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Marburg, Donnerstag, 18. Februar 1875.

x. Jahrgang.

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heim zwischen zwei Offizieren der Rastatter Garnison statt- gefnndenen Duells ist Graf Waldkirch, welcher dabei eine schwere Wunde empfing, an derselben gestorben. An sei­nem Grabe stehen seine hochbetagten Eltern uud eine ver- heirachete Schwester. Er war der einzige Sohn des Grafen Max von Waldkirch zu Nekar-Binau. — Allgemeines In­teresse erregt der di« Runde in den badischen Blättern der verschiedenstenfParteirichtung machende Wortlaut der bischöf­lichen Urkunde, durch welche Pfarrer Hosemann zum Pfarrer der Spitalkirche in Konstanz eingesetzt wurde. Dieselbe lautet: „Ich, Zoses Hubert RrinkenS, katholischer Bischof, crtheite dem Priester Herrn GalluS Hosemana, nachdem derselbe unter dem 20. Januar 1875 aus die dem landes­herrlichen Patrouate unterliegende und der altkatholischen Gemeinschaft zu Konstanz überwiesene katholische Spital- pfarrei daselbst von Seiner königlichen Hoheit dem Groß- herzog von Baden ernannt worden ist, durch Gegenwärti­ges die bischöfliche Bestätigung, setze ihn ein als Pfarrer der gedachten Pfarrei und ermächtige ihn, alle in dem an­erkannten Rechte einem Pfarrer obliegenden Befugnisse zu üben innerhalb derjenigen Grundsätze und Statuten, welche von Seiten der Altkatholiken feierlich angenommen worden sind- Ich hege die zuverstchtliche Hoffnung und lege ihm als heilige Pflicht ans Herz, daß er in echter, christlicher, brüderlicher Liede mit allen Gemeindemitgliedern verkehre, stch dabei bewußt bleibe, daß nicht Befehlen, sondern Ra­then, Mahnm und Bitten dem wahren Diener des Evan­geliums ziemt, daß er mit unwandelbarer Treue und heili­gem Eifer alle seine kirchlichen Pflichten erfülle in dem Bewußtsein der Schwere und Verantwortlichkeit seines hohen Amtes, daß er aber auch Seiner königlichen Hoheit dem Großherzog als seinem Lanoesherrn unverbrüchliche Treue als Unterthan bewahre, selbst mit dem Beispiel ge­wissenhafter Erfüllung der Pflichten als Staatsbürger voranleuchte und hn Religionsunterrichte, auf der Kanzel und im Verkehre, den Sinn für Gesetzlichkeit uns Ehr­furcht vor her Obrigkeit, wie es einem Christen ziemt, den ihm anvertrauten Gläubigen einprägt, daß er endlich im Verkehre mit Andersgläubigen stets dessen emgeveuk sei, daß für Christen e« kein höheres Gebot gibt, als den Nächsten zu lieben, wie stch |elbft Ich werde, wenn eS Recht und Pflicht gestattet, wo immer derselbe einen Schutz oder eine Mitwirkung in Anspruch, nehmen sollte, demselben zur Seile stehen, und, wie es dem christlichen Brno« ge­ziemt, in Liebe und Offenheit mit ihm so verkehren, daß ich ihm wie jedem meiner auvertrauten Gläubigen Bischof und väterlicher Freund zu sein hoffen darf. Meine besten Glückwünsche begleiten ihn; wöge der Segen d«S Herrn auf seinem Wiiken ruhenI Bonn, den 22. Januar 1875. Josef Hubert ReinkenS, katholischer Bischof." — Man wird stch erinnern, daß von Seiten der ultramontanen

war, mit dem sie sich bei Ausbruch des orientalischen Krieges auf die Seite der Westmächte drängen ließen. DaS war der verhängnißvolle Ursprung aller späteren Uebcl und Heimsuchungen. Mit Rußland ist eine Aus­einandersetzung in der orientalischen Frage noch immer denkbar, mit Preußen aber, daö den politischen lleber- lieferungen der Friederieianischen Epoche nicht entsagt, nimmer."

