Sr. 70,
x. Jahrgang.
Marburg, Mittwoch, 24. März 1875.
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ObtrhkUäic Jrihtng.
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Im Feuilleton kommt im nächsten Quartal zum Abruck die sehr/pannende Erzählung:
Der Galeerensträfling von C. Wartenburg und im „Jllustrirten Sonntagsblatt" beginnt die russische Hofgeschichte:
Die Hochter der Kaiserin von L. Schubar. Die Exp. d. Oberh. Ztg.
Ei» internationales Garantiere fetz.
chen und Erlasse des Reichskanzlers lassen ungefähr darauf chließen, in welcher Weife er die vorliegende Frage zum Gegenstand der Erörterung gemacht und mit welchen Instructionen er unser Gesandten im Auslande behufs nä herer Besprechung mit den Mächten versehen haben wird. Und wie er in allen gemeinsamen Fragen durch sein großartiges Genie die Bereitwilligkeit und das Entgegenkommen der Mächte zu erreichen gewußt hat, so wird es ihm auch sicher jetzt nicht an Erfolg fehlen, wo er sein diplomatisches Meisterstück machen soll.
Wenn der Reichskanzler vor Kurzem nicht übel Lust verspürte, abzudanken, so lag dies sicherlich mit daran, daß nichts seinen Kräften Angemessenes und Ebenbürtiges seiner wartete. Der Papst hat feinem Genie wieder genügende Beschäftigung gegeben und wir dürfen darauf gespannt sein, wie Bismarck die ihm jetzt obliegende schwerste Ausgabe
Das italienische Garantiegesetz tritt gegenwärtig in den Vordergrund der Betrachtung. Seitdem sich der Papst anmaßte, zu Recht bestehende preußische Gesetze für null und nichtig zu erklären, ist eS nicht bloß die Aufgabe Preußens, sondern auch diejenige eines jeden geordneten Staatswesens, Mittel und Wege zu finden, einen solchen Hohn auf die staatliche Gesetzgebung überhaupt, wie es von einem auswärtigen Priester beliebt worden ist, fernerhin unmöglich zu machen. So lange aber das italienische Garautiegesetz in seiner jetzigen Fafiung besteht, wird es schwer halten, einer solchen Anomalie wirksam zu begegnen, und selbst wenn sich Italien dazu veranlaßt fühlen sollte, die eigenen staatlichen Einrichtungen gegen die Uebergriffe des VaticanS durch Modificationen des genannten Gesetzes sicherer zu stellen, als dies bisher der Fall war, so würden doch die auswärtigen Mächte darin nicht die genügende Garantie finden können, da ein specififch italienisches Gesetz nicht über die territorialen Grenzen jenes Königreichs hinausreicht und fremden Staaten nicht zu ihrem Recht verhelfen kann.
• Das kann allein, nur em Vertrag zwischen Italien und dem Schutz suchenden fremden Staat, und da'ein jeder Staat das Jntereffe hat, in gleicher Weise wie die anderen geschützt zu werden, so wird über die Grundzüge der zu schließenden Verträge -in internationales Uebereinkommen unerläßlich sein. Ern solches anzubahnen, das ist jetzt die erste größte und bedeutsamste Aufgabe, welche Deutschland obtiegt und welche der Reichskanzler durchzusühren über
nommen hat. ,
Fürst Bismarck hat durch die Bulle Quod nunquam Anlaß bekommen zu neuer staatsmännischer Tätigkeit und
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Geburtstag unseres Kaisers, hat Berlin ein festliches Gewand angelegt. Eint zahlreiche Menschenmenge drängt sich in der Nähe des Palais, um ihre Freude an dem Wohlergehen des Kaisers zu bezeugen, der nach längerem Unwohlsein wieder völlig hergeuellt ist. Die Feier des Festes hat sich diesmal auf mehrere Tage ausgedehnt. Schon am 20. und 21. d. M. fand die Feier in Schulen
wird auch auf diesem Felde, auf dem er allein wieder die und Kirchen statt, und versammelten sich die verschiedenen Initiative ergriffen hat, neue Proben von seiner bewährten Corporationen zu Festmahlen. Auch in Süddeutschland völkischen Klugheit und seinem diplomatischen Geschick ab- wurde der Tag festlich begangen. Wie in den vorauslegen Die in dem Prozeß Arnim veröffentlichten Depe- gehenden Jahren haben sich auch diesmal eine ganze An-
lösen wird.
