zur Abhaltung einer deutschen Reichsindustrieausstellung zu Berlin im Jahre 1878 übernommen hat. Dasselbe ist in seiner Thitigkeit bis zur Ausstellung des Programms vorgeschritten. Den Entwurs des Letzteren hat Dr. H. Grothe übernommen. Uebrigens dürste, nach den vorliegenden Zuschriften zu urtheilen, dieses Unternehmen seiner Zeit eine ungemein große Betheiligung ganz Deutschlands finden. Trotz der gegenwärtigen, einer Ausstellung gewiß nicht günstigen industriellen und commerciellen Verhältnisse haben sich nämlich die Vertreter der verschiedensten Geschäftsbräuchen, und darunter bedeutende Capacitäten, für dieses Unternehmen ausgesprochen. Bis zum Sommer 1878 glaubt man allgemein, werden die wirthschastlichen Ver- hältnisie wieder normale Gestaltung angenommen haben und da die Ausstellung übrigens bezüglich der Kosten rc. einen privaten Character tragen soll, so stehen ihr auch keine staatsfinanziellen Bedenken entgegen. Bei dieser Ge- legenheit mag übrigens bemerkt sein, daß von allen Theilen des Deutschen Reichs bei den internationalen Weltausstellungen, die bisher abgehalten worden sind, in erster Linie Württemberg, dann zunächst das Königreich Sachsen und dann die westlichen Provinzen Preußens (Rheinprovinz und Westfalen) relativ am stärksten vertreten waren. Man darf nunmehr wohl darauf gespannt sein, wie sich daS Betheiligungsverhältniß bei der nationalen Ausstellung im Jahre 1878 zwischen den einzelnen Theilen Deutschlands stellen wird, und namentlich auch wie sich die neuerworbenen Theile des Deutschen Reichs (Elsaß und Lothringen) zu dem Unternehmen verhalten werden.
In ultramontanen Kreisen wird bekanntlich eine großartige Demonstration geplant. Anläßlich der Aufhebung der deutschen Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhl soll nämlich an den Papst eine Adresie gerichtet werden, in welcher die „Katholiken Deutschlands" dem heiligen Stuhl hre Ergebenheit ausdrücken. Eine Völkerwanderung nach Rom zu Papier. Eine möglichst zahlreiche Deputation oll die Adresie nach Rom bringen, und dieser Römerzug oll zugleich die Wallfahrten zum Jubeljahr einleiten. — Die Adreffenbewegung geht von Mainz auS, erstreckt sich auf jede Diöcese, auf jeden Pfarrort, auf jeden katholischen Weiler. Der Meßner wandert von HauS zu Haus, und da eS nichts kostet, wird eine erkleckliche Anzahl von Unterschriftm zusammengebracht werden, die dann im Vatikan als „Stimme des katholischen Deutschlands" mit weltgeschichtlichem Pathos auftreten. Der Wortlaut der Adresie soll, wie in dem Begleitschreiben ausdrücklich und dringend hervorgehoben ist, geheim gehalten werden.
Auffällig muß eS doch erscheinen, daß Frankreich mit einem Male 10,000 Pferde zur Retablirung seiner Ca- vallerie aus Deutschland aufkausen lasien will, nachdem eS bereits in den Jahren 1871—1872 sehr bedeutende Pferde, ankäufe in Schottland und Irland gemacht. Außerdem aber erfahren wir, daß in Frankreich in diesem Jahr nicht wie früher die Cavallerie- und Artilleriepferde zur Ersparung bei den Bauern eingestellt werden dürfen, sondern alle bei den Truppen bleiben muffen. Wenn wir dieser Thatsache auch keine politische Bedeutung beimesien wollen, da sich die Regierung wohl schwerlich mit dem Gedanken tragen kann, schon jetzt einen Revanchekrieg zu beginnen, so steht man doch daraus, mit welchem Eifer sie die Rüstung und vollständig- Herstellung der Armee betreibt. — Uebrigens ist gegen die Ausfuhr von Pferden über Deutschlands Grenze noch rechtzeitig ein Verbot erlassen worden.
Deutsches Strich.
Berit«, 5. März. In den Motiven zu der Vorlage
Verfassung und den Landesgesetzen steht, Folge zu geben. Was die Geldmittel betrifft, welche durch den Gesetzvorschlag der Regierung zunächst der katholischen Kirche entzogen werden, so beträgt die Dotation der BiSthümer auS Staatsfonds 1,242,754 Mark, die der katholischen Geist, lichen und Kirchen 1,351,908, außerdem sind in dem Fond für Verbesierung der äußeren Lage der Geistlichen aller Bekenntnisse, und Lehrer 3,411,509 Mark auSgeworfen, und rechnet man hiervon gegen eine Million Mark für katholische Geistliche, so beziffert sich der Gesammtbetrag . ller direkt auS Staatsmitteln für katholische Kirchenzwecke geleisteten Verwendungen ungefähr auf etwas über Eine Million Thaler.
