mit Bestimmtheit entgegenzutreten. Die Ritterschaft nahm dies mit 90 gegen 25 Stimmen an, die Landschaft behielt sich ihre Erklärung vor.
Darm-adt, 10. März. Am 13. b. M. wird der Finanz-Ausschuß der zweiten Kammer mit dem Ministerium eine gemeinschaftliche Sitzung abhalten. Es dreht sich dabei hauptsächlich um die neulich schon im Ausschüsse berathenen Eisenbahn-Vorlagen, eine Petition bezüglich des Archivs für praktische Rechtswissenschaft, die Regierungs- Vorlage wegen eines der evangelischen Kirche zu gewährenden Darlehens, endlich um die zahlreichen Petitionen wegen Staatsunterstützung für den Bau von Vicinalstraßen, sowie die daraus bezüglichen Regierungsvorlagen. — Ueber die in letzter Zeit an die Stände gelangte Regierungs- Vorlage wegen des für daS Polytechnikum zu erbauenden Gebäudes hat der Abgeordnete Martin den Bericht zu erstatten, und es ist nicht zweifelhaft, daß die Angelegenheit bei dem nächsten Zusammentritt der zweiten Kammer zur Erledigung kommt. Da der früher beabsichtigte Neubau eines Polytechnikums von der Regierung ganz fallen gelasien ist, sohin eine Ueberlasiung des bisherigen Gebäudes an die Stadt für die Realschule nicht mehr in Betracht kommt, so wird in nächster Zeit die Stadtverord- neteu-Versammlung sich mit der Frage eines Neubaues für die letztere Anstalt zu be-schäftigen haben.
Mainz, 10. März. Dieser Tage wird vom Bischof von Ketteler eine neuere Schrift durch Franz Kirchheim ausgegeben unter dem Titel: „Der Bruch des Religionsfriedens und der einzige Weg zu seiner Wiederherstellung." Die Broschüre ist nur 4 Druckbogen stark und dürste ohne Zweifel Aufsehen machen.
München, 11. März. Eine vom Abg. Frischeisen in der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer eingebrachte Interpellation, ob die Regierung einen Vorschuß für den Hochwasser-Dammbau in Neustadt geben wolle, wird von dem Minister von Pfeufer verneinend beantwortet. Der Vorschuß würde schon um deswillen nicht gegeben, weil keine Gefahr im Verzüge sei. Der hierauf beratheue Militäretat wurde mit allen gegen eine Stimme ganz nach den Vorschlägen des AuSschusieS angenommen, indem der Abstrich von einzelnen Postulaten in der Höhe von 69,225 Gulden dem Naturalverpflegungs-Etat der Soldaten zugewtesen wurde. Der ganze Militär-Etat pro 1875 beträgt sonach 23,631,801 Guldeu.
AsSlatt.
Löten, 11. März. Der DiSciplinarrath der Advo- katenkammer erkannte in der Angelegenheit des Dr. Neuda, des VertheidigerS Ofenheim'S, daß für Einleitung einer DiSciplinar-Untersuchung keine Grundlage vorhanden sei. — Hiesige Morgenblätter wollen wisien, der österreichische Gesandte in Washington Baron Schwarz habe wegen ungenügender Dotation deS Gesandtschaftspostens um Enthebung von demselben gebeten und hätte der Kaiser die Demission angenommen.
Bern, 11. März. Die Genfer Regierung erklärte dem Centralcomttee der Altkatholiken, an der Dotirung des zu gründenden schweizerischen National - BiSthums Theil nehmen zu wollen.
