tr. «S.
Anzeigen nimmt entgegen: hie Expedition d. BlatteS, sowie die Lnnoncen-Bureaux von Th- Dietrich L Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Franksurt a- M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Messe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Marburg, Sonnabend, 20. Februar 1875.,
x Mrgang.
WtchcMr Zcilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche * Buchhandlung in Frankfurt er: M.; Jnvalidendank, A Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JSuftrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei- bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexl. Bestellgebühr). — Fnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Ausku ft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Tagesbericht
Der ^ReichSanzeiger" publirirt eine königliche Verordnung, wonach der dritte Abschnitt des Reichscivilehege- setze« über die Erfordernisse zur Eheschließung und § 77 desselben, betreffend Aushebung der Ehescheidung von Tisch und Bett, bereits am 1. März d. I. in Preußen einge- geführt werden.
I» parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß anläßlich der Landtags-Debatten über die Berwaltungsrefoim- Borlagen Seitens des Staatsministeriums beschloffen wurde, daß künftig Gesetzesvorlagen nicht erst, wie bisher, in den einzelnen Ministerien auggearbeitet, dann den anderen Ministerien und schließlich erst dem Staatsministerium zuge stellt werden sollen; vielmehr würden künftig, ehe die Aus atbdtung der Gesetzesvorlagen erfolgt, vorerst die allge mdnen Grundzüge durch StaatSministerial-Beschluß festgestellt, alSdann die Ausarbeitung in dem Ressort-Ministerium gemäg dieser Feststellung erfolgen und dann die Special- Berathung des ausgearbeiteten Entwurfs im StaatSministe, rium eintreten.
Die Berathung deS Gesetzentwurfs wegen Verwaltung des Kirchenvermögens in den katholischen Gemeinden hat, wie vorauSzusehen war, einen sehr erregten Charakter angenommen. Die Angriffe deS CentrumS stützten sich auf die Behauptung, daß das Gesetz verfassungswidrig sei und einen Angriff auf die katholische Kirche enthalte, sodann, daß keine Veranlassung vorhanden sei, ein solches Gesetz zu machen. Die erste Behauptung steht in offenbarem Widerspruch mit dem von den Opposition- - Rednern mit Beliebe citirten Art. 15 der Verfassung, welchen sie frei lich niemals feinem vollen Inhalte nach citiren, sonst wür den sie allerdings auch den Zusatz anführen müssen, welcher von der Aufsicht deS Staates handelt und eine gesetzliche Regelung auch der vermögensrechtlichen Verwaltung in Aussicht nimmt. Was aber die OpporlunitätSfrage betrifft, so hat der Kultusminister auf Grund amtlicher Berichte aus der ErzdiüMs Gnesen ein Bild der geistlichen Verwaltung dH iBn Kirchenvermögens entrollt, Welches/ jesem PFstandigen die Ueberzeugung aufdrSngenHnußeAaß eine Wtzliche Regelung, welche die Kircyenge^reii^^tn ihr Recht einfetzt, nur im Jfiteresse der katholischen Kirche selbex ist. • m y •
Aus einer Notiz der „Prov/Eor.^, wird die Nachricht bestätigt, die wir schon vor einiger Zeit gebracht, daß die Session deS BundeSrathxS in wenigen Tagen geschloffen, und deffen Berufung zu einer neuen Session in einigen Monaten erfolgen werde. Demnach wird also eine wirkliche Pause der Berathungen eintreten, während im vorigen Jahre zwar auch die Session geschloffen, aber unmittelbar wieder eröffnet wurde. Wie wir hören, soll die Wiedereinberufung des BundeSrachS für den Mai In Aussicht genommen fein.
Deutsches Reich.
w Berlin, 18. Febr. Der „Reichs-Anzeiger* hat
D«S Mausoleum der grasigen Fr«.
Novelle von Max Alt.
(Fortsetzung.)
Natürlicherweise war sehr bald die Rede aus die Exeel- lenz von Barth gekommen, und zwar halte Herr v. Grönitz die Initiative dieser Frage ergriffen, vermuthlich, weil er fürchtete, daß seine Nichte in ihrer Unbefangenheit dies in einer Art thun möchte, die ein neues Altentat auf seine und Frau v. BardeckS Luftröhre herbeiführen konnte.
