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Sr. 31.

Marburg, Dienstag, s. März 1875

x Z-rgmg.

verwickelter Fragen, eine Prüfung und Widerlegung von gründlich vorgetragenen Einwendungen kompetenter Instan­zen verbunden ist. Wir bemerken übrigens, daß er der Abneigung gegen lange Berichte, ebensosehr als der Neigung für langes Bettliegen von jeher gehuldigt hat, und daß es deshalb nicht als ein Zeichen von Altersschwäche anzusehen

. . wegen Ehebruchs Geschie

denen und seinem Mitschuldigen, sowie von dem Verbote, nach welchem Frauen vor Ablauf deS zehnten Monat« seit Beendigung ihrer früheren Ehe eine weitere Ehe nicht schließen zu dürfen, von dem Justizminister zu ertheilen. Diese Verordnung tritt mit dem 1. März 1875 in Kraft. Berliner Morgenzeitungen vom Sonntag veröffentlichen eine Erklärung mehrerer katholischer Abgeordneter gegen die päpstliche Encyclica vom 5. Febr., worin sie entschieden bestreiten, daß die kirchen-politischen Gesetze die Verfasiung der Kirche umstürzen und die Gerechtsame der Bischöfe vernichten. Die Erklärung protestirt ferner gegen die, die Autorität und die Existenz deS Staats gefährdenden Prin­zipien, welche der päpstliche Erlaß ausspricht, und gegen die Berechtigung deS Papstes, StaatSgesetze für ungültig zu erklären, denen nach katholischer Lehre Gehorsam zu leisten sei. Die Unterzeichner fordern schließlich alle gleichgesinnten patriotischen Katholiken auf, dem Protest zuzustimmen.

Anzeigen nimmt entgegen: die EMedition d. «latte-, sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, 21. Rete- meyer in Berlin; Carl Echüß- v ler in Hannover; C. Schlotte

in Bremen.

MR* Für den Monat Marz nehmen alle Postanstalten und auch die Landbriesträger Be­stellung auf dieOberh. Ztg." entgegen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrirtes SonntagSblatt" durch die Expedition (Soibfiht Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. te$L Bestellgebühr). - Inserlionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psa Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf«, berechnet.

Tagesbericht

Da« Befinden Sr. Majestät deS Kaiser« ist jetzt wieder ein völlig befriedigendes. Der hohe Herr hat die JndiSpo- fition vollständig überstanden und fühlt sich wieder in ge wohnter Frische und Rüstigkeit.

Fürst ViSmarck hat sich aufs Neue eine Erkältung zugrzogen, außerdem läßt sein allgemeines Befinden viel zu wünschen übrig, so daß er sich in den letzten Tagen sehr angegriffen gefühlt hat. lieber seine Abreise nach den lauem durgischen Gütern soll dis jetzt noch keine Disposition ge­troffen worden sein.

Die ultramontane Presse nimmt die Mittheilungen über da« Zurücktreten des Reichskanzlers sehr verschieden auf; alle Blätter dieser Richtung aber benutzen die Gelegenheit, am ihrem Haß gegen den Fürsten Bismarck vollen Aus­druck zu geben. Das Höchste leistet darin auch wieder die .Germania", deren Ton von Tag zu Tag frecher und ge. meiner wird. Sie spricht mit einem EyniSmuS und mit einer Leichtfertigkeit von dem Reichskanzler, die ganz und gar dem Niveau der bayerischen Pfaffenpreffe entspricht. Eie begnügt sich nicht mehr damit, seine Politik anzugreifen, sie verdächtigt auch feinen Pflichteifer und seine allgemein bekannte Arbeitsamkeit in der unflätigsten Weise. E» heißt nämlich in einem Artikel über den Rücktritt des Reichs­kanzlers in derselben:Der Herr Reichskanzler pflegt sein Nachtlager vor 12 Uhr Mittags nicht zu verlassen, um sich von derjenigen Arbeit zu erholen, die er Tags zuvor nicht gethan hat. Insofern die Jugend mehr als das Alter im Stande ist, einer solchen Lebensart zu huldigen, dürfte sie im vorliegenden Falle als ein willkommenes Zeichen von Jugendlichkeit betrachtet werden. Wenn wir von einer Ar­beit sprechen, welche der Herr Reichskanzler nicht gethan haz, so verstehen wir borunter diejenige Gattung von amt licher Arbeit, gegen die derselbe eine unüberwindliche Ab Neigung hat, d. h. diejenige, womit ein Durchlesen volu­minöser Aktenstücke ober längerer Berichte, ein Studium

