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Marburg, Sonntag, 28. Februar 1875.

X Z-Hrga«g.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln :c; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc-

ObtrhtUlhe Jrilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.- Jäger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrirtes Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'icbe Buchdruckerei) bezogen 2‘4 Mark, durch die Postämter des Deutfchen Reiches 2 Mark 50 Pf,, iexl. Bestellgebühr). - Insertionsgebühr für die gespaltene Seile 10 «ko W Für in der Expedition zu ertheilende Ausku ft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.

VM" Für den Monat März nehmen alle Postanstalten und auch die Landbriesträger Be­stellung auf die „Oberh. Ztg." entgegen.

Pslittfche Wschnl-Ukberficht.

Unser Kaiser ist von seiner neulichen Erkältung so weit hergestellt, daß alle Beschwerden gewichen sind, doch haben die Aerzte Ausfahrten bei dem augenblicklichen rauhen Wetter noch für unrathsam erklärt. Die Nachricht von der ernstlichen Absicht deS Fürsten Bismark, im Laufe des SvmmerS die aufreibende Geschäftslast deS Amts niederzu­legen, finden fortwährend neue Bekräftigungen. Unterdessen ist daS eigentliche Ereigniß der Woche daS Erscheinen einer an die preußischen Bischöfe gerichteten päpstlichen Encyklica vom 5. Februar, durch welche PiuS IX. die Bestimmungen der Maigesetze feierlich unter Ansprache an den ganzen ErdkreiS für „ungültig" erklärt. Mu hoher Spannung erwartet man nun die Entschließung der Bischöfe darüber, ob sie die Encyklica ihren Diöcesanen hirtenamtlich ver- künden oder eine solche Verkündigung verweigern werden, da sie bisher die Unabhängigkeit der weltlichen Gewalt neben der geistlichen theoretisch zu behaupten gesucht und deßhalb auch ihrerseits nur die Befolgung gewisier Be stimmungen der Maigesetze für kirchlich unerlaubt, keines­wegs aber auch für staatsrechtlich ungültig erklärt haben. Wie auch die Entscheidung auSfalle, immer wird der kirchenpolitische Kampf — so oder so, je nach dem Ent­schluß der Bischöfe — in eine neue Phase treten. Im preußischen Landtage erledigte daS Plenum des Abgeord- nttenhauseS verschiedene Etats in zweiter Lesung, während die Commissionen die BerwaltungSgesetze vorberiethen. Das Herrenhaus hält noch Ferien. Im eben versammelten baierischen Abgeordnetenhause hielten sich die Parteien die Wage, und der reichsfreundlichen Regierung kommt die fottdauernde Spaltung im patticularistisch-ultramontanen Lager zu Statten

Ja Oesterreich sind noch immer Aller Augen nach Pest gerichtet, wo die Krisis im vollen Verlaufe ist. Nach­dem vom Kaiser die zersplitterten Parteien aufgefordett worden, zunächst sich über ein Programm zu einigen und dann erst mit der Personenfrage zu beschäftigen, fand in Pest am 19. Februar bei Szlavy eine Conserenz von acht Vertrauensmännern Statt, die sich über alle Streitpuncte bis auf di« Budgetfrage einigten, diese wegen Deckung des Budgets dem künftigen Ministerpräsidenten anheim­stellend. Nach erstattetem Berichte eilte am 21. Februar Abends dann der Kaiser nach Pest und empfing am 22, zuerst Bitto, dann Ghyczy, der seine Finanzpolitik ent­wickelte, und darauf Szlavy, und am 23. TiSza. Man glaubt, das Cabinet werde spätestens bis Mitte der nächsten Woche zu Stande kommen.

In den Städten Lern und Genf haben die Alt­

katholiken den ihnen bestrittenen Simultangebrauch der be­treffenden Kirchen nunmehr erh lten.