Die Geheimräthin, Excellenz, saß noch bis über die Ohren in ihrer Marotte drin, und wendete die infernalisch sten Mittel an, um die arme Festung zur Uebergabe zu zwingen. — BiS jetzt hatte sie sich noch leidlich zu verproviantiren gewußt, — ja ein paar listig verdeckte Ausfälle in das feindliche Lager hatten von dort selbst acceptablen SuccurS herbeigeführt. — Aber in neuerer Zeit hatte sie ihre Laufgräben immer näher geschoben, und fing, durch den langen Widerstand gereizt, an, — eS doch ein Bischen zu arg zu treiben.
„Ich möchte die Herrschaften bitten, mir die dahin bezüglichen Det ilS zu erlaffen," sagte der junge Mann lächelnd; „sie sind wenig intereffant, und haben wirklich nichts Komisches mehr."
„Äber ist eS denn möglich," rief Frau v. Bardeck köpf schüttelnd auS, — „daß eine Tante ihrem Neffen ernstlich etwa» BöseS anlhun will? . . ."
„Wer vermag Frauen zu beregnen, meine Gnädigste," sagte H-er von Tamkow; — „und wer will eS sogar bei einer thun, die . . . das traurige Verhängniß ereilt hat, . . . seit 30 Jahren „Exellenz" genannt zu werden!? —
gestern die unerfreuliche Mittheilung gebracht, daß der Kaiser in Folge einer Erkältung wieder von einem Unwohl sein befallen ist. Derselbe hat vorgestern daS Bett hüten müssen, aber seit gestern ist eine Erleichterung deS Zu standeS eingetreten; die heutigen Nachrichten lauten sehr befriedigend. — In der letzten Sitzung des BundeSrath« am 13. Februar ist beschlossen worden, auf den Wunsch der bayerischen Regierung die Prägung der silbernen 5-Mark- stücke in den bayerischen Münzstätten zu gestatten, angenommen worden. Die Gesammlzahl der zu prägenden 5-Markstücke ist auf 4 Millionen Stück festgesetzt worden. Ebenso ist für die 10 Markstücke die Bezeichnung „Krone", für die' 20-Markstücke die Bezeichnung „Doppelkrone" festgesetzt.
Darmstadt, 17. Febr. Seit gestern sind nahezu sämrntliche Oberförster deS Landes dahier versammelt, um eine Angelegenheit, welche biS dahin schon viel besprochen wurde, einer entsprechenden Erledigung entgegenzuführen. Es handelt sich nämlich um Neuregultrung der auS der Forstwittwen-Casse zu zahlenden Wittwen-Gehakte, welche letztere bis dahin sehr unzureichende sind. Da die Caffe jetzt über die nöthigen Mittel gebietet, so dürfte au« den Beschlüssen der Versammlung eine Erhöhung jedenfalls hervorgehen.
Gieße«, 17. Febr. Bekanntlich halte die Regierung für den Neubau eine« Gymnasiums dahier 175,000 Gulden gefordert, die zweite Kammer aber nur 115,000 Gul den bewilligt, wogegen die erste Kammer sich bereit erklärte, 150,000 Gulden zu bewilligen. Bevor die Angelegenheit im Wege der Reeomnmnication von der zweiten Kammer berathen worden, hat die Regierung nunmehr einen ganz neuen Plan mit Voranschlag dem Finanz Ausschuß zweiter Kammer vorgelegt, wonach nunmehr statt der früheren 175,000 Gulden nur 140,000 Gulden --- 240,000 Mark gefordert werden. Hervorzuheben ist hierbei, daß. die Re gierung forthin darauf beharrt, daß deck Direktor" in ober ganz in der Nähe der Anstalt eine Dienstwohnung beschafft werde.