tung von Arbeit, der er sich mit Vorliebe widmet, und dies ist die Bearbeitung der Preffe, und zwar nicht nur der preußischen und deutschen, sondern auch der gesammten europäischen und sogar der außereuropäischen Presse. Wir gestehen, daß er seine Zeit auf diese Weise am nützlichsten verwendet, da das dauernde Ansehen einesgroßen" Man­ne« durch die dauernde Gunst der öffentlichen Meinung bedingt wird. Unter jener Bearbeitung der Preffe verstehen wir die sittliche Verbesserung derselben, welche einestheilS mit Hülfe des Reptilienfonds, anderntheilS durch gerichtliche Verfolgung und Bestrafung der unverbesserlichen Organe (Germania",Frankfurter Ztg." u. f. ».) bewerkstelligt wird. Wir können den Verehrern des Herrn Reichskanzlers die beruhigende Versicherung ertheilen, daß er sich einer durchaus zufriedenstellenden Gesundheit erfreut. Nur über Eins klagt er, und zwar mit Recht, nämlich darüber, daß er narkotische Genüsse (Wein, Cigarren u s w.) nicht mehr in demselben Maße verträgt. Wir bedauern dies aufrichtig, betrachten eS indeffen nicht als ein absolutes Hinderniß für die Erledigung der Geschäfte."

ES ist nicht nöthig, diese ebenso gehässige als bodenlos gemeine Insinuation zu widerlegen. Das deutsche Volk weiß zu gut, baß das Gegrntheil wahr ist, daß Fürst Bis­marck mit einem wahrhaft unvergleichlichen Eifer sich allen Pflichten seines hohen Amtes unterzieht, daß er da« Große wie das Kleine mit gleicher Genauigkeit und Gewissenhaftig- keit prüft und anordnet, und daß er einer Arbeitslast gegen­über steht, die nur durch einen enormen Fleiß bewältigt werden kann und von der man allerdings bei der Kumulation seiner Aernter eine Erleichterung wünschen kann ES gehört aber zu der jesuitischen Taktik bet ultramontanen Blätter, selbst diesen gerechten Wunsch deS Reichskanzlers wahrheitS- widrig darzustellen. So stimmt denn auch der größte Theil der bayrischen Blätter darin überein, daß sie, nie da« Neue bayrische Volköblatt", ausrufen:Unsinn!" Jedes­mal, so oftwas ganz ApparttS" noch gekommen, ist die Rede vom Rücktritt Bismarcks vorangelaufen. Oder wie dasFränkische Volksblatt" in Würzburg sagt:Bismarck geht und darf nicht gehen. Er muß fein Werk vollenden, dessen furchtbaren Zusammensturz er noch erleben soll. Mil- lioneu verfolgter und geknechteter Staatsbürger werden Zuschauer der Katastrophe sein, die ihnen die langersehnte Befreiung bringen wird."

Der Staatsanzeiger enthält eine Allerhöchste Verord-

D»S Waussle»« btt gxäeige* Fra».

Novelle von Max Alt.

(Fortsetzung.)

Verzeihen Sie mir, Durchlaucht", sagte er mit einer respektvollen Verbeugung,ich hatte allerdings, als ich den ehrenvollen Ruf erhielt, einen kleinen Zweifel! Aber als ich Ihren Namen hörte, ich hatte ein paar Tage früher das hohe Glück gehabt, die Frau Her­zogin in der Oper zu sehen, ---als ich Ihren Namen

hörte, glaubte ich, daß es vielleicht doch die Absicht Ihrer Durchlaucht fei ... . sich von mir malen zu lasten I Denn .... sowohl das Publikum, als die Kritik hatten seit längerer Zeit meinem schwachen Talent die Anerken nung zu Theil werden lasten, . . daß Niemand bester als ich eS verstände ! . . eine Ruine zu malen."