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich L Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, CSln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die EMedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß-

~ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

„@4 wird an den Stall von Grüneck zurückdenken, Herr Lieutenant, denn wir behandeln ihn, als wenn er den Preis deö Derby gewonnen hätte", sagte der aste Die­ner stolz.

„Ah, charmantI ich danke Ihnen, lieber . . ? — wie darf ich Sie nennen?"

„Krause, Herr Lieutenant, wenn ich bitten darf, Krause", sagte der Alte stch verbeugend; — „ich werde seit meinem achtzehnten Jahr Krause genannt und höre schlechterdings auf keinen andern Namen I — Mein Vater wurde auch Krause genannt."

„Vortrefflich," sagte der Offizier lächelnd, „also, lieber Krause, setzen Sie sich mal hier an mein Bett, — keine Umstände, lieber Krause, — ich will es! — So l — Unb nun sagen Sie mir mal aufrichtig, lieber Krause, .... was Sie denken, .... was wir machen."

Der Alte sah dem Fremden einen Augenblick sehr ernst und nachdenkend ins Gesicht, bis sich seine Hand mechanisch nach der Flasche auSstreckte und er mit großer Entschieden­heit sagte: „Zunächst Herr Lieutenant, denke ich, — trinken wir noch ein Glas, — und dann Herr Lieutenant denke ich .... wir sichen auf!"

„Nein, lieber Krause," sagte der Offizier, „keinen Portwein mehr! .... Sie muffen mir vorhin einigen Lorrath davon eingetrichtert haben; — aber der zweite Vorschlag ist gut, — wir wollen anfstehen . . . aber wie lieber Krause?"

„Ohl nichts leichter als das," erwiderte der alte Diener, und machte Miene ihn au« dem Bett zu heben; „wir, der Herr Baron und ich stehen immer so auf!“

«Nun, das meinte ich nicht gerade lieber Krause," lachte der Fremde und richtete sich schnell und Aastisch empor, — „dar will ich schpst selbst zu Stande bringen!

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Deutsches Strich.

*• Berlin, 16. Februar. Nachdem Graf Usedom bereits vor längerer Zeit seine Entlastung aus der Stel­lung eines die Kunstanftalten Dirigirenden beantragt, diese jedoch nach gütlichen Vereinbarungen mit den maßgebenden Kreisen zurückgmommen hatte, wird jetzt neuerdings in bc sttrnrnter Form die Nachricht verbreitet, Graf Usedom scheide jedenfalls aus seiner Stellung. Es wird diese An­gabe von zuständiger Seite bestätigt, jedoch mit dem Be­merken, daß politische Motive dem Entlastungsgesuch des Grafen fern gelegen, lieber den Nachfolger scheint noch keine Bestimmung getroffen zu (ein. — WaS den Nach­folger des Geh. Ob -R.-Rath Wiese im Kultusministerium anbelangt, so wird eS sich in diesem Augenblicke nur um die Candidatur bi6 Direktors Bonitz handeln. Bekanntlich war der Genannte bereits in Stelle Olshausen'S als De- «ment für ID.iversitätSsachen in Aussicht genommen. Diese Sache zerschlug sich damals, weil Bonitz resustrte. Ob derselbe nun geneigt sein wird, die Rathsstelle deS Dr. Wiese anzunehmen, muß abgewartet werden. Was die von der Presse erwähnte Candidatur Dr. WehrenpfeouigS anbelangt, so hört man von seinen parlamentarischen Freunden, daß er nicht den Wunsch hat, seiner parlamen­tarischen Thätigkeit Adieu zu sagen, vielmehr gesonnen ist, dieses Feld weiter zu cultwiren. — In Bezug auf die Stellung der Regierung zu dem Birchow'schen Antrag wird auch heute behauptet, daß das Staatsministerium zunächst di« weitern Verhandlungen über die VerwaltungSgesitze abwarten will, bevor es eine feste Position zu dem Vo tum deS Antrags Virchow einnimmt. Die CommisstonS- Constiluirung wird durch Laskers Krankheit, die ihn für einige Zeit feiner Thätigkeit im L ndtage entziehen wird, in Etwas verzögen werden. Man wird sich begnügen mästen, einen Vorsitzenden provisorisch zu ernennen, damit dre Sache nicht ganz ausgehalten wird. — Die heutige Sitzung deö Abgeordnetenhauses brachte auch die längst erwartete Debatte über den Gesetzentwurf, die Vermögens Verwaltungen in den katholischen Kirchengemeinden. Bereits an diesem ersten Tage verfehlten die Ultramontanen nicht, ihre ganze Gall« abzulagern. Reichensperger war der erste Redner, welcher gegen das Gesetz sprach.

