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Vr. 69.

JRnrßurg, Dienstag, 23. März 1875. x Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re-

Anzeigen nimmt entgegen: die Mcheditiou d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.- Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Kete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrtrtes Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerer) bezogen 2h Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Via

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Gestellungen auf das mit dem 1. April begin- A» nende neue Quartalabonnement der Ober» hessischen Zeitung bitten wir bei den betref­fenden Postanstalten baldigst machen zu. wollen. Im Feuilleton kommt im nächsten Quartal zum Abruck die sehr.zspannende Erzählung:

Der Kakeerensträffing von C. Wartenburg und im „Jllustrirten Sonntagsblatt" beginnt die russische Hofgeschichte:

Die Tochter der Kaiserin von L. Schubar. Die Exp. d. Oberh. Ztg.

Jfctm 22. Märj.

Am heutigen Tage beginnt unser allverehrter Kaiser und Herrscher sein neunundsiebenzigstes Lebensjahr; möge es Ihm und Seinem Lande vor Allem wiederum ein reich gesegnetes Friedensjahr werden, reich gesegnet an Kraft und Gesundheit. Die Liebe und die Verehrung, die dem hohen Mo- narchen an diesem Tage von Millionen Herzen entgegengebracht werden, haben den Geburtstag Kaiser Wilhelms mit Recht zu einem nationalen Familienfest erhoben. Freudig begrüßt wird der Tag von allen Deutschen auf dem ganzen Erdball; denn Seiner Kraft, Seinem Muth und Seiner Ausdauer verdanken mit Gottes Hülfe Alle ein gesichertes Heim, der Erdengüter höchstes. Möge Gott der Allmächtige dem Deutschen Volke noch länge seinen Kaiser Wilhelm erhalten und möge die Palme als Friedenshort mit den ewig grünenden Lorbeerkronen ihren segnenden Schatten über Paläste und Hütten breiten, auf daß des Säemanns Mühen eine reiche Erndte haben in Friede und Eintracht!

„Wir find auch nicht ganz ohne jesuitische Fühlung."

Der Reichskanzler Fürst von Bismarck pflegt, wie das begreiflich und auch nvthwendig ist, den Reichstagsverhand kungen häufiger beizuwohnen, als der preußische Minister Präsident den Sitzungen des Landtages. In gegenwärtiger

Session des letzteren war er zudem meistens durch Krank­heit daran verhindert.

Inzwischen haben doch noch vor den Ferien des Abge- ordnetenhauses die beiden ersten Lesungen des durch die Encyclica vom 5. Februar gezeitigten Gesetzes wegen Ein­stellung der staatlichen Leistungen an die katholischen Bi­schöfe und Geistlichen soviel Attraction für den Fürsten Bismarck gehabt, daß er an den beiden ersten Tagen, an denen die Debatte am erregtesten und interessantesten war, im Hause, wenn auch nur auf kurze Zeit, erschien.

Mit welchem seltenem dramatischen Effect es das erste Mal geschah, ist auS den Sitzungsberichten als bekannt vorauszusetzen, und eS ist anzunehmen, daß diese Scene dem Gedächtniß der Nachlebenden in Bild und Schrift er­halten bleibt.

Der Ministerpräsident hat in beiden Sitzungen auch gesprochen; der Zufall unterstützte ihn darin, daß er pas­sende Gelegenheit fand, seinen beiden bevorzugten Gegnern, einmal den ihm einst cngverbundenen Parteigenossen, den jetzt 80jährigen immer noch redelustigen Herrn v. Geclach, und am anderen Tage dessen gegenwärtigen Fractions genossen und Nachbarn, dem Abgeordneten für Meppen, ebenso wuchtige wie schneidige parlamentarische Hiebe zu versetzen.

Dem frommen Herrn v. Gerlach wies er nach, wie verkehrt derselbe das Wort: „Man soll Golt mehr gehor­chen als dem Menschen" auslege; nicht zwar durch gelehrte Interpretation, sondern durch den Hinweis auf die offen­bare Thatsache, daß dem ultraconservativen Parteiführer in der früher von ihm hochgehaltenen Devise: „Mit Gott für König und Vaterland" der dreitheilige Inhalt aus­einandergegangen, und die letzten beiden abhanden gekom men seien.

Am anderen Tage wurde dem Herrn Windthorst, dem ersten Führer der Ultramontancn, die Ehre der Abfertigung zu Theil mit einer solchen Wirkung, daß der spätere Ver­such, welche die „Perle von Meppen" machte, in Form einer persönlichen Bemerkung die Ungebrochenheit seiner Kraft nach diesem Gcistesringcn zu beweisen, selbst bei seinen Schaaren wirkungslos blieb.