Mit einer eiskalten Herablassung hatte die hochmüthige Dame anfang« die geschmeidigen Worte des Künstlers an­gehört, in denen sie eine Entschuldigung dafür zu sehen glaubte, daß er durch die Dummheit ihres Haushofmeisters umsonst zu ihr befohlen, .... ihr eine kostbare Minute geraubt hatte. Um so wuchtiger fiel aus bet hofmän- nischen Einleitung schließlich der unbarmherzige Keulenschlag auf die Unvorbereitete nieder.

Eine Ruine!? . . . Sie, . . . eine . . . Ruine!... Der Schamlose!"Vergeben« suchte sie in einen einzigen Blick zusammenzufasten, was sie gerade von verächtlich hochmüthigen airs vorräthig hatte, eS gelang ihr nicht. Sie fühlte ihre Sinne schwinden, und ehe eS ihrer nervös zitternden Hand gelungen war, die silberne Schelle zu ergreifen und in Bewegung zu setzen, war der ge­rächte Künstler mit einer tadellosen Verbeugung zur Thür hinauSgeglitten, . . . während fie . . . mit einem lauten Ausschrei ohnmächtig in einen Sessel sank.....

.....Ob die auf den Tod beleidigte Durchlaucht erwachend so unvorsichtig war, dahin zielende Aeußerungen zu machen, ... ob der geistreiche Künstler sich seiner boshaften Rache in den Atelier« seiner Freund«

Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition b. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Aafsel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

------ - . .. . nung, betreffend die Ausübung der Befugniß zur DiSpen- ist. Gewiffe Dienstgeschäfte erregen seine üble Laune bis sation von Ehehindernisfen Rach derselben sind die DiS- zu dem Grade, daß alle Beamte selbst in den dringendsten I pmsation vom gesetzlichen Alter der Ehemündigkeit, vom

Seit der Ueberreichung der Accreditive des deutschen Gesandten, Grafen Hatzfeld, an den König Alfons ist die Gustav"-Affaire keineswegs beigelegt. Allerdings hat die spanische jRegieruttg die Absicht geäußert, fie wolle alle unsere Forderungen befriedigen, aber es trägt sich nun, in welcher Weise sie dieses Versprechen erfüllen wird. Wie schon mehrfach erwähnt, besteht die deutsche Regierung auf Bestrafung der Schuldigen. Da nun Loma in diesen Tagen Zarauz wieder besetzt hat, und eine Anzahl Carlisten aus diesem Ort in seinen Händen ist, so darf man wenigsten« erwarten, daß er sofort eine Untersuchung nach den Schul­digen anstellen wild. Eine Erklärung, daß die deutsche Regierung mit den bisherigen Maßnahmen der spanischen Regierung in dieser Angelegenheit zufrieden gestellt fei, wie französische Blätter äußer«, ist nicht vom Grafen Hatzfeld abgegeben worden.

Deutsche- «eich.

Berlin, 27. Febr. Die Entrüstung über die päpstliche Encyclica ist noch beständig im Wachsen. Das deutsche Volk sieht in berftllben die stärkste Beleidigung die ihm angethan werden konnte. Man ist gespannt, was die Regierung dagegen z - thun beabsichtigt. DieProv.- Corresp." deutet zwar an, daß über Schritte beraten wird, aber man möchte nach den Worten derselben anneh­men, daß es sich nur um die Verstänvigung der Mächte, über die tünftige Papstwahl handele. Indeffen glauben wir nicht, daß sich unsere Regierung mit solchen noch in bet Ferne liegenden Maßnahmen beruhigen kann. Die maßlose Beleidigung, die unferm Staate angethan ist, die e viro, e ben trovato« gewiß nicht glänzender bewiesen werden können! Aber es ist nicht; denn ich ent­sinne mich, da« Wesentliche der Anekdote in weniger hübsch pointirter Weise in meiner Jugend gehört zu haben. Sie ist zurecht gemacht, ja, aber mit großem Ge­schick, erkennen wir an!"

Die junge Frau warf mir einen dankbaren Blick zu, und bald darauf kehrte Herr v. Grönitz zurück, unsere Unterhaltung von Neuern zu beleben.