München, 18 Febr. Die heute in der Abgeordnetenkammer fortgesetzte Berathung deS Brandversicherung« Gesetzes gedieh bis Artikel 61 und wurden unter Abweisung unwesentlicher Anträge von Setger und Gschwender die Ausschuß Anträge bezüglich der Classtfikativn der Gebäude angenommen. Morgen wird die Berathung fort gesetzt. u ’•
Wien, 18. Februar. Die „Presse" schreibt: Um den begründeten Klagen deS Geschäfts Publikums über die Höhe der inländiichen Tarife, namentlich rückstchtlich der Manu- faetur- Branche, zu begegnen, ist eine Commission von Tarif-Beamten österreichischer Bahn Verwaltungen nieder» gesetzt worden, die eine Revision der inländischen Tarife vornehmen und namentlich für die Textil-Jndustrie Tarifsätze beantragen werde, wÄche den gegenwärtigen mißlichen Geschäfts-Verhältnissen entspreche. In einer Frist von
J__—=? = ~~ SS .■■=f.=ZZ=
Meine Tante ist unfehlbar! Sie aUein iff im Stande, Menschen und Charaktere zu beurtheilen Ich erwähnte schon damals, daß ich die Möglichkeit einer guten Absicht keineswegs ausschließen will, — benn sie hatte mich von Jugend auf in ihrer Art sehr lieb. — Wer versteht sich aber wohl dazu, in solch einer Angelegenheit mit dm Augen eines Anderen zu sehen, und dm eigenen nicht zu '.rauen? — Ich nicht! — Sie denkt vielleicht, eS recht gut mit mir zu meinen, — aber ich kenne Jemand, . . . dem ich in dieser Beziehung mehr zutraue, alS ihr!"
Der junge Offizier war ernster und ernster bei diesen Worten geworden und eS lag in seiner einfachen Erklärung etwas fast Rührendes, für dm Baron wenigstens, der deut- lich die Luft verspürte, die Partie gegen die Geheimräthin Excellenz aufzunehmen. — E« fehlte ihm nur der rechte Anknüpfungspunkt und er wußte ihm für den Augenblick nicht näher zu rücken, als durch die Frage: „Nun sagen Sie vor Allem, Herr von Damkow, wann Sie Grüneck Wiedersehen wird auf längere Zeit? . . . wie bald?"
„Ich kann nichts bestimmen, Herr Baron", sagte der Gefragte und seine Züge hatten sich augenblicklich wieder ausgehellt; „e« machte mir sehr viel Mühe, diesen zweitägigen Urlaub zu erhalten, . . und e« wird schwierig sein, bald um längeren einzukommen! — Ich habe da« Unglück, . ... mit meinem Obersten nicht auf sehr gutem Fuß zu stehen!" i
„Ich kenne ihn leider nicht", bedauerte Herr von Grönitz; „aber eS ist mir, al« wenn ich kürzlich in der Zeitung den Gmeral - Lieutenant von Reitzenberg mit Ihrem CorpS in irgend einer Berührung gesehen hätte?"
drei Monaten sollen die neuen Tarife in Kraft treten. — Der „Neuen freien Presse" wird mitgetheilt, daß die Nachricht über eine Fusion mehrerer kleiner böhmischer Bahnen mit der Staatsbahn den Thalsachen nicht entspreche. Der Staatsbahn seien wohl Fusion- - Anerbietungen gemacht worden, letztere habe aber keine Veranlassung gefunden, tn concrete Verhandlungen einzutreten, da eine Ausdehnung des Netze- momentan nicht angestrebt und den Interessen der Actionire zweckentsprechend erachtet werde. — Die „Presse" vernimmt, es sei gegen mehrere BerwaltungSräthe der Anglobank bei dem LandeSgericht eine auf die Gründung der Actien-Baugesellschast KaluSz bezügliche Anzeige eingelaufen und seien Seitens der Staatsanwaltschaft Borer Hebungen angeordnet worden.