Karlsruhe, 14. Februar. In Folge deS bei Jffeg sagen, daß sie das nicht gilt, — was wir weich waren! — Und so wollen wir gute Miene zum bösen Spiel ma chen und wollen geschehen lasten, was wir doch nicht hindern können, und wollen sie in ihren weißen Morgei rock mit der echten Garnitur in den großen Stuhl packen, — und ihn, wenn er erwacht ist, im Triumph hierher führen, — damit sie uns beide alten Leute nicht zur Seite schieben und doch thun, was sie wollen . . und wüsten ... und wozu Gott seinen Segen geben möge!"

Und nachdem er sich noch einmal gerührt zu dem glück" lichen Mädchen herniedergebeugt, nachdem dieses noch ein mal ihre Arme schluchzend um seinen Hals geworfen hat, verließ er das Zimmer, in dem stch gleich darauf unter Zuziehung LabettenS und einer älteren Kammerfrau eine wunderbare Thätigkeit entwickelte.

V.

Es kann ein oder zwei Stunden später gewesen sein, als der Held jenes Tages erwachte und sich Anfangs mit erklärlicher Verwunderung in dem fremden Zimmer umsah, in das man ihn gebettet hatte, ehe er dahin gelangte, mit seinen Erinnerungen zurecht zu kommen unb die Klingel in Bewegung zu setzen, die an seinem Bett stand. — Ein alter, außerordentlich eigen in Schwarz gekleideter Mann eilte auf das erste Zeichen herbei und sagte mit einer tie­fen Verbeugung: „Herr Lieutenant, fühlen Sie stch wieder ganz wohl?“

„Ganz wohl! ... und wunderbar gestärkt!"

„Das glaube ich“, sagte bet Alle, mit dem Kopf ni« ckeno und nach einer Flasche greifend, bie auf bem Tische stand; „vielleicht befehlen bet Herr Lieutenant nun mal ein orbentliches Glas davon!?"

„Nein, ich danke", antwortete der Offizier lächelnd; „sagen Sie mir lieber, ich bitte . . ob Sie meinen Triton, mein Pferd, ordentlich versorgt haben?"

Tagesbericht.

Am 16. begann im. Abgeordnetenhause die General- DiScussion Über das Gesetz bete, die Vermögensverwaltung der katholische» Kirchengemeinden. Durch dasselbe soll der Bermch gemacht werden, die katholischen Gemeinden von der Macht deS CleruS zu emancipiren, und ihnen eine selbstständige Stellung zu verschaffen. ES ist dieses Gesetz, die nothwendige Ergänzung der Maigosetz«. Wäh­rend jene bie Absicht hegen, bie. Uebergriffe des CleruS zu zügel», ihn in bie gesetzlichen Schranken zurückzuweisen unb ihr» unter bie Hoheit bes Staates zu bringen, soll dieses Gesetz die bisher der Willkür und absoluten Herr schäft'des CleruS unterworfenen Gemeinden mit der nöthi- Sen Selbstständigkeit auOtüften. In parlamentarischen kreisen nimmt man an, daß die Generaldiscussion über diesen Entwurf zwei Tage in Anspruch nehmen wird. ES ist zu erwarten, daß die Debatte einen leidenschaftlichen Kampf erregen wirb, mehr als die bisher flattgefundenen Verhandlungen, weil da« Eentruw von der Ansicht aus» geht, die Regierung begehe mit dieser Vorlage einen Ein­griff in die Autonomie der Kirche. Diese Partei wird natürlich AlleS ausbiettn, um bie Annahme ber Vorlage zu verhindern. Da inbeffen alle liberalen Fraktionen sich für dieselbe erklären, so wird die Vorlage ohne Zweifel vom Abgeordnetenhause genehmigt werden.