6« war eine sternklare Nacht, als wir das Schloß verließen, um an« auf den Heimweg zu machen. Frau v. Damkow war vor unS nach Hause zurückgekehrt und und wir hatten noch zu Drein eine halbe Stunde beim Wein gesessen. Wir gingen schweigend nebeneinander und unsere Cigarren glühten, wie Johanniswürmer in der dunklen Luft. Plötzlich blieb Herr v. Damkow stehen und sagte hastig:Hat Ihnen der Alte den Eindruck eine­kranken Manne« gemacht?"

Auch nicht im Entferntesten", erwiderte ich, ohne zu zögern; nicht mal den eine« alten Mannes."

«Ich vachte es", sagte er nach kurzem Schweigen.

Er scheint noch im Gegentheil so rüstig zu fein, daß et nur etwas Glück bedarf, um den einen ober anderen von uns zu überleben !*

(£« wäre ihm ähnlich", brummte er dazwischen. Dann fuhr er nach einer neuen Pause fort:Ob er Ihnen gefallen hat, habe ich wohl nicht erst nöthig zu fragen?"

Er hat mich geradezu bezaubert", erwiderte ich ent- schloffen,vielleicht wnl ich . . . . so wenig er­wartete."

Er lachte spöttisch und sagte bann:Das macht ihm ja gerade Spaß, mich in Widerspruch mit Der ganzen Welt ju bringen 1 Natürlich, sie sind Alle entzückt von ihm, auch ich war e« einmal .... Aber lassen Sie morgen diese Leute zu ihm gehen und Geld von ihm ver­langen, .... chun Eie mir den Gefallen und gehen

rühmte,, die luftige Geschichte wurde nach wenigen Tagen überall erzählt nnv in allen Kreisen belacht. Louis Philipp, der Bürgerkönig, welcher die Herzogin haßte, weil sie in den Salons deS Faubourg St. Germain die lächerlichsten Dinge von ihm erzählte, war geradezu entzückt. Er befahl den Maler zur kleinen Tafel, um von ihm selbst die Scene mit all ihren Details zu hören, lachte sich halbtodt, ernannte ihn zu feinem Hofmaler, und nahm ihn nach Tische bei Seite, um ihm einen Auftrag zu ertheilen.

Die Herzogin, welche vor dem homerischen Gelächter, das überall auf ihre Kosten ertönte, entflohen war, kehrte erst nach Monaten nach Poti« zurück, wo sie Alles vergessen glaubte. Da, . . . horreur! . . . wurde der Salon eröffnet, und in dem Hauptsaal, welcher die epoche- machenden Bilder der Ausstellung enthielt, . . . hing eine große Landschaft, welche in schwarzen Buchstaben auf gol­denem Rahmen die Inschrift trug:Die Ruine St. Ives* peint par M. Coignet .... Das war zu viel! Die Geschichte lebte von Neuem auf, und Jeder, der den Salon besuchte, zog seine Freunde zu dem Coignet'schen Bilde, um fie zu erzählen. Bon Neuem wandte die Herzogin der spottlustigen Gesellschaft den Rücken, um nicht wieder zurückzukehren. Sie starb zwei Jahre später, und hatte nicht einmal die Genugthuung, diezArme, . ... dm Sturz des Bürgerkönig- zu erleben, der allein im Stande gewesen wäre, sie zu tröftm."

Die hübsche Anekdote fand ben lautesten Beifall, unb nur Herr v Damkow gab ben feinen mit bem ihm eigenen, gekniffenen Vorbehalt zu erkennen, al« bet Baron uns einen Augenblick zu entschuldigen bat, da ihm eine Mel­dung des Rentmeisters überbracht wurde Er hatte kaum das Zimmer verlassen, als Herr v. Damkow er­leichtert sagte:Nicht eine Sylbe wahr! . . . nicht eine Sylbe! . . . Alle- erfunden!"

Nun, Verehrter," erwiderte ich ihm lachend,wenn dem wirklich so wäre, so würde da« italienische: »Bi non

Fällen eine große Scheu davor habm, ihn mit solchen j Verbote der Ehe zwischen einem Fragen zu behelligen. Hingegen gibt e« eine leichtere Gat-