Pari-, 10. März. Das Cabinet Buffet ist endlich fertig; eS hat hart genug gehalten, eS durchzusetzen, da die Linke durchaus auf Audiffret PaSquier's Uebernahme deS Innern drang. Ist Buffet energisch und geht gerade durch, so wird seine Stellung haltbar werden, wo nicht — nicht. Ueber die letzten Vorgänge, welche die Entscheidung brachten, giebt daS „Echo Universel", das Organ von Savary, einen Bericht, der aus zuverlässiger Quelle kommt: „Wir haben milgecheilt, daß man gestern darin einig war, daß der Herzog d'Audiffret Pasquier der einzig mögliche Minister deS Innern sei, und daß Herr Buffet dem Marschall erklärt hatte, daß er sein Mandat, niederlegen werde, wenn
der Herzog nicht annehmen werde. Um 4 Uhr begab sich Audiffret Pasquier mit Decazes nach Elysve, um anzukündigen, daß er annehme; der Marschall schien sehr zu- frieden, daß die ministerielle Krisis beendet sei. Um 11 Uhr Abend« sah Mac Mahon Audiffret-PaSquier nochmals und erklärte ihm, daß er das Cabinet für gebildet erachte. Heute Morgen hatte Mac Mahon eine Unterredung mit dem Präsidenten Buffet, ließ hierauf Leon Say zu sich berufen und sprach ihm von einer neuen ministeriellen Combination, von welcher Wallon ausgeschlossen sein und in der Buffet das Portefeuille des Innern erhalten sollte. Löon Say kündigte dieses seinen College» vom linken Cm« trum an, welche eine solche Zusammenstellung für unmöglich erklärten. Zur nämlichen Zeit ließ Mac Mahon Audiffret-Pasquier zu sich holen, um ihm mitzutheilen, daß seine Ernennung zum Minister des Innern Schwirig- keiten bereite und er ihm deshalb an Wallon's Stelle das Unterrichtsministerium anbiete. Audiffret-Pasquier ging auf diese Anerbietungen, wie auch der Marschall im Voraus wußte, natürlich nicht ein, indem er erklärte, daß er das Portefeuille des Innern nicht angenommen, um Minister zu werden, sondern einfach um die Bildung des neuen CabinetS möglich zu machen. Sobald es bekannt wurde, daß der Marschall Mac Mahon wieder Alles verhinderte, traten die drei Gruppen der Linken zusammen, um darüber zu berathen, ob man nicht sofort eine Inter pellation stellen muffe. Die Wallonisten versammelten sich ebenfalls und ließen Audiffret-Pasquier zu sich bitten, der über seine Unterredung mit dem Marschall berichtete, wo bei er betonte, daß er demselben keine einzige Bedingung gestellt. (Man hatte bekanntlich behauptet, er habe die Absetzung Bourbaki's, deS Gouverneurs von Lyon, verlangt.) Casimir Perier fand sich hieraus bei den Wallonisten ein, um dieselben aufzufordern, sich mit dem linken Centrum wegen der zu ergreifenden Maßregeln zu ver- tändigen und zu verlangen, daß der Verein Wallon Lavergne die Verbindung zwischen den beiden Centren bilden möge. Die Gruppe Wallon Lavergne ging daraus ein und ernannte solgende Delegirie: Clapier, A. Brun, A. Lesövre Pontalis, Delacour und Denormandie. Die Delegirten der Gruppe Wallon-Lavergne hatten hierauf eine Zusammenkunft mit dem linken Centrum, um die mini- terille Frage zu besprechen. Es war zuerst die Rede von einem Cabinet, in welchem Audiffret PaSquier nicht figurire. Das linke Centrum warf ein, daß, wenn Audiffret Pasquier dem Cabinet nicht angehöre, es den Eintritt des Herrn Christophle verlange. Nach einer längeren Dis- cussion kam man überein, Leon de Lavergne den Ackerbau und de Meaux (Rechte) den Handel zu geben. Die De« egirten des rechten CentrumS, welche der Versammlung anwohnten, gaben, obgleich sie kein Mandat hatten, der neuen Combination ihre Zustimmung, und man beschloß, eine Deputation zum Marschall zn senden, um die neue Ministcrliste vorzulegen." So das „Echo".
Gpante», 9. März. Man theilt UNS jetzt den Wortlaut des Briefes mit, den der Bischof von Urgel an Don Carlos gerichtet. Derselbe schreibt: „Sire, das Manifest, das Ew. Majestät an die Spanier bei Gelegenheit der Usurpation des Jnfanten von Spanien Don Alfonso de Bourbon y Borbon gerichtet, hat alle guten Spanier mit der lebhaftesten Freude erfüllt, und wie ich glaube, alle Uebelwollenden zu Boden geschmettert. Es hat meine liefe Ueberzeugung befestigt, daß Ew. Majestäl von dem Allerhöchsten die Mission erhalten haben, die Revolution zu vernichten und ihre Ueberbleibsel bis nach Jerusalem zu verfolgen. Gott sei gelobt und gepriesen und Ew. Majestät fei tausendmal beglückwünscht, als der privilegirte Diener deS Herrn der Heerscharen. — Ich betrachte Ihre letzten herrlichen Siege, für welche wir Gott in unseren Kirchen gedankt haben, und die von unseren Cata Ioniern mit begeistertem Jubel ausgenommen worden, als den Preis