Bei der Berathung des Budgets für das Kriegs­ministerium in der italienischen Kammer erklärte Ri- cotti, daß er nur durch eine Verminderung des Effectiv- bestandes der Armee sich innerhalb der Schranken der bewilligten Geldmittel zu halten gewußt habe. Die Anlage von Befestigungswerken zwischen Rom und der Seeküste bezeichnete er als unumgänglich nothwendig, um Rom ge­gen einen feindlichen Handstreich zu schützen.

Das Verfaffungswerk, daS mit der Entscheidung über das Zustandekommen oder Scheitern deS Staatsgesetzes in so inniger Beziehung stand, drängte in Fr an krei ch in den letzten acht Tagen alle anderen Angelegenheiten in den Hintergrund; die Spannung war groß, die ruhige Haltung deS Landes wie der Stadt Pari- überaus musterhaft und auch in Versailles geschah von Seiten des Präsidenten der Republik wie aller Häupter derjenigen Gruppen, welche nicht prinzipiell gegen jede Organisation der Republik eingenommen oder von höheren Befehlen gebunden sind, daS Mögliche, ja, Ueberraschcnde, um den Ausgleich zu fördern und eine rasche Entscheidung herbeizusühren. Die National Versammlung hielt Anfangs nur scheinbar öffent­liche Sitzungen und vertagte sich dann ganz bis zum Montag, um den Parteien Handlungen Raum zu gönnen. Die Verfaffungssreunde verfolgten das Ziel, erst Alles hinter den Couliffen klar zu machen, um dann in einer einzigen Sitzung den Antrag Wallou's über den Senat mit imposanter Majorität durchzubringen. Dies gelang nun zwar nicht ganz, da die Gegner aus der allgemeinen Discusston eine Jagd mit Hindernissen zu machen suchten ; indeß schließlich kam doch noch in der Montagssitzung Artikel 1 mit 422 gegen 261 Stimmen zur Annahme, worauf am Dienstag noch der Rest, mit Ausnahme von Artikel 5, am Mittwoch dann auch dieser Artikel und daS Ganze de« Wallon'schen Entwurfs mit 448 gegen 241 Stimmen angenommen und die Discusston über die dritte Berathung deS Gesetzes über die öffentlichen Gewalten be­gonnen wurde.

König AlfonS von Spanien hat, gewiß zu seiner großen Freude, die Vertreter von sechs europäischen Mäch ten empfangen, von Frankreich, Oesterreich, Portugal, Ruß land, Belgien und Deutschland, welche ihm ihre Beglaubi­gungsschreiben und die guten Wünsche ihrer Staatsober­häupter darbrachten. Vom Kriegsschauplätze ist nur eine Nachricht von Belang zu melden, nämlich ein Personen­wechsel in den höheren CommandoS. An Laserna'S Stelle zhat der Generallieutenant Quesada den Oberbefehl über die Nordarmee übernommen, deren zweites Corps aus Primo de Rivera'S Hand in diejenige Echevarrta's über­geht. Die bisher von Quefada befehligte Armee des CentrumS tritt unter das Kommando des Generals Echaguc.

Das englische Parlament hatte in der letzten Woche hauptsächlich mit penönlichen Angelegenheiten zu thun. Dem in der Grafschaft Tipperary gewählten, wegen grober politischer Verbrechen zur Transportation verunheillen, nachher entsprungenen John Mitchel wurde die Fähigkeit, im Parlament zu sitzen, einfach abgesprochen; über den in Stofe gewählten Tichborne-Advokaten Kenealy konnte der­selbe Beschluß nicht gefaßt werden, doch machte ihm das HanS gleich bei feinem Eintritt in recht deutlicher Weife bemerklich, meß er sich zu versehen haben würde, wenn eS ihm je einfallen sollte, durch sein Benehmen die in feinem Organ ausgesprochenen Vorsätze zu verwirklichen.

DaS dänische Folkelhing hat am 23. d. vorläufig, aber noch nicht endgültig, beschlossen, die von der Regie­rung für den Bau einer großen Panzerfregatte geforderte Summe aus dem Finanzgesetze zu streichen, obschon der Conseilspräsident kurz zuvor für diesen Fall mit der Auf­lösung deS Hauses gedroht hatte.

