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ffr. 61*

Marburg- Sonnabend, 13. März 1875.

x. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M.; Haasenstein & Vogle» in Frankfurt a- M., Berlin, Leip­zig, Cöln ic; Rudolf Messe in Berlin, Frankfutt a. M. rc.

Wtchrjsischc Icilung.

Anzngen nimmt entgegen: die «qzeditio» d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete, meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnftrirte- SouutagSblatt" durch die Expeditton (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. tcxl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Tagesbericht

lieber das Befinden des Kaisers ist folgendes Bulletin ausgegebtti: Der Schlaf während der Nacht wurde öfters gestört, die katarrhalische Affeetton nimmt durchaus einen erwünschten Verlauf; der Appetit nimmt zu.

' In ihrem gestrigen Leitartikel stellt sich die „Kreuz- Zeitung" noch unumwundener als bisher auf die Seite der Gegner der Staatsregierung. Sie sagt, die Partei des omnipotenten Staates, welche Ehe und Schule enh christliche, wende sich zunächst nur gegen die römische Kirche; aber der Kampf sei gegen Freiheit und Existenz der gant gen christlichen Kirche gerichtet. Durch den Kampf fei auch die evangelische Kirche nach verschiedenen Richtungen hin in die allergrößte Mitleidenschaft gezogen. Die kirchenpolitischen Gesetze wirkten verheerend. Dann heißs eS: „Hätten wir eine der katholischen Kirche ähnliche selbstständige kirchliche Organisation, wie wir ste leider bis­her nicht haben, so würden sich die Consequenzen hex Maigesetze in eben so praktischer Weise auch gegen die evangelische Kirche richten; es würde dann aber auch die evangelische Kirche z'. B. eben so wenig eine Absetzung ihrer kirchlichen Obrigkeiten durch die Staatsgewalt aner­kennen können, wie die römisch-katholische Kirche dieselbe anerkennt. ' Die Apostel Petrus und Paulus und dir nachfolgenden Bischöfe gefangen zu setzen und hinzurichten, war der römischen Staatsgewalt möglich; dieselben abzu« setzen war ihr nicht möglich, denn auch im Gefängniß wurden ste und mußten sie von der christlichen Gemein­schaft als Apostel und Bischöfe anerkannt bleiben."

Bon verschiedener Seite wird bestätigt, daß von der deutschen Regierung Schritte bei der italienischen wegen der Encyklika geschehen sind. Es soll nämlich eine ver­trauliche Anfrage von Seiten der deutschen Regierung er­gangen sein: ob denn keine Möglichkeit vorhanden sei, zu -verhindern, daß von der Hauptstadt des befreundeten Königreich« ungestraft Injurien gegen einen befreundeten Monarchen, ja Aufforderungen zum Ungehorsam gegen die Landesgesetze deS anderen Staates auSgehen könnten; ob es nicht thunlich fei, wie man einst in Turin die Belei­digungen gegen ben französischen Kaiser geahndet, so jetzt in Rom die gegen den deutschen Kaiser zu ahnden. Die italienische Regierung soll darauf geantwortet haben, daß sie diesen Gegenstand in Erwägung ziehen werde. Welche Maßregel eintreten wird, ob sie allenfalls das Garantie- Gesetz wird auf gesetzmäßigem Wege einer Aenderung un» terziehen taffen, oder sonstige Maßregeln gegen eine Wieder­kehr der päpstlichen Injurien nehmen wird, davon ver­lautet noch nichts; dagegen soll sie allerdings beabsichtigen, im Verein mit den anderen europäischen Mächten Vorsorge zu treffen, daß bei einer neuen Papstwahl Garantieen ge­boten »erben, burch welche bie päpstlichen Angriffe zur Störung de« Friedens und der Ordnung unmöglich gemacht werden.

