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Xr. LS.

Marburg, Dienstag, 23. Februar 1875.

x. Zhrgaug.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Mofse in Berlin, Frankfurt a. M. re.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M. - Jäger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- M meyer in Berlin; Carl Schüß-

” ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täalick außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirte- Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (eflJ Bestellgebühr). — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

nicht mal mir Ahnung von der Schuldenlast, didihrrdrückt 1 — Soll ich sie Ihnen nennen?"

Der Baron streckte mit einer nicht mißzudmtenden Miene abwehrend die Hand aus und sagte noch sarkasti- scher als bisher: „De gräce Madame I . . . ersparen Sie sich und mir alles Weitere, und lassen Sie mich nur noch Eins meiner Erklärung hinzuiügen: „Es ist möglich, vaß meine Nichte nicht so reich ist, al» jenes Mädchen, das Sie Ihrem Neffen .... bestimmten, — aber es ist auf der anderen Seite gewiß, daß der Onkel der jungen Baroneffe von Giönitz immer eine Summe von 40—50,000 Thalern disponibel haben wird, die der Mann ihrer Wahl vielleicht bedürfen möchte, um sich von Ver lcgenheiten zu besreien, welche verwanvtschastllche Liebe auSbeuten will; um einer selbstsüchtigen Marotte Genüge zu thun."

Jetzt sah fich die Geheimräthin wirklich im vollsten Sinne des Wortes zu Boden geschmettert und- sie hatte für den Augmblick nicht einmal die Kraft, e» ihrem Gegner zu verbergen. — Sie starrte den Baron unverwandt an und wiederholte ein paar mal hintereinander: „40—50,000 Thaler! — . 40—50,000 Thaler! .... und Sie

wollten wftklich . . . ?" — bis sie laut auflachmd, wie von einer Feder emporgeschnellt, aufsprang und mit trom­petenartiger Stimme ausrief: „Ich glaube eS Ihnen nicht! . . . ich glaube eS Ihnen nicht, .... obgleich Sie mich einen Augenblick damit über den Haufen warfen! — Sie werden es niemals thun, . . . niemals .... und wenn dennoch, — so werde ich wenigstens gerächt fein! Denn früher oder später wird Ihnen die Wahrheit dessen klar werden, was ich Ihnen jetzt sage: Sie lassen das

Herz zu seinen Gunsten sprechen, . . . und er .... hat selber fein« I . ... Er hat kein», .... denken Sie an mich, .... er hat kein», .... sonst würde er eS nicht vermögen, den Wunsch unerfüllt zu lasten .. . welcher. der letzte seiner sterbenden Tante war!"

Uno vermuthlich, um diese sich plötzlich vindicirte Eigen­schaft zu bekräftigen, — ging sie, nach einer sehr ceremo- mellen Verbeugung, mit wunderbar entfchlostenem Schritt der Thür zu, —-welche der Baron seitwärts vor ihr gewann, um sie zu öffnen.

Dort angekommen, blieb ste noch einmal stehen und sagte mit zitternder, höflich klingen sollender Stimme hinzu: „Sie würben mich verbinden, Herr Baron, wenn Sie die Gewogenheit haben möchten, mir den Tag und die Stunde anzuzeigen, ... in welcher ... fich jenes erfreuliche Er­eignis vollenden wird! — Ich möchte in demselben Augen blick ein neuzuerrichtendes Testament unterzeichnen, welches fich zur Aufgabe machen soll, Herrn v. Damkow meines Danke» zu versichern!"

Im nächsten Augenblick hatte ste ihren Wagen erreicht, in welchen Sie der Baron galant hineinschob. Sie dankte ihm mit einem verbindlichen Lächeln, während der alte Krause seinem olivenfarbenen Collegen behülflich war, auf den hohen Sitz zu gelangen, nachdem er schnell Flasche und Gläser auf die Sritenwangen deS Portals gestellt hatte. — Dann schreckte ein überaus kräftiger Peitschenhieb die feisten Pferde auf — ein leiser Schrei ertönte aus dem Innern der Kutsche und sie rumpelte dahin.