Es ist eine schwere Ausgabe, da nie zuvor auch nur Aehnliches versucht worden ist; aber ihre Lösung muß erfolgen, da die ganze Zeit darauf hindrängt, dem Anachro niSmuö deS PapstthumS, namentlich seitdem -S der weit- lichen Macht entkleidet worden ist, ein Ende zu bereiten. Mag immerhin die katholische Christenheit sich auch ferner von dem einen sichtbaren Oberhaupt regieren lassen, aber gewiß ist die Zeit vorüber, wo der Träger des heiligen StuhleS das Recht haben bart, in die staatliche Gesetzgebung eines Landes einzugreifen und sich in weltliche Dinge zu mischen. Das wird nicht bloß in den Staaten mit gemischter Bevölkerung empfunden, sondern gerade auch und ganz besonders in katholischen. Und darum wird der Gedanke unseres Reichskanzlers, ein internationales Ga- ranliegesetz zu Stande zu bringen, gewiß von allen Staaten freudig begrüßt werden; dies Gesetz aber dürfte weniger dem Papste, als vielmehr den Staaten eine Garantie gewähren, die darin besteht, daß die staatsgefährlichen Umtriebe der Curie, gegen welchen St. at auch immer, nicht straflos bleiben. ___________________________________________
Tagesbericht .
Aus Berlin vom 22. wird uns geschrieben: Heute, am
zahl von deutschen Fürsten hier versammelt, um dem würdigen Oberhauple der Nation ihre Glückswünsche barzubringen. Schon seit vorigen Sonntag weilt bie Tochter des Kaisers, bie Großherzogin von Baden, hier, am Freitag traf der Großherzog mit den Kindern ein; außerdem aber sind bie Großherzöge von Mecklenburg, von Weimar, von Oldenburg, sowie eine ganze Familie von regierenden Fürsten unb Prinzen erschienen. Der gestrige Tag wurde im Kreise bet Familie still gefeiert, am Nachmittag war Familiei'.biner bei bem Kronprinzen. Heute Morgen sanden die üblichen Gratulationen der Leibdienerschaft, der Hofbeamten, der Generalität, der königlichen Familien und der anwesenden Fürsten und Fürstinnen statt. Heute Nachmittag ist im kaiserlichen Palais Familientafel, zu der alle anwesenden sürstlichen Herrschaften eingeladen sind.
Im Cuitusministerium sollen in nächster Zeit Con- ferenzen stallfinben, über neue Gesetze auf dem kirchen- politischen Gebiete. Dieselben würben bann noch in ber gegenwärtigen Session zur Vorlage im Lanbtage kommen.
