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Marburg, Sonnabend, 6. März -1875.

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„Dann reite ich", lackte Damkow.

einem acht Meilen entfernten Bade zur Kur, um einen Besuch bat, den selbst zu machen chn eine vollständige Lähmung verhindere. — Der Herr Baron stabe sich ent schlossen, zu fahren, daS Wetter sei sehr günstig,.....

und er ließe fragen, ob die Herrschaften ihm die Freude machen wollten, ihn zu begleiten. — So richtete der alte Krause aus.

Anzeigen nimmt entgegen: die Gichedition d. Älattes, sowie bte Annoncen-Bureaux von G 8. Daube tz.Co. in Frankfurt a. M -Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüße ler in Hannover; C. Schlott- in Bremen.

fassung nach den Bedürfnissen des Reichskanzlers zugestutzt. In gewisser Weise ist das allerdings wahr, denn nur die impouirende Persönlichkeit Bismarcks war bisher im Stande, alle Schwierigkeiten zu überwinden, und das höchst künst­liche Gebäude aufrecht zu halten. Bis jetzt ist der Aus­

bau noch nicht vollendet, große, fundamentale Gesetze müssen noch geschaffen werden, um Deutschland« Einigkeit die Volle Lebenskraft zu geben; und mit dem preußischen Staate, der bisher buredukratisch verwaltet worden, soll fine vollständige Umgestaltung der Verwaltung vorgenommen werden.

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diejenigen BiSlhümer, deren Erledigung erfolgen möchte bevor der zeitige Bischof die Staatsgesetze wieder anerkannt hat. §. 8 behält die Verwendung der eingezogenen Do­tationen gesetzlicher Bchimmung vor und giebt dem CultuS- minister die Befugniß, bei commissarischcn Verwaltungen des Bisthumsvermögens die Fortgewährung der zur Ver­waltung erforderlichen Mittel zu verfügen. §.11 besagt: Wer die im §. 2 erwähnte schriftlich erklärte Verpflichtung widerruft oder derselben zuwiderhanoelt, ist durch gericht­liches llrtheil au« dem Amt zu entlassen.

Ueber den Stand des^Arnim'schen Prozesses erfahren wir, daß der Staatsanwalt Tessendorf einen Nachtrag zur Appellationsrechtfertigung eingereicht habe, in welchem Neue Leweismomente für die Annahme, daß der Angeklagte gesetz­widrige Zwecke mit den zurückbehaltenen Aktenstücken ver­folgt habe, gebracht werden. Rechtsanwalt Munckel hat in Rücksicht auf diesen ihm erst nachträglich zugegangenen Theil eine entsprechende Verlängerung bet ihm bereits ge­währten vierwöchentlichen Frist zur Erwiderung der Appel- lationSrechtfertigung des Staatsanwalts vor einigen Tagen nachgesucht. Dem Staatsanwalt Tesseudorff ist bis heut' ^MEnsrechtfertigUligsschrift des Rechtsanwalts Munckel nicht zimegän^eti, dieselbe besindet sich noch immer beim Stadtgericht. Da der Staatsanwalt die Absicht hat seine Erwiderung auf die Appellationsrechtfertigung des Angeklagten thunlichst zu beschleunigen, so wird voraus­sichtlich da« Kammergericht Anfangs April an die Sache herantreten, und noch ick Laufe desselben Monat« dieselbe erledigen.

Zu dem Protest katholischer Abgeordneter gegen die päpstliche Encyclica sollen bereits zahlreiche Beitrittserklä­rungen bei verschiedenen der Unterzeichner eingelausxn sein und eS dürfte sich allem Anscheine nach diese zeitgemäße Wiederholung der Adresse der „Staatskatholiken" zu einer großar igen Kundgebung gestalten. ' ' -

Die Krankheit Laskers nimmt einen günstigen Verlauf.

E« verlautet, daß den Anträgen auf Erhöhung der Provinzial-Dotationen in dem Umfange, wie sie in parla- mentarifchen Kreisen befürwortet werden, von der Regierung wahrscheinlich nicht Folge gegeben wird.

