Ar. 40.
Marburg, Mittwoch, 17. Februar 1875.
x Jahrgang.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Ännoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; taasenstein & Vogler in rankfurta. M, Berlin, Leipzig, Cöln ic; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
(!’>bcrl|fflil(lK Icilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Efcheditton d. Blattes, sowie die Ännoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A Rete- meyer in Berlin; Carl Schliß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Svnnta,S»latt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckereij bezogen Mark, durch bie Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. iexl. Bestellgebühr) - JnsettionSgebühr für die gespaltene ZÄe 10 Pfa Für tn der Expedition zu ertheilende Ausku ft und Annahme von Adressen werden -5 Pfg. berechnet.
Tagesbericht
Ö Der Ausschuß für Handel und Verkehr hat beim «undesrath die Zustimmung zu der Vorlage betreff, die Veranstaltung einer Enquete über die Verhältnisse der Gewerbe- und Fabrikarbeiter, mit einigen Abänderungen in der Fragestellung beantragt. — Derselbe Ausschuß hat den von der Comwisston für ete Ordnung deS ÄpothekerwesenS begutachteten Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Apotheker, durchberathen und dem BundeSrathe die Annahme derselben mit einigen, nicht bedeutenden Ab änderungrn empfohlen. Die neue Prüfungsordnung würde am 1. Oktober d. I in Kraft treten. Der Ausschuß befürwortet ferner den Erlaß eine» einheitlichen Prüfungs- Reglements.
Zn dem diesjährigen Etat sind die Zuschüffe für das Fürftenthum Waldeck um 20,000 Thaler, im Ganzen an 80,000 Thaler erhöht. Die Commission des Abgeordneten- Hauses findet, daß die Zuschüffe, namentlich die GehaltS- Erhöhungen der Lehrer u. s. w., an fich nicht ungerecht fertigt .fein mögen, daß eS aber durchaus nicht zu rechtfertigen ist, dem Königreich Preuße« so beträchtliche Zu schüffe für ein fremdes Läubchen ohne jede Gegenleistung aufzubürden. Die Regierung hat auch schon den Beschluß gesagt, den Vertrag mit Waldeck zu kündigen. — Fürst Bismarck wird, wie es heißt, schon gegen Ende dieses Monats nach seiner lauenburgijchen Besitzung übersiedeln und dort zur Stärkung seiner Gesundheit den ganzen Sommer bleiben. Der Maybach'jche Entwurf zu neuen Eisenbahnreglements hat unter Einwirkung Camphausen’s Mvdificationen zu Gunsten der Eisenbahnen erlitten.
Die Wiener Neue Freie Preffe bemerkt, velschiedene diplomatische Enthüllungen' schienen darauf berechnet zu sein, Ztalirn mit Deutschland und Deutschland mit Oesterreich zu verhetzen; e» werde ihnen aber nicht gelingen, das Drei Satfer-Bündniß zu erschüttern, das auf wohlverstandenen gemeinschaftlichen Jntereffen beruhe.
Die Aufmerksamkeit der französischen Regierung war im vergangenen Herbst auf die schmähliche Beschädigung 6deS in der Gemeinde Habonvtlle errichteten Grabdenkmals des Kaiser-Alepander-Garde Grenadier-ReMmelN« gerichtet worven. ES ist freilich nicht gelungen, die Urheber bei Frevels zu ermitteln: indessen hat die französische Regierung sich durch diesen Vorfall veranlaßt gesehen, den Prä fetten der GrenzdepartemeMS die wiederholte Weisung zu ertheilen, daß sie die zur Verhütung ähnlicher Erbärmlich leiten geeigneten Maßnahmen treffen, und, obwohl sie an und für sich den Frevel nicht zu verantworten hat, so hat doch der französische Minister des Innern die Bereitwilligkeit ausgesprochen, für die Wiederherstellung des be« schädigten Denkmals Sorge zu tragen. (In einem Theil bei gestr. Nr. bereit» telegr. gemeldet).
Dss MiUtssleu» der gnädizen Fr«.
", Novelle von Max Alt.
(Fvrisetzuns.)
„Run,-ich denke, Dein Onkel wird thun, was er kann, um Gott für Deine Genesung zu danken."