Die Nachricht, daß Mery y'Colomb zum Nachfolger deS Grafen Rascon als spanischer Gesandter in Berlin be

stimmt fei, wird in unterrichteten Kreisen entschieden be zweifelt, da bis jetzt eine dahingehende Notification noch nicht eingetroffen ist. Graf RaScon erfreut sich ganz be­sonderer Anerkennung und wurde noch in letzterer Zeit vom Kaiser mehrfach empfangen, der sich bei dieser Ge legenheit dahin geäußert hat, er wünsche, Graf RaScon möge in seiner Stellung bleiben. — Unter solchen Um ständen ist es kaum glaublich, daß die Nachricht von die­sem Gesandtschaftswechsel authentisch ist, sie mag wohl diesmal französischen Ursprungs (ein.

Zn Bezug auf die Krankheit des Abg. Dr. Lasker er­fahren wir, daß gegenwärtig (in bet fünften Woche) die Befürchtung sich geltend macht, daß die bereits sehr ange griffenen Kräfte deS Patienten nicht auSreicheu möchten, den Gefahren der Krankheit Widerstand zu leisten. An- bere besorgnißerregende Symptome haben sich indeß nicht gezeigt. ..................

Deutsches Strich.

•• Berlin, 11. März. Das Befinden deS Kaiser- Hat erfreuliche Fortschritte zur Befferung gemacht. Der hohe Patient hat eine gute Nacht gehabt, auch zeigt sich schon wieder der Appetit, was bei kacharthalischen Krankheiten ein Zeichen der Genesung ist. — Das Abgeordnxtenhaus gehl mit schnellen Schritten der Beendigung der Etats­verhandlungen zu. Mit dem Schluß derselben tritt ba$ Haus erst in die Berathungen der großen legislatorischen Aufgaben ein, welche dieser Session für alle Zeit ein^u bleibenden Werth sichern werden. Dank dem Eifer und dem Verständniß der Commission für die Bedürfnisse be« Augenblicks sind die Arbeiten so weit gefördert, daß da« AbgeordnetenhauS im Plenum sofort in die Perhandlungen treten kann. Das Präsidium des HauseS hat in lieber» einstimmung mit der Commission den dringenden Wunsch, die Provinzialordnung noch vor Ostern zu erledigen. Des halb ist auch von Seiten deS Präsidiums an bie Even­tualität gedacht worden, daß das Haus noch die ersten Tage der Charwoche zu seiner parlamentarischen Thätigkeit anwenden möge. Dagegen sind von verschiedenen Seiten religiöse Bedenken geltend gemacht worden. Es ist daher augenblicklich noch nicht der Tag, an welchem die Oster­ferien beginnen sollen, bestimmt. ES wird von dem Ver­lause der Verhandlungen über die Provinzialordnung ab­hängen, ob dieselben schon am 19. März beginnen oder erst gegen die Mitte der Charwoche eintreten. Die Darre« derselben ist bis zum 5. April auf allgemeinen Wunsch inj Aussicht genommen. — DaS Herrenhaus wird in den nächsten Tagen zur Berathung der. Vormundschaftsordnung schreiten. Die Regierungsvorlage ist durch die verschiede­nen Amendements fast ganz und gar umgeworfen, so daß eine lange und schwierige Berathung vorauSzusehen ist. Es ist jedoch zu hoffen, baß im Plenum die Regierungs- Vorlage möglichst wiederhergestellt werden wird, um daS Einverständniß mit Regierung und Abgeordnetenhaus zu ermöglichen. — Im Abgeordnetenhause hat heute eine Be­

rathung des Staatsministeriums unter Vorsitz des Minister Camphausen stattgefunden, in welcher ..e« sich nicht um Fragen der allgemeinen Politik, sondern vorzugsweise-um die Stellung gehandelt hat, welche die Regierung zu ein­zelnen im Laufe >tv . EtatSberathungen hervorgetretenen Fragen nehmen wird, lieber den Charakter und Inhalt der am Sonntag stattgefundenen vertraulichen Minister­besprechung sind durch ben Telegraph und in der Presse vielfach irrthümliche Meinungen verbreitet. Dieselben sollen nur Schritte der Staatsregierung auf dem Gebiete der Kirchenpolitik zum Gegenstanbe gehabt haben. Wie-ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, ist dies keineswegs der Fall. — Nach einem Berichte be« evangelischen Eonsi- storiums in Hannover sind im letzten Quartale des ver­gangenen Jahres 2976 Ehen eingegangen, von denen 2757 kirchlich eingesegnet sind, demnach nur.TVs pCt. ohne Segen der Kirche geblieben.