des festen Glaubens und großen Muthes, die Ihnen den Beinamen „Karl der Größte" verschaffen werden. Ich lege hiermit, Sire, zu Ihren Füßen die Versicherung meiner heißesten Glückwünsche und meiner Verehrung nieder. Wenn ich der letzte Ihrer Prälaten bin, so bin ich auch der treueste Ihrer Vasallen, Sire, zu den Füßen Ew. Maje- stät. gez: f Jos«, Bischof von Urgel. — In seiner Antwort dankt Don Carlos zuerst, dann sagt er, jene« Manifest sei nicht ein Protest gewesen, sondern eine seinem theueren Vaterlande gegebene Warnung vor den Gefahren und Katastrophen, die es bedrohen. Don Alfonso sei nichts, als die im Purpur verkleidete Revolutton und die mit dem Mantel des christlichen Glaubens verhüllte Gottlosigkeit. Er hoffe auf Gottes Hülfe in diesem Glaubens- kämpfe und fühle dm Muth in sich, feine Aufgabe durch- zuführm, damit Religion, Freiheit und Civilifation unter feinen Fahnen Zuflucht finden mögen. — Wie man erfährt, soll die Verleihung des goldenen VließeS an den Fürsten Bismarck den Dank für die schleunige Anerkennung des Königs Alfons ausdrücken, sowie für das in der „Gustav" - Affaire bewiesene Wohlwollen. Jede politische Bedeutung ist aber der Ordensverleihung dadurch genommen, daß derselbe Orden dem Marschall Mac Mahon, also den bebeutenften Männern beider rivalistrender Länder verliehen worden. Uebrigens hatte schon Serrano dem Fürsten Bismarck das goldene Vließ angeboten, derselbe aber diese Ehre aus der Hand deS Chess einer nur pro visonschm Regierung abgelehnt. — Marschall Serrano hat gestern dem König Alfons und der Gräfin ©irgend feine Huldigungen dargebracht. — Die Nachricht, daß die Al- fonsisten Usurbel geräumt, bestätigt sich nicht. Seit gestern bombarbiren die Carliften Orio. General Loma führt Unterstützung dahin. Die Schlacht von Bagnolaö hat 6 Stunden gewährt; nach carlistijchens Nachrichten soll die Armee des Königs Alfons 300 Todte und Verwundete gehabt haben, unter ersteren dm Obersten vom Regiment Navarra.
Siffabon, 8. März. Mr. Casal Ribeiro, ehemaliger Minister des Auswärtigen in Portugal, auch Gesandter in Paris während des Jahres 1869, ist jetzt von unserer Regierung in einer ganz besonderen und höchst wichtigen Mission bei dem König von Spanien.beauftragt worden.
Belgrad, 6. März. Die Aufregung in dm politischen Kreisen dauert an. Noch war die leidenschaftliche Debatte über dm Antrag deS Abgeordneten Michael Laza- revic nicht zu Ende gelangt, als schon wieder ein anderer Führer der Radikalen eine zündende Interpellation vor da« Haus brachte. Der Avgeordnete Adam Bogosavlevic stellte an den Kriegsminister solgende Anfrage: „Es ist bekannt, daß im Lause deS vergangenen Jahres österreichische Osfi' iere ganz Serbien der Kreuz und Quere nach bereist haben, um genaue Auszeichnungen über Land und Leute zu machen, in den Städten und Dörfern die Zahl der Häuser der Wohnungsräumlichkeiten, sowie die Zahl der Hausbewohner und ihre VermögenSverhällniste zu konstatire«. Sie entwarfen überall Skizzen zu einer genauen topogra^ 'hischen Karte, auf der nebst den Straßen selbst kleine Landwege und sogar Lokalpfade verzeichnet wurden, wobei die die Oesterreicher begleitenden serbischen Offiziere diesen hilfreich an die Hand gegangen sind, wozu sie von der Regierung speziell beauftragt worden -arcn. Der Kriegs- uiinifter wolle uns jagen, wozu das Alles geschehen ist, da wir Grund haben, daraus Verdacht zu schöpfen." Em Dturm erhob sich in Folge dieser Herausforderung, welche die Anhänger der Regierung als illoyal zurückgewiesen aben wollten, während sie die Gegenpartei als „Illustration der loyalen Politik der Regierung" hartnäckig aufrecht
Hrffen-Raffau.
äRittbittg, 11. März. Bei der heute in der hiesi-
nachdem er die Rede, in der er gerade war, zu Ende gebracht hatte.
Die alte Dame wies mit einem Kopfnicken nach oben und sagte halblaut: „Das Kind schrieI".
„Oho!" rief der junge Vater lachend, — „das Kind schrie! .... es schreit den ganzen Tag und die halbe Nacht und ich bin neugierig, wie es Ihnen gefallen wird, Frmnd! — .... ich weiß, Sie lieben Kinder, und ich habe Sie deshalb Thür an Thür mit ihm gebettet!"