lieber die Antwort, welche ber italienische Minister Bisconti-Venosta auf bie Interpellation wegen beö Garantiegesetzes bem bentschen Gesandten Herrn v. Kendell gegeben haben soll, verlautet, baß berfelbe sich bah in geäußert habe, das Garantiegesetz schütze den Papst allerdings vor jeder Repressivmaßregel von Seiten der italienischen Regierung. Indessen denke dieselbe keineswegs, sich zum Vorkämpfer für die römifch-katholifche Kirche zu machen, noch sich den Maßregeln cntgegeuzusetze», welche bie lieber griffe bes Papstes von Seiten der fremden Mächte hervor- zurusen im Stande wären. Italien würde seine Politik der Toleranz und Zurückhaltung in den gesetzlichen Grenzen fortsetzen, aber es würde nicht daran denken, bie europäischen Regierungen zu zwingen, berselben Politik zu folgen, blos weil Rom in feinem Besitz sei. — Diese Antwort leibet jebenfalls an großer Unklarheit. Soviel freilich geht daraus hervor, daß bie italienische Regierung nicht baran benkt, ben Papst zur Rechenschaft zu ziehen; sie will in« dessen andere Regierungen nicht daran hindern, Maßregeln gegen den Papst zu nehmen. Wie diese aber ausgeführt i erden können, ohne Hülse der italienischen Regierung, ist freilich unverständlich, denn es ist nicht möglich, den Papst, ber unter bem Schutz ber italienischen Regierung steht, zur Rechenschaft zu ziehen, ober ihn auch nur von bort zu entfernen.
Schon vor vier Wochen ist von Seiten der spanischen Regierung bie Auslieferung Don Alfonsos bei ber ReichS- regierung beantragt worben. Damals hielt sich derselbe mit seiner Gemahlin, Der berüchtigten Donna Bianca, in Bir- ftein bei Offenbach auf. Die Forderung wurde mit Rücksicht auf die Lerurtheilung des Jnfanten wegen gemeiner Verbrechen geltend gemacht, unb auch von ber Reichsregie-
Bon den Wirkungen des Lächelns.
Humoreske von Fritz Brentano.
(Fortsetzung.)
Laß mich ausreden!" rief der Forstmeister. „Ich be- hauptete, Du seiest vernünstig genug, um nicht, wie diese Herren hier, gleich beim Eintreten des Hundes zu erwähnen I Und sieh' da, Dein erstes Wort: „Se. Durchlaucht" unb „ber Saufänger" ——! Enlschulbige, aber es ist, um bie Schw---zu. kriegen!"
Ich sehe jeboch nicht ein," sagte der Geistliche, begu tigt in die Stube zurückkehrenb unb sich an ben Tisch fetzenb, „was für eine Unvernunft batin liegt, wenn man ein Malheur erwähnt, welches unseren Lanbes-
„Thue mir den einzigen Gefallen und schweige von Durchlauchten, Säum und Hunden still, so lange ich hier bin!" unterbrach ihn der Forstmeister. „Ich habe seit gestern genug davon gehört."
„Recht gern l Reden wir von etwas Anderem! sagte der Geistliche, und sich zu den Ucbrigen wendend, begann er: „Ich muß Ihnen, meine Herren gestehen, daß Ihr Lächeln mich im ersten Augenblick auf daS Peinlichste berührt hat. Ich habe schon häufig darüber nachgedacht, welchen gewaltigen Einfluß daS Lachen überhaupt ausüben kann. Können Sie sich etwas beglückenderes denken, als da» Lachen der Liebe? Etwas NiederfchmeUerndes, als daS deS Hohnes, der Verachtung? Kann Etwas uns einen schöneren Beweis von jenm lichten Räumen geben, die uns nach bem Tobe erwarten, als bas sanft-, verklärte Lächeln deS selig Dahinscheibenden? Doch, meine Herren, das gehört nicht an diesen Ort! Ich wollte Sie nur darauf aufmerksam machen, welch unangenehmen Eindruck ein Lächeln, mit welchem man beehrt wird und d-ffen Grund man nicht kennt, aus Einen machen muß. Denken »ic
sich, Sie treten in eine Gesellschaft guter Freunde und als ersten Gruß finden Sie ein Lächeln auf allen Lippen, wie dies mir vorhin passirt ist. Ich glaube, so etwas kann uns zur Verzweiflung bringen und ich bin überzeugt, schon Mancher von Ihnen hat es empfunden."