Der Botschafter am russischen Hofe, Prinz Reuß, welcher am Dienstag vom Kaiser empfangen wurde, ist von seinem Knieleiden, für welches er in Amsterdam Heilung gesucht hat, vollständig hergestellt, und wird sich in den ersten Tagen der nächsten Woche wieder auf seinen Posten

,.f) . 88- Kanzler und Ministerium.

Obwohl die Gerüchte von dem Rücktrit deS Reichs kanzler« für den Augenblick verstummt sind, so iß sein Einschuß damit keineSweges oementirt, vielmehr wird aufs bestimmteste versichert, daß Fürst Bismarck auf seiner Ab­achi entschieden bestehe. Auffällig ist eS, daß die Gven ' Qualität noch immer nicht in ihrer ganzen Bedeutung und politischen Tragweite erkannt wird und man sich meistens mit ihr dadurch abzufinden sucht, daß man eine obpr die ändere Persönlichkeit als den Nachfolger in seinen Aemtern bezeichnet; und doch ist diese Angelegenheit durchaus nicht eine Personenfrage, sondern sie greift tief in den dm ganzen Organismus des Reichs, und fpeciell in das Verhältniß Preußens zum Reiche ein. Es ist behauptet werben, das deutsche Reich stehe auf zwei Augen, und es sei die Ver-

TageSbericht.

Der dem Abgeordnetenhause zuzegangme Gesetzentwurf über die Einstellung der Leistungen au« Staatsmitteln für die katholischen Bisthümer umfaßt 15 Paragraphen. §. 1 bestimmt, daß in allen Erzdiöcesen, Diöcesen, Delegatur­bezirken und den preußischen Antheilen der Erzdiöcesen Prag und Olmütz, sowie der Diöcesen Freiburg und Mainz vom Tage der Publikation de« Gesetzes an sämmtliche für die BiSthümer bestimmte Leistungen aus Staatsmitteln, ausgenommen die für die AnstaltS-Geistliche, eingestellt werden. Nach §. 2 werden die Leistungen wieder ausge­nommen, sobald der betreffende Bischof der Staatsregierung gegenüber sich schriftlich verpflichtet, die Staatsgesetze zu befolgen. Die §§. 3 und 4 ordnen denselben Gegenstand für die BiSlhümer Gnesen, Posen und Paderborn unv

Die junge Frau sprang erfreut auf und klatschte ver­gnügt in die Hände, während Herr von Damkow einen r-ugenblick mit vor Erstaunen offenem Munde dastand und dann auSrief: „Weckt mich nicht, wenn ich vielleicht träu­men sollte, ich bitte 1 DaS ist geradezu unerhört, daS ist ^unbedingt nah' vor sei . . ."

v „Es ist einfach Ihr Einfluß", warf die junge Frau ^schnell sich zu mir wendend ein, „für den ich Ihnen herz­lich danke! — ES war immer besser ... wenn ein dritter Unpartheiischer in unfern Kreis trat."

„Nun soll ich noch fragen", sagte der alte Dimer, „ob die Herren vielleicht vorziehen würdm, zu reiten, es könnte dann mit einem Wagen abgemacht werden."

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punkte einer großen ReichSpolitik auch bei der innern Re­form Preußen« zur Geltung zu bringen. Wir wollen Nicht sagen, daß Die« immer leicht ist, und daß e« nicht oft genug zu Friktionen dabei gekommen ist, aber da« ist Thatsache, daß ihm sich schließlich alle unlerordnen,' und daß sein llrtheil für alle maßgebend.

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-tlT- Sonnig fluthete am andern Morgen der junge Tag ''durch die Fenster und verjagte spöttelnd die düsteren, ^nebelhaften '©ebanfen, mit beiten wir am Abend vorher ' auseinander gegangen warm. Wir trafen lachend beim

Welche Schwierigkeiten würden daher seinem Nachfolger erwachsen I Wenn er nicht in dm preußischen Traditionen erwachsen ist, so fehlt ihm die Möglichkeit, die Faetoren, mit denen er rechnen muß, für sich zu gewinnen, und sie nach seiner Politik zu leiten; ist er aber au« diesem Kreise hervorgegangen, und fehlt ihm die richtige Erkmntniß für die Politik des Reiches und dessen Interessen, so könnte er leicht statt einigend, hemmend und auflösend wirken, denn die größte Gefahr für das Reich besteht nicht in dem kleinstaatlichen, sondern in dem preußischen PartikulurismuS.