Das begreift leicht, wer mit eigenen Augen gesehen, welche Wirkung die Worte des staatsmännischen Recken aus den kleinen hannoverschen Exminister ausübten, da diesem auf die Frage, woher Fürst Bismarck, der doch nie Finanzminister deS Papstes gewesen, es wisse, daß er und die Jesuiten so reich an irdischem Besitze seien, — die gebührende Antwort zu Theil wurde. Das höhnische Lachen, sorcirt wie es war, ließ bald nach und wunderbar

still wurde cs auf den klerikalen Bänken, als der Reichs­kanzler seine Wissenschaft über die imense Höhe des Ver­mögens der Jesuiten (250 — 280 Millionen Thaler) mit den Worten erklärte: „Wir sind auch nicht ganz ohne jesuitische Fühlung. Ich habe in meinem Leben die Freund­schaft manches Jesuiten genossen und bin auch jetzt noch nicht ohne Fühlung damit."

Diese Worte, mit der vom Fürsten eigenen Unbefangen­heit vom Regierungstische vor der Volksvertretung den Herren des Centrums zugerufen, wirkten mächtiger als diese je cingestchen werden. Und wir legen ihnen eben­falls eine nicht zu unterschätzende praktische Bedeutung bei, zumal sie uns, wenn es dazu noch eines Beweises bedürfte, die Garantie bieten, daß die Karten, welche unser diplo­matischer Generalstab über das Terrain der ultramontanen Gegner besitzt, eben so genau und zuverlässig sind, wie die, welche unsere Truppen auf dem Vergeltungskriege gegen das übermüthige Frankreich benutzten.

Fürst Bismarck ist nicht unbekannt mit den feindlichen schlachtplänen, er hat Verbindung mit Heerführern deS feindlichen Lagers, und das sagt er ganz offen und man weiß, daß das, was er sagt, wahr ist. Natürlich frappirt so etwas, aber das soll eS auch.

Wie oft haben bie ultramontanen Blätter die Lüge verbreitet, daß ihre Partei eine „Fühlung" am preußischen Hofe habe, ja daß eine dem Träger der Krone am engsten verbundene hohe Person ihre Sache mit solcher Wärme vertrete, daß es deren Einflüsse bald gelingen werde, den bösen Minister zu beseitigen. So deutlich und verständlich, wie cs bei der hohen Stellung der genannten Person schicklich war, hat man die Nichtsnutzigkeit der Lüge zurück­gewiesen, daß an dem preußischen Throne dergleichen un­möglich sei, und man hat dann auch aufgehört, diese Ver läumdung zu verbreiten. Nach diesem Dementi aber nun der neue Schlag! Die eigenen jesuitischen Führer geben „Fühlung" dem Reichskanzler und dieser ist dabei so undiplomatisch offen, daß er das dem ganzen Lande erzählt I

Tagesbericht.

Jeder Tag bringt jetzt neue Momente zu dem großen kirchcnpolitischen Kampfe. Während die „Opinione" noch vor wenigen Tagen die zuerst von der „D. A. C." ge­brachte Mittheilung dementirt, daß von Seiten der deut­schen Regierung wegen des päpstlichen Garantiegesetzes vertrauliche Vorstellung bei der italienischen Regierung gemacht worden seien, wird jetzt von der „Post" auf das Bestimmteste versichert, daß allerdings das auswärtige Amt an den deutschen Gesandten in Rom einen Erlaß gerichtet

See de» Wirkungeu des Lächelns.

Humoreske von Fritz Brentano.*)

Wir befinden uns in einer kleinen Residenz. In dem für Gäste von Stand reservirten Zimmer eines WirihS Hauses saß bei einem Glafe Bier ein älterer Mann, dessen Tracht sowohl, wie sein ganzes Aeußere den Jäger er kennen ließen. Mit stillvergnügtem Gesichte saß er da und blieS aus seiner kurzen Pfeife Dampswolken vor sich hin; da ging die Thüre aus und ein großer hagerer Herr, in den elegantesten Farben gekleidet, trat ein.

„Guten Morgen, Herr Forstmeister!" rief er. „Wie geht eS?"

„Danke. Herr Henninger," erwiderte der Andere. „Mau muß zufrieden sein, wenn die alten Knochen noch mitgehen." .?

„Se. Durchlaucht hat doch entschiedenes Malheur mit ihren Hunden," suhr Henninger sott, sich setzend, „gestern wieder den besten Saufänger zu verlieren."

„Ja, ja!" seufzte der Forstmeister. „ES ist fatal, aber auf jo Etwas muß man gefaßt sein." —

Die Thüre öffnete sich von Neuem.

„Guten Tag, Henninger! Guten Tag, Forstmeister- chen." Mit diesen Worten tänzelte eine kleine runde Gestalt in das Zimmer. „Nun, waS haben Sie denn zur armen Diana gesagt?"

„WaS läßt sich da sagen?" erwiderte der Forstmeister und sein Gesicht fing an sich zu umwölkcn. „Das ist eben ein Unglück!"

„Guten Morgen allerseits, meine Herren!" tönte die Stimme eines Neucingetrelemn. „Ah, Sie da, Herr Forst­meister! Se. Durchlaucht hat gestern aus der Sauhetze de Diana verloren! Mein aHrichuges Bedauern!"