„Der gute Onkel I" sagte da» junge Mädchen dem Spiel der runden Sonnenfiecken auf dem Teppich von Neuem znschauend. — Aber dazwischen schien ste auf etwas zu horchen, denn ste gab fich Mühe, ihren Kopf soweit vorn Kiffen zu erheben, daß da» rechte Ohr frei ward. — Dann fügt« sie nach einer kleinen Pause hinzu: „Es wird so viel gelaufen im Hause, Tante, — ist etwa» - passt« ?"
„Ich weiß nicht, Julie, — e« stnd vermuthlich Boten mit Nachrichten au» dem Dorfe."
„Ja, ja . . . e» werden Boten ... mit Nachrichten au» dem Dorfe sein."
In demselben Augenblick trat so geräuschlos al» möglich eine Zofe in» Zimmer, welche der alten Dame eine Botschaft zu überbringen schien. Diese erhob sich etwaS erstaunt, legte ihre Arbeit nieder und sagte, an vaS Lager der Kranken tretend: „Du wirst mich einen Augenblick entschuldigen müssen, liebe» Kind; — ich bin gleich wieder da,— Babette wird so lange bei Dir bleiben," — und während sie da» Zimmer verließ, folgten ihr die Augen des jungen Mädchen», und wendeten fich dann, al» sie verschwunden war, forschend au! die Zofe, welche leise die Ordnung im Zimmer noch ordentlicher zu machen suchte.
„Was ist e» Babette?" fragten die Augen so d.uNich, daß die Lippen die Worte nur unvollständig zu bilden hatten.
„Ich weiß nicht, gnädiges Fräulein," antwortete die Zofe; — „Der Herr Baron befahl nur, bie Frau von
Der „Pester Lloyd" meldet in einem Telegramm au« London, daß dort demnächst eine Broschüre erscheinen soll, welche die geheimgehaltenen kirchenpolitischen Aktenstücke anß dem Prozeß Arnim publicire.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 15. Fedr. Trotz der großen Kälte macht sich doch schon da« Frühjahr bemerklich, die Enten schwirren durch die Luft. Die heutige „MontagSzeilung" Hai wieder etwa» über die Reise be« Kaiser« nach Italien zu berichten und melbct, daß dieselbe für die Zeit von Mitte April bi« Mitte Juni bestimmt sei. Wir können dem gegenüber nur wiederholen, daß bestimmte Dispositionen über den Sommeraufenthalt des Kaisers noch nicht ge. treffen sind. Nach einer zweiten Nachricht desselben BlatteS stehen in den höheren militärischen Kreisen bedeutende Veränderungen bevor, so soll ein Wechsel in der Leitung de« Kriegsministeriums, der Admiralität und der Commandos zweier ArmeecorpS beschioffen sein, um so die Armee zu verjüngen' Auch diese Nachricht entbehrt der Begründung, nur wird vielleicht ein Wechsel in dem Com- mando eines ArmeecorpS eintreten. — Gestern und heute haben Berathungen deS Staatsministerium- stattgefunden, welche, wie man wohl vermulhen darf, die Frage der Re- formgesetzgebung und der parlamentarischen Situation, wie sie durch die Annahme deS Virchow’schen Anträge« ge schaffen ist, betreffen. — Alle Nachrichten, welche von bestimmten Beschlüsten etwas wiffen wollen, find al» unbe gründet zurückzuweisen Die Annahme be« Virchow'schen Anträge« hatte, wie wir schon früher übereinstimmend mit den nationalliberalen Organen ausführten, lediglich eine moralisch-demonstrative Bedeutung, die Regierung hat also gar keinen Grund, zu der Frage bestimmte Stellung zu nehmen Zu eonstatiren ist, daß in dem StaatSministetium vollkommene Uebereinftimmung besteht und daß alle Be- schlüffe in Bezug auf das Vorgehen der Staatsregierung mit Einstimmigkeit gefaßt stnv. Damit erledigen fich alle in der Preffe oerbeiteten Gerüchte über eine erhebliche Divergenz der Meinung zwischen hem Fürsten Bismarck und dem Grafen Eulenburg.