Man würde wahrscheinlich die verschiedenen Aemter BiSmarckS in verschiedene Hände legen, aber auch dies dürfte nicht ohne den größten Nachtheil geschehen, da daraus ein gefährlicher Dualismus entstehen köniite. — Fürst Bismarck hat schon gelegentlich darüber geklagt, wie schwer es sei, alle Minister in völlige Uebereinstimmung zu bringen; wie aber würde die Sache dann werden, wenn der Reichskanzler außerhalb deS preußischen Ministeriums stände, und nicht mehr mit feinem persönlichen Einfluß die Harmonie der preußischen Politik mit der des Deutschen Reiches aufrecht zu halten im Stande wäre; was für Frictionm würden dann erst entstehen, und wie leicht könnte dann ein beständiger Kampf um daS Uebergewi'cht sich entwickeln.

So wie die Sache jetzt ist, kann sie unmöglich bleiben; e« muß auf jeden Fall eine Vereinfachung eintreten, zum wenigsten eine Umgestaltung des preußischen Ministe­riums, um auch für die Zukunft die politische Einheit zu retten.

brachte.

Der alte Herr hatte eine Depesche von einem Freunde bekommen, den er seit 20 Jahren nicht gesehen und der in

„Oh «eh!" rief ich erschreckt und erklärte entschlossen, ' daß ich niemals auf einem Pferd gesessen habe.

„Ach?" sagte der alte Krause in einem so ungläubigen Eon, daß ich errithend fühlte, wie sehr ich in diesem Augen- *•' blW'ih seiner Achtung sank.

Frühstück zusammen, neckten uns gegenseitig, und freuten »ns des helleuchtenden Morgen», umsomehr, alS wir bald '■ darauf eine freudige Nachricht aus dem Schloß erhielten, 1 welche der alte Krause uns mit befriedigtem Lächeln Über-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Tb- Dietrich in Frankfurt a- M.; Haasensteiu & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln k; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

— Die silbergrauen Livreen mit blauen Revers, — die glänzenden Geschirre, Die große und beinah neue Doppel­chaise mit den vier mukhigen Pferden, T'.'" MH legte so deutlich Zeugniß ab von dem gediegenen und opulenten Geschmack des Besitzers, daß es mir fast als titr Wider- sprich des menschlichen Geistes erschien, . . . cfis plötzlich auf einen Moment der zitternde Alte, auf feiiitn Thalern in der Truhe hockend, vor meinen Sinnen auftauchte.

Herr v. Damkow hatte einen scharfett Blick und schien aus meiden Zügen meine Gedanken hckausznlesen, denn er sagt« halblaut: „Nun ja, — wenn e« sich im ihn han­delt, ... weiß er schon zu leben, — aber . . .

„»bet Onkelchen," rief dazwischen die junge Frau, an den Wagen eilend, — „eS wäre ja mit einem Wagen ge­gangen!" und sie deutete auf einen Jagdwagen, 'der seit­wärts stand und die Bestimmung hatte, das Gepäck und die Diener aufzunehmen. „Es wäre ganz ohne Babette gegangen I" • ;

„Ich will Dir ein Vergnügen bereiten, mein Kind" entfiederte der alte Herr, ihre Stirn küssend, — „und nicht Dir Entbehrungen auferlegen I — Außerdem will ich, daß Krause einen giften, bequemen Platz haben soll denn der alle Bursche ist kein Jüngling mehr!"

„Oho Herr Baron," rief der Genannte lachend, „die 6 Jahre, die ich älter bin, sollten mich meinetwegen nicht abhalten, den Wilhelm aus dem Sattel zu heben, und den gnädigen Herrn zu fahren, . . . wenn ich nur meinetwegen

. . eine Livree anhDel"

Der Baron nickte ihm lachend zu, während der Diener des Herrn v. Damkow das Gepäck feiner Herrschaft auf den Zagdwagen warf. - ’ 1

„Sind wir soweit?" fragte Herr v. Grönitz, als Jener noch einmal mit einer mächtißen Kiste herankeuchte.

