Vr. 68.
Marburg, Sonntag, 21. März 1875.
X ZhkMg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Mosse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
(!])brrl)rflifd)f Jritung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Ep»edition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt». M.; Jnvalidendank, 21. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt" durch die Expedition lKock'I Buchdruckerey bezogen 25t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pia
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Gestellungen auf das mit dem 1. April begin- A» nende neue Quartalabonnement der Ober« hessischen Zeitnng bitten wir bei den betreffenden Postanstalten baldigst machen zu. wollen.
Im Feuilleton kommt im nächsten Quartal zum Abruck die sehr spannende Erzählung:
Der Galeerensträfling von C. Wartenburg und im „Jllustrirten Sonntagsblatt" beginnt die russische Hofgeschichte:
Die Tochter der Kaiserin von L. Schubar. ____________________Die Exp. d. Oberh. Ztg.
Politische Wochen-Ueberftcht.
Unser Kaiser ist von seinem Erkältungsrückfall nahezu vollständig hergestellt. Der Gedanke an einen in diesem Frühjahr abzustattenden Gegenbesuch bei dem König von Italien wird wieder in Erwägung gezogen. Die Encyclica vom 5. Februar d. I. soll Anlaß gegeben haben, durch den deutschen Gesandten, Herrn v. Keudell, die Eventualitäten des in Bezug aus den.Papst von der italienischen Regierung erlassenen Garantiengesetzes zur Sprache bringen zu lassen, jedoch nur in nicht formeller, vertraulicher Weise. ■ Unterdessen hat im preußischen Abgeordnetenhause die Regierungsvorlage wegen Einstellung der Staatsleistungen an die in Nichtanerkennung der Pflicht des Gehorsams gegen die Staatsgesetze verharrenden katholischen Bischöfe und Geistlichen am Dienstag, nachdem am Montag das Budget für 1875 endlich in dritter Lefung angenommen war, seine erste Lesung bestanden und ist sofort zur zweiten Lesung und Spezialberathung für Donnerstag auf die Tagesordnung des Hauses gestellt worden und wurde in der Freitagsitzung die zweite Lesung beendet. Der noch im Gesängniß verweilende Erzbischof Graf Ledochowski ist vom Papst U um Cardinal erhoben worden. In Bayern hat der Kriegs- bs anister v. Pranckh vom König seine Entlastung begehrt ^-?er noch nicht erhalten.
,4h Die bevorstehende dalmatische Reise des Kaisers Franz ^Joseph ist durch die für Venedig verabredete Zusammen "kunft der Monarchen von Oesterreich und Italien zum Hauptereigniß der Woche geworden. Der Kaiser reist am 1. April AbendS von Wien ab, weilt in Triest zwei Tage, in Görz einen Tag und in Venedig zwei Tage; Andrasty begleitet ihn dahin. Für den 10. ist die Ankunft in Zara festgejetzt. Die Zusammenkunft zwischen Franz Joseph und Victor Emanuel findet in der österreichischen und ungarischen liberalen Preste den lebhaftesten Beifall als Zeichen des befestigten Friedens und der gefunden auswärtigen Politik deö Kaisers und Andrasiy's. Oesterreich bedarf des sicheren Gefühles des Friedens mehr als je, um im
Geschäftsleben das nöthige Vertrauen wieder aufzuleben uub die politischen und volkswirthschaftlichen Reformen in Lgft und Blut der Bevölkerungen sich verwandeln zu sehen. Die neue ungarische Regierung hat schneller, als es den Anschein hatte, Boden gewonnen, die Stimmung des Volkes schlug ganz zu ihren Gunsten um, die Lo- nyayisten und die Croaten gingen schließlich auch noch zu ihr über und sie wird bereits von 350 Abgeordneten unterstützt.
In Bern laufen immer mehr Ratificationen zum Weltpostvertrag ein, bis Sonntag.(14. März) haben 12 Staaten ratificirt, indcß die Ratificationen von 9 Staaten noch erwartet wurden.
