Oberst blickte, begegnete ich seinen Augen, ein eigenthüm- licheS, höhnisch erscheinendes Lächeln umschwebte seine Lippen. Meine Knirc wankten — er hatte sicher meine mir jetzt als Verbrechen erscheinende Thal bemerkt. Alles Blut drängte sich nach meinem Herzen, ich war gefaßt, jede Minute zur Rede gestellt zu werden. Dies geschah jedoch nicht, der Oberst wechselte einige gleichgiltige Worte mit seiner Tochter und verließ dann mit ihr das Zimmer. Ich war allein. Mein Gewissen fühlte sich sehr belastet, ich
geboren am 11. Mai 1824, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses, Ritter des Ordens vom goldenen Vließ, vermählt 1868 mit Eleonore, Prinzeß von Aren berg. Er hinterläßt einen Sohn, den Prinzen Engelbert, geb. 1872, und drei Töchter.
Im Herzogthum Lauenburg ist die Gesetzvorlage über die Einverleibung des Herzogtums in dm prmßischen Staat eingetroffen. Ritter und Landschaft treten am 7. April zur Berathung zusammen.
Die bayerische Armee ist noch nicht in allen Punktm in Uebereinstimmung mit der Organisation und Formation mit dem übrigen Reichsheer, und eS ist die letzte Arbeit des abgetretenen Ministers v. Prankh, und eine Erbschaft, welche Herr v. Maillinger antritt, die wenigen noch bestehenden Abweichungen zu beseitigen. So bedarf Bayern zu seinen 10 noch weitere 2 Cavallerieregimenter, und es sollen demnächst 2 Husarenregimenter errichtet werden. Die dritten Bataillone der Infanterie sollen als Füsilier- bataillone, wie in den übrigen Contingenten, organisirt werden, und von den bestehmden 10 Jägerbataillonen sollen als solche nur 2, jedoch mit veränderter Organi- • sation, bestehen bleiben, die übrigen 8 aber zu Infanterie- regimentern formirt werden.
Alfonso erwiesenen dynastischen Höflichkeit den erfreulichen Beweis, daß die bekannte Neigung zur Weiterübung des 1870 gewahrt gebliebenen Gesandtschaftsrechtes bei ihm nicht jeder anderen Rücksicht vorgeht.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die spanische Regierung habe auf Verwendung des deutschen Gesandten, der sich auf den deutsch - spanischen Handelsvertrag vom 30. März 1868 berief, von der Erhebung des als Kriegs- Abgabe allgemein eingeführten außerordentlichen Gewerbesteuer-Zuschlags von den deutschen Staatsangehörigen abgesehen und die Rückerstattung der bereits erhobenen Beträge angeordnet.
Anzeigen nimmt entgegen:
• die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaur von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägcr'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß- v ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Das Pariser „Journal officiel" publicirt das bereits angekündigte Circular des Justizministers Dufaure; daffelbe fordert die Justizbehörden auf, der gegenwärtigen Regierung Achtung zu verschaffen und allen Parteien gegenüber un- rarteiisch zu verfahren.
Der spanische Gesandte am russischen Hofe, Marquis von Bedmar, und der spanische Gesandtschaftssecretär da- elbst, Marquis von Casafuerte, welche am Dienstag Abend aus Madrid über Paris in Berlin eintrafen, haben am Mittwoch Abend ihre Reise nach Petersburg fortgesetzt.
Ein neuer empfindlicher Schlag für die bayerischen Clericalpatrioten ist e6, daß nach den Mittheilungen einer
Tagesbericht.
Fürst Bismarck ist am Mittwoch Abend gegen 10 Uhr von den lauenburgischen Besitzungen, auf welchen er die Festtage mit seiner Familie zugebracht hat, nach Berlin zurückgckehrt. AuS allen Theilen Deutschlands ist bereits im Laufe deS Vormittags eine große Anzahl von telegraphischen und brieflichen Glückwünschen zu dem Geburtstage des Fürsten eingetroffen. Herrliche BlumenbouquetS und andere Geschenke sind in gleicher Fülle als Beweise der Verehrung eingetroffcn.
Die Amtsensetzung deS Fürstbischofs von BreSlau, Dr. Förster, ist jetzt beschlosicne Sache. Dieser Prälat gehörte zu den angesehensten und beliebtesten Personen an unserem kaiserlichen Hofe. Beide Majestäten erwiesen ihm bei einem ihm neuerdings widerfahrenen Unfälle persönliche Beweise lebhafter Theilnahme. Um so größeres Aussehen macht die ihn betreffende Nachricht.
Senator Schröder, Bevollmächtigter zum Bundesrath ist von Berlin nach Hamburg zurückgekehrt.