Di« Ausrüstung der preußischen Infanterie mit dem neuen Mausergewehr ist kürzlich im volle» Umfange be­endet worden. Die Mehrzahl der Resetvemaunschasten ist mit der neuen Waffe eingeübt worden, zuletzt auch die­jenigen Reservisten, welche der Schifffahrt treibenden Be­völkerung angehören. Lm F>ihjahr. ei übrigen noch bie Einübung der Reserven derjengen Regimenter, welche die neue Waffe erst jetzt erhalten haben. Auch Die Einführung derjenigen Neuerungen in der Ausrüstung.der Mann­schaften, welche durch die im letzten Kriege gemachten Er- fahrungen für erforderlich eracht« wurde, «st jetzt , znm Ab­schluß gelangt.

Eine Reihe von Wiener Blättern, die in der Regel durch ihren Deutschenhaß sich hervorthaten, haben sich nicht enthalten können, trotz der offiziellen Desavouitung des Erzherzogs Johann Salvator, .seiner bekannten Broschüre ihre Sympathien auszusprechen, Auffällig ist eS aber, daß auch ein dem Kriegsministerium nahestehendes Blatt, di« „Wehrzcitnng“ in denselben Ton verfällt Diese« Wau spricht stch für einen engeren Anschluß an Rußland und eine Frontstellung gegen Deutschland auS. Es heißt in demselben: „Seit einhundertundzwanzig Jahren haben stch auf gar vielen Schlachtfeldern bk. Fahnen des heiligen Rußland neben Oestertechs Banner entfaltet, une, es ist jum Glaubenssatz geworben, daß der größte politische Feh kr, den unsere SeaatSleuket je begangen, ber Leichtsinn

r .. DaS Mausoleum der gnänigeu Ara», id,. nfrj .. ,i, Novelle pon Map Alt.

-Ä i (Fortsetzung.)

• »Äh! friponnel« rief bie alte Dame, mit den Filtzt- nadeln drohend; —- „Du schliefst also nicht!?"

„Nein Tante," antwortete das Mädchen schelmisch lächelnd, 7- „ich schlief nicht, — ich . . . that nur so!“ unb bann ließ sie ihren blonden Kopf langsam in die Kiffen zurücksinken, den» bie lange Auseinandersetzung schien sie dennoch erschöpft zu hoben.

Der Baron wurde nicht so leicht mit dieser neuen Ueberraschung fettig. Er lief eine Zeit lang mit ungc* wöhnlich großen Schritten im Zimmer auf unb ab, bis er plötzlich vor Frau von Bardeck stehen blieb und beide Arme in bi« Seiten setzend, ausries: „Nun, thun Sie mit ben einzigen Gefallen, liebe Freundin, und sagen Sie .mir, — was man — dazu sagen soll!? — Hat man - jemals etwas Derartige« gehört? — Et durchschwimmt zweimal bie tolle Steirjtz, weil er gehört hat, daß sie schwer erkrankt, vielleicht nicht mehr am Leben ist, — und weil er nicht warten kann, da er nur 2 Tage Urlaub von seinem Corps hat, das 8 Meilen von hier, manövtirt. — AIS er hier ankommt, hachtovt, nachdem er zehnmal dicht daran gewesen ist, zu ertrinken, — stütze ich in ein Meer von Erstaunen, unb lasse Sie, liebe Freundin, rufen, um mich daraus zu «retten I — Und während wir uns den Kops zermartern, unb alle möglichen Pläne schmieben, um ihr recht geschickt bie große Neuigkeit beizubringen, — hat sie schon lange von ihm geträumt, ... und hat Herzklopfen gehabt, unb . . . weiß eS lange, baß «t ba ift . . . unb schreit »ach ihrem Motgenrock mit der echten Garnitur! — Beim Himmel! . . . DaSGmze ist so außeroreenttich, daß ich einen feierlichen Schwur leiste, niemals wieder Über die heutig« Jugend herzuziehyt unb niemals mehr zu i