Der Verfassungsausschuß deS schwedischen Reichs­tag« hat mit 14 gegen 5 Stimmen den von der Regie­rung zu Art. 80 des Grundgesetzes beantragten Zusatz verworfen, dagegen die im vorigen Jahre beinahe durch- gegangene Vorlage zur Annahme empfohlen/ wonach „bei Aufhebung der Jndellaeinrichtung ein besondere« Gesetz über die Ordnung der Kriegsmacht nicht ohne Uederein- Nimmung von König und Reichstag vorgenommen wer­den soll".

Die russische Regierung hat durch das Journal de St. Peieröbourg die Bemerkungen veröffentlicht, welche ihr für die weitere Erläuterung ihrer Vorschläge zur Ent­wickelung deS Kriegsvölkerrechts dienlich erschienen sind, nachdem England eS abgelehnl hat, sich an denBerathun- gen zu betheiligsn. Dasselbe Blatt bringt den Gesetz­entwurf, welcher in Rußland das Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Herrschaft und Dienstboten regeln soll.

Zn Konstantinopel hat man e« sehr übel ausge­nommen, daß der spanische Gesandte in Wien dem Fürsten Karl von Rumänien eine förmliche Anzeige von der Thronbesteigung des Königs^ AlfonS sgemacht hat. Der Sultan will nun die natürlich auch ihm zugekommene Anzeige als nicht empfangen betrachten, weil er die Ehre die darin liegt, nicht mit feinem „Vasallen" theilen wag' Die Pforte verlangt Rücknahme der in Bukarest gesche­henen Anzeige und will, so lauge sie nicht erfolgt, mit Spanien nichts zu thun haben.

Tagesbericht.

Das Stärkste, was in der deutschen Preffe über die dreiste Bulle vom 5. d. M. gesagt ist, enthält nachstehende Correspondenz der „Köln. Ztg.«, welche ihr, wie die Re­daction bemerkt, aus Berlin, und zwar „auS hochstehenden

S«S ler Lhrouil Marburgs

(Fortsetzung.)

1463 um Michaeli« wüthete die Pestilenz in Marburg. Landgraf Heinrich verließ damals mit feiner Familie das Schloß und ka« erst im folgenden Jahre am 25. Januar wieder, bei welcher Gelegenheit die Stadt ihm vier Viertel WetN mA feiner Gemahlin, die erst am 2. Februar zurückkehrte, ebensoviel verehtte.

1464 den 3. November gingen die Bürgermeister Ludwig im Hobe, Siegfried zum Paradies, Heinrich Deinhardt und Erbot Breilrugk zu den Gewaltigen in Deinhardts Hause, redeten mit ihnen und baten den Landvogt Sittig von Berleibschen den Landgrafen Heinrich 1IL zu ver­anlassen, Schritte zu thun, daß die Stadt Marburg aus dem über sie verhängten Banne komme» möchte. Den Gewaltigen und Sittig zu Ehren ward das Gelage auf Kosten der Stadt mit 3 Pfund Geld ab gethan.

1464 den 15. October gab es eine gemeine Folge und Auszug von Marburg nach Symtzhausen, da dem Land­vogt Sittig von Berleibschen Warnung zugekommen war, daß die Westphälinger im Lande sein sollten.

1466 hielt Landgraf Heinrich UI. mit etlichen feiner Ge­waltigen, dem Comthur, Peter von Beeden seid, dem Rathe zu Marburg, Bürgern und BürgerSsrauen daselbst eine Bornfahrt bei Werda. Beinahe die Hälfte der Un­kosten übernahm der Landgraf, in den Rest theilten sich die Übrigen Geladenen. Rach der Rückkunft wurde noch ein Tanz auf dem Markte gehalten, bei welcher Gelegen heil der Rath S. Gnaden zu Ehren 1 Mettel Wein auftragen lieft.

