Nr. 57
Jllarßurg, Mittwoch, IO. März 1875.
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Tagesbericht
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Deutsche« «eich.
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34 danke Jhnm, Herr Professor, -- tch rvxjß, v«ß
Wie man hört, wird die deutsche Regierung demnächst eine Mittheilung an die russische Regierung gelangen lasicn, in welcher die Bereitwilligkeit Deutschlands, das russische Eabinet bei der weiteren Verfolgung der kriegsvölkerrecht- lichen Reformprojecte zu unterstützen, einen erneuten leb haften Ausdruck finden wird. BoraNSsetzlich dürste diese Mittheilung auch zur Kenntnifi der anderen beteiligten Regierungen gebracht werden.
i Bezüglich der Frage über die Vollstreckung von Freiheitsstrafen gegen Militärs, welche aus dem Soldatenstande entlassen sind, hat der Bundesrath beschlossen, daß die nach Maßgabe des Militär-Strafgesetzbuchs auf die bürgerlichen Behörden übergehende Vollstreckung der von Militärgerichten erkannten Strafen durch die bürgerlichen Behörden des Heimatstaates, wenn entweder die strafbare Handlung außer halb des Bundesgebietes verübt worden oder der Verur- theilte im Gebiete des Heimatstaates sich aufhält, in anderen Fällen durch die bürgerlichen Behörden des Bundesstaates, in dessen Gebiete die strafbare Handlung verübt worden ist, zu erfolgen habe. Wie nachträglich bekannt wird, hat die württembergische Regierung dagegen gestimmt, weil nad, ihrer Ansicht der Beschluß mit dem bestehenden Recht sich nicht im Einklänge befinde, während sie andererseits bereit sei, zum Abschluß einer principiellen Lösung der Frage die Hand zu bieten.
Der preußische Staatshaushaltsetat wird dem Vernehmen nach noch einen Nachtrag erhalten, welcher sich auf die Auseinandersetzung mit dem kurhessischen Fideicommiß bezieht. Auch im Uebrigen sind wohl noch vor den Öfter» seilen manche belangreiche Vorlagen für den Landtag zu erwarten.
11 Der „Cultnr kämpf" wird tn diesen Tagen das Abgeordnetenhaus lebhaft beschäftigen. Am Mittwoch wird der
Da« Muufoleu« der gnädige« Fr««. Novelle von Max Alt.
■■ y> (Forifetzung.)
34 ftürbe geweckt, um Senf zu Fußbädern herauSzu jeben, weil der Baron erkrankt sei, — und ich hörte, daß Wilhelm nach der Stadt geschickt wurde, um den Doctor zu holen, und daß die gnädige Frau v. Damkow gerufen wurde. Das ist Alles; — sonst weiß kch nichts. Denn dieser alte Tyrann, der Krause, der im Stande ist, Einem endlose Geschichten zu erzählen, wenn er merkt, daß man fle nicht wissen will, — ist augenblicklich stumm wie ein Fisch, wenn etwa» Wichtiges vorgeht, nach dem man ttoch ZU fragen vielleicht unklug genug ist. — Aber jedenfalls ist der Baron kränker, viel kränker, als er jemals war, das habe ich trotz alledem aus der geheimnißvolleu Miene des alten WichtigthuerS herauSgelesen.
„Wollen Sie nicht hinaufgchen?" sagte ich zu Herrn V. Damkow, als die gekränkte Frau uns verlassen hatte.
„Jawohl! .... allerdings, . . . eS wird das Beste fein, .... obgleich ich nicht weiß, eb ..." er wischte sich mit dem Taschentuch über die Stirn; — „ich werde meiner Frau hineinsagen lassen, daß ich ... da bin; — bitte, gehen sie nicht fort, . . . erwarten Sie mich in dem Zimmer dort, . . . ich sage Ihnen gleich . . . Bescheid!" — Und er wandte sich der Treppe zu und noch immer schien mir sein Schritt zu schwanken, seltsam zu schwanken als er ihre Stufen langsam erstieg. '
DaS Zimmer, in welchem wir gewohnt marett, des Mends zu sitzm, war erleuchtet; ich ging hinein und sank erschöpft auf einen Stuhl. Auch hier diese eidrückende Schwüle, daß ich mühsam und schwer nach Aihem rang. — Ich sprang wieder auf und sah hinaus in btt Nacht Das Wetter war im Abziehen begriffen; ich öffnete das Fenster, eine balsamische Luft strömte hinein ünd ich hörte wie mit einem feierlichen Ton fast, ein dichter Regen cher' niederrauschte.