Paderborn, 6. März. Am 5. d. kam vor den Geschwo­renen die cause celebre wieder den «Solarien» und Depofitt-l. Kaffenrendanten, Rechnungsrath Joseph Schlüter au« Höxter zur Verhandlung und Entscheidung. Derselbe war-ange­klagt im Laufe der letzten zehn Jahre aus dem Depofitvrium des Gerichtes zu Höxter verschiedene fremde Gelder (Pader­borner TilgungS-Kaffen-Obligationen und Zinscoupous) im Betrage von etwa 12,800 Thlr. nach und nach sich rechtswidrig ^geeignet und unrichtige Bücher geführt zu haben. (Frühere Unterschlagungen, die bereit« vom Jahre 1852 batiren und eine Höhe von 30,000 Thlr. erreicht haben sollen, sind schon verjährt und konnten nicht mit unter Anklage gestellt werden.) Der Angeklagte war in Betreff sämmtlicher Thatfragen geständig, Machte -jedoch auf Annahme mildernder Umstände Anspruch, weshalb die Ber- handlung unter Mitwirkung der Geschworenen erfolgen mußte. Die mildernden Umstände suchte der Angeklagte durch seine frühe Verheirathung, sein gering bemeffeneS Gehalt, die große Zahl seiner Kinder, sowie deren ErziehungS- kosten, überhaupt durch seine durch Schulden sehr zerrüttete Lage zu begründen. Die Geschworenen erkannt« den An­geklagten wegen sämmtlicher ihm zur Last gelegten Ver­brechen und Vergehen für schuldig, und nahmen in allen Fällen keine mildernden Umstände an. Die Staatsanwalt­schaft beantragte demgemäß eine Zuchthausstrafe von fünf­zehn Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf zehn Jahre. Der Gerichtshof erkannte aufzehn Jahre Zuchthaus und Ehrenverlust auf gleiche Dauer.

9RaI$fa, 10. März. Der Landtag berieth heute den Bericht des Verfaffungscomitee über das RrgievuugS- rescript vom 9. März betreffend die VerfaffungSangttegen- heit. Herr v. Maltzahn-Kleinlukow beantragte eine tarn- miffarifch-deputatifche Verhandlung über Verfassungsände­rung eventuel mit neuen Vorlagen. Die Landschaft lehnte den Antrag ab, die Ritterschaft nahm ihn mit 108 gegen 25 Stimmen au. Herr v. d. Kettenburg beantragtes dm Landesherrn zu ersuchen, einer durch die ReichSverfasfiwg nicht gerechtfertigten Einwirkung auf die Verfassung-fache

v DaS Mausoleum der gnädigen Frau.

,ij Novelle von Max Alt-

■i; (Fortsetzung.)

XVI

Bald darauf hatte ich dem Hause den Rücken wenden müffen, in dem Glück und Frieden auf fo wunderbare Art eingekehrt waren.

Ich war fern von ihm in der großen Stabt, aber es waren treue Freunde, die ich mir erworben, — sie schrieben Beide oft und ausführlich, und das froheste der Ereigniffe rief mich 5 Monate später dahin zurück. Anders hatte sich die Natur gekleidet, al« mich wieder der Postwagen von der kleinen Station au« durch die Haide trug. — Schwer seufzten die alten Kiefern unter der Last des Schnee«, der auf ihren ächzenden Zweigen ruhten und die briufenbe Luft, welche mich vor einem halben Jahr in so settsame Träume eingewiegt, — hatte einer anderen Platz gemacht, die e« besser verstand, mich wach zu erhalten. — Denn der Wind jagte mir, wenn ich das Wagenfenster einmal öffnete, die Schneewirbel, die er vor sich hertrieb, so übermüthig in« Gesicht, daß ich mich schnell mühte, efl wieder zu schließen, um jenen den Eingang nur spär­licher zu vergönnen.