In der italienischen Deputirtenkammer legte der Finanzminister das Budget sür 1875 und das vorläufige Budget für 1876 vor, welche verhältnißmäßig sehr günstig erscheinen. Für 1876 stellte der Minister vorbehaltlich der Annahme der von ihm vorgeschlagencn Einnahmen durch die Kammer ein vollständiges Gleichgewicht des Budgets in Aussicht.
Das neue französische Cabinct Bustet hat unter schwereren Wehen, als vermuthet worden, das Licht der Welt erblickt; es kommt jetzt Alles aus guten Willen bei dem Präsidenten der Republik, auf Einsicht -und Verfassungstreue bei den Ministern, wie auf festes Zusammenhalten und Selbstbeherrschung der Majorität vom 25. Febr. an. Der Hauplkitt, der dies. Majorität befestigte, ist entschlossenes Frontmachen gegen die bonapartistische Propaganda und und deren Vertretung in den höheren Beamten kreisen. Zwei Ereignisse der Woche haben bewiesen, wie sich Mac Mahon und Buffet zu dieser Tendenz verhalten und wie fest und doch vorsichtig die Majorität zu operiren gelernt hat. Am 12. März verlas Buffet, jetzt Vicepräsident des neuen Cabinets, ein Programm, in das Dufaure und Say nur mit Widerstreben eingewilligt hatten und das sich als ein Fehler Buffets erwies; dieses Programm feierte in mittelmäßiger Form und ungeschickt gewählten Ausdrücken die sehr conservative Politik, er- mahnte die Ordnungsmänner zur Eintracht, belobte die Verwal ung, die gerade ihrer bonapartistischcn Elemente wegen von der jetzigen Majorität nichts weniger als befriedigend beurlheilt wird; zugleich machte die Erklärung die Aufhebung des Belagerungszustandes von der Annahme des Paßgesetzes abhängig und gab über die Ernennung der Maires aus den Municipalräthen nur die beschränkte Zusage: „so viel wie möglich". Die Linke nahm dieses Programm mit Schweigen hin, die Rechte mit Jubel; eine Discussion sand nicht statt, man hielt an sich. Im Publikum sprach man nur noch von einem „Cabinet de Meaux", um anzudeuten, daß die Richtung, die dieses Mitglied der Rechten vertritt, das Uebergewicht habe.
Obwohl eine Depesche meldet, die Carlisten hätten die festen Positionen der spanischen Regicrungstruppen auf San Cristobal und dem Berge Esquinza mit stürmender Hand erobert, wird man doch behaupten dürfen, daß sich auf dem navarrischen Kriegsschauplätze nichts Erwähnens- werthes zugetragen habe. Denn besagte Depesche stammt aus dem „UniverS", ist also, ohne Bestätigung, als nicht vorhanden anzusehen.
In England hat sich die Presse fast noch die ganze Woche hindurch mit der Zurückziehung dcS Gesetzes über die Gerichtsreform beschäftigt; doch ist bis jetzt über die in Folge derselben zu ergreifenden Maßregeln noch nichts bekannt geworden.
Zwischen dem dänischen Ministerium, insbesondere dem Conseilprästdenten Fonnesbech und den Führern der vereinigten Linken im Folkething sollen zur Erzielung einer Verständigung über das Staatsbudget Verhandlungen im Gange sein. Die Linke hat sich bereit erklärt, zu außerordentlichen militärischen Zwecken, auch zum Bau größerer Panzerschiffe 30 Millionen Kronen zu bewilligen, sich dabei aber die Einführung einer progressiven Einkommensteuer und der allgemeinen Wehrpflicht ausbedungen.
Der König von Schweden hat dem Staats- und Justizminister Carleson die von diesem erbetene Entlassung aus dem Amte nicht bewilligt.