Der Baron nickte seinem Kammerdiener zu, als wollte er sagen: „DaS war's!" und ging ins HauS, während jener dem seltsamen Fuhrwerk lachend nachsah.

„Die Geheimräthin Excellenz werden meinetwegen eine kleine Angst ausstehen und ein Bischen durchgerüttelt wer­den, — aber länger als 5 Minute» halten eS die alten, fetten Mähren ja doch nicht aus! — Aber der lange, olivenfarbige Kerl, . . wenn er nur nicht meinetwegen vom Bock fällt!? — Es wäre schade um ihn,., er hatte einen schönen Zug!"

Julie v. Grinitz war die erste, welche bei der Abend­tafel die Erklärung abgab, daß irgend -etwa» passtrt sein

Matzregel» zur »bhülfe gegen die Auswanderung.

Durch die Erscheinung, daß die Auswanderung auS Deutschland seit Jahresfrist nicht nur bedeutend abgenom­men, sondern sogar eine nicht unerhebliche Rückwanderung deutscher Auswanderer aus Nordamerika, aber namentlich auS Südamerika stattgefunden hat, sind in den maßgeben den Kreisen die eingehendsten Erörterungen über diese Frage in Anregung gekommen. Schon längst wurde die AuS Wanderung als eine fortgesetzte Entziehung von Kräften und Kapital mit Besorgniß betrachtet, aber man stand derselben bisher vollkommen wehrlos gegenüber. Der Zug der Zeit führte Tausende unter Vorspiegelung der glänzend­sten Aussichten, über den Ocean, und wenn die meisten auch bittere Enttäuschungen erfuhren, so wurden doch viele ihrem Ziele materiellen Wohlseins entgegengesührt. Seit­dem nun aber die Verhältnisse sich in den Vereinigten Staaten in sehr bedenklicher Weise verändert haben, so daß auch dort Noch und Elend eingekehrt sind, haben viele Tausende dem trügerischen Eldorado entsagt und sind in ihre alte Heimath zurückgekehrt. So scheint jetzt der ge­eignete Zeitpunkt gekommen zu sein, um der Auswanderung mit größerem Nachdruck entgegenzutreten.

Al» eine solche positive Abwehr betrachten wir den Entschluß des Ministers der Landwirthschast in ausgedehn­tem Maße an die Zerlegung und Veräußerung der Do­mänen zu gehen, um den ländlichen Arbeitern die Mög lichkeit zu erwirken, fich in den Besitz eines kleinen Land- gms zu fetzen. Wenn diesem Prinzip eine weitere AuS dchnung verliehen würde, wie eS auch die Absicht sein soll, so würde damtt für die ländliche Bevölkerung die Haupt veranlaßung zur Auswanderung in Zukunft so gut wie beseitigt sein und dem Vaterlande viele tüchtige Kräfte er­halten werden.

Andererseits aber soll auch dem gewiffenlosen Treiben der AuswanderungSagenten mit Energie entgegengetreten «erden. Wiederholt ist freilich schon von Seiten der Re­gierung auf die großen Gefahren leichtsinniger AuSwan- derung aufmerksam gemacht, namentlich nach den südameri­kanischen Ländern, die sich wegen ihres Klima», und ihrer so ganz verschiedenen Nationalität, sowie ihrer Gesittung und Gesetzgebung so wenig für die Colonifirung der Deut­schen eignen. Dennoch ist e» den Agenten häufig geung gelungen, unter glänzenden Vorspiegelungen ihre Opfer ins Garn zu locken. E« ist namentlich cvnstatirt, daß solche vo» südamerikanischen Regierungen gedungene Agenten dieses Geschäft mit großem Erfolge betrieben haben, daß Tau­sende auf diese Weise verlockt find, die dann später zu ihrer großen Enttäuschung erfuhren, daß sie unbarmherzigen Seelenverkäufern in die Hände gefallen waren, die ihre

Prämie in die Tasche steckten, den deutschen Auswanderern j aber nicht eine einzige von den schönen Versprechungen hielten, sie vielmehr dem trübseligsten Elend überließen. Auch manche jener Regierungen, auf deren Veranlaßung die Agenten gehandelt hatten, dachten nicht daran, diesen bitter Getäuschten zu ihrem Rechte zu verhelfen. Noch vor Kurzem ist eine ganze Anzahl von Auswanderern, die dem bittersten Elende durch das Einschreiten der deutschen Vertretern entriffen wurden, auS einem häufig genannten südamerikanischen Staate zurückgekehrt.