In der kleinen Stadt aber war e« das alte Bild, als wir unter den Klängen des Posthorns in ihre Straßen einfuhren. — Die Leute eilten an die Fenster, und als wir um die Ecke nach dem Markt bogen, stand wieder da, die lange Gestalt meines Freundes und winkte mir lustig mit Hut und Tuch entgegen. Einen Augenblick fnätrr schüttelten wir un« die Hände, und während er diesen

Gruß in eine herzliche Umarmung umwandelte, hatte ich Gelegenheit, eine Bemerkung zu machen, die mich entsetzt ausrufen ließ: „Aber Damkowl um Gotteswillen, diese Stiefeln, wie vermochten Sie es?"

„Ja" antwortete er, den linken Fuß erhebend und ihn mit einem schallenden Gelächter betrachtend, — „ja Sie haben recht I ... ste sind viel zu großl . . . aber beim Himmel, . . . sie drücken mich nicht?

Dann hob er mich ohne jede Entschuldigung in einen leichten Jagdschlitten, der mit einem Pferde nur bespannt war, und auf dessen Pritsche der Reitknecht Wilhelm die lange Peitsche schwang, — und hin flogen wir, über den schneebedeckten Boden, dem Ziele zu, da« wir in dem dritten Theil der Zeit erreichten, die wir damals brauchten.

Wieder fuhren uns die Hunde aus dem Parkthor ent­gegen, und als wir einen Augenblick darauf aus dem Schlitten sprangen, öffneten sich die Thüren, und der Ba­ron mit Frau von Damkow am Arm, hießen mich in lie­ber gewohnter Herzlichkeit willkommen. — Das war das bekannte alte Zimmer wieder, wo uns der Frühstückstisch erwartete, und an dem eine Dame mit silbernen Locken saß, die sich erhob um ihre Filetnadeln bei Seite zu legen, und meine Bekanntschaft zu machen. Die gute Frau von Bardeck war schon ein Paar Wochen früher gekommen, um der jungen Frau in schwerer Stunde zur Seite zu stehen. — Da trat auch der alte Krause heran, mit GlaS und Flasche auf silbernem Taalett, und sagte mit verfüh­rerischem Lächeln: „Sie sind g.wiß halb erfroren, Herr P ofestor, und ein Glas von unjcrm gl^n, Sie kennen

'hn ja, ... . würde meinetwegen gewiß keinen Schad« thnn " —

Bald waren wir an dem Tisch versammelt, ,uwb nach­dem der Baron nach meinen Erlebnisse, gefragt hatzte^rief er plötzlich auf Herrn von Damkvw deutend: nun

Sagen Sie mir vor Allem, wie gefällt Ihnen mein neuer Inspektor I?"

„Vortrefflich Herr Baron," erwiderte ich mit ernster Miene; — „ich habe schon vorhin Gelegenheit gehabt... seine entsetzlichen Schmierstiefeln zu bewundern I" — Herr von Damkow drohte mir, die Andern lachten, und der Baron fuhr vergnügt fort: „Sie habens getroffen, — das ist das beste Zeichen'; — jetzt weiß er immer, wa« er anziehen soll."

»Und ha, dafür auch nicht die geringsten Schmerzen mehrl" unterbrach ihn dieser.

Herr v. Grönitz stellte bann seinem Schwiegersohn ein außerordentliches Zeugniß aus, daS dieser übertrieben nannte und bescheiden von sich abzuwendm suchte. ®r hatte also gehalten, was ich keinen Augenblick bezweifelt, was er sich vorgenommen, und war mit Ernst und Entschiedenheit an besten Ausführung gegangen. Und wenn man das glückliche, klare Lächeln aus feinem Auge strahlen sah, dann fühlte man deutlich, wie fein Mühen ihm ge­lohnt wurde.

Das kleine Frühstück wurde voM der heitersten Laune gewürzt und nahte feinem Epde, al« die junge Fra, plötz­lich aufhorchte, unruhig wurde und sich leise eite dem Zim­mer entfernte.

„fPfyte etz.?,- fragte M Kax<M Frau dep Verdeck,