„Gewiß! gewiß!" rief Henninger leibhaft. „Nicht nur zur Verzweiflung, nein, zur Sclbstanklage auch, Herr Konsistorialrath! Ich habe eine solche Geschichte zu erzählen — sie ist daran Schuld, daß ich — doch ich will nicht vorgreifen I Sie steht noch so in meinem Gedächtniß, als wäre sie mir heute erst passirt. Hören Sie nur: — Nachdem ich jahrelang als Commis, Reifender und Buch Halter servirt, hatte ich mich kaum ein halbes Jahr etab lirt, als meine Verwandten, besonders bet weibliche Theil derselben, glaubten, meinen nicht allzu glänzenden pekuniären Verhältniffen könne am besten dadurch nachgeholfen werden, wenn man eine reich- Partie für mich ausfindig machte. Da traf es sich nun, daß ein reicher Vetter einer meiner armen Bafen mit feinem einzigen Töchterlein aus einer Landstadt hierher kam. Nach diesem wurden sogleich die Netze ausgeworfen; ich wurde, mochte ich wollen oder nicht, in die Nähe ber Dame vom Lanbe gebracht; bem Vater und ber Tochter würben verblümte Andeutungen gegeben, baß ich kein zu verwerfenber Schwiegersohn, refp Gatte sei, unb ich selbst gewöhnte mich baran, in bem Mädchen gar keine üble zukünftige Hausfrau zu finden. Dieses Mädchen hieß Amalie Heistenberger und war bie Tochter eines Guts- unb Mühlenbefitzers Heistenberger aus Erbelhausen, welcher in diesem Orte auch bie Würde eineS Schützenkönigs begleitete. Mich zum baldigen Besuch einladend, war Heistenberger nach seiner Heimath wieder abgereist und ich würde vielleicht ihn und seine Amalie bald wieder vergeffen haben (denn ich selbst hielt es noch nicht für ganz unumgänglich nothwendig, meine
mir liebgewordene Junggesellcit-Freiheit aufgeben zu müssen), hätten nicht immer wieder von Neuern gute Freunde unb Basen die Erinnerung wach gehalten und mich endlich zum Turnfest als passende Gelegenheit nach Erbelhausen gedrängt, um dort die Sache zum Abschluß zu bringen. Ich fuhr nach Erbelhausen ab, kam glücklich dort an und suchte Heistenbergers Behausung auf. Er stand in feiner Thüre. —
(Fortsetzung folgt)
Eine Doppelehe.
Ein junges Ehepaar, welches schon nach der ersten Flitterwoche sich hierhin und dorthin auf Nimmerwiedersehen verliert, kann gar wohl zum Gegenstände einer höchst tragischen ober auch komischen Entwicklung werden. Unser Fall bietet von dem einen zu wenig, als von dem andern, hat gleichwohl aber seine Entwicklung, denn er endete mit einer Doppelehe ugd führte eine unschuldige, — bester gesagt nichtschuldige — Person nach Verbüßung einer längeren Untersuchungshaft jüngsthin mit auf die Anklagebank des Schwurgerichts zu Weimar. Doch beginnen wir mit bem Anfänge biejes EnbeS. Ein Dienstknecht, Johann Karl Friebrich Juch aus Lvbeba erglüht in Liebe für Me lanic Hagen aus UlrichShalben, eine Dienstmagd. Beide stillen ihre Sehnsucht nach bem Ehestanbc in ber Kirche zu Ulrichshalben unter bem, wie ber Angeklagte Inch behauptet, DOtangegangenen gegenseitigen Versprechen, noch einige Zeit — bis zu Neujahr — in ihren Dienstverhält- niffen zu bleiben unb sich bann erst ein trauliches Daheim zu grünben. Leiber habe seine Melanie schlecht Wort ge» gehalten, sie sei nach Apolba durchgegangen, habe dort ein ziemlich emanzipirtes Leben geführt unb fei endlich gar einer sich in Apolba produzirenden arabischen Äünftler» gejelljchaft näher getreten unb später in Leipzig bei dieser