1467 den 8., 9., 10. Februar auf Sonntag, Montag und Dienstag zu Fastnacht mußten von Geheiße de« Land­

grafen Heinrich IIL und seiner Gemahlin und von Befehle des Rathes Stadtschreiber und Knechte bi« drei Tage, Tag und Nacht in der Stadt umgehen und die Bürgersfrauen mit ihren Töchtern zum Tanze heischen.

1467 den 12. Juli. Als Landgraf Heinrich UI. Warnung zukommen war, daß Wcstphälinger in« Land fallen und antasten wollten, wurden Marburgs Schütze» in der Rächt aufgebotm, dem Landgrafen zu folgen. Es ge­schah dies zu Fuß im Harnisch mit Armbrust und Schild bis nach Münchhausen. Bei der Rückkunft schenkte ihnen der Rath 2 Pfund Geld, damit sie zu einer andern Zeit desto williger wären.

1470 schrieb Landgraf Heinrich III. der Stabt Marburg, ihm 50 Gewappnete zu Fuß nach Frankenberg auf der Stadt Kosten zu leihen. Durch Fürbitte des Hofmeisters,! dem der Rath ein Gelage veranstaltete, wurden 23 wie­der erlassen. Die andern blieben theils 5, theils 2 Tage daselbst. Die ihr eigene« Geschütz hatten, denen gab man den Tag 1 Aldus, denen aber mit der Stakt Ge­schütze 1/2 AlbuS. Die Zehrungskosten wurden beson­der« berechnet.

1470 ritten Meister Hetnrich im Hobe und der Bürger­meister Heinrich Gise auf Begehren de« Landgrafen und auf Befehl des Rathe« nach Curbach, um daselbst zu tagen in Sachen zwischen Landgraf Ludwig und dem Bischof zu Palborn. Sie verweilten daselbst mit zwei Knechten 4 Wochen und kostete die Stadt an Zehrung, Sold und für Hufeisen 52 Pfund 1 Schilling 2 Pf.

1490 den 25. August ging auf Befehl be« Landgrafen Wilhelm UI. der Schultheiß mit etlichen au« dem Rathe in der Stadt herum, die Pforten, Mauern, Gräben, St. Michaelskirchhof und andere Gebrechen zu besehen.

1490 «ar rin große« Sterben; viel« der Wohlhabenden,

unter welchen sich auch mehrere Rathsherrn und land- gräfliche Beamten befanden, wiche» au« der Stadt.

1490 auf 1491 war ei» sehr harter Winter.

1491. Al« de« Königs von Ungarn Sänger in Marburg waren und den Rath um Erlaubnis baten singen zu dürfen, wurde ihnen au« der Stad Haffe ein Gulden verehrt.

1491. Als Landgraf Wilhelm der Aeltere von seiner Rückreise au« dem heiligen Lande nach Marburg kam beschenkte ihn der Rath mit 4 Viertel Wein.

1491 kollete die Meste Hafer 16 Heller.

1491 den 11. October hatten die Marburger Schützen ein Schießen, zu welchen die umliegenden Städte und auch der Landkomthur im deutschen Hause eingelaben waren.

1492 den 22. Juni wurde Henz Kcffeler Diebstahls halber gerichtet. Als man ihn ausführte, bekam er eine Halbe WeinS, die welche die Leiter hoben 1 Pfund und der Scharflichter 3 Pfund, weil er ein Beisafle war.

1492 den 31. Juli als der neu erwählte Bürgermeister Johanne« Grebe seinen Jmbi« gab, aßen mit dem Rathe der Herr von Witzenstein, der Hofmeister, der Haushofmeister, der Rentmeifter und andere ehrbare Leute und verzehrten auf Kosten der Stadt 27 Pfund 27 Schilling 2 Heller.

1493 den 12. November wurden vom Rath und Schultheiß die Gewichte, Ellen und Waagen bestätigt.

1493 den 16. Ociober wurden vom Schultheißen und dem Rathe die gemeinen Wege und Graben vor de» Bar- füßern, auf dem Reitzgraben, hinter dem Grieud unb von Weikenhausen besichtiget.

(Fortsetzung folgt )