„Ja Herr Baron, . . . eS ift nun Alles drauf," sagte er, dieses letzte Stück placirend

„Aber Hermann, . . . was hast Du nur in die riesige Kiste gepackt?" , 4

»Die den Jagdwagen allein unumgänglich nöthig ge­macht hätte?" — fügte der Baron lachend hinzu.

„Stiefel, mein Kind l" erwiderte der junge Mann, sich

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition lKock'icke Buchdruckerei) bezogen 2H 9Rarf, burd) die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. text. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg

,, Für m der Expeditwn zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

„Der Herr Baron wird es wohl nicht zugeben, gnä­dige Frau." 6 3!*

„Ich will eS Krause, ... ich bitte, . .. danke meinem Onkel und sage ihm, w e sehr ich mich freue."

„Ich freue mich selbst, gnädige Frau, daß wir wieder einmal ein wenig hinauSkommen, — denn der Herr Ba­ron fing wirklich vor der Zeit an, sich zum alten Mann zu machen, .... und da« steckt an, ... . da» steckt wirklich an."

Wir lachten laut auf und der ... . junge Bursche, der diese ängstliche Befürchtung aussprach, freute sich, Denn er trug feine 65 Jahre mit einer Miene, als wenn er ge­sonnen sei, noch einmal so viel willig auf feine Schultern zu nehmen.

Wir machten uns, da in einigen Stunden schon ge­fahren werden sollte, daran, die nöthigsten Sachen einzn packen, — und ich war damit lange fertig, als Herr von Damkow noch nicht einmal zu dem Entschluß gekommen war, was von seiner reichen Garderobe mitzunehmen und wa» zurü 'zulassen sei.

„Es brauchte entschieden nicht so über's Knie gebrochen zu werden," sagte er endlich zur That schreitend, — „meine beiden weißen Anzüge sind in der Wäsche, . . . und was soll ein vernünftiger Mensch in einem Bade ohne weißen Anzug I — Und die Stiefeln,*r fügte er dann verzweifelt hinzu, — „die Stiefeln, . . . . e« graut mir, wenn ich daran denke! ..." *’■ i

Ich werde daS Gesicht nicht »ergeben, da» Herr von Damkow, der natürlich allein noch nicht fertig war, machte, al« der Baron in einem Viere lang gespannten Reifewagen au« dem Sattel gefahren, den Berg zu dem kleinen Hause im vollen Trab hinaufrollte. Man hätte ihn direct von dort aus in den Prater ober nach LongchampS versetzen können, ohne fürchten zu dürfen, daß ihn irgend Jemand für einen Laüdjunker in ber Residenz gehalten haben würde.

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Bedenken wir nun, mit welchen Schwierigkeiten jede , Reform an und für. sich schon zu kämpfen, und wie viel ■' Feinde sie zu Überwinden hat, so müssen die Schwierigkeiten . \L. noch um so mehr wachsen, wenn es darauf ankommt, eine vollkommene Harmonie zwischen jenen beiden großen GebMen herzustellen, und zwar so, daß Preußen in Deutschland aufqeht und nicht umgekehrt. So lange Fürst Bismarck an der Spitze steht, ist keine Gefahr vorhanden, daß der preußische Partikularismus das Uebergewichi gewinnt, oder umgekehrt, die übrigen Staaten die Einheit deS deutschen Reiche- lockerns in ihm concentrirt sich die altpreußische Tradition und die Reichsidee in großartiger Weise. Mit seiner mächtigen Autorität ist er im Stande, die GesichlS-

J,j - D»S Mausoleum der gnädigen Fran.

1111 11,1 Novelle von Max All.

(Fortsetzung.)

fit- • XII.

„Und wir werden zu Vieren mit der Kinderfrau voll­ständig Platz in einem Wagen haben", fügte feine Frau hinzu, „ich kann mich sehr güt ein Paar Tage ohfie Jung­fer behelfen."