— Ein allerhöchster Erlaß vom 28. v. Mt«. giebt Wei fung für bie fRecrutirung de» Heeres für 1875—1876. Danach erfolgt die Einlassung der Reserven bei den an den Herbstübungen Theil nehmenden Truppentheilen am ersten, spätestens zweiten Tage nach Beendigung derselben, beziehungsweise nach dem Wiedereintreffen in den Garni jenen. Für alle übrigen Truppen ist der 18. September eer allgemeine EmlaffungStag der Reserven, eS dürfen je doch Abweichungen hiervon Seiten« bet General-Comman- bo« für ihren Bereich im dienstlichen Interesse genehmigt werden' Die Festsitzung be« Entlassungstermins für bie Sarbetf zu ihm zu bitte«, da er verhindert sei, sie auf zusuchen."
„Wodurch ist er verhindert, sie aufzusuchen, Babette, — ich möchte e« wiffen!"
„Sie sollen aber nicht so viel sprechen, Fräulein, — Sie wiffen, daß e« Ihnen verboten ist; — und deßhalb, — nur deßhalb will ich sagen, was ich weiß, — weil Sie doch nicht früher aufhören würben zu fragen 1 . . . E« ist ein Reiter, ber irgendwo hat hinretten wollen, vermuthlich,und der vom Wege verirrt mit feinem Pferde in den Strom gekommen ist, und beinahe ertrunken wäre. Als et vor dem Schloß ankam, — verließen ihn die Kräfte, .... und er sank leblos vom Pferde.
„Der Arme," sagte die Kranke leise, — ist er jung?"
»Da« weiß ich gewiß nicht, — denn ich habe ihn kaum mit einem halben Auge gesehen, so sehr waren sie Alle mit ihm beschäftigt."
„Wer Alle?"
„Nun der alte Krause, und der Wilhelm .... und der Herr Baron ... sie haben ihn ganz und gar mit Portwein begossen, — und al« er erwachte, hat ihn bet alte Krause in ein warme« Bad gethan, da« die Wirth- schafterin schnell Herrichten ließ, — unv ba wirb e« sich ja nachher wohl Herausstellen, ob er jung ist ... . ober alt! — So, da« ist Alle«, was ich weiß, — unb nun spreche ich auch nicht ein Sterbenswörtchen mehr, .... und wenn Sie noch 1000 Fragen an mich richten!"
Aber die Kranke fragt nach gor »ich« -mehr; sie hatte ihre Augen geschloffen, und schien kaum zu bemerken, daß Frau von Bardeck bald darauf wieder zurückkam, um ihren früheren Platz wieder einzunehmen. „Sie schläft," |agte cie treue Pflegerin, ... sie schjäst, . . . tant mieux!" und sie nahm ihre Arbeit wieder auf.
Ein paar Minuten noch beschrieben bie fleißigen Filet-
Truppentheile bet Fuß Artillerie bleibt der General-Inspektion der Artillerie mit der Maßgabe übetlaffen, daß der 18. September im Allgemeinen als Entlassungstag sestzuhalten ist. Die Entlaffung der zu halbjähriger Dienstzeit ausgehobenen Ttainsoidaten erfolgt am 30. Oktober d. I., beziehungsweise 30. ? pril k.J, die der Oekonomie- Handwerket am 30. September d. I. Diejenigen Mann« schäften, mit Einschluß der Oekonomie Handwerker, welche in den Monaten Juli bis einschließlich September 1872 Behufs Ergänzung von Truppentheilen des ehemaligen Be- satzungsheeres vorzeitig eingestellt worden, dürfen nach Ablauf ihrer dreijährigen aktiven Dienstzeit bi« zu den vorstehend allgemein festgesetzten EntlaffungSfristen auf Grund des Gesetze« vom 9. November 1867 als noth- wenbige Verstärkung mit der Maßgabe im Dienste behalten werden, daß die über ihre dreijährige aktive Dtenstver- pflichtung hinaus bei den Fahnen abgeleistete Dienstzeit für eine Hebung im Referveverhältniß zu rechnen ist. Beurlaubungen von Mannschaften zur Disposition der Truppentheile finden zu den allgemeinen Entiaffungsfristen in so weit Statt, daß Rekruten in den gleich näher anzu- gehenden Zahlen eingestellt