Unter solchen Umständen finden wir eS ganz gerecht­fertigt, wenn, wie es verlautet, jetzt Maßregeln zur Be rathung kommen, um diesen Uebelstand ein für allemal abzuschneiden. DaS deutsche Volk kann nicht als Kultur­dünger für andere minder civilistrte Länder bienen, am allerwenigsten aber kann eS fernerhin zulässig fein, baß überseeische Regierungen für die Agenten Prämien zur Ge­winnung von deutschen Einwandern setzen, daß ste ihnen glänzende Vorspiegelungen machen lasten, südlich eS aber ruhig mit ansehen, daß von all den schönen Versprechungen nichts gehalten wird, die Auswanderer vielmehr dem trau rigsten Elend überlasten werden. Wenn eS nun sich bestättgen sollte, daß, wie verlautet, die Regierung zu entschiedenen Schritten zur Abstellung solcher Uebelstände entschlossen ist, so wird damit der erste und hauptsächlichste Schritt gegen diesen zu lange schon bestehenden Uebelstand ge­macht sein.

Tagesbericht.

Das Befinden des Kaisers ist befriedigend und ist ge­gründete Aussicht auf Lesterung vorhanden. Det Monarch hat schon jetzt seine gewohnten Arbeiten wieder aufsuchen können und wird bald im Stande sein, das Zimmer zu verlasten. — Der „ReichS-Anz." publicirt heute das Land­sturmgesetz.

Die allarmirenden Gerüchte, daß neue Befehle an die Flotte ergangen sind, fich bereit zu halten, nach det spani­schen Küste abzusegeln, sind entschieden übertrieben. Neue Befehle sind, wie wir auS zuverlässiger Quelle mittheilen können, nicht ergangen. Die oft genannten Schifft sind seit längerer Zeit in Bereitschaft gestellt und können jeden Tag auf den ersten Befehl absegeln. ES ist allerdings richtig, daß die Verzögerung der Regelung der „Gustav" Affaire in hiesigen maßgebenden Kreisen nicht gerade ange­nehm berührt hat; man verhehlt sich freilich nicht, daß bei Dem UebergangSstadium in Spanien ein Aufschub nicht auffallen könnte, aber nachgerade ist Zeit genug verflossen, und die Forderung, welche unsere Regierung ,teilen muß, kann schließlich nicht mit dem Hinweis auf die gegenwärtige

Lage von einem Tage zum anderen aufgeschoben werden. ES ist daher begreiflich, daß man mit einer gewissen Span­nung der baldigen Erledigung dieser Angelegenheit entgegen­sieht, ebenso wie der Frage Über die endliche Bestätigung deS Grafen RaScon in seiner Stellung. Auch diese, die, wie efl den Anschein hat, sehr angenehm bemerkt werden würde, kann als ein Fingerzeig angesehen werden, ob die neue Regierung auf gute Beziehungen mit Deutschland ihren Halt zu legen beabsichtigt, oder ob ste es vorzieht, sich an Frankreich zu lehnen.

Der Minister für die landwirthschaftlichen Angelegen­heiten Dr. Friedenthal hat dem Abgeordnetenhause den jetzt definitiv feststehenden Organisattonsplan der LandwirthschaftS- schulen (landwirthschastliche Mittelschulen) übersandt.

Zu dem Etat der Justizverwaltung haben die Eom- miffarien deS Abgeordnetenhauses folgenden Antrag gestellt: Die Königliche Staatsregierung aufzufordern, für die vom 1. Januar 1876 ab stattfindenden Prüfungen die Prüfungs­gebühren aufzuheben und die Remuneration der Examina­toren auf Staatsfonds zu Übernehmen.