„Danke, danke, Herr von Hallen!" stieß der Forstmeister mit allen Zeichen des MißmutheS hervor.

Jetzt erschien ein Offizier in der Thüre.

*j Aus „Merl« Pech," mit Erlaubmß des Herrn Verfassers.

„Gott verd—!" rief er, noch nicht im Zimmer. „WaS machen Sie denn, Forstmeister? Güstern wieder ein Hund--"

„Heilig Kreuzdonnerwetter! Oberst Goldammer lasten Sie mich mit der tobten Bestie in Ruhe!" polterte der gereizte Jäger heraus. „Keiner von den Herren hier ist eingetreten, dessen erstes Wort nicht dem vermaledeiten Hundevieh galt. Hätte mich der Keuler auf die Zähne genommen, ich glaube, die Herren hätten nicht so viel Worte darüber gemacht. Gott sei Dank, da kommt der Konststorialrath, der erste vernünftige Mensch, der von etwas Anderem reden wird, als von der Canaille!" —

Der Konsistorialrath, ein großer, wohlbeleibter Mann mit weißem Haar, trat ein; er verbeugte sich stumm, hing seinen Hut an einen Nagel und ging händereibend auf die Anwesenden zu.

„Sc. Durchlaucht," begann er, „haben gestern wieder ihren Lieblingsrü — — —" er stockte, denn er sah Aller Augen auf sich gerichtet und um Aller Lippen plötz­lich ein Lächeln schweben; schnell ließ er einen Blick an seinem Körper hinabgleiten und als er hier nichts Ver- dächtiges, was die Lachlust hätte reizen können, entdeckte, schielte er in den Spiegel. Auch hier bemerkte er nichts Auffallendes.

„Meine Herren," sagte er, „darf ich Sie bitten, mich den Grund wisten zu lasten, welcher fo sehr Ihre Lachlust erweckt hat? Ich wüßte nicht, wie der Anblick eines Mannes, der sich schon 50 Jahre im Dienste der Kirche und oer Menschheit gemühet hat, Anlaß zum Lachen geben könnte, oder sollte überhaupt mein Erscheinen an diesem Orte--? So will ich sogleich — —"

„Halt!" rief jetzt der Forstmeister dem der Thüre zuschreitenvcn Geistlichen nach, „Du bist im Jrrlhum 1 Ich behauptete, Du seiest vernünftig--"

„Willst Du specielle Beleidigungen zu den allgemeinen häufen?" unterbrach ihn der Konsistorialrath.

(Fortsetzung folgt.)

— Der „Messager Franco-Americain" vom 25. Februar bringt folgende Details über die bereits telegraphisch gemel­dete Niedcrmetzelung von Protestanten in Alcapulco (Mexico): „Der Protestantismus hat in Alcapulco bereits sehr ansehnliche Verbreitung gewonnen; der Polizeichef und seine Familie, der Herausgeber des Lokalblattes und noch etwa 50 Personen sind zum Protestantismus überge­treten. Eine bisher als Magazin dienende Kapelle wurde angekauft und für den Gottesdienst der neuen Gemeinde adoplirt. Die Einweihung dieser Kapelle fand am 24. Ja­nuar statt. Alles dies ging jedoch nicht vorüber, ohne bedeutende Aufregung unter den Katholiken der Stadt her- vorzurusen, und Herr Hutchinson, der Superintendent der jungen Prolcstantengemeinde, erhielt auf vertaulichern Wege eine Mittheilung, welche ihm anräth, keinen AbendgolteS- dienst, abzuhalten indem mehrere Mexikaner entschlosten seien, verstärkt durch eine Bande ihrer Glaubensgenossen, an einem bezeichneten Abende die neue Kirche zu überfallen. Dieser in Aussicht gestellte Angriff fand allerdings nicht in der vorhergesagten Weise statt; cs wurden blos einige Fenster­scheiben zerschmettert und Steine in die Kirche geschleudert. Mittlerweile denunzirte einer der Pfarrer von Acapulco die protestantische Bewegung mit derartiger Heftigkeit, daß ihm die Lokalbehörden anbeuteten, eine Fortsetzung biesed Sprache würde eine Verfolgung wider ihn nach sich ziehen. Man behauptet, dieser Psarrer habe gesagt, daß es Zeit wäre, die Kongregation nunmehr mit Gewalt zu vernichten bevor sie größere Kraft erlange. Am Abend des 24. fand, wie gewöhn­lich, GotleSdiest statt, und er halle kaum begonnen, als mehrere Individuen in die Kirche traten, worunter ein junger Indianer, welch letztere auf den Herausgeber des Lokal­blattes, Herrn Dias, zuschritt und demselben mit einem Beil, welches der Mörder unter seinem Mantel versteckt ge­halten, mehrere Hiebe auf das Haupt versetzte. Nunmehr wurde die Verwirrung allgemein; die Gefährten des Indi­aners stürzten sich auf die Anwesenden, und daS Gros der Bande, welches bis jetzt draußen geblleben war, begann in