Der Herzog Engelbert von Arenberg-Meppen, Standes Herr in der Provinz Hannover, ist am ersten Osterfeiertage im Schloß Heverl« bei Löwen gestorben. Derselbe war
„Ich begreife noch nicht", stammelte ich verwirrt, „wie ich es wagen konnte, die Tochter meines väterlichen Freun deS, die Braut eines Andern, zu küffen!"
Der Oberst starrte mich sekundenlang an, dann brach er in ein schallendes Gelächter aus und rief: „Du hast meine Tochter geküßt, mein Junge? Das soll ich Dir verzeihen? Na, höre, das ist gottvoll! — Aber. — Lina die Braut eines Andern, wer sagte Dir denn das?"
Sin den Wirkungen des Lächelns.
Humoreske von Fritz Brentano.
(Schluß.)
Ehe ich e« hindern konnte, riß sie mir das Buch aus der Hand. Es schien mir entsetzlich, wenn sie ihren Na men dort entdeckte — ich machte den Versuch, eS wieder zu erobern — unsere Hände berührten sich, wie glühendes Feuer schien eS aus ihren Fingern zu strömen, lachend rang sie mit mir — da — ich weiß nicht, wie eS kam — berührten stch unsere Lippen. Erschrocken fuhr ich zurück. Gleichzeitig öffnete stch die Thüre und der Oberst erschien — ich blickte zum Fenster hinaus und steckte das in mei-
Morgen beim Kaffeitisch dieselbe Verlegenheit meinerseits und daffelbe Lächeln von Seiten des Obersten. Ich konnte dies nicht länger ertragen und beschloß, der Sache ein Ende zu machen. Ich wollte abreisen, zu meiner Mutter zurückkehren, zuvor aber die Verzeihung und Achtung des Obersten durch ein offenes Geständniß erringen. Kurz vor dem Mittagstisch ging ich in das Zimmer deS Herrn von Borstell. Das Erste, was ich erblickte, war jenes höhnische, halb verächtliche Lächeln, ich glaubte, man müffe das Klo pfen meines Herzens hören.
»Herr Oberst", sagte ich, „ich komme, um für Ihre Gastfreundschaft Ihnen meinen innigsten Dank zu sagen, gleichzeitig aber Sie zu benachrichtigen, daß ich noch heute zu meiner Mutter zurückkehren möchte".
„Du gehst früher, als ich erwartete", sagte der Oberst kühl. „Doch Du hast Deinen freien Willen."
„Zuvor jedoch, Herr Oberst", fuhr ich etwas stotternd ort, „wollte ich Sie für eine Unschicklichkeit, die ich in Ihrem Hause begangen, um Verzeihung bitten."
„Du — einer Unschicklichkeit wegen mich um Verzeih ung bitten?" fragte der Oberst.
„Sie waren zufälliger Weise "Zeuge meiner Kühnheit gegen Ihre Tochter — Ihr Lächeln bewies es mir", preßte ich heraus.
„Ich, Zeuge Deiner Kühnheit?" rief der Oberst, sonderbarer Weise, wie es mir schien, erstaunt. „Was bewies Dir mein Lächeln?"
Gießen, 31. März. Gestern wurde als Ersatz für den nach Leipzig gehenden HofgerichtSrath Buff rum De- putirten des Wahlkreises Gießen-Land für die zweite Kammer tn Darmstadt Herr Georg Buderus von der Main- Weserhütte zu Lollar gewählt.