Der Kaiser von Rußland begibt sich Mitte Mai nach Ems. — Als deutscher Konsul in Petersburg ist an Stelle des nach Berlin berufenen Dr. Busch Herr Brauer (aus Baden) eingctreten. — Heber den Zusammentritt der zweiten Couferenz über das Kriegsvölkerrecht ist noch nichts bestimmt.
Die Pforte hat der „Turquie" wegen ungebührlicher Besprechung der letzten englischen Thronrede eine Verwarnung ertheilt.
In Serbien tobt und brodelt es um Thron und Regierung. Die Skupschtina, die nur 17 conservative aber 63 radikale Mitglieder zählt, will bei der von dem wohl- bedächtigen Garaschanin beantragten Umgestaltung der Verfassung die Gelegenheit benutzen und sich souverain machen. Dem Fürsten selber haben es die Parteiführer bei allen Betheuerungen unverbrüchlicher Treue doch schon gesagt, daß nicht er, sondern das Volk d. h. sie selber das Land zu regieren hätten.
Tagesbericht
Auf Grund der Vorarbeiten, welche die ReichScommis- ion für die Medicinalstatistik geliefert hat, soll, wie die "Voss. Ztg." hött, der Errichtung eines Reichs - Gesund- !)eitsamts, jedoch mit der ausdrücklichen Maßgabe näher getreten werden, daß dasselbe nur eine technisch - berathende Behörde werde.
Mitten in diese Wirren hinein trat Anschar, um den
der deutschen Angeln — fand Anschar nicht nur in voller Kraft die alte heidnische Religion und in ihrer Begleitung die Rohheit, den wilden Sinn der Bewohner, sondern weil aber hier ein Grenzgebiet war, so herrschte unaufhörlich
« ... @erabe Hethabye oder Schleswig war, wie
Die Kirche zu Haddebye.
Wer einmal nach Schleswig, der allen Hauptstadt des gleichnamigen Herzogthums, gekommen ist, der wird gewiß, hatte er nur einige Neigung für Denkmäler, berühmte Denkmäler der deutschen Vorzeit, es nicht unterlassen haben, die vielen Sehenswürdigkeiten der uralten Stabt, welche schon im erneuten Jahrhundert eine große Berühmtheit hatte, in Augenschein zu nehmen. Wir denken dabei an den ehrwürdigen Dom mit den Gräbern altadeliger und fürstlicher Familien und dem herrlichen Altarbilde, einem der größten Werke deutscher Holzschnitzkunst, an das alt- gräfliche Schloß Gottorf mit seiner zauberisch schönen Umgebung, an das Pölergehölz mit König Abels Grab, endlich an den durch Ereignisse ältester und neuester Zeit denkwürdigen vier Meilen langen Margarethenwall, gewöhnlich das Dannwirke genannt. Dieser aus Erde und Torf aufgebaute hohe Wall zieht sich, vom Westen kom mend, südlich von Schleswig vor dem unmittelbar vor der Stadt belegenen Dorfe Bustorf vorbei über die Höhen
schwunden ist, um an der entgegengesetzten Seite der Schlei unter dem Namen Schleswig wieder zu erscheinen. Die Kirche ist eine einsame Größe; ihre heutige Gemeinde wohnt in weit entfernt liegenden Dörfern.