Dort war bat Bild der Verstorbenen an seinem alten Platz- Mit ihrem entzückenden Lächeln sah fie wie immer
Antrag des Abg. Dr. Petri wegen der Verhältniffe der Altkatholiken auf die Tagesordnung gesetzt werden Nnd nicht viel später das neue Gesetz wegen der DotatioNs entziehung an die Reihe kommen. i
Am Rhein scheint man mit Maßregelungen der ültra-i montanen Beamten vötgehen zu wollen. So hat die Kgl. Regierung zu Koblenz den Landräthen ihres Bezirkes dies Aufstellung eines Verzeichnisses der unter ihnen stehenden Beamten katholischen Bekenntnisses aufgegeben, aüs welchem! ersichtlich ist, wie dieselben zu den Maigesetzen stehen. Bei' etwaigem Zweifel in dieser Beziehung sollen die Ltmdräthe von den betreffenden Beamten durch' schriftliche Verhandlungen eine bestifttitfte Erklärung darüber verlangen, ob sie die Rechtsgültigkeit jener Gesetze Unbedingt anerkennen ober, nicht. VoU den höheren Gemeiiide-Vttwaltütigs Beamten pflegt die Regierung schon feit einiger Zeit, ehe sie ihre Bestätigung gibt, eine ähnliche Erklärung zu verlangens So ist eS den Bürgermeistern von Düsseldorf Und Steele ergangen und sd verfährt man auch im gegenwärtigen Augenblick mit dem wiedergewählten Oberbürgermeister von Bonn. '
Sein Ton klang auffallend weich, säst hilfebedürftig, M« er die Jagdtasche abnahm und Mir hinreichte, — aber ikuch im Augenblick wieder zurückzog und hinzufetzte: „Mer nein, . ... ich werbe sie selbst hineintragen, Sie werden üttch nicht allein gehen taffen, — ich weiß eSl" — und wie er sich mühte, mir die Tasche abzunehmen, die ich ebenfalls erfaßt hatte, — öffnete sie sich ... und ein weißes Ldinentüch, das, oberflächlich und zusammengelegt, hin eingepftopst war, sprang, sich dehnend daraus hervor und glitt zu Boden.
Ich sah ihn erschrecken, deutlich erschrecken und während ich mich bückte, um es aufzuheben, wobei mir das Blut wieder ins Gesicht schoß, das eS soeben verlassen hatte, sagte 'er mit verlegener Stimme: „ES ist . . . nur mein Badetuch I" ’ •
Ich gab eS ihm zurück . . .'Md fühlte dabei, daß es schwer war, ohne feucht zu fein.
Er ging nun einen Augenblick in’» Haus, — woran ich ihn nicht Mehr hinderte; ich sah ihm träumend nach uNd im unbestimmten Licht der Nacht schim eS mir, als wenn sein Schritt schwankender und schwankender wurde. '■.
XIV.
R» wir in dem Schloß ankamen, fanden ^'wir, daß die Bestürzung, die dort herrschte, noch größer war, al» wir erwartet hatten. Alle» lief mit verstörten Mienen ängstlich durcheinander, um die verschiedenen Ordre« auszuführen, die von oben herabkamen und es machte uns Mühe, irgend Jemand habhaft zu werden, der ein paar Minuten Zeit zu einer Erklärung hatte. Endlich brachten wir die Haushälterin zum Stehen und sie sagte uns achselzuckend, daß fie nicht mehr wisse al« wir.