werden können. WaS die Ein- stellung der Rekruten betrifft, fo find zum Dienste mit der Waffe einzustellen: bei den Bataillonen der älteren Garde Infanterie, mecklenburgischen Jntanterie-Regimenter und dem mecklenburgischen Jäger-Bataillon Nr. 14 je 225 Rekruten, bei den übrigen Bataillonen ber Infanterie, Zager und Schützen je 190, bei dem Cavallerie-Regiment mindestens 150, bei den reitenden Batterien mindestens je 25, bei den übrigen Felddatterien mindestens je 30, bei dem Fußartillerie Regiment Nr. 15 und dem zweiten Bataillon be« rheinischen Fußartillerie-RegimentS Nr. 8 pro Bataillon 200. bei den übrigen Kußartillerie Bataillonen, den Pionier Bataillonen und dem Eifenbahn-Bataillon je 160, bei jeder Train Compagnie zu dreijähriger Dienstzeit mindesten« 15, zu halbjähriger Dienstzeit im Herbst diese« und Frühjahr künftigen Jahre« je 44 Rekruten. An Handwerkern jeder Waffe haben sämmtliche Truppentheile mindesten« ein Drittel der etatmäßigen Zahl einzustellen. Rückstchtlich etwaiger Zahlen-Modificationen bei einzelnen Truppen kann da« Kriegsministertum Anordnung treffen. Die Einstellung der Rekruten zum Dienste mit der Waffe erfolgt bei sämmtlichen Truppentheilen nach näherer Anordnung der betreffenden General Commandos in der Zeit bi« 6. November 1885, die der im nächsten Frühjahr ein« zustellenden Trainsoldaten am 1. Mai 1876. Die für die Unteroffizierschulen unb Landwehrstämme sowie die al« Oekonomie - Handwerker auszuhebenden Rekruten sind am 1. Oktober d. I. einzustellen. So weit es bei der Kavallerie und reitenden Artillerie die Z>hl der Übungs- Pflichtigen Reserven unb der zur Disposition beurlaubten
nabeln ihre regelmäßigen Kurven, dann fingen ste an, sich langsamer, immer langsamer zu bewegen, — bi« die kleine Maschine plötzlich stillftand, und bie beiden Hebel außer Trieb gesetzt unthStig in den Schooß hinabsanken. — Nicht etwa war e« ein leichter Schlummer, der eben so Plötz.ich über bie Wärterin gekommen war; — sie hatte sich nur in ihren Sessel zurückgelehnt, und schien ins Leere zu starren. Mer ihre Gedanken mußten in voller Tätigkeit sein, denn ste wiegte leise ihr Haupt, daß ihre grauen Locken in lebhafte Schwingungen wurden, und lächelte dazwischen, ja lachte ein paar Mal unterdrückt so stark, daß ihr Oberkörper leise erzitterte. — Vergeben« versuchte sie dazwischen, die beiden Hebel wieder in Bewegung zu setzen; e« gelang ihr nicht, den Willen zur That zu gestalten, und sie mußte so vollständig mit dem, was sie bewegte, beschäftigt sein, daß sie die Kranke be nah zu vergessen schien.
E« hätte ihr sonst auffallen muffen, daß bie langen braunen Wimpern, welche eben noch fo breit auf den bleichen Wangen ruhten, nach und nach um die Hälfte schmäler geworben waren, und daß ste Raum genug frei ließen, um einen kleinen, aber deutlichen Schimmer de« Auge« zu verrathen, daö sie zu bedecken Vorgaben. Aber svon im nächsten Augenblick war dieser Schimmer verschwunden, unb die langen braunen Wimpern lagen wieder schützend auf den bleichen Wangen der Kranken.
E« war ber alte Baron, der plötzlich leise in’« Zim- mer unb an ba« Bett seiner Nichte getreten war. „Wie -ruhig sie schläft," sagte er halblaut zu Frau v. Bardeck.
„Sie schlief schon, al« ich zu ihr zurückkehtte," antwortete diese in gleicher Art.
„Desto bester," flüsterte auch der alte Mann, schob stch vorsichtig einen Stuhl in die Nähe der Freundin und begann seinerseits den Kopf zu schütteln unb zu kichern