Aber nicht nur durch ihr Alter ist die Kirche berühmt: der Name ihres Erbauers erhöht noch den Ruf, den sie hat. „Der Apostel des Nordens," Anschar, der zuerst die Religion der Liebe unter die Haiden des Nordens brachte, er, der die Kirchengeschichte mit hoher Achtung den Mär- tyrern an die Seite stellt wegen seines Glaubenseifers und unerschrockenen Muthes. — Anschar fand hier in Havde- bye oder Hethabye, wie einst der Ort hieß, den Punkt, von dem aus er alsbald feine Wirksamkeit begann, und er erbaute diese Kirche in der Zeit der Drangsal und Noch, mit der er zu kämpfen hatte. Ein rascher Blick auf die damalige Geschichte zeigt deutlich, wie mühevoll fein Streben und wie wenig erfolgreich es trotz alles Kämpfens zunächst war. Hier an der nördlichen Grenze des ölten Sachfengebietes, fast an der Grenze Deutschlands — denn nur noch wenige Meilen nördlich erstreckte sich das Land
hinweg dis an die Schlei. Noch tragen einzelne Theile dieses Walles besondere Namen, welche an die festen Plätze erinnern, die einst hier und da auf und hinter dem Walle lagen. So heißt u. A. noch eine Höhe an der Südseite der Schlei, gegenüber der Stadt im Gehölze gelegen, die au« y.« । Oldenburg. - «der Krieg, c..... ....._____ö Wlt
In der Nähe dieser Anhöhe, zwischen ihr und der nahen bis vor zehn Jahren der unermüdliche Punkt des Kampfes
Schlei, liegt hart am Saume des freundlichen Gehölzes zwischen Deutschen und Dänen; um den Besitz dieser Stadt
eine Kirche, die im ganzen Lande eine große Berühmtheit und ihres Gebietes wurde hartnäckig und mit abwechselu- hat, so klein und unansehnlich sie erscheint. Sie ist die idem Erfolge gekämpft, und welche Anstrengungen man älteste Kirche deS skandivarifchen Nordens und bereits so machte, den Platz zu behaupten, das beweisen eben jene
bejahrt, daß fie vor dreißig Jahren ihr dreißigjähriges kolossalen Mauern und unzähligen Vesten, welche von den
Jubiläum feiern konnte. Aus großen Ouadratsteinen er kämpfenden Parteien dort errichtet wurden.
baut, trotzt sie der Bernichiung und steht noch so fest, Mitten in diese Wirren hinein trat Anschar, um den wie vor Zeiten, obgleich der Ort Haddebye längst ver- Frieden zu predigen. Wie schwer mußte ihm die Verfolgung
seines Zieles werden. Und doch war eS die Haddebyer Kirche, von der aus die Bekehrung des ganzen Nordens erfolgte.
Gerade zu jener Zeit brannte der Kampf in verstärktem Maße. Der Sohn des dänischen Königs Gorm, Harald, erlebte bald nach dem Antritt seiner Herrschaft' gewaltige Thronstreitigkeiten. Nach blutigen Kämpfen gelang es dem Regner Lodbrok, Haralds Gegner, feines Feindes Herr zu werden und Harald wurde landesflüchtig. In seiner Be- drängniß wandte er sich an den Hof des deutschen Kaisers Ludwig des Frommen, der eben mit dem Plane umging, den Norden zu bekehren. Haralds Gesuch war ihm daher willkommen, aber er sicherte ihm eine nachdrückliche Hülfe nur unter der Bedingung zu, daß Harald angelobte, den christlichen Glauben in seinem Reiche zu unterstützen.
Aus politischen Gründen also, nicht aus Ueberzeugung ließ sich König Harald nebst seinem Bruder Erich zu Mainz taufen und zog bann, als christlicher Herr, unterstützt vom deutschen Kaiser, wieder in sein Reich ein. Auf dieser feiner Heimreise begleitete ihn nur der Mönch An- schar, der voll Glaubensmuth sich anschickte, für die Verbreitung des ChristenthumS im Norden sein Leben einzu setzen.
Die Nachricht von der Rückkehr Haralds in fein Reich ging ihm geraume Zeit voraus, und Regner, wohl begreifend, daß er vor der Hand dem so unterstützten Harald zu widerstehen nicht im Stande fei, zog sich vor ihm zurück. Unverzüglich beeilten sich daher auch die einzelnen Völkerschaften in Schleswig und Holstein, welche zu Regner gehalten hatten, durch Boten Haralds Gunst wieder zu erlangen und Haralds Zug durch das Land glich daher mehr dem Triumphzuge eines Siegers, als der Heimkehr eines Geflüchteten. • .
3« Haddebye glaubte Anschar den rechten Platz für