such gemacht, die jüngsten Nachrichten über Kücktritts- abstchten des Fürsten Bismarck mit dem Gesetzentwurf aus dem CultuSministerium in Verbindung zu bringen. Diese Gerüchte haben eisten durchaus tendenziösem Charakter und entbehren der thatsächlichen Begründung!' Als die vielbesprochene Nachricht von dem Wunsche des Fürsten Bismar : ins Privatleben zurückzutreten in die Oeffmtlich- keit gelangte, war das neue Gesetz erst im Stadium der Vorberathung. Dkr Kaiser war daher damals noch gqr nicht in die Lage gekommen, seifte Meinung über das Gesetz zu äußern. Andererseits steht eS fest, daß der Gesetzentwurf, sobald er vom Ministerpräsidenten beim Kaiser zum Vortrag gelangte, unmittelbar die Zustimmung der höchsten Instanz erhielt. — Alle Zeitungen, welche die günstige Entwickelung unseres nationalen Lebens wünschen, begrüßen die neue Vorlage mit Freuden und erkennen an, daß dieselbe formell durchaus berechtigt und durch die Umstände und das Staatsinteresse geboten sei. Wenn die „Germania" und einige radikale Zeitungen den Ecsvlg der neuesten Maßnahmen in Zweifel ziehen, so ist dem gegenüber hervorzuheben, daß die Regierung keineswegs einen unmittelbaren Erfolg der kirchlichen Gesetze erwartet hat. Der Cultusminister hat schon bei bet Berathung der ersten Maigesetze im Abgeordnetenhause erklärt, daß die Wirkung der Gesetze zwar keine unmittelbare sein werde, daß dieselben aber dazu geeignet wären, der Hierarchie die Hilfsmittel zu entzicheti, mit welchen sie bis da- hi«bchtt da LulturenttVickekungHinderlicheHetrfch^t au»
D Mai«), 7 März. DÄ Verbatst» 'der lantro. Consumvereine in Hefleft, der neuerdings eint große Regsamkeit an den Tag legt und welcher schoftim vorigen Monat einen Markttag für den Ankauf von ''Futtermitteln und Kleesämereien und behnfS Verkauf landw. Erzeugnisse abgehalten, hat in seiner letzten Ausschußsttzung beschlossen, ür dm 5. April d. I. einen Weinmarkt für die rheinhess. Weinbau treibenden Verbandsvereine, circa 22 an der Zahl mit etwa 1800 Mitgliedern, nach Mainz auszuschreiben, um dadurch einmal den Verkehr zwischen den Weinprodu- centen und dem Weinhandel, den Consumenten die Auswahl zu erleichtern und zu ermöglichen, Weine in großen Quantitäten an einem Platz anzukaufen, namentlich ober auch den rheinhess. Weinen neue und lohnende Absatzqueüen zu eröffnen und, damit gleichzeitig auf die Hebung des Weinbaues sowohl, wie auf die des soliden WeinhandelS hinzuwirkm. Allem Anschein nach wird diese neue Einrichtung deS Verbandes eine große Zukunft haben, benn ber Gedanke hat sowohl bei den Weinprodueenten, ftls auch
in den Raum, — nur um die Auslaufe der Lippen "schien heut ein bitterer spöttischer Zug zu irren, als wenn sie sagen wollte: „Die Menschen I ... Die Menschen!"
Es war mir weh umS Herz und ich träumte von Gottes schöner Erde, aus der so viel Glück sein konnte, und doch sv wmig war; träumte, wie die Menschm sich bekämpfen, . . . Mann gegen Mann, ;u. . Geschlechter gegen Geschlechter, . . . Nationen gegen Nationen, . . als wmn er nicht Raum geschaffen für Alle, in seiner unendlichen Huid und Güte.
„Entschuldigen Sie, Herr Professor," . . . . schreckte mich plötzlich eine bekannte Stimme auf. — Ich mußte lächelns; — eS war der alte Krause, der mir diesen Titel verliehen hatte, und trotz äll meiner Protestationen bei seiner Anwendung verharrte. Er kam, um irgend eine Kleinigkeit ans einem Schrank zu holen.