Münster, 2. März. Bei dem Bischof erschien, wie der Wests. Mercur" berichtet, heute früh wieder eia Exe- cutor, um ihn wegen der Strafen von 600 Mk. und zweimal 300 Mk. für die Nichlbesetzung der Pfarrstcllen in Werne, Hochelten und Pont zu pfänden. Der Versuch war vergeblich. Auch erhielt der Bischof eine Vorladung auf den 15. d. vor die AppellationS-Kammcr des k. Kreisgerichts zu Cleve wegen der vom öffentlichen Ministerium
eingelegten Berufung. Von sehr vielen Seiten wurden dem Bischof angeblich Anerbietungen gemacht, die Strafe von 200 Thalern zu zahlen, für welche die in den nächsten Tagen anzutretende Gefängnißstrafe substituirt werden soll. Sämmtliche Anerbietungen wurden indeß von demselben
abgelehnt.
Weimar, 5. März. Zum Sitze deS thüringischen Oberlandesgerichts ist Jena bestimmt worden.
München, 3. März. Die hiesige „Süddeutsche Presic", welche seit dem 1. d. M. unter der Chef-Redaction von Dr. Casus Möller, dem früheren Mit - Redakteur der Spenerschen Zeitung, erscheint und, nach den vorliegenden ersten Nummern zu urtheilen, von einem frischen ansprechenden Geiste durchweht sein wird, dementirt mit Recht die wiener Sensationsnachricht von Aeußerungen de» König«, welche sich auf die Behandlung deS päpstlichen Nunciu« durch das OffiziercorpS dahier bezogen haben sollten. Auffällig war nur, daß baterische Blätter von Ansehen und Urtheil das nicht näher zu bezeichnende Gerede abgedruckt haben, nachdem doch feststeht, daß über münchrner Verhältnisse jede noch so feiste Zeitungsente in Wien willige Abnehmer findet. Richtig ist, wie auch die Süddeutsche Zeitung hervorhebt, daß bei dem feierlichen Empfang deS NunciuS die Officiere bis auf ein paar besondere AuS nahmen, durch ihre Abwesenheit geglänzt haben, was ja auch im Ganzen die Stellung der Armee zur ultramontanen Partei ganz richtig bezeichnet.
A«sl>u»».
s- Paris, 4. März. Die Ministerkrists dauert fort; jeden Augenblick cursiren andere Nachrichten. So erzählt man, daß auf Hrn. v. BroglieS Rath rin Portefeuille außerhalb der Assemblee an Hrn. Andral gegebett werden solle; Hr. Buffet widersetzt sich dem aber entschieden, indem er die volle Freiheit, aber auch die volle Verantwort- lichkeit der Bildung des Ministeriums verlange. Indeß hält der Marschall hartnäckig daran fest, ein Mitglied der Rechten im Ministerium zu haben, und jeder nennt nun Herr v. Kerdrel, der als Depmirter von Lorient im Seewesen kompe.ent für die Marine bestimmt sein soll. Doch grade dies Verlangen de« Marschalls soll da« Haupthin- derniß der Lösung der Krisis fein, und verweigern sowohl das linke Centrum als die anderen Fraktionen der Linken einem sogenannten FufionSministerium jede Unterstützung. Gestern Abend hieß es sogar, jedes Einverständniß zwischen Hrn. Buffet und dem Marschall sei gescheitert. — DaS Denuncianten-Wesen ist wieder in voller Blüthe; jetzt gilt eS dem BonapartiSmuS. Die absurdesten und ungeheuerlichsten Denunciationen gegen Beamte aller Grade al- verdächtig, der Sympathie für die Sache deS Kaiserlaufen ein, meist anonym. Aber wie man leicht erkennt, sind sie meist das Werk gemeiner Privatrache. Nach den Verfassern einzelner derselben forscht man, um sie gerichtlich zu belangen. So verlangen jetzt die Demokraten der Rhone Mündung die Abberufung des Generals Espivent de la Ville-boisneS, der ihnen, als Bonapartist, in Marseille sehr hinderlich sei. — In Versailles tirculirte vorgestern ein Brief des Grafen Chambord, den mehrere legi- timistische Abgeordnete aber für apogryphisch erklärten.