Die zweite EtatSgruppe des Abgeordnetenhauses hat heute beschlossen, die in dem Etat für das Fürstenthum Waldeck zum Zwecke der Aufbefferung der Beamtengehälter und der Dotationen für die Bildungsanstalten geforderte Summe als künftig wegfallend zu erklären und die Regie­rung aufzufordern, den AccefstonSvertrag mit Waldeck zum 1 Januar 1878 zu kündigen.

Eine Bulle deS Papstes an die preußischen Bischöfe wird von der „Germania" im Wortlaute mitgetheilt. lieber Die Kirchengesetze sagt PiuS IX : „In diesen Gesetzen wurde Richtern aus dem Laimstande die Macht beigelegt, die Bischöfe und andere geistliche Obern ihrer Würde und Amtsgewalt zu enttleiDen. Durch diese Gesetze wurden vielfache und große Hinderniffe denjenigen bereitet, welche in Abwesenheit der Oberhirten die rechtmäßige Jurisdiction derselben auszuüben berufen sind. Durch diese Gesetze wurde den Kapiteln bet Kathedtakkirchen zugemuthet, ent­gegen den CanoneS Capitelvicare zu wählen, während der bffchöfliche Stuhl noch nicht vacant ist. Durch diese Gesetze wurde, um Andere» zu übergehen, den Oberpräsidenten die Lefugniß beigelegt, sogar altkatholische Männer an Stelle der Bischöfe und als diesen gleichberechtigt in den Diöcesen mit der Verwaltung der geistlichen Güter, sowohl den für kirchliche Personen als auch den für die Unterhaltung der Gotteshäuser bestimmten zu beauftragen." Nachdem bann der Papst den Folgen dieser Gesetze und besonders der Amtsentsetzungen der Bischöfe von Posen und Paderborn gedacht, fährt er fort: „Aber wenn ihnen (den abgesetzten Bischöfen) auch vielmehr glänzende Lobsprüche als Thränen

D»S Mausoleum der guaviüe» Fra».

Novelle von Max Alt.

(Fortsetzung.)

Der Baron hatte bufen Redefluß ruhig über sich er­gehen lassen und hatte keine Miene verzogen, obgleich er einen Augenblick Lust bekam, auch seinerseits die Tonart der Excellenz anzuschlagen. — Aber er besann sich im Anblick seiner Sabotiere, öffnete sie, und indem er sie ein­ladend feiner Gegnerin präsentirte, sagte er verbindlich:

„Ich kann Ihnen nicht dankbar genug sein, meine gnädigste Frau, für die überraschende Freundlichkeit Ihrer Gesinnungen. Und da ich vergebens nach Worten suchen würbe, um Ihnen meine Erkenntlichkeit zu schildern, so will ich mir erlauben, durch folgende Erklärung Sie zu betätigen: Wenn Herr v. Damkow, was er bisher noch nicht gethan hat, wa» er ober, wie ich vermuthe, morgen oder in diesen Togen thun wird, — zu mir treten sollte, um zu jagen: „Ich liebe Ihre Nichte, Herr Baron, und bitte um deren Hand", — so werde ich ihm, in Folge Ihrer gütigen Warnung antworten: Ihr Antrag überrascht mich nicht, Herr v. Damkow! — Ich zog ihn schon lange in Betracht und hatte mancherlei Bedenken. Da empfing ich ben Besuch Ihrer Frau Tante, — lasten Sie Triton fotteln und reiten Sie zu ihr, ihr zu danken I Die würde­volle Intervention der Excellenz bestimmt mich, Ihnen meine4 Einwilligung zu geben. — Ich werde Sie mit Freuden meinen Sohn nennen und wa» noch mehr ist, — Sie auch al» solchen behandeln."

„Die alte Excellenz saß starr da, und wirbelte ihren En tont caS in so rasender Schnelle über ihrem Haupte umher, daß die gelben Bänder ihre» HuteS erschreckt auf flatterten, und wie feurige Schlangen in der Luft umher- züngelten."

* „So wollen Sie sich also mil Gewalt ruiniren?“ rief ste endlich in höchster Erregung aus, — „und Haden noch