„Wie steht es, lieber Krause?" fragte ich utit ängstlicher Theilnahrne. h
„Schlecht, Herr Professor, — schlecht, ich danke! ... ich glaube, ... eS ist das Ende!" : 1 ' --
„Oh! nein! . . . nein! lassen Sie es nicht zu Eftde sein, .... diesmal noch nicht! . . . . nein! netit-!* und mein Ton klang so bittend, als wmn e» in den Händen dieses alte« Mannes gelegen hätte, das Unglück^ üb- zuwendm. ■
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sontt- und Feieitagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlicken dll kÜ J,-——
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietttch & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietttch in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip- zig, Cöln re; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
«rtfiJiff1 und ver-kzum Theile schon zür Reife gekommenen Gesetzesvorlagen
» V°^ehm des Papstes m scharfen Ausdrücken./ihre natürliche Erklärung. Nachträglich hat man den Ver-
Besonder» hervorzuheb^ft ist e», daß die „Italic", da»'' ' - ■ - -
offteiöfe Blatt in Rom, welches sich bis dahin eine große Reserve gegen die Curie auferlegt, jetzt sich ganz auf die Seite dm pttüßischm Regierung stellt. Sie sagt von der päpstlichen Encyclica, daß sie alle Grenzen überschreite und daß der Vatican der angreifende Thöil sei, so ^Sß das deutsche Reich sich in der Nothwmdigkeifbefinde, sich z» vertheidigen. Durch das Vorgehen des Papstes würden die Worte des Herrn Megliä bestätigt, denn der Vatican scheine die Revolution anfachm zu wollen, um daraus Nutzen zu ziehen. Dagegen müsse Jtalim allerdings bei feiner Politik beharren, den Waffenstillstand auf der Halb insel aufrecht zu erhalten. Sie tadelt die „Opinione", daß diese ein Telegramm reproducitt habe, nach welchem die deutsche Regierung beabsichtige, die italienische zu Maß regeln gegen den Papst aufzufordern, weil seine Maßlosigkeit dm europäischm Frieden bedrohe. Das offiziöse Blatt erklärt, daß Italien seiner kirchlichen Politik treu bleiben müsse, so lange der päpstliche Stuhl sich fn Italien befinde. 1
@r fuhr sich über die Augen'und sagte bann leise: »Wir wünschen eS Alle nicht, gewiß nicht. — Selbst Herr v. Damkow ift so ergriffen, . . . so furchtbar ergriffen, . . . ich wußte es ja, ... daß er immer Nur 7. jo p'' • a" wenn er, ... . aber es ist schlimm, Herr Professor, ... es ist ein Schlaganfall ... er ist aelähmt und kann nicht sprechen!" ”
»Mein Gott! . ... das wäre efttsetzlich!" tief ich
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*• 8. März. In Verbindung mit der Nach
richt von dem Ausflug des Kaisers von Oesterreich auf italienisches Gebiet treten auch wieder die Gerüchte von der beabsichtigten Reife unseres Kaisers nach Italien in die Oeffmtlichkeit. Man kann dieser Nachricht gegenüber nur da» wiederhole», was wir schon früher erwähnten, daß augmblicklich von solchen Absichten am Hofe noch nicht die Rede ist. Dagegen ist zu constattrm, daß im Monat Mai verschiedene fürstliche Besuche an unferm Hoflager erwartet werden und somit der Kaiser ohne Zweifel hier in Berlin während dieser Zeit verweilm wirb. — Der Gesundheitszustand de» Fürsten Bismarck hat sich in letzter Zeit bedeutend gebessert, so daß derselbe jetzt wieder den legislatorischen Aufgaben seine Aufmerksamkeit widmen kann. Daß die kirchlichen Gesetze dabei in erster Linie stehen
,, „ r r lbedarf keiner weiteren Bersichemng. Die Berathungen der
Die ttalienlsche Presse bsspncht die Encyclica uNd die ne». I Minister In dem auswärtigen Ministerium dauern fort chm Maßregeln der prmßtschm Regierung mit großem Eifer;!und findet diese Thatsache in den neuerdings vorbereiteten,
Anzeigen nimmt entgegen: die Mwdition b. Blatte», n- 1 sowie die Annoncen-Bureaux j1' von G L. Daube & Co. in 1 Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt c M.; Juvalidendank, 21. Rele- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß-
lerin Hannover; C. Schlotte f/» in Bremen.