. Earlsrnhe, 1. April. Die preußische Regierung ist mtl dem hiesigen Gymnasialdirector Dr. Wendt wegen Ueber- nahmc der Leitung des höheren Schulwesens in Preußen
„Ja, 1» , sagte der Forstmeister, als Hallen geschloffen,' da bringt ein Lachen em Pärchen zusammen - und dort ^er gestehen sie selbst, mein- Herren, ist es nicht bester, vom Lächeln und seinen Wirkungen zu reden als von einer verendeten Bestie?!" ö 8 '
Da öffnete sich wieder die Thüre, der Wirth streckte den Kopf ins Zimmer: „Meine Herren, die Sau, welche Seiner Durchlaucht Lieblingshuno Ein schallendes Geläch -r unterbrach ,hn, verblüfft trat er in's Zimmer: 's. ' . Y iL. er, „Sie brauchen nicht zu lachen! ES ist wahr! Ich habe sie gekauft und wollte sie, meine Herren zum Nachtesten einladen I" v '
"Wenn ich nicht irre, erwähnten Sie es selbst" stotterte ich. ' i ,
„Ei, mein Junge", eiferte Herr v. Borstell, „hat Dir denn Deine Frau Mutter gar nichts gesagt? Za ja das ZI« R°- t-n M »ichLAiU
Daher kommt die ganze Confufsion! Höre denn, Dein Vater und ich hatten bestimmt, Du und Lina, Ihr solltet ein Paar werden, daher meine Anspielung! Was aber mein Lächeln anbeiangt, so will ich Dir offen dessen Grund gestehen. Als ich Euch Beide gestern Nachmittag so stumm und stubenlängenwett auseinander stehen sah und jedes in einen andern Winkel schaute, da kam mir Deine Schüchternheit, die ich die ganze Zeit schon nicht recht begreifen konnte, doch lächerlich vor; überhaupt — nimm es mir nicht übel — erschienst Du mir gestern und heute höckst damlich. Daß Du Lina geküßt, soll ich Dir verzeihen ? Bon ganzem Herzen und wenn sie nichts dagegen einwendct erlaube ich Dir, es in Zukunft noch mehr zu thun." '
24 glaube nicht, noch erwähnen zu brauchen daß von meiner Abreise nun nicht mehr die Rede war und daß ich von der Erlaubniß des Obersten Gebrauch gemacht habe. Lina v. Borstell ist jetzt bereit« 13 Jahre Frau v. Hallen." * °
1 Uefert, welches so recht deutlich zeigt, welch' Geisteskind ste und ihr Urheber ist. Dieselbe gratulirt nämlich nicht etwa dem Fürsten Bismarck, sondern, um zu bethätigen, daß sie stets Ueberzeugungstreue achtet, mit großen Wortschwall und inhaltsleeren hochtönenden Phrasen dem — man denke! — Drechslergesellen und sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten August Bebel zu seiner Entlassung aus seiner dreijährigen Haft. Dies Verfahren an einem solchen Festtage ist nicht nur eine Frechheit, sondern zeigt auch von einer in Deutschland glücklicherweise seltenen Gemeinheit der Gesinnung. — Von der russischen Regierung sind bekanntlich vor kurzer Zeit formelle Einla- ' düngen an die Mächte, zur Betheiligung an der Conferenz über Bestimmung eines allgemeinen internationalen Kriegsrechts ergangen. Von Seiten der deutschen Regierung ist wie wir aus guter Quelle erfahren, eine zustimmende Antwort, welche die grundsätzliche Bestimmung aussprach und aufrichtige Unterstützung in Aussicht stellt, an die russische Regierung erfolgt Trotzdem Rußland noch immer auf die Betheiligung Englands rechnet, sind doch keine Anhaltspunkte vorhanden, welche eine solche erwarten lassen. Der Beginn der Conferenz ist auf den Monat Mai festgesetzt wird aber wohl wegen der vielen noch schwebenden V r- handlungen hinausgeschoben werden muffen.
31. März. Während sich die großh. Handelskammer in ihrer jüngsten Sitzung am 23. d. mit aller Energie für die Errichtung einer Reichsbankfiliale in Darmstadt erklärte, verbreitet sich soeben die Nachricht daß stch der Bundesrath aus Gründen, die man im großen Ganzen wird anerkennen müssen, für Mainz entschieden hat. Es verlamet nun, daß die Handelskammer, die sich bezüglich dieser Frage nun mit der Regierung in Coin- municatton gesetzt, in den nächsten Tagen wieder zusammentreten und die Schritte berathen werde, die etwa noch zur Abwendung der Gefahr direct heim Bundesrath gethan werden könnten. y ö y
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Matter, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leipzig, Cölu ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc-
•* Berlin, 1. April. Da« heutige Geburtstagsfest des Fürsten Bismarck ist von der Preffe allgemein in würdiger, überaus vielstimmiger und dennoch übereinstimmender Weise gefeiert worden. Alle Organe, auch der verschiedensten Parteischattirungen geben den Gefühlen der Verehrung und Dankbarkeit für den großen Staatsmann Ausdruck. Es ist ja auch natürlich, daß zu ihm, der die Hingebung an die allgemeinen Jntereffen in unfertn Volke in so hohem Maße geweckt und alle Sonderintereffen zum Schweigen gebracht hat, alle reichstreuen Parteien mit gleicher Dankbarkeit hinaufblicken. Nur zwei Zeitungen machen davon eine Ausnahme. Die eine, welche stets das eingehendste Verständniß für alle inneren und äußeren Aufgaben des Staates gezeigt hat, welche als Wortführerin der nationalliberalen Partei einen bedeutenden Einfluß auf die öffentliche Meinung hat, die Nationalzeitung, kann sich Münchener offiziösen Correspon'denz der König “bit "ihm j Confltt^zest^enkhatt? ^Sie geht so"w^'"z"?rl!wm von Alfonso XII. erwiesene Aufmerksamkeit der Beglaubi- daß eine Rechtfertigung des Fürsten erscheine, welche seine gung einer besonderen Gesandtschaft nicht erwidern will.! Vergangenheit vor 1866 mit seiner jetzigen so segensreichen