NkvM, 17. Febr. Wie uns telegraphier wurde, ist da« Projekt Garibaldt'S, die Tiber schiffbar zu machen und einen Hafen in Rom anzulegen, von den Ingenieuren für unausführbar erklärt worben. Man wird sich begnügen, einen Seitenkanal anzulegen, um da« Austreten der Tiber - n? verhindern
Paris, 17. Febr. Der Prozeß Wimpfen gegen Hr. v. Cassagnac ist beendet, der Kläger mit feiner Ver- läumdnngSklage abgeroiefen. Man hatte viel Neues ermattet, ist aber darin getäuscht worden, die Verhandlung hat nichts bisher Unbekannte- zu Tage gefördert. Daß der Krieg von 1870 ohne alle Vorsicht und ganz thöricht begonnen war, wußte man; daß General Wimpfen kein Muster von Bescheidenheit, Dankbarkeit, Wohlwollen, kein guter Kamerad war, wußte man auch, die Herren ZuleS Favre und Lachaud sind bekannt, man wußte selbst, daß die französischen Generale tapfer sein können; jetzt hat sichS gezeigt, daß Gen. Wimpfen den Prozeß lieber ganz unterlassen hätte, und daß der Imperialismus wie die Lonapartisten gehofft, sich dadurch nicht rehabilirt hat. Denn wenn auch niemand daran gezweifelt, daß als Na- poleon III. die weiße Fahne aufpflanzte, er sich mehr durch Sorge für die Armee als durch persönliche Furcht leiten ließ; nichtsdestoweniger hat der Prozeß wieder klar darge- legt, daß ihn vor Allem die Verantwortlichkeit für da« Unglück Frankreichs trifft. Die Opposition hat dem Mar- schall Niel die verlangten Subsidien verweigert — aber man hat ja 1870 nicht einmal alle vorhandenen Kräfte zu benutzen verstanden. Die Masse schrie: „nach Berlin, nach Berlin! — aber daö Kaiserreich ermutigte die» Geschrei, wir behandelten seine Anhänger alle die, welche Be- sorgniß zeigtest, z. B. Herr Thier«, bei seinen so weißen und voraussichtlichen Bemerkungen in der Kammer! Es wäre besser gewesen, Gen. Wimpfen hätte geschwiegen, selbst wenn er der Einzige gewesen, den in der ganzen Zeit kein Tadel getroffen, waS doch nicht der Fall war. Er hat eben den Eclat gesucht, ihn aber in einer Weise gefunden die er nicht gewünscht haben wird. Sein Zögern den Befehl zu übernehmen, seine Eile, die Demmission ein; zureichen, sein unglü licheS Benehmen als Kriegsgefangener, feine Gleichgültigkeit gegen die Kameraden in der Gefangen-
----- 1 • ' ==
„Er wurde jn unferm Brigadecommandeur ernannt !" „Run", sagte der Baron lächelnd, „bann wirb ber Oberst Graf Wehlow Ihnen vermuthlich auch feinen längeren Urlaub Abschlägen, wenn Sie in 14 Tagen vielleicht einmal bei ihm »ntragen wollen, Reitzenberg ist einer meiner ältesten Freunde, und ich werbe ihm morgen brieflich meinen Wun,ch zu erkennen geben, Sie auf ein Paar Wochen in Grüneck zu haben.....wenn Sie gesonnen
sind, selbstverständlich, . . . ein Paar alten Leuten diese« Opfer zu bringen ?*
Der junge Offizier ergriff die Hand de« Baron« und drückte sie fest, al« er sagte: „Ich werde kommen, Herr Bacon, und ich danke Ihnen für die große Güte, die Sie mir erweisen! — Sie wissen nicht, wie glücklich Sie mich machen! — Ich habe das Stückchen Erde, auf da« ick mich au« jener Sündfluth rettete, lieb gewonnen; — es erhielt mir das Leben und ich werbe ebenso froh al« dankbar zu ihm zurückkehren!"
Er mußte früher aufbrechen, al« er gerechnet hatte denn er sollte in Begleitung eine« Reitknechte« einen andern Weg einschlagen einer Stelle zu, wohin der Baron eine Fähre beordert hatte, um ihn über da« immer noch ungestüm dahinbrausende Wasser zu setzen.
So knüpfte er seinen Abschied an jene DankeSworte, an, die nicht verfehlt hatten, den angenehmsten Eindruck auf den Baron zu machen. — Al« er die Hand de« jungen Mädchens ergriff,-- um ihr im Besonderu Lebewohl zu sagen, kam eS plötzlich doch noch zu einem erneuten Hustenanfall bei den alten Herrschaften. — Sie dankte ihm, sprach 'ihre Hoffnung au«, ihn bald wiederzusehen und setzte-Laon
*• '' 6i -Ulih» W • 1K1,