„Fürchten Sie nichts", sagte der Baron kopfschüttelnd, — „er will Sie nut ängstigen! Sie schlafen auf meinem Flügel und Sie können sich denken, daß ich mir dm kleinen Schreihals so weit als möglich vom Leibe halte!"
„Und am anderen Morgen ganz früh hinübetkomme, wenn er mal eine Nacht ruhiger als gewöhnlich gewesen ist, um zu fragen, .... ob der kleine Schreihals auch nicht krank ist."
„Allerdings", sagte der Onkel lachend; „man hat auch als Großvater Pflichten und ich habe immer gehört, Laß eS sehr gesund sein soll, wenn Kinder in der ersten Jugend tüchtig schreien."
„Nun wahrhaftig", rief Damkow, auf den Regulator an der Wand sehend, — „dann ist unseres ein Urkind! — Ueberzeugen Sie sich Freund, — es schreit jetzt gerade eine Viertelstunde, ohne Äthern zu holen, . . . daS ist der rechte Mommt, — kommen Sie, ... es ist nun ganz blau; und wenn Sie eS sehen, ohne anzuerkennen, daß es der beste, schwerste, gesundeste, schönste und wunder
barste Junge ist, den jemals ein Professor seit Beginn der Welt über die Taufe gehalten hat, — so find Sie ein Mensch ohne Herz und Gefühl, .... für den wir Alle Sie eigentlich ... . von Anfang an gehalten haben l . . ."
(Schluß folgt.)
Uebctstcht übe. die Witterung im Februar 1875.
(Fortsetzung.)
1477 den 19. Januar wurden auf Befehl des Landgrafen Heinrich III. 10 Söldner zu Fuß von Marburg gen Medebach ausgeferrigt. Sie lagen daselbst 2i/2 Tage.
1477. Peter Snyder wurde vom Rathe bestellt die Lahn- psotte zu hüten, und als das Jahr ein langer Hatter Winter war, und er viel Arbeit hatte, das Waffer ab« zuweisen und das Eis zu hauen, erhielt er zusammen 2'/2 Pfund.
1477 wurde die Grienipforte und die Kölber Brücke von einer großen Wasterflmh mitgenommen.
1479. Gingen etliche Rathsmitglieder zum Comthur um mit demselben zu reden von Gebrechen wegen der Wasser gänge zu dm Mühlen vor Marburg, blieben dieselben bei ihm in Jakob von BlanckenheimS Hause und ver zehnm auf Rechnung der Stadtkaffe 11V2 Schilling 2 Denare.
1479. Zur Ablösung von 5 Gulden jährlicher Zinsen auf dem Hause zu Marburg genannt der rothe Löwe, welche Henchen Ernst vormals zu einer Spende grauer Tuche geflirtet hatte, übergab Landgraf Heinri h III dem Rath« 100 Gulden Capital.
1479. Als eine merkliche Anzahl Steuerpflichtiger die Freiheit zu Marburg bezogen, um hierdurch den städti« schm Abgaben sich zu entziehen, gingen etliche aus dem Rathe zum Hofmeister, erklärten ihm, daß dieses gegen bet Stadt Privilegien sei, machten ihm ein Geschenk au« bet Sladlkaffe von 6 Gulden und baten ihn, die Stadt zu bevenken und bei ihren Freiheiten zu belassen.
1480. (Vor Fastnacht) Als etliche des Rache« Freunde beim Prior im Predigerkloster gewesen waren, denselben zu veranlassen, Herrn Lorentz, Predigermönch, kommen zu lasten, die Passion in der Pfarrkirche zu predigen, gingen dieselben mit etlichen Amtleuten zum Wein und tranken auf Rechnung der Siadikasse für 2i/2 Schilling 2 Denare.
1480. Um gemeinen Nutzen« willen wurde für die Mühle an der Weidenhäuserbrücke ein Graben und neuer Wastergang durch der dmischm Herren Acker neben der Bilchensteiner Pforte angelegt
1480. Als die Krämer zu Marburg den Gewandschnitt und die Vorhöckerei an sich gezogen und in ihren Zunftbrief hatten aufnehmen lasten, dieses aber wider Altherkommm, va Gewanvschnitt und Vorhöckerei vormals eine gemeine Hantierung und nicht zünftig gewesen, so baten der Rath, fünfte und Gemeinde den Landgrafen Heinrich UL biefe Neuerung roieber abzustellen, welches ihnen auch zugclastm wurde. Als Erkenntlichkeit wurden dem Landgrafen 22 Gulden und dem Hofmeister 4 Gulden aus der Stadtkaste verwilligt
1490 een 21. Mai veranstaltet. Landgraf Wilhelm UI. Ungenauere halben eine Prozession. (Forts, folgt.)