Versailles, 5. März. Hebet die Ministerkrists erfährt die „Agenee Havas", daß Dufaure und Buffet über das Programm einig sind, daß aber über die Ernennung deS Ministers deS Innern und die Vertretung des rechten Centruins im Cabinet noch Differenzen ob- ; walten. Das linke Centrum scheint geneigt, den Eintritt i eines Deputaten des rechten Eentrums in daS Cabinet zu
über die Einbehaltung der Leistungen aus Staatsmitteln I gegen das freisprechende Urtheil vom 29. Januar l. I. ür die römisch-katholischen Bisthümer und die Geistlichen ;eht schon hervor, daß die Regierung nicht daran denkt, >ei diesem Gesetze stehen zu bleiben, vielmehr nun endlich hre ganze Macht gegen den renitenten Klerus entfalten wird. Auch die „Nord. A. Ztg." enthält Andeutungen über eine Reihe von Mitteln, die dem Staate zu Gebote tehen. Dieselben sind so reichhaltig, daß sie wohl geeignet ind, die Vertheidigun g der staatlichen Hoheitsrechte zu tärken und schließlich die renitenten Priester wieder zur Ordnung und zum Gehorsam zurückzuführen. Dieser erste Schritt, der nun bereits durch Vorlage des erwähnten Gesetzes geschehen ist, deutet darauf hin, daß der Staat nicht die Absicht hat, fernerhin eine feindliche Armee zu besolden. Außerdem aber stehen dem Staate noch manche andere Mittel zu Gebote, die unmittelbar aus dem Hoheitsrechte des Staates fließen, und namentlich dazu geeignet ind, endlich alle Unterthanen unter den Gehorsam der Staatsgesetze zu beugen. Als derartige Mittel dürften zur Erwägung stehen: 1) Die verfassungsmäßige Aufhebung deS Gesetzes, welches in den alten Provinzen Preußens (Cab.-Ord. vom 23. August 1821) der betreffenden Bulle «de salute» erst die Gültigkeit verliehen hat, und der analogen Gesetze in den neuen Landestheilen. 2) Die Sequestration der nicht aus Staatsmitteln fließenden Fonds kirchlicher Natur, die zu staatsfeindlichen Zwecken mißbraucht werden. 3) Aufhebung des direkten Verkehrs der Bischöfe mit Rom, so daß dann, wie bis 1841, alle Correspondenz durch Vermittlung und unter Controlle des Auswärtigen Amts vor sich gehen muß, direkter schriftlicher Verkehr aber bei hohen Strafen verboten wird. 4) Wiedereinführung des „Placet", so daß dann jeder kirchliche Erlaß offiziell geprüft würde, ob er rein dogmatischen Inhalts, dessen Publikation zugelassen werden könnte, ober ob er sich auf Politisches bezöge, resp. gegen die Gesetze des Landes oder die Ehrfurcht vor dem Souverain verstößt, was dann na tätlich die Veröffentlichung ausschlösse; denn preußische Staatsbürger sollen nur an solche Normen gebunden fein dürfen, die von der Staatsgewalt ausgehen, oder die ihr bekannt geworden und von ihr zugelassen sind. In das wirklich religiöse und rein kirchliche mischt sich der Staat darum keineswegs. 5) Ergänzung des Verfassungseides dahin, daß der Beamte oder Volksvertreter schwört, keinem Befehl einer auswärtigen Autorität, die im Widerspruch mit der Souverainetät des Staatsoberhaupts oder mit der
in dieser Zeit und auch seines jungen Weibes Blick hing öfter als sonst an seinem unstäten Thun. — Wurde eS ihm dann in solchem Augenblick klar, daß er uns beunruhigte, dann schüttelte er wohl den Kopf und sagte mit energisch abwehrender Handbewegung: „Ihr lacht mich auS, und ich kann es Euch nicht verdenken, denn es muß drollig genug mit anzusehen fein l — Aber ich kann es machen wie ich will, ich komme immer wieder dahin, zu denken, daß der Alte nicht richtig handelt und daß er endlich einmal diesem Zustand ein Ende machen könnte. Vielleicht ist eS auch anders, fügte er dann hinzu „und ich tadle ihn mit Unrecht. — Denn wir Menschen sind ja einmal nicht dazu gemacht, über unfern Schatten zu springen; . . . aber man versucht eS doch, wie ich es versuche, ... bei Gott, . . . obgleich eS mit, wenn nicht alle Zeichen trügen .... richtig gelingen wird."
Das Wetter war in jenem Sommer von einer außerordentlichen Beständigkeit; es hatte seit beinahe 5 Wochen nicht geregnet, und die Hitze war in Folge dessen zu einet Höhe gesteigert, die wahrhaft unerträglich war. — Wolkenlos wie der Himmel gestern war, war er heute, — und die Sonne brannte in sengender Gluth auf den Erd hoben hernieder, ber nicht Zeit hatte, sich abzukühlen, benn es sprang selbst AbenbS unb Nachts selten ein frischer Luftzug auf, ber neues Leben in bie dahin siechende Atmosphäre hätte bringen können.
Wit litten Alle an dieser ungewöhnlichen Temperatur; denn wenn wir am Tage die Nacht herbeisehnten, weit sie sich im Gedanken mit bet Hoffnung auf Erfrischung vermählte, — so wünschten wir sie hinweg, wenn sie ba war, weil sie biese Hoffnung unerfüllt ließ. — Wir schliefen Alle seht schlecht, unb wir fanben es deshalb nicht zu verwundern, daß auch den Baron fein altes Hebel wieder ergriffen hatte.
„Wer soll jetzt schlafen?" sagte Herr v. Darnkow achselzuckend; — „der Onkel hält das für eine Rückkehr feiner Krankheit, was uns Alle gleichzeitig peinigt. — Kann man unserer Natur zumuthen, sich plötzlich in bie eines SalamanbetS zu verwanbeln, ber ruhig in einem Feuetmeer lebt? — Haben wir nicht Alle eine ftembartige Unruhe im 8lut, bie uns beängstigt? Ich wenigstens bin in einer Erregung, bie mit zeitlebens unbekannt war unb bie all' meine Sinne in einer Art überreizt, bie fast etwas Fantastisches hat. Es ist wie in einem Zauberspiel, in welchem elektrisches Licht selbst ben tobten Gegenständen eine Flammenseele einzuhauchen scheint, bie uns des Bekannten macht. — Und ber Onkel will schlafen, ... ich möchte eS auch, wahrhaftig es wäre gewiß. . .angenehm, aber wie soll man? Jeder Versuch vor 3, 4 Uhr, wenn bie Natur ihr Recht sich nicht mehr streitig machen läßt, zur Ruhe zu gehen, ist ein müßiger I — Lassen Sie uns beßhalb auf den Anstand gehen, Alt, es ist wirklich das Gescheiteste, draußen ist es immer noch besser, als in ben Zimmern."
„Du wirst naß werben, Hermann," sagte Frau von Damkow, — denn wir hatten mit Entzücken bemerkt, baß sich am Abenb ein paar Wolken aufthürmten.
„Ich will eS gern, . . . . ich will mich bis auf bie Knochen durchweichen lassen, mein Schatz, ... - wenn nur diese entsetzliche Atmosphäre dadurch gereinigt wird, bie ich nicht länger zu ertragen vermag. Kommen Sie» mit,"'. . . . wandte er sich wieder zu mit, „kommen Sie mit, .... wir wollen plaudern und wenn wir auch nichts schießen."
Ich dankte ihm, obgleich seine Aufforderung ungewöhnlich bringend klang, denn ich hatte seit mehrerm Stunden schon in meinem Zimmer Lust machen lassen, — weil ich es nicht länger auffchieben mochte, ein halbes Dutzend Briese zu schreiben, welche Freunde unb Verwandte über
mein längere- Ausbleiben beruhigen sollten. — Et machte noch ein paar Versuche, diesen Vorsatz umzustoßen, indem er bemerkte, daß er sich bie letzten Abende doch ein wenig einsam erschienen sei. Als et aber sah, daß ich von demselben nicht abzubringen wat, — nahm er nach 10 Uhr Gewehr und Jagdtasche und schied, unruhiger in feinem Wesen als je und offenbar im Zweifel mit sich selbst, — ob er gehen solle ober nicht. Auch bie junge Frau begab sich zur Ruhe, unb ich saß noch eine halbe Stunbe allein in ber offenen Thür des Hauses und sah hinan- in die Landschaft, auf der baS Licht bes abnehmenden Monbe« in ruhiger Breite lag.
Bunt wogten bie Gebanken durcheinander, — schweiften weit hinaus in ben Raum, — weit zurück in bie Jahre, unb ließen in lustigem Reigen, Hand in Hand, durch nichts getrennt, Lebende und Geschiedene vor meinem Geist vorüberschweben, mit denen ich im Laufe eines langen LebenS in solchen Mondnächten in Berührung gekommen war. Unb ob bie Erinnerung am Straube ber See weilte, in beten unenbliche Weite baS silberne Gestirn sich spiegelte, — ob sie bie auSgestotbenen Straßen schlafenbet Städte burdiwanbelte, — ob sie e« wieder blinken sah, aus einsamer Haide, auf moorigen Tümpeln, — ob streiten mit dem rothen Licht englischer Touristensackeln in den majestätischen Ruinen deS Kolosseums, . . . immer sprang mein Denken zurück auS den fernsten Fernen, mit Zauber- schnelle, in bie Zeit unb ben Raum, bie mich bannten, unb würbe zum klaren konkreten Gebanken, fobalb mein Auge auf das einsame Licht fiel, ba- aus einem Eckfenster des großen Hause- in Grüneck zu mit durch das Halbdunkel hinüberflimmerte „. . . Armer, armer Mann 1 ... fo reich, . . . und auf ben Tod